Kränkungen – seelische Verletzungen

Warum sind wir manchmal schnell gekränkt und was können wir dagegen tun? Dieser Lebenshilfe-ABC-Beitrag gibt Informationen zum Umgang mit Kränkungen.

Kränkungen – seelische Verletzungen

Niemand ist geschützt vor Kränkungen und verletzten Gefühlen. Wenn wir uns gekränkt fühlen, fühlen wir uns klein, nicht ernst genommen, missachtet, zurückgewiesen. Manchmal geschieht eine Kränkung unabsichtlich, manchmal bewusst. Warum sind wir manchmal schnell gekränkt, und was können wir dagegen tun?

Was ist eine Kränkung?

Eine Kränkung ist ein Gefühl, das wir als Reaktion auf ein bestimmtes Verhalten oder ein unterlassenes Verhalten empfinden, das wir als Zurückweisung und als persönliche Nichtachtung einordnen. Eine Kränkung stellt uns gefühlt als Person in unseren Werten oder unserem Sein in Frage. Kränkungen hinterlassen daher oft seelische Wunden und Verletzungen. 

Manchmal geschehen Kränkungen bewusst, z. B. in oder nach einem Streit. Manchmal "passieren" sie unbewusst, etwa durch Unachtsamkeit. Hinter absichtlich kränkendem Verhalten können sich Motive verbergen wie ein geringes Selbstwertgefühl, Neid, Rache oder Wut.

Welche Verhaltensweisen lösen Kränkungen aus?

Kränkungen können wie Giftpfeile für Psyche und Seele sein in Form von 
•    ungerechtfertigter Kritik, 
•    beleidigenden Bemerkungen, 
•    Bosheiten, 
•    Demütigung, 
•    Bloßstellung, 
•    Tadel, 
•    Übergangenwerden, 
•    Übersehenwerden, 
•    abschätzigen Blicken, 
•    Zurückweisungen oder
•    Liebesentzug.
 

Wie erleben wir Kränkungen?

Kränkungen empfinden wir als einen Angriff auf unser Selbstwertgefühl und unsere Persönlichkeit. 

Bei einer Kränkung fühlen wir uns immer in unserer gesamten Person bedroht. Wir beschreiben das mit Worten wie: "Der andere verletzt meine Ehre, trampelt auf meinen Gefühlen herum, putzt mich herunter, bricht mir das Herz."

Wiederholte Kränkungen, die sich in einer Art Dynamik entwickelt haben, nehmen uns umso stärker mit, oder lassen uns nach einer Zeit sogar emotional abstumpfen. Wenn sie von uns nahestehenden Menschen, z. B. unseren Eltern oder unserer Partnerin oder unserem Partner ausgehen, haben sie eine intensivere Wirkung. Wir erleben seelische Schmerzen, fühlen uns ausgeschlossen, vielleicht sogar bedroht, gestresst und ängstlich oder traurig. Je nachdem können wir unmittelbar keinen klaren Gedanken mehr fassen. 

Meist spüren wir die Kränkung auch körperlich: einen Kloß im Hals, einen Stich im Magen, Anspannung oder Druckgefühle. Fühlen wir uns sehr häufig gekränkt und persönlich verletzt, kann das zu psychosomatischen Beschwerden führen. Auch hängen Psyche und Schmerzempfinden eng miteinander zusammen. 

Warum fühlen wir uns persönlich angegriffen und gekränkt?

Menschen sind soziale Lebewesen, daher wollen wir schon als Kinder gerne "dazugehören", wir wünschen uns Anerkennung und sind emotional einfach verletzlich. Niemand ist also geschützt vor Kränkungen und verletzten Gefühlen, wir alle können sie erleben und haben es sicher schon getan. Wir erleben sie nur auf unterschiedliche Weise und werden durch andere Auslöser "getriggert". 

Sagt oder tut jemand etwas, durch das wir uns gekränkt und verletzt fühlen, dann geschieht das deshalb, weil wir ihr oder sein Verhalten als kränkend und beleidigend ansehen. Das heißt, wir fügen uns eigentlich selbst die Kränkung zu, indem wir die Worte eines anderen Menschen als kränkend und verletzend bewerten und empfinden. Wenn wir uns gekränkt fühlen, tut es jemand anders vielleicht beim gleichen Verhalten nicht. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns ein Verhalten nur "einbilden", sondern einfach, dass es auf uns kränkend wirkt. Natürlich gibt es auch Verhaltensweisen, die auf unterschiedliche Menschen in gleicher oder ähnlicher Weise wirken. 

