Das Rotwerden ist von uns selbst veranlasst

Warum Sie das Rotwerden im Gesicht selbst hervorrufen. Leseprobe aus Kapitel 5 des Ratgeber Keine Angst vor dem Erröten.

Das Rotwerden ist von uns selbst veranlasst
© PAL Verlag, unter der Verwendung eines Fotos von Gabby Orcutt, unsplash.com

Leseprobe Kapitel 5

Jawohl, Sie haben richtig gelesen. Das meine ich im vollen Ernst. Sie selbst rufen Ihr Erröten hervor. Es ist Auftragsarbeit.

Obwohl diese Aussage zunächst ganz schön belastend sein mag - so als ob ich Ihnen die Schuld für Ihr Erröten geben wollte - verbirgt sich dahinter gleichzeitig eine riesige Portion Hoffnung.

Wenn Sie Ihr Rotwerden selbst erzeugen und aufrechterhalten, bedeutet dies gleichzeitg auch, dass Sie Kontrolle darüber haben.

Sie haben Einflußmöglichkeiten und sind nicht Opfer Ihres Körpers. Sie führen selbst Regie.

Ihr Körper - sofern keine körperliche Erkrankung vorliegt - wird gesteuert durch Ihr Gehirn. Ihr Körper ist nicht Ihr Feind sondern Ihr Freund. Ihr Erröten ist Folge Ihrer gedanklichen Bewertung als "Gefahr".

Sie bewerten eine Situation als gefährlich für sich und Ihr Körper reagiert vollkommen korrekt mit seiner Alarmreaktion. In Ihrem Falle äußert sich die Alarmreaktion u.a. im Erröten.

Wir können diesen Zusammenhang im sog. ABC der Gefühle darstellen. Dabei bedeuten

A: die Situation:
Was passiert? Was nehme ich wahr?

B: Ihre Bewertung:
Wie denke ich darüber? Ist es gefährlich für mich oder nicht?

und C: Ihre Gefühle, Körperreaktionen und Verhaltensweisen
Was fühle ich körperlich und seelisch, wie verhalte ich mich?

Lassen Sie uns einen Blick auf die Situationen werfen, in denen Frau M. und Frau K. im Alter von 14 Jahren ihre allererste bewußte Erfahrung mit dem Rotwerden machten:

A: Situation:
Frau M. war auf dem Weg vom Einkaufen in ihre Wohnung und trug zwei schwere Plastiktüten mit Lebensmitteln. Auf der Straße waren viele Menschen unterwegs. Plötzlich riß der Henkel der einen Plastiktüte und die Zehnerpackung Eier, eine Flasche Mineralwasser, dazwischen eine Tüte mit Brötchen und ein paar Bananen fielen auf den Gehweg.

B: Bewertung:
Frau M. liefen Gedanken durch den Kopf: Wie peinlich. Was denken die Leute von mir? Ich bin unfähig, eine Tüte zu tragen. Warum muss mir so was Dummes passieren.

C: Gefühle, Körperreaktionen und Verhalten
Frau M. verspürte Scham, ihr Gesicht lief puterrot an. Sie sammelte, so gut und schnell es eben nur ging, die Scherben und Überreste ihres Einkaufs zusammen und eilte nach Hause.

Anders erging es Frau K. in einer ähnlichen Situation:

A: Situation
Frau K. kam mit zwei Tüten beladen vom Einkauf. Auf der Straße waren viele Menschen unterwegs. Als der Henkel der einen Plastiktüte riß, ergoß sich der gesamte Inhalt nebst Eiern und Getränken über den Boden.

B: Bewertung:
Ärgerlich, alle Mühe vergebens. Jetzt muss ich nochmal in den Supermarkt gehen. Na, ja. das nächste Mal nehme ich besser einen Einkaufskorb, der ist stabiler als eine Tüte.

C: Gefühle, Körperreaktionen und Verhalten
Frau K. ist zunächst verärgert und ein wenig verlegen. Dann überlegt sie sich, wie sie den Einkauf heute nochmals geregelt bekommt, und räumt den Gehweg frei.

An diesen Beispielen kann man gut sehen, dass wir in ein und derselben Situation mehrere Möglichkeiten haben, wie wir reagieren.

Unsere Bewertung B bestimmt, wie wir uns fühlen, verhalten und wie unser Körper reagiert. Unser Körper reagiert genauso, wie wir es ihm auftragen: alarmiert, ruhig oder freudig.

Schauen wir uns zusammen noch einmal ganz systematisch an, wie das Erröten entsteht und sich daraus die Furcht vor dem Erröten entwickelt:

1. Schritt:
Sie haben sich zunächst in einer Situation befunden, die Sie als peinlich, unangenehm, entwürdigend, entblößend, gefährlich, schrecklich ... bewertet haben.

In dieser Situation sind immer andere Menschen zugegen. Diese Bewertung führte zum Erröten und weiteren Körperreaktionen.

Das Erröten könnte an dieser Stelle auch durch rein körperliche Veränderungen ausgelöst worden sein.

2. Schritt:
Sie haben Ihr Erröten wahrgenommen und es als unerträglich, peinlich, gefährlich bewertet und sich darum gesorgt, dass andere Sie deshalb ablehnen und für unfähig halten könnten.

Dadurch hat sich Ihr Erröten intensiviert. Sie verspürten Gefühle von Scham, Unsicherheit, Verlegenheit oder Angst. Sie wollten am liebsten flüchten.

3. Schritt:
Sie haben das Erröten als so beschämend, peinlich, schrecklich ... bewertet, dass Sie begannen, sich darum zu sorgen, ob es wieder auftreten könnte. Sie begannen, sich ständig zu beobachten, ob Sie wieder erröten könnten.

Gleichzeitig haben Sie sich dieses Ereignis immer wieder im Geiste vor Augen geführt und damit die Häufigkeit des Errötens und die Furcht vor dem Erröten verstärkt.

Sie begannen, sich dafür zu verurteilen, dass Sie erröteten. Sie begannen, Situationen zu vermeiden, in denen Sie glaubten, wieder zu erröten. Sie sind in einem Angstkreislauf gefangen

Charakteristische Denkfehler, die das Erröten und die Furcht vor dem Erröten aufrechterhalten

Ganz typische Denkfehler führen dazu, dass wir unter unserem Erröten leiden. Unsere negativen Bewertungen sind unser Hauptproblem, denn sie bewirken in erster Linie das Erröten und verstärken es:

"Ich kann das nicht aushalten. Das wäre furchtbar"
Wir sehen das Erröten und die unserer Meinung nach sich daraus ergebende Ablehnung als Katastrophe.

"Sicher werde ich rot und alle werden mich auslachen"
Wir übertreiben die Wahrscheinlichkeit des Errötens und der Ablehnung.

>>> Weiterlesen im Ratgeber Keine Angst vor dem Erröten

Weitere Leseproben

Einleitung

Kapitel 1
Es war einmal ein kleines Mädchen ...

Kapitel 4 
Warum gerade ich?

Kapitel 7
Zu Veränderung entschieden?

Kapitel 10
Ich bin rot - na und!

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