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Loslassen alter Kränkungen

Kapitel 12 Ratgeber: Ab heute kränkt mich niemand mehr

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Im Volksmund spricht man davon, dass die meisten Menschen ein paar "Leichen" im Keller haben. Gemeint sind damit meist Dinge, die noch nicht und nicht zur Zufriedenheit erledigt sind.

Die "Leichen" sind noch nicht begraben, es herrscht noch keine Ruhe.

Ähnlich ist es mit Kränkungen. Manchmal liegen Kränkungen schon Jahre oder Jahrzehnte zurück und beeinflussen uns immer noch stark.

Unsere Vorwürfe, unsere Verbitterung und unsere Wut richten sich gegen unsere Eltern, Lehrer, Geschwister, Freunde oder auch Gott und das Schicksal.

Sie beziehen sich auf Personen, die noch leben oder bereits verstorben sind. Sie betreffen ein einzelnes Ereignis oder jahrelange schmerzliche Erfahrungen.

Elisabeth Kübler-Ross verwendet in ihren Büchern den Begriff "unerledigte Geschäfte", der mir sehr gut gefällt.

Wenn wir mit alten Kränkungserfahrungen umherlaufen und sie in unseren Gedanken und Bildern immer wieder wiederholen, dann haben wir auch unerledigte Geschäfte. 

Kränkungen, die wir weder offen ansprechen und klären, noch innerlich bewältigen, können uns sehr viel Energie rauben.

Sie nagen an uns und vergiften unseren Seelenfrieden. Wir verwahren sie quasi in einem Koffer, den wir immer mit uns herumschleppen. Diese schwere Last macht sich äußerlich und innerlich bemerkbar.

Äußerlich: Wir gehen dem anderen aus dem Weg, sind kurz angebunden, "verschnupft", vorwurfsvoll, schnippisch, intrigieren gegen ihn, hetzen gegen ihn, boykottieren die Zusammenarbeit, führen Rachefeldzüge, gehen in die innere Kündigung.

Unbewältigte Kränkungen können dazu führen, dass wir uns von den Menschen generell zurückziehen und zu einem "Menschenhasser" werden.

Können wir den Kontakt nicht vollständig abbrechen, sind wir ihnen gegenüber aggressiv oder sogar gewalttätig. Hinter vielen Amokläufen verbergen sich unbewältigte Kränkungen.

Innerlich: Wir grübeln immer wieder über das Ereignis nach und sind angespannt, deprimiert, ängstlich und verbittert.

Möglicherweise verlieren wir generell das Vertrauen in die Menschheit und den Glauben an die Gerechtigkeit.

Dieser Haß auf die Menschheit kann dazu führen, dass wir uns selbst hassen und Dinge tun, die uns schaden.

Wir entwickeln eine Essstörung, werden zum Alkoholiker, werden promiskuitiv. verletzen uns körperlich, usw.

Kränkungen können sich auch hinter dem Posttraumatischen Belastungssyndrom verbergen. Es ist u.a. gekennzeichnet durch Alpträume, immer wiederkehrende Erinnerungen, ängstliches Vermeiden von Situationen, die an die schlimme Erfahrung erinnern, und erhöhte Erregbarkeit.

Erinnern, das ist vielleicht die qualvollste Art des Vergessens und vielleicht die freundlichste Art der Linderung dieser Qual. Erich Fried

Unerledigte Kränkungen können also sehr starke negative Auswirkungen auf unser gesamtes Leben haben und uns quasi unserer positiven Zukunft berauben.

Wie erklärt es sich also, dass wir uns trotz all dieser sehr negativen Folgen nicht von den Erinnerungen an die Kränkung trennen wollen?

Weshalb wollen wir nicht loslassen und den Koffer abstellen? Weshalb wollen wir dem anderen nicht verzeihen und uns mit dem Schicksal aussöhnen?

Warum können oder besser gesagt, warum wollen wir dem anderen nicht verzeihen?

Nun, ganz einfach, wir geben uns mehr Gründe dafür, die Kränkung aufrechtzuerhalten, als zu verzeihen, oder aber wir wissen nicht, wie wir die Kränkung überwinden können.

Viele meiner Klienten halten ihre Kränkungsgefühle mit folgenden Argumenten am Leben:

Kommen Ihnen einige der Gedanken vertraut vor?