Unsere Verletzbarkeit hängt in hohem Maß, jedoch nicht ausschließlich, von unserem Selbstwertgefühl ab. Ist es gering oder angeschlagen, empfinden wir viele Äußerungen als respektlos und demütigend. Wir fühlen uns rasch angegriffen und verletzt, weil wir Worte anderer leicht auf uns beziehen und persönlich nehmen. Wenn wir uns generell unsicher fühlen, zweifeln wir durch eine erlebte Kränkung unter Umständen noch mehr an uns. 

Schon Siegmund Freud prägte den Begriff der narzisstischen Kränkung, die geschieht, wenn wir uns in unserem Selbstwert angegriffen fühlen. Narzisstisch veranlagte Menschen sind leichter kränkbar und reagieren nicht immer angemessen. Als Reaktion auf eine erlebte Kränkung kann sich narzisstische Wut zeigen. 

Wenn wir besonders verletzlich, vielleicht sogar hochsensibel sind, nehmen wir uns ein Fehlverhalten besonders zu Herzen. Wie wir darauf reagieren, bleibt allerdings weiterhin individuell. Verletzlichkeit und Kränkbarkeit sind also nicht unbedingt immer dasselbe, auch wenn Hochsensible sich vor ungünstigen äußeren Einflüssen besonders schützen müssen.   

Wenn wir es nicht gewohnt sind, Grenzen zu setzen, und uns Reize leicht überwältigen, können uns Kränkungen unter Umständen eher und tiefer treffen. Wenn wir nach außen hin verletzlich wirken, wird je nach Gegenüber vielleicht weniger Rücksicht auf uns genommen. Wenn wir uns nicht auf angemessene Weise schützen oder keine passenden Signale senden, kann das ebenfalls falsch verstanden werden.

Typische negative Reaktionen auf eine Kränkung

Jeder geht emotional anders mit einer Kränkung um. Viele Menschen wählen jedoch erst einmal eine der drei folgenden Reaktionen:

  • Die einen treten den Rückzug an, sie zeigen dem Kränkenden fortan die kalte Schulter und brechen den Kontakt ab. Sie spielen quasi die beleidigte Leberwurst. Die Folge: Die Beziehung zum anderen ist angegriffen oder sogar ruiniert. Distanz zu einer kränkenden Person kann allerdings auch eine bewusste und heilsame Entscheidung sein. 
  • Andere handeln nach dem Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung" oder "Rache ist süß". Sie wollen den Angreifer verletzen und es heimzahlen. Sie fordern Genugtuung und Reue vom Kränkenden. Die Folge: Die Konflikte eskalieren, und die Fronten verhärten sich.
  • Wieder andere reagieren auf Kränkungen auch mit Selbstmiteid. Sie bedauern sich, fühlen sich in der Opferrolle, können die erlittene Kränkung jedoch weder vergessen, noch verzeihen. Die Folge: Die ständige Erinnerung daran vergiftet die eigenen Gefühle, und so fügen sie sich selbst immer wieder neue seelische und körperliche Schmerzen zu.

Anleitungen zum positiven Umgang mit seelischen Verletzungen und Kränkungen

1. Treten Sie zunächst einen Schritt zurück 

Schaffen Sie (mindestens innere und, wenn nötig, äußere) Distanz. Reagieren Sie nicht reflexartig, lassen Sie das Geschehene sich erstmal setzen. Atmen Sie tief durch. Gestehen Sie sich ein, dass Sie sich gekränkt fühlen, und lassen Sie dieses Gefühl erstmal stehen und zu. Gehen Sie nicht sofort in die Bewertung, beobachten Sie zunächst, wie es Ihnen geht, und akzeptieren Sie den aktuellen Zustand. 

2. Fragen Sie nach, was gemeint war.

Das insbesondere, wenn es sich um eine Ihnen nahestehende Person oder jemanden handelt, der oder die für Sie wichtig ist.

