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Es war einmal ein kleines Mädchen

Kapitel 1 Ratgeber: Ab heute kränkt mich niemand mehr

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Es war einmal ein kleines Mädchen. Es lebte unbeschwert und guter Dinge, bis es im Alter von 9 Jahren von seinem Klassenlehrer überraschend an die Tafel gerufen wurde. Es sollte eine Rechenaufgabe lösen. Es stand vor der Tafel und nichts, aber auch gar nichts von all dem, was es am Tag zuvor zuhause gelernt hatte, fiel ihm ein.

Es wollte am liebsten im Boden versinken. Alle Augen der Mitschülerinnen schienen es anzustarren, und es traute sich gar nicht, sich umzudrehen. Ja, es vermeinte sogar ein hämisches Grinsen auf den Gesichtern seiner Mitschülerinnen zu sehen, obwohl es sie gar nicht anschaute.

Es wollte so gerne jedem zeigen, daß es die Aufgabe verstanden hatte - und jetzt ging überhaupt nichts. Es wußte überhaupt nicht mehr, wie die Aufgabe überhaupt lautete. Je länger es da so vor der Tafel stand, desto weniger konnte es sich auf die Rechenaufgabe besinnen.

Der Kopf war leer und es konnte nur noch das Rauschen und Pochen des Blutes hören. Der Lehrer sagte: "Ja, das wird ja wohl nichts mehr mit dir. Da schaut sie euch an, nicht einmal diese einfache Aufgabe kann sie lösen".

Das kleine Mädchen fühlte, wie das Blut immer mehr in seinen Kopf stieg, "daß ein Mensch soviel Blut haben konnte!" Es hatte den Eindruck, jetzt gleich würde der Kopf zerplatzen. Es konnte kein Wort herausbringen und wünschte sich nur, tot umzufallen.

Schließlich konnte es nur noch daran denken, daß jetzt alle sahen, wie rot sein Kopf war. Gedanken schossen wild durch seinen Kopf: "Oh Gott! Wie peinlich!" Nicht allein, daß es die Aufgabe nicht lösen konnte, nein, es mußte auch noch jeder sehen, daß ihm das ganz gehörig viel ausmachte!

Das kleine Mädchen ging schließlich auf seinen Platz in der dritten Reihe, den Kopf tief gesenkt, den Blick starr auf den Boden gerichtet. Alles ging mechanisch, es wäre am liebsten aus einem Körper gesprungen und hätte jedem erzählt, daß der Körper gar nicht zu ihm gehörte.

Auf seinem Platz angekommen wollte es von niemandem angesprochen werden. Es wollte kein Mitleid, denn das würde seine Schwäche ja noch mehr betonen. Es hatte den Eindruck, ganz allein auf der Welt zu sein, und daß es nie mehr fröhlich werden könnte.

Immer wieder mußte es sich vorstellen, wie dumm es an der Tafel gestanden hatte. Was ihm am meisten ausmachte, war, daß jeder hatte sehen können, wie unsicher und schwach es sich gefühlt hatte.

Fortan war aus dem fröhlichen und unbeschwerten Mädchen ein unsicheres Mädchen geworden. Es ging morgens mit dem Gedanken zur Schule: "Hoffentlich mußt du heute nicht an die Tafel. Bestimmt wirst du wieder rot".

Unglücklicherweise waren in der Klasse noch zwei Mitschülerinnen, die den gleichen Vornamen hatten. Immer wenn der Lehrer eines der anderen Mädchen aufrief, zuckte es deshalb zusammen und das Blut stieg ihm in den Kopf.

Es hatte den Eindruck, jeder würde das Rauschen des Blutes hören. Mußte es vor der Klasse vorlesen oder wurde aufgerufen, um eine Frage zu beantworten, so wurde es wieder rot.

In seiner Not probierte es alles aus, was das Rotwerden verhindern könnte. Zunächst faßte es den festen Vorsatz, am nächsten Tag nicht mehr rot zu werden. Doch das half nichts. Dann wiederholte es auf dem Schulweg immer wieder "Hoffentlich werde ich nicht rot". Die ganze Sache wurde immer schlimmer.

Wenn die Eltern nicht gewesen wären, wäre es am liebsten gar nicht mehr in die Schule gegangen. Vor der versammelten Klasse zu turnen, zu singen oder ein Gedicht aufzusagen, das waren Horrorsituationen für das kleine Mädchen.

Vor diesen Ereignissen konnte es am Abend zuvor schon nicht einschlafen, denn es sah sich immer wieder vor der Klasse stehen, mit rotem Kopf und unfähig, seine Aufgabe zu erfüllen. Ach, es fühlte sich so schutzlos den anderen ausgeliefert.

Andere hatten es gut. Nicht, daß die anderen alle keine Probleme mit dem Vorsingen gehabt hätten, manche stotterten oder erwischten den Ton nicht richtig, aber so einen roten Ballon wie das kleine Mädchen bekam keine einzige Mitschülerin.

Noch schlimmer wurde alles, wenn eine der Schulkameradinnen es trösten wollte: "Du brauchst doch nicht rot werden". Dann fühlte es sich, als ob man ihm geradewegs in eine Wunde gestochen hätte. Dann wurde alles doppelt schlimm.

Sein Kopf wurde, wenn es überhaupt noch eine Steigerung gab, noch röter. Es konnte dann überhaupt nicht mehr richtig zuhören, was das andere Mädchen sagte. Im Boden versinken und unsichtbar werden, ohnmächtig werden oder tot umfallen, das wünschte es sich dann nur noch.

Doch der Himmel war unbarmherzig, nichts dergleichen passierte. Es mußte den Blick der anderen aushalten, konnte nur schamvoll nach unten schauen. Manchmal gelang es ihm wenigstens, die anderen durch Themenwechsel von sich abzulenken oder so zu tun, als ob es unter der Schulbank etwas suchte. Dann ging die Röte schneller wieder weg.

Mit der Zeit zog sich das Mädchen immer mehr von seinen Schulkameradinnen zurück, verlor seine Spontaneität und Neugierde. Als allererstes schoß ihm immer der hemmende Gedanken in den Kopf: "Was ist, wenn ich rot werde. Das könnte ich nicht ertragen", und dann sagte es die Einladung zum Geburtstag ab, vermied es, sich in der Schule zu melden, auch wenn es die Antwort auf eine Frage wußte, usw.

Es sah nur eine einzige Lösung für sein Problem: all die Ereignisse, so gut es eben ging, zu vermeiden, in denen es jemals rot geworden war. Auch verzweifelte Gebete am Abend unter der Bettdecke halfen nichts. Selbst der liebe Gott hatte es verlassen.

Sein größter Wunsch war es, eines Tages  mit der Gewißheit aufzuwachen, nie mehr rot zu werden. Es wünschte sich inständig: "Wenn es doch eine Fee gäbe, die mir mein Rotwerden wegnehmen könnte ... "

Sie haben es sich wahrscheinlich schon gedacht. Dieses kleine Mädchen war ich selbst. Und diese Geschichte hat auch ein Happy End. Ich mußte nicht auf eine Fee warten, die mir mein Rotwerden wegzauberte.

Ich selbst hatte bereits als kleines Mädchen in mir alle Fähigkeiten, mich von meinen seelischen Qualen zu befreien. Ich hatte sie nur noch nicht benutzt, weil mir niemand sagte, daß und wie ich sie einsetzen konnte.

Ich mußte erst erwachsen werden und lernen, meine Fähigkeiten zu nutzen, um mich zu "erlösen".

All das, was mir geholfen hat und noch zusätzlich viele neue psychologische Strategien werde ich in diesem Buch an Sie weitergeben.

>>> Weiterlesen im Ratgeber Keine Angst vor dem Erröten

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Kapitel 4 
Warum gerade ich?

Kapitel 5
Das Rotwerden ist von uns selbst veranlasst

Kapitel 7
Zu Veränderung entschieden?

Kapitel 10
Ich bin rot - na und!

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