Belastende Gefühle kann man überwinden und gute Gefühle trainieren, indem man sich den Einfluss der Gedanken auf die Gefühle zunutze macht.
Wie das geht, das zeigt dieser Selbsthilfe Ratgeber der Psychologen Wolf und Merkle.
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Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin
Die meisten von uns haben, wenn sie an ihren Ruhestand denken, einen ganz konkreten Zeitpunkt im Kopf, an dem sie in Ruhestand gehen können. Auf diese Phase in ihrem Leben arbeiten sie hin und freuen sich darauf.
Ganz anders ist es, wenn wir von unserem Arbeitgeber vorzeitig entlassen werden oder aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente gehen müssen. Dann ist dies quasi keine freiwillige Entscheidung von uns und wir fallen aus der zeitlichen Norm. In diesem Fall tun wir uns erheblich schwerer, unseren Ruhestand zu akzeptieren, geschweige denn, uns darüber zu freuen. Zum einen haben wir all die Veränderungen zu verkraften, die ich in meinem Artikel Tipps für den Ruhestand beschrieben habe. Zum anderen können wir uns durch unsere negative Haltung unsere Situation auch noch zusätzlich erschweren.
Wenn uns der Ruhestand vorzeitig verordnet wird und wir noch weiter arbeiten wollten, dann benötigen wir einige Zeit, um uns mit der neuen Situation zu arrangieren. In dieser Zeit sehen wir den Ruhestand, uns und die Zukunft sehr negativ:
Die Folgen dieser Selbstzweifel und negativen Gedanken schlagen sich in unserem Körper, unserer Seele und unserem Verhalten nieder.
Beginnen Sie bei Ihrer Einstellung zu sich.
Wie andere Menschen Sie sehen, ob diese Sie wegen Ihrer Berentung negativ sehen und ablehnen, darauf haben Sie keinen Einfluss. Wahrscheinlich werden Sie auf die unterschiedlichsten Haltungen stoßen: auf Neid, dass Sie schon aus der beruflichen Tretmühle raus sind ..., auf Missgunst, dass Sie sich auf Kosten anderer ausruhen, auf Mitleid, dass Sie nicht mehr arbeiten dürfen oder können, oder auf Ablehnung, weil andere Sie als schwach oder unfähig ansehen. Entscheidend ist, dass Sie sich selbst nicht fallen lassen und ablehnen. Sie haben lediglich das Arbeitsleben in dieser Form abgeschlossen. Ihre Qualitäten, Ihre Erfolge und Talente bleiben erhalten. Sie können durchaus auch jetzt noch etwas für die Gesellschaft beitragen wenngleich nicht mehr das, was Sie bisher gemacht haben.
Lernen Sie, das Verhalten Ihrer Firma zu akzeptieren.
Versetzen Sie sich in die Position Ihres Chefs. Wie hätten Sie sich an seiner Stelle verhalten? Hat er eine Alternative zu Ihrer Entlassung gehabt? Welche äußeren Gründe haben dazu beigetragen, dass er sich so verhalten hat? War es tatsächlich ein Schlag gegen Sie persönlich?
Überlegen Sie, welche Folgen Ihr Hadern und Nicht-Akzeptieren für Sie haben. Können Ihr Leiden und Ihre Wut die Gerechtigkeit wiederherstellen? Wie wäre es, wenn Sie die Entscheidung akzeptierten auch wenn Sie ungerecht, fies, rücksichtslos, hinterhältig, egoistisch, gemein, ... war? Nur um Ihrer selbst willen! Ersetzen sie den Gedanken: „ Wie können die mich nur so behandeln“ durch „Welche Möglichkeiten stehen mir nun noch offen? Was kann ich beeinflussen?“
Lernen Sie, zu akzeptieren, dass Sie erkrankt sind und deshalb nicht mehr arbeiten können.
Es ist ganz normal, dass Sie zunächst gegen Ihre Erkrankung ankämpfen und nach Ursachen für sie suchen. Doch Sie werden wahrscheinlich keine ausreichende Erklärung finden können. Nutzen Sie stattdessen Ihre Energie dafür, was Sie jetzt noch an Möglichkeiten haben, sich zufrieden fühlen zu können. Ersetzen sie den Gedanken: „Warum nur ich“ durch „Welche Möglichkeiten stehen mir nun noch offen?“
Entwickeln Sie einen neuen Lebensentwurf.
Wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich immer irgendwo eine neue Tür. Suchen Sie gezielt nach dieser Tür. Fragen Sie sich: Was fehlt mir in dieser neuen Situation? Wie kann ich die Lücke vollkommen oder zumindest zum Teil schließen?
Holen Sie sich Unterstützung.
Vielleicht haben Sie das Gefühl, Sie seien der einzige Mensch, der mit seinem vorzeitigen Ruhestand nicht klar kommt. Dem ist jedoch nicht so. In unserer Gesellschaft ist es gang und gäbe, dass wir uns über unsere Arbeit definieren. Bricht sie weg, geraten wir leicht in eine emotionale Krise. Bleiben Sie deshalb nicht mit Ihren Gedanken und Gefühlen allein. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber. Oder nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, z.B. bei Nakos oder zu einem Psychotherapeuten auf. Insbesondere dann wenn Sie Selbstmordgedanken haben oder täglich zum Alkohol greifen, sollten Sie sich eine therapeutische Unterstützung holen. Die Kosten einer Psychotherapie werden von den Krankenkassen übernommen.
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