3. Teilen Sie sich Ihrem Gegenüber mit.

Sagen Sie, wenn Sie sich hierzu austauschen möchten, wie Sie sich fühlen. Das kann zusätzlich zu einer Klärung beitragen. 

4. Fragen Sie sich im anderen Fall, ob es sich lohnt, auf die Kränkung einzusteigen. 

Lohnt es sich, sich mit der Kränkung auseinanderzusetzen? Unwürdiges Verhalten bedarf grundsätzlich keiner Würdigung und darf getrost ignoriert werden (womit nicht zwingend gemeint ist, den Kontakt als Ganzes zu meiden oder sich beleidigt zurückzuziehen). Meist weiß der oder die Kränkende selbst, dass ein Verhalten nicht angemessen war. 

5. Überlegen Sie sich die Motive hinter dem kränkenden Verhalten. 

Das bedeutet: Machen Sie sich klar: Die oder der andere ist vielleicht neidisch, unzufrieden usw. Was sie oder er sagt oder tut, ist Ausdruck der eigenen persönlichen Probleme. 

6. Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl. 

Die Gleichung ist ganz einfach: Je geringer Ihr Selbstwertgefühl ist, desto eher fühlen Sie sich angegriffen und verletzt. Je stärker Ihr Selbstwertgefühl ist, desto mehr können Sie über den "verletzenden" Worten und Taten anderer stehen, und desto immuner sind Sie gegen Kränkungen. Erinnern Sie sich daran, dass die Meinung oder Handlung von jemand anderem Sie als Mensch nicht abwerten kann.

7. Setzen Sie Grenzen. 

Wenn Ihnen jemand zu nahe getreten ist und Sie angegriffen hat, oder Sie sich durch die Person in Ihrem tiefsten Kern verletzt fühlen, setzen Sie eine deutliche Grenze. Das tun Sie einerseits durch eine selbstbewusste ruhige Ausstrahlung, andererseits durch Signale, die beim Gegenüber ankommen. Vermeiden Sie etwa Kontakte zu Menschen, die Sie leicht kränken, wenn Sie merken, dass das für Sie besser ist, schweigen Sie bewusst und überlassen Sie den anderem seinem oder ihrem Verhalten, antworten Sie knapp und bestimmt, ohne zu viele Worte zu verlieren, lassen Sie Ihren Blick sprechen, oder sagen Sie einfach stop! Zeigen Sie Größe, und beschwichtigen Sie, wenn Sie merken, dass die Situation aus dem Ruder läuft (was nicht bedeutet, gutzuheißen), oder verlassen Sie das Geschehen. Grenzen zu setzen, ohne Drama zu erzeugen, ist eine Kunst, spart Energie, und hat die nötige Wirkung – auf andere und uns selbst. 

8. Prüfen Sie, welche Bedeutung dieses Ereignis für Ihr Leben hat.

Ist es so wichtig, dass es sich lohnt, darüber lange Zeit gekränkt zu sein? Überlegen Sie: Könnte es sein, dass Ihr Gegenüber einen wunden Punkt bei Ihnen getroffen hat und Sie gar nicht verletzen wollte?

9. Seien Sie bereit zu verzeihen.

Die wenigsten Menschen sind in der Lage, nach einer Kränkung zu verzeihen und das Ereignis zu vergessen – egal, wie lange es schon zurückliegt. Die für unser emotionales Befinden beste und schwierigste Art, mit Kränkungen umzugehen, besteht jedoch genau darin, uns auszusöhnen, sofern es sich grundsätzlich um ein verzeihbares Verhalten handelt, und unser Gegenüber uns (noch) wichtig genug ist. Das ist ein längerer Prozess und erfordert viel innere Stärke. Dabei geht es um inneren Frieden und den Erhalt einer Beziehung, sofern wir sie noch retten können und wollen. Wenn wir Kinder beobachten, die jeden Moment neu und frisch wahrnehmen, können wir uns hier etwas abschauen. Sie scheinen eine Resettaste zu drücken und nachtragendes Verhalten von Erwachsenen nicht nachvollziehen zu können. Es geht aber selbstverständlich nicht darum, immer neue Kränkungen "einzustecken", wenn sie schon vorhersehbar sind. Verzeihen und dem anderen "viel Glück" wünschen können wir auch, wenn wir uns abgrenzen. 

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