Die Trennung akzeptieren und wieder nach vorne schauen

Leseprobe aus dem Ratgeber "Wenn der Partner geht": Wenn man über die Trennung hinweg ist: Neuorientierung nach einer Trennung.

Die Trennung akzeptieren und wieder nach vorne schauen
© PAL Verlag, unter der Verwendung eines Fotos von Christopher Sardegna, unsplash.com

Leseprobe Kapitel 5

Die endgültige Lösung von der vergangenen Partnerschaft ist ein schwieriger Schritt.

Die Loslösung umfaßt mehrere Schritte: Sie bedeutet das Aufgeben der Liebe und der Sehnsucht nach dem Expartner, das Aufgeben der Wut und des Hasses auf den Expartner, das Aufgeben der gedanklichen Beschäftigung mit dem Expartner und das Aufgeben des Redens über ihn.

Sie bedeutet das langsame Ersetzen des Gedankens "Nie mehr kannst du, nie mehr wirst du mit ihm ... tun." durch den Gedanken "Ich kann und werde das ... und das ... für mich tun.". Sie bedeutet das Suchen neuer Ziele und das Knüpfen neuer Kontakte.

Besonders in den Zeiten mit vielen Problemen und Selbstzweifeln neigen wir noch dazu, uns all die schönen Dinge, die wir in der Partnerschaft hatten, zurückzurufen: "Wenn ich nur jemanden hätte, der sich um mich sorgen würde.".

Wir denken an die schönen Zeiten, in denen der Expartner uns Geschenke machte oder sich intensiv um uns kümmerte. Bei gesellschaftlichen Einladungen erinnern wir uns daran, dass "wir damals nicht fünftes Rad am Wagen waren".

Bei finanziellen Schwierigkeiten wünschen wir uns den Expartner zur finanziellen Unterstützung.

An Feiertagen sehen wir Paare spazierengehen und sitzen traurig allein zuhause. Wenn wir erfahren, dass unser Expartner mit einer neuen Partnerin glücklich gesehen wurde, kommen Selbstzweifel, aber auch Haß, Eifersucht und Mißgunst auf. Mißgunst ist dabei immer ein Ausdruck davon, dass wir an uns selbst zweifeln und uns "beraubt" sehen.

Wir glauben, nicht genug zu haben, oder nicht zu haben, was der Expartner schon wieder hat. Wir hassen den Expartner, weil wir "wegen ihm" jetzt alleine zuhause sitzen und uns unglücklich fühlen. Ja, vielleicht hassen wir sogar alle Männer bzw. Frauen.

Häufig haben wir auch den Wunsch, zum Expartner wenigstens eine freundschaftliche Beziehung zu halten. Aber dieser Wunsch macht uns die Loslösung erst recht schwierig. Wir beginnen, uns wieder hoffnungsvolle Gedanken zu machen, und der Ärger über das Verlassenwerden wird unterdrückt.

Deshalb halte ich es für empfehlenswert, dass Sie in der frühen Phase der Trennung keine Freundschaft zu Ihrem Expartner aufrechterhalten. Warten Sie damit, bis Sie sich von ihm innerlich endgültig freigemacht haben.

Warten Sie damit, bis Sie nicht mehr "das Gefühl haben, ihn unbedingt für Ihr Glück zu benötigen". Der Versuch, Freunde zu bleiben, wird Ihren Loslösungsprozeß nur verzögern. Vielleicht gefährdet er sogar die Möglichkeit, später eine gute freundschaftliche Beziehung zu entwickeln.

Während die einen nach der Trennung klammern und auf keinen Fall den Expartner aus den Augen verlieren wollen, wollen andere ihm nie mehr in ihrem Leben begegnen.

Am liebsten würden sie an den entferntesten Punkt der Erde auswandern und jegliche Erinnerung unterbinden. Sie erhoffen, sich damit den Schmerz zu ersparen.

Doch da der Schmerz durch die Erinnerungen und die in Gedanken gespeicherten Erwartungen und Wünsche entsteht, können sie ihm nicht entrinnen.

Ein Umzug in eine andere Stadt ist nur dann sinnvoll, wenn man dort eine Stelle antritt, die man immer schon haben wollte, oder eine Wohnung findet, die einem gut gefällt. Der Umzug zurück in den Heimatort oder zu alten Freunden kann hilfreich sein.

Doch niemand kann seinen Gefühlen entrinnen. Alle Gedanken, Erfahrungen und Gefühle tragen wir mit uns. Diese verschwinden nicht durch einen Orts- oder Stellenwechsel.

Das Zusammentreffen mit gemeinsamen Freunden und das Aufsuchen von Orten, die mit gemeinsamen Erinnerungen verknüpft sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt sogar sehr hilfreich sein, um endgültig Abschied zu nehmen.

Bevor wir uns daran machen können, Zukunftspläne zu entwickeln, und offen sind für neue Freunde und neue Erfahrungen, müssen wir eine Lösung für folgende Fragen finden:

Wie kann ich mich loslösen?
Wie höre ich auf, den Partner zu lieben?
Wie höre ich auf, den Partner zu hassen?
Wie kann ich Frieden mit der Vergangenheit schließen?

Sehnsucht, Haß und gedankliche Beschäftigung mit dem Expartner sind Anzeichen dafür, dass Sie noch in der Vergangenheit leben. Dieses Vergangenheitsdenken blockiert Sie in allen zukünftigen Aktivitäten und führt zu großen Selbstzweifeln.

Loslösen heißt nicht, den Expartner und die Erfahrungen der Vergangenheit zu vergessen. Das wäre schade, sondern es heißt, ohne heftige Gefühlsausbrüche an die Vergangenheit denken zu können. Loslösung heißt, das Bilderalbum umblättern zu können mit dem Gedanken: "Das war die Zeit mit ihm.

Es gab schöne Erfahrungen und unangenehme. Die Partnerschaft ist zu Ende gegangen, weil ... . Sie war ein wichtiger Teil in meinem vergangenen Leben. Heute beschäftige ich mich mit ... und sehe das so ... und so ...".

Wenn Sie nach Ihrer Trennung Ihren Arbeitsplatz erhalten oder einen neuen Arbeitsplatz finden konnten und viele Freunde an Ihrer Seite haben, dann erleichtert das Ihre Loslösung sehr.

Aber auch wenn Sie all das nicht haben, können Sie es schaffen. Sie können Ihre Abhängigkeit und Bezogenheit auf den Expartner aufgeben, so wie Sie es wahrscheinlich auch bei Ihren Eltern geschafft haben. Sie können lernen, Ihre innere Leere zu füllen.

Wie können Sie sich endgültig von der Liebe und Sehnsucht nach Ihrem Expartner befreien?

1. Wenn Sie noch Liebe für Ihren Expartner empfinden, akzeptieren Sie dieses Gefühl. Aber erlauben Sie sich nicht, dass das Denken an ihn Ihre Gefühle und Ihr Leben vollkommen bestimmt.

Sich darauf zu konzentrieren, warum Sie seine Liebe nicht mehr haben können, verstärkt Ihre Selbstzweifel.

Für einige Menschen bringt das Nicht-Lösen von dem Expartner Vorteile. Sie nutzen ihre "konservierte" Liebe als Entschuldigung, keine weiteren Schritte in ihrem Leben unternehmen zu können.

Solange sie sagen: "Ich liebe ihn immer noch", schützen sie sich vor einer möglichen neuen Enttäuschung. Sie machen es sich unmöglich, sich neu zu verlieben und andere Menschen an sich herankommen zu lassen. Sie halten sich in der Beziehung gefangen und sind dadurch nicht offen für eine neue Beziehung.

>>> Weiterlesen im Ratgeber Wenn der Partner geht

Weitere Leseproben:

Einleitung

Kapitel 1
Die 4 Phasen der Trennungserfahrung

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