Wenn wir negative Erfahrungen nicht loslassen, dann wollen wir damit etwas bezwecken: Wir wollen unser Gegenüber für sein Verhalten belehren und bestrafen.

Indem wir die Kränkung in uns am Leben erhalten, wollen wir demonstrieren, wie stark er uns verletzt hat.

Wir wollen unseren Selbstwert und unsere Ehre retten, indem wir zumindest innerlich reagieren und grollen.

Wir übersehen dabei jedoch, dass unsere Strategie ganz gehörig daneben gehen kann. Unser Aktion kann einfach so ins Leere laufen: "Außer Spesen nichts gewesen".

Die einzige Sicherheit, die wir dabei haben, ist nämlich, dass wir leiden und es uns schlecht geht. Ob der andere unsere Kränkung überhaupt bemerkt, sich seinen Fehler eingesteht, und dann womöglich noch den Schritt zur Entschuldigung oder Wiedergutmachung macht, ist fraglich.

Meist bleiben wir mit unserem Gram, unserer Wut allein zurück.

Ja, für manche wird der Schmerz dann so groß und unerträglich, dass sie schließlich überhaupt nichts mehr verspüren und sich innerlich wie abgestorben fühlen.

Und eine größere Gerechtigkeit in dieser Welt können wir mit unserer inneren Konservierung der Kränkungserfahrung auch nicht herstellen.

Wir übersehen bei unserer Argumentation auch, dass wir zwischen unseren Gefühlen und unserem Verhalten trennen können.

Wir können unseren innerlichen Groll dem anderen gegenüber aufgeben und dennoch entscheiden, den Kontakt mit ihm abzubrechen oder uns auf größerer Distanz zu halten.

Im Grunde sind all unsere Argumente, die wir pflegen, um unser Kränkungsgefühl aufrecht zu erhalten, irrational und wenig hilfreich:

Unser Gegenüber wird auch in der Zukunft allein entscheiden, wie er sich uns gegenüber verhält. Wenn uns sein Verhalten nicht gefällt, müssen wir es ihm konkret mitteilen.

Dann besteht zumindest die Chance, dass er etwas ändert. Ziehen wir uns gekränkt zurück, weiß er vielleicht überhaupt nicht, was verkehrt ist, oder weiß nicht, wie er sich in Zukunft anders verhalten soll und was wir uns von ihm wünschen.

Wenn wir uns für Kritik empfänglich machen, indem wir von uns Fehlerlosigkeit fordern und zu hohe Erwartungen an uns stellen, dann bringt es uns nichts, dem Gegenüber die Verantwortung für unsere Gefühle zu übertragen und ihm sein "herzloses, gemeines" Verhalten vorzuwerfen.

Stattdessen müssen wir unsere Einstellungen ändern und lernen, unsere Grenzen zu akzeptieren.

Wenn wir unserem Gegenüber verzeihen, dann bedeutet das nicht, dass wir ihm Recht geben. Wir können durchaus bei der Meinung bleiben, dass er uns unrecht getan hat und dass wir sein Verhalten nicht weiter tolerieren möchten.

Wenn wir dem anderen verzeihen, dann tun wir dies zunächst unseretwegen. Wir fühlen uns dann besser.

Wir tun damit aber auch etwas für die Beziehung zum anderen. Sie wird nicht mehr vergiftet durch Vorwürfe, die wir nicht äußern.

Wenn wir es schaffen zu verzeihen, dann zeigen wir Rückgrat und Stärke. Wir machen uns innerlich unabhängig von der Bewertung und dem Verhalten des anderen.

Wenn wir darauf warten, dass der andere erst sein Unrecht einsieht, bevor wir ihm verzeihen, machen wir uns zum Opfer.

Erst wenn er sich verändern würde, könnten wir unseren Koffer abstellen.

Manchmal warten wir vergebens, denn unser Gegenüber besitzt häufig nicht die Reife und Kraft, sein Tun einzusehen und sich zu verändern.

>>> Weiterlesen im Ratgeber Ab heute kränkt mich niemand mehr

Weitere Leseproben:

Einleitung

Kapitel 3
Warum bin ich verwundbar?

Kapitel 11
Wie schütze ich mich vor giftigen Menschen und Kritik?

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Diplom Psychologe, Wiesbaden

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