Selbstschutz statt Machtspiel – so findest du positiven Umgang mit Narzissten

„Ich halte deinen Ego-Trip nicht mehr aus!“ In diesem Beitrag erfährst du, wie du besser in der Begegnung mit narzisstischen Menschen das Gefühl ausgeliefert zu sein überwindest und innerlich stabil bleibst.

Selbstschutz statt Machtspiel – so findest du positiven Umgang mit Narzissten
© Vladimir Fedotov, unsplash.com

Selbstverliebt, kritikunfähig, manipulativ – ausgeprägte Narzissten machen ihren Mitmenschen das Leben zur Hölle. In diesem Beitrag erfährst du, was Narzissmus bedeutet, welche Persönlichkeitsmerkmale Narzissten so anstrengend machen und wie du einen positiven Umgang mit Narzissten findest, ohne an ihnen Schaden zu nehmen.

Was bedeutet Narzissmus?

Anfangs wirken Menschen mit starken narzisstischen Persönlichkeitsanteilen durchaus faszinierend. Eloquent, charmant und charismatisch bewegen sie sich auf jedem Parkett, sie verstehen es, Menschen für sich zu gewinnen und sind durchsetzungsfähig, erfolgsorientiert und leistungsstark. Jedoch bröckelt das Bild von Mr. Big und Mrs. Wichtig meist schon nach kurzer Zeit.

Wenn Narzissten ihr wahres Gesicht zeigen, wird es für ihre Mitmenschen oft unangenehm und anstrengend. Wenn das Selbstbewusstsein sich ins XXL-Format aufbläht, die Geltungssucht unerträglich wird und von Empathie keine Spur vorhanden ist, werden Narzissten zur Herausforderung. Sie selbst empfinden das nicht so. Sie halten sich stets für die Größten und Besten. Und gieren ununterbrochen nach Bewunderung und Anerkennung von außen, um sich wertvoll zu fühlen. Bleiben diese aus, fallen sie in ein tiefes Loch. Gefühle von innerer Leere, Scham, Neid bis hin zu Depression und Suizidgedanken breiten sich aus. Doch woher kommt der Begriff Narzissmus und was bedeutet er?

Der Begriff Narzissmus ist abgeleitet aus der griechischen Mythologie. Der römische Dichter Ovid erzählt in seiner Dichtung Metamorphosen von dem Jüngling Narziss, der alle Verehrerinnen und Verehrer zurückweist und darum von den Göttern mit unstillbarer Selbstliebe bestraft wird. Im Wasser einer Quelle erblickt er sein Spiegelbild und verliebt sich in dieses. Er kann seinen Blick nicht mehr davon abwenden, obwohl er es als Täuschung erkennt. Schließlich stirbt er und verwandelt sich im Tod in eine Narzisse.

Heute wird der Begriff Narzissmus verwendet, um bestimmte Charaktereigenschaften und Personentypen zu beschreiben, deren Verhaltensweisen, Lebensstil und Beziehungsgestaltung.

Narzissmus: Persönlichkeitsmerkmal oder Persönlichkeitsstörung?

Jeder Mensch vereint verschiedene Eigenschaften und Merkmale in seiner Persönlichkeit. Diese treten situationsbezogen, mehr oder weniger deutlich im Verhalten und in der Beziehungsgestaltung auf. Je nach dem Charakter einer Person erscheinen sie ausgeprägter vorhanden, können erkannt und reguliert oder angepasst werden und bleiben im Allgemeinen sozial verträglich. 

Narzisstische Persönlichkeitszüge in Form von selbstbezogener Liebe und selbstbewusstem Auftreten in einem verträglichen Maß, erscheinen sinnvoll und wünschenswert. Wenn sie aber überhandnehmen, stabil und langanhaltend vorhanden sind, so dass Personen in ihrer Selbstregulation und in der Beziehungsgestaltung immer wieder an Grenzen stoßen, spricht man von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Diese stellt ein komplexes Krankheitsbild dar, das zu erheblichen Problemen im sozialen Umgang und persönlichem Leid führt und zur Behandlung den Rahmen einer professionellen Therapie bedarf.

Narzisstische Phänomene

Narzissten gelten zum einen als erfolgsorientiert, wortgewandt und charismatisch, zum anderen als egozentrisch, geltungsbedürftig und leicht kränkbar. Es treffen in diesem Persönlichkeitsbild zwei, zunächst widersprüchliche Eigenschaften aufeinander. Grandiosität und Selbstüberschätzung und ein schwaches Selbstwertgefühl verbunden mit ausgeprägter Empfindlichkeit gegenüber Kritik. Dazu kommt ein Mangel an Einfühlungsvermögen, an Empathie gegenüber anderen.

Durch die Vorstellung von eigener Größe, Überlegenheit und auch durch Entwertung/Verachtung anderer Menschen gleichen narzisstische Menschen ihren Mangel an positivem Selbstwert aus. Sie bewegen sich in Vorstellungen von Erfolg, Großartigkeit und Idealen, präsentieren sich entsprechend nach außen, bekommen dafür Interesse, Zuwendung und Bewunderung gespiegelt (parallel zum Verhalten der mythologischen Figur des Narziss). Und sie neigen dazu, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Stoßen sie dabei auf Kritik, Realitätsabgleich und mangelnde Anerkennung durch das Gegenüber, erleben sie das als Kränkung und Ablehnung der eigenen Person und aufgrund des schwachen Selbstwertes als schmerzhaft und auch beschämend (Narziss erkennt die Täuschung). Entsprechend sind die Reaktionen auf diese empfundene Kränkung von Wut, Ablehnung, Verletzung und Entwertung des Gegenübers bis hin zum Kontaktabbruch gekennzeichnet. Die entstandene Aggression wird zum Teil auch gewaltsam und destruktiv nach außen oder gegen sich selber gerichtet (Tod des Narziss). Der Mangel an Empathie/Einfühlungsvermögen in andere führt spätestens dann zu beträchtlichen Problemen in der Beziehungsgestaltung, so werden Narzissten oft als rücksichtslos und verletzend empfunden.

Wichtig für das Verständnis und den Umgang mit narzisstischen Persönlichkeiten ist die Vorstellung, dass das narzisstische Handeln dazu dient, dem eigenen schlechten Selbstwertgefühl nicht ständig ausgesetzt sein.

Das bedeutet, dass Unsicherheit, Schamgefühl, Angst vor Enttäuschungen dem grandiosen Auftreten zugrunde liegen und dadurch ausgeglichen werden. Dr. med. Peter Falkai, Professor für Psychiatrie von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde formuliert das narzisstische Phänomen so: „Aus dem erhöhten Selbstkonzept entsteht für die Betroffene eine permanente Bedrohung durch andere, die diese Selbstdarstellung in Fragen stellen. Das Umfeld fordert früher oder später eine realistische Sichtweise der Wirklichkeit ein. Das drängt Narzissten in Erklärungsnot und führt fast zwangsläufig zu weiteren Rechtfertigungen, Konstruktionen oder auch Lügen. In dem Bestreben, die eigene Glaubwürdigkeit aufrechtzuerhalten, geraten Betroffene oft in eine Art Teufelskreis, der einen ständigen Druck ausübt und auch eine Eskalation zu Folge haben kann.“

Narzisstische Menschen sind also auf die äußere Bestätigung angewiesen, um das eigene Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten. Sie stehen unter Stress, durch ihre eigene Selbstüberschätzung in die Gefahr das Versagens kommen. Kritik oder Infragestellung erleben sie als Ablehnung ihrer Person, Zurückweisung als extreme Kränkung und bis hin zur existenziellen Bedrohung des Ichs. So ist zu verstehen, dass neben Aggression und Depression auch Selbstmordgedanken und Selbstmorde als schwerwiegenden Folgen zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gehören können. 

Welche Arten von Narzissmus gibt es?

Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung ist bei 0,5–2 Prozent der deutschen Bevölkerung vorhanden. Das betrifft also in Zahlen ausgedrückt immerhin etwa 1,3 Millionen Menschen. 75 Prozent davon sind Männer. Die Suizidrate bei narzisstischen Persönlichkeitsstörungen liegt bei 14 Prozent und somit im Vergleich zu anderen Störungen sehr hoch. Doch warum ist Narzissmus als psychische Erkrankung immer noch nicht wirklich beachtet? Das Problem für Psychologen, Psychiater, aber auch für das Umfeld von Narzissten ist, dass die Symptome einer narzisstischen Störung nicht immer eindeutig erscheinen. Um die Diagnose zu verbessern, wurde 2008 eine wissenschaftliche Einteilung von Narzissmus in drei Subtypen vorgenommen:

  • Exhibitionistischer Typ: Dieser Narzisst stellt seine Großartigkeit öffentlich zur Schau, er giert danach, erfolgreich, wettbewerbsorientiert, selbstbewusst zu erscheinen. Gegenüber Mitmenschen verhält er sich meist kalt und arrogant.
  • Grandios maligner Typ: Diese Störung ist gleichermaßen eine Kombination aus Narzissmus und Aggression, antisozialem Verhalten und Paranoia. Menschen mit dieser Art der narzisstischen Störung sind von ihrer Grandiosität überzeugt. Wenn diese in Frage gestellt wird oder vermeintlich nicht stattfindet, reagieren sie mit grenzüberschreitender Aggression und Rache.
  • Vulnerabel fragiler Typ (auch verdeckter Narzissmus genannt): Die Menschen, die an dieser Art der narzisstischen Störung leiden, werden zum Teil gar nicht als narzisstisch erlebt, weil sie auf andere schüchtern, verletzlich und hypersensibel wirken. Aber auch sie sind auf sich selbst fixiert, wenig empathiefähig. Kritik und Zurückweisung kann bei ihnen zu einer schweren Krisen führen und letztlich auch einen Selbstmord auslösen.

Wie erkenne ich einen Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung?

Folgende Merkmale bestimmen im Wesentlichen narzisstische Menschen:

Maßlose Selbstüberschätzung

Narzissten erleben sich als größer und wichtiger als sie in Wirklichkeit sind. Sie empfinden sich und ihre Probleme als einzigartig und besonders, sie übertreiben ihre eigene Leistung und Talente. Sie sind deshalb auch überzeugt nur von besonderen wichtigen und einzigartigen Menschen verstanden werden zu können, nur diese werden ihnen gerecht. Entsprechende Kontakte werden gesucht, hergestellt und gepflegt, andere lassen sie links liegen oder fallen.

Grandiosität und Idealisierung

In ihren Fantasien sehen sich Narzissten als grenzenlos erfolgreich, mächtig, attraktiv und unübertroffen an. Sie erwarten für sich ideale Liebe und Schönheit.

Überhöhte Ansprüche

Narzissten zeigen ein hohes Anspruchsdenken verbunden mit der Erwartung, dass diese auch erfüllt wird. Sie wirken arrogant und hochmütig in Ansichten und Verhalten.

Kritikunfähigkeit

Narzissten können schlecht oder gar nicht mit Kritik umgehen. Sie sind nicht fähig, eigene Fehler einzugestehen bzw. leugnen diese. In ihrem Inneren erleben sie Scham, Wut und Demütigung als Reaktion auf Kritik.

Ausbeuterische Beziehungen und mangelnde Empathie

Narzissten nutzen ihre Mitmenschen aus, um die eigenen Ziele zu erreichen. Oft gehen sie dabei manipulativ vor. Die Fähigkeit zu Empathie, das heißt Gefühle und Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, darauf einzugehen oder sie zumindest zu akzeptieren, ist kaum oder nicht vorhanden.

Sucht nach Anerkennung und Bewunderung

Das permanente und übertriebene Bedürfnis nach Bewunderung, Anerkennung und Bestätigung zeichnet Narzissten in hohem Maß aus. Sie benötigen dies existenziell und können nie genug bekommen.

Neid

Narzissten sind oft neidisch auf andere oder glauben, dass andere auf sie neidisch sind.

Ursachen für eine narzisstische Störung: Defizite bei der Entwicklung eines stabilen Selbstbildes

Experten gehen, wie bei den meisten psychischen Störungen, von einem Zusammenwirken von biologischen, psychischen und umweltbedingten Faktoren aus. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, die verschiedenen Theorien der psychologischen Schulen und Ausrichtungen verorten die Ursachen von Narzissmus in der Kindheit. Hierbei spielt die Eltern-Kind-Beziehung eine wesentliche Rolle.

So kann die Entstehung von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen begünstigt werden, wenn die Betroffenen als Kinder emotional keine verlässlichen Bindungen eingehen können und keine adäquate und ausgeglichen Reaktion der Eltern auf ihr Verhalten erfahren.  Wenn ein Kind wenig Anerkennung bekommt, die Eltern wenig einfühlsam sind und das Kind mit Ansprüchen überfordern. Es ist ein wesentlicher Punkt in der Entwicklung eines positiven und belastbaren Selbstwertes, einem Kind zu vermitteln, dass es um seiner selbst willen geliebt und anerkannt ist.

Wenn Liebe und Wertschätzung leistungsgebunden vermittelt werden, entwickeln Kinder das Verhalten, ständig eigene Leistung zu betonen und sich bestmöglich darzustellen, um Anerkennung zu bekommen.

Es kann aber auch sein, dass Eltern das Kind und seine Wünsche zu übertrieben mit Aufmerksamkeit bedenken, loben, bewundern und idealisieren. Die Kinder geraten unter Druck, schwanken hin und her zwischen einem überhöhten Selbstwertgefühl und der Angst, der Idealisierung nicht gerecht zu werden. Diese Muster, die in der Kindheit geprägt und erlernt werden, finden wir bei den Erwachsenen wieder. Zuwendung und Anerkennung und sind also an Leistung und äußere Grandiosität gebunden, müssen vom Gegenüber gespiegelt und bestätigt werden, und sind nicht in einem stabilen Ich verankert, sicher in dem Gefühl aus sich heraus ein liebenswerter, geschätzter Mensch zu sein, der sich aus eigener Kraft stabilisieren kann.

Narzissmus und Social Media

Facebook, Instagram, TikTok und Co. sind die perfekten, modernen Bühnen der Selbstdarstellung. Die eigene Einzigartigkeit wird aufwändig inszeniert und als Belohnung winken steigende Followerzahlen und Likes. Diese Anerkennung und Bewunderung brauchen Narzissten, um sich geliebt zu fühlen und den Selbstwert zu pushen. So wundert es nicht, dass die sozialen Medien von Narzissten in hohem Maß bevölkert werden (aber: nicht jeder aktive Instagram-User ist ein Narzisst!). Hier können schnell unverbindliche, oberflächliche Kontakte aufgebaut und die eigene positive Selbstdarstellung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden. Die Gefahr, nach der anfänglichen Faszination als Blender und Manipulator aufzufliegen, sinkt im Vergleich zur analogen Welt. Wenn das Bedürfnis nach Anerkennung allerdings nur noch online zu befriedigen ist, sollte man sich therapeutische Hilfe holen. Narzissmus kann auch ein Risikofaktor für eine Online-Sucht sein.

11 Tipps zum Umgang mit Narzissten, die Sie stärken

Nicht immer können wir den Kontakt zu Narzissten unserem Umfeld vermeiden. Und das kann uns viele Nerven kosten. Wie Sie besser mit narzisstischen Menschen klarkommen und dabei selbst stark und resilient bleiben, zeigen folgende Tipps.

Tipp 1Erkenne den narzisstischen Menschen

Der erste Schritt ist die Erkenntnis, dass dein Gegenüber ein Mensch mit narzisstischen Merkmalen oder sogar einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist. Lassen dich von seinem arroganten und aufgeblasenen Ego nicht aus der Ruhe bringen. Und, ganz wichtig, nimm sein Verhalten nicht persönlich. Es hat nichts mit dir zu tun, sondern liegt in der Persönlichkeit des Narzissten begründet. Er kann nicht anders. Und er hat das Problem, nicht du!

Tipp 2Wahren Sie Distanz zu seiner Präsenz und bewahren Sie Ihre Autonomie

Narzissten besitzen meist eine faszinierende und schillernde Ausstrahlung. Lass dich von ihrer Großartigkeit nicht blenden und einschüchtern. Geh stattdessen auf kritische Distanz und bleib deinen eignen Bedürfnissen treu. Hinterfrage wachsam die Äußerungen von narzisstischen Menschen und reflektiere alle ie Warnsignale, die du erkennst, in Ruhe. Denn mit etwas  emotionalem Abstand bist du besser in der Lage, rational und argumentativ zu reagieren und deine Interessen aufzuzeigen.

Tipp 3Erkenne die sensible Seite des narzisstischen Menschen und zeige Mitgefühl

Wenn Sie es schaffen, die wahren Beweggründe des selbstverliebten und egoistischen Verhaltens des Narzissten zu erkennen, fällt Ihnen der Umgang bereits leichter. Machen Sie sich bewusst, dass das gedemütigte, schwache Kind, das sich nach Liebe sehnt und sich ohne Anerkennung von außen wertlos fühlt, das Kernproblem des Narzissten ist.

Tipp 4Ignoriere den narzisstischen Menschen nicht und hör ihm zu

Auch wenn es schwerfällt, versuche respektvoll zu bleiben und dich in der Kommunikation nicht auf das Niveau des narzisstischen Menschen zu begeben. Hör ihm aufmerksam zu. Zeige echtes Interesse an ihm. Erkenne seine Leistungen an. Denn wenn Narzissten das Gefühl haben, ignoriert zu werden, fassen sie das als Affront gegen ihre Person auf und werden zum Gegenschlag ausholen.

Tipp 5Verpacke Kritik in angemessenes Lob

Narzissten zu kritisieren kann einem Himmelfahrtskommando gleichen, denn sie sind kritikunfähig und Wutanfälle sind programmiert. Du kannst es Narzissten nicht rechtmachen, egal wie du dich anstrengst. Wenn du ihn erreichen willst, geh behutsam vor und verpacke deine Kritikpunkte in lobende und anerkennende Worte, die dein narzisstisches Gegenüber mehr als alles andere braucht. Stell seine Fehler als Versehen dar. Nur so kannst du deine Ziele erreichen. Achte aber darauf, dass das Lob authentisch und echt ist. Übertriebene Lobpreisungen wird der narzisstische Mensch schnell durchschauen und dich dann noch weniger respektieren.

Tipp 6Setze deine eigenen Grenzen

Es ist sehr wichtig, dass du im Umgang mit Narzissten deine Grenzen deutlich und klar ziehst. Mach dir bewusst, wie weit du gehen willst und kannst. Danach zeig deinem narzisstischen Gegenüber unmissverständlich auf, wozu du nicht bereit bist. Das wird die Angriffe auf dich zwar nicht komplett verhindern, aber es besteht die Hoffnung, dass der narzisstische Mensch vorsichtiger wird, wenn er sich deiner Grenze nähert.

Und denke immer daran: Deine mentale Resilienz und deine seelische Gesundheit stehen an erster Stelle!

Tipp 7Hege nur begrenzte Erwartungen an einen Narzissten

So anziehend die aufregenden und glamourösen Seiten von Narzissten sein können, so wenig ist es ihnen möglich, tiefe emotionale Bindungen und echte Empathie zu empfinden und zu geben. Sei dir deshalb immer bewusst, dass emotionaler Halt, Trost und Verständnis nicht zum Standardrepertoire einer Beziehung zu einem narzisstischen Menschen gehören.

Tipp 8Such einen emotionalen Ausgleich bei Dingen und Menschen, die dir guttun

Aufrichtiges Verständnis, Empathie und Anteilnahme sind nicht die Stärken von Narzissten. Such deinen emotionalen Ausgleich bei anderen Menschen, Aufgaben und Hobbies, die dich erfüllen und deinen Bedürfnissen Rechnung tragen. Du entgehst der Abwertung von Narzissten, indem du dich mit Freunden umgibst, die dich sie so akzeptierst, wie du bist, dich stärken, dir Bestätigung und Selbstvertrauen schenken.

Tipp 9Erkenne deine Stärken und achte deinen Selbstwert

Es ist eine Illusion zu denken, mit Narzissten auf Augenhöhe agieren zu können. Denn sie glauben, dass sie anderen Menschen überlegen sind und brauchen infolgedessen die Bestätigung und Anerkennung durch die Abwertung andere. Lass dich also nicht darauf ein, sondern führe dir immer wieder deine Stärken vor Augen. Das fördert dein Selbstwertgefühl und macht dich widerstandsfähiger gegen verletzende Abwertungen.

Tipp 10Versuchen Sie nicht, Narzissten zu therapieren

Erziehungsversuche bringen nichts. Narzissten sind überzeugt, makellose Wesen zu sein. Sie erkennen nicht, dass sie ein Problem haben und ihre Verhaltensweisen auf andere toxisch wirken. Im Gegenteil: Es sind immer die anderen schuld und verantwortlich, wenn es kracht und das Zusammenleben aus dem Ruder läuft. Versuch also nicht, Narzissten eine Therapie aufzudrängen. Damit wirst du immer erfolglos bleiben und am Ende vielleicht selbst therapiebedürftig.

Tipp 11 Zieh die Reißleine

Wenn alles nicht mehr hilft, die Attacken und Verletzungen zu tief werden, der Leidensdruck zu groß ist, kann es richtig sein, die Notbremse zu ziehen und den Kontakt zu einem narzisstischen Gegenüber abzubrechen. Das Wichtigste ist, dass du auf deiner Gefühle und Bedürfnisse hörst und deine emotionale Stabilität nicht verlierst. Der finale Schlussstrich, so schwer er auch fallen mag, ist ein Zeichen von großer Stärke und kann dich in deiner persönlichen Entwicklung weiterbringen.

Wie kann Narzissmus therapeutisch behandelt werden?

Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitszügen haben Schwierigkeiten, sich Hilfe von außen zu holen. Sie erkennen ihre Defizite und Probleme nicht beziehungsweise sie schreiben sie im Sinne der innerpsychischen Abwehr ihrem Umfeld zu. Meist führen erst handfeste Krisen, Konflikte, Beziehungsabbrüche, Depression, Suchterkrankung oder Suizidalität zu therapeutischem Kontakt.

Die beste Behandlung ist eine Psychotherapie. Im therapeutischen Setting wiederholen sich die narzisstischen Muster mit Kränkbarkeit, Abwehr und Beziehungsabbruch, Idealisierung und Entwertung, Manipulation und Lüge. Wichtig ist deshalb sowohl für die Therapeutin oder den Therapeuten, klare Regeln aufzustellen, Grenzen zu setzen und zu versuchen die zentralen, eigentlichen Bedürfnisse (unbedingte Anerkennung und Liebe) zu benennen und darauf einzugehen. Das gilt im Übrigen auch allgemein für einen positiven Umgang mit narzisstischen Persönlichkeiten.

Eine wertschätzende und einfühlsame Haltung der Therapeutin oder des Therapeuten ist wichtig – konstant und unabhängig von Idealisierung oder Abwertung der eigenen Person. Nur so können Betroffene die Erfahrung machen, dass sie als Person Respekt und Wertschätzung erhalten, und langsam ein positiveres Selbstbild entwickeln. Nur so können feste Denkmuster wie "Ich muss der Beste sein, um geliebt zu werden!" hinterfragt werden. Die Betroffenen können Schritt für Schritt lernen, Selbstwertgefühl nicht nur von außen abhängig zu machen, besser mit Kritik umzugehen, und mehr soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen zu erlangen. Das gelingt durch Einzeltherapie aber auch durch Rollenspiel oder Gruppentherapien.

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Unter Geltungsbedürfnis verstehen wir das Bedürfnis nach Ansehen und Anerkennung durch andere Menschen. Der betreffenden Person sind Beachtung, Anerkennung, Wertschätzung, Ruhm, Macht und Status wichtig.

Als Narzissmus wird eine Selbstverliebtheit bezeichnet, also die Eigenart, sich nur mit sich selbst zu befassen und sich nicht für andere Menschen zu interessieren. Dieser ABC-Beitrag gibt Hintergrundinformationen über die Verhaltensstörung.

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Ta schreibt am 30.05.2022

Guten Tag,

ich habe inhaltlich zum Artikel wenig zu sagen, der ist gut gelungen.

Ich will jedoch darauf hinweisen, dass es nicht mehr zeitgerecht ist, Suizide bzw. Suizidgedanken mit dem Ausdruck Selbstmord bzw. Selbstmordgedanken zu benennen. Diese Begriffe sind stignatisierend: https://clinicum-alpinum.com/ratgeber/warum-der-begriff-selbstmord-problematisch-ist/

Ansonsten: danke für den Artikel 😊

Beste Eine Sozialarbeiterin


Sara schreibt am 13.06.2021

Persönlichkeitsgestörte der Gruