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Neid und Missgunst

Tipps von Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Neidisch wollen die wenigsten Menschen sein, jedoch steht Neid hinter vielen destruktiven Verhaltensweisen. Da versucht z.B. der Bruder seine Schwester immer wieder mit Worten klein zu machen und abzuwerten, weil er ihr ihren beruflichen Erfolg neidet. Ein Nachbar streut heimlich Reißnägel auf die Straße, in der Hoffnung, dass der Nachbar, der sich schon wieder ein neues Auto leisten konnte, hinein fährt und einen Platten bekommt. Weil die Schwester glaubt, dass ihr Bruder von den Eltern einseitig bevorzugt wird, hat sie den Kontakt zu ihrem Bruder gänzlich abgebrochen und ist voller Hass auf ihn.

Wer neidisch ist und sich dies eingesteht, verteidigt den Neid entweder als berechtigt oder schämt sich deswegen. Ich möchte hier nicht darüber diskutieren, ob Neid angemessen oder berechtigt ist, bzw. ob man sich erlauben darf, neidisch zu sein, oder nicht. Ich möchte stattdessen die Frage in den Raum stellen, ob Neid sich für Sie gut anfühlt und ob Sie sich neidisch fühlen möchten?

Rufen Sie sich einmal in Erinnerung, wie Sie sich fühlen, wenn Sie neidisch sind?

Die meisten Menschen erleben Neid wie eine giftige, nagende Stimme, die ihnen einflüstert, dass sie zu kurz kommen und benachteiligt werden, und ihre Zufriedenheit raubt. Wenn wir neidisch sind, dann nehmen wir uns selbst die Lebensfreude weg, können nicht genießen, was wir besitzen und bekommen.

Sollten Sie sich dafür entscheiden, Ihre Neidgefühle abbauen zu wollen, dann möchte ich Ihnen einige Strategien vorschlagen. Sie können Ihren Neid beeinflussen, weil er durch Ihre Gedanken und nicht durch eine bestimmte Situation oder bestimmte Menschen entsteht. Wäre es nicht schön, mehr Zeit in innerem Frieden und Zufriedenheit zu verbringen?

7 Tipps, um Neidgefühle zu überwinden

Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie besitzen.

Sich mit anderen zu vergleichen, ist menschlich und kann Ihnen dabei helfen, sich weiterzuentwickeln. Wenn Sie hingegen nur nach anderen schielen und nur noch Ihren Mangel sehen, dann übersehen Sie Ihren Reichtum. Und es wird auch immer jemanden geben, der mehr ... hat oder in ... besser ist als Sie. Sie können niemals gewinnen.

Besser ist es für Sie, wenn Sie sich nur mit sich vergleichen. Schauen Sie danach, was Sie bisher in Ihrem Leben erreicht und gelernt haben. Honorieren Sie Ihre Erfolge, Ihre Erkenntnisse, Ihre Leistungen und generell Ihren Lebensweg.

Fühlen Sie sich angestachelt, das zu erreichen, worum Sie den anderen beneiden.

Sich mit anderen vergleichen ist grundsätzlich nicht schlecht oder schädlich. Ob das mit anderen vergleichen schädlich für uns ist, hängt von den Schlussfolgerungen ab, die wir aus dem Vergleich ziehen.

Wenn ich sehe, ein anderer hat mehr Geld, Ansehen oder Erfolg, dann kann ich mich bedauern und bemitleiden, den anderen beneiden, mich über mich selbst ärgern, dass ich es nicht so weit gebracht habe, mich darüber beklagen, dass das Leben und das Schicksal so ungerecht ist, deprimiert sein, an mir zweifeln, mich dafür ablehnen und verurteilen, mich als Versager sehen.

Ich kann mich vom Erfolg und Ansehen des anderen aber auch als angestachelt fühlen und mich fragen: Wie macht der andere das? Was kann ich tun, um mehr Erfolg und Ansehen zu bekommen? Was muss ich lernen und tun, um dahin zu kommen, wo der andere ist?

Seien Sie dankbar für das, was es in Ihrem Leben gibt.

Beginnen Sie damit, jeden Tag 5 Minuten darauf zu verwenden, sich zu überlegen, wofür Sie heute dankbar sein können. Am besten, Sie legen sich ein kleines Notizbuch an, in dem Sie jeden Tag 5 Dinge notieren, für die Sie sich bedanken. Das kann z.B. ein nettes Gespräch, eine schöne Blume am Straßenrand, eine gute Tat oder eine Aufgabe, die Sie endlich erledigt haben, sein. Dankbarkeit macht zufrieden.

Gönnen Sie anderen ihren Besitz, ihre Fähigkeiten und all das, was sie bekommen.

Neid entsteht, wenn Sie dem anderen nicht gönnen, was er hat. Sie verbieten ihm das, worum Sie ihn beneiden, aus dem einfachen Grund, weil Sie es selbst nicht haben. Aber mit welchem Recht? Und um welchen Preis? Durch Ihre Missgunst können Sie es schließlich auch nicht herbeizaubern, sondern bestrafen sich doppelt, indem Sie sich Ihre Lebensfreude rauben.

Begegnen Sie deshalb dem anderen mit der Haltung: „Es ist schön, dass du ... hast oder bekommst. Ich gönne es dir, auch wenn ich es gerne auch haben möchte.“

Überlegen Sie, welche Vorteile es für Sie hat, das nicht zu besitzen, worum Sie andere beneiden.

Dieser Vorschlag mag zunächst sehr absurd für Sie klingen. Haben Sie doch die ganze Zeit nur den Vorteil gesehen, den der andere im Gegensatz zu Ihnen hat. Doch es gibt immer auch eine Rückseite der Medaille. Beispielsweise könnte es so sein, dass der Beneidete kaum Zeit für seine Familie hat, weil er fast nur im Büro zu finden ist. Oder aber der Bruder, der von den Eltern bevorzugt wird, muss auch ständige Telefonate und Bevormundung durch die Eltern aushalten.

Was also könnte die Rückseite Ihrer Medaille sein? Was könnte Ihr Gewinn sein? Unterstützung von Freunden, weniger Verantwortung, mehr Freizeit, ....?

Entwickeln Sie die Einstellung, dass auch Sie ein Stück vom Kuchen haben können.

Neid ist deshalb so bedrohlich, weil Sie davon ausgehen, dass der andere etwas hat, was Sie niemals mehr bekommen können. Aber ist dies wirklich so? Sind die Chancen für Sie für immer vertan?

Konzentrieren Sie sich nicht darauf, was Ihnen fehlt oder entgangen ist, sondern darauf, welche Möglichkeiten Ihnen offen stehen. Suchen Sie nach Wegen, wie Sie auch von dem verlockenden „Apfelbaum“ naschen können. Es gibt z.B. immer neue berufliche Möglichkeiten und neue Menschen zum Kennenlernen.

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Leben ausgefüllt ist.

Wenn Sie nur unausgefüllt und untätig zuhause herumsitzen, dann sind die Chancen groß, dass Ihre Gedanken zu den Menschen schweifen, die aus Ihrer Sicht vermeintlich zufrieden sind.

Überlegen Sie sich deshalb, mit welchen Menschen und mit welchen Aktivitäten Sie Ihr Leben anfüllen können. Wie können Sie sich mehr Zufriedenheit, Spaß und Freude in Ihr Leben holen? Was konkret können Sie dafür tun? Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben. Werden Sie aktiv und gestalten Sie Ihr Leben.

Der Neid ist sein eigener Folterknecht
Sprichwort

© 2011 PAL Verlag - Neid - Missgunst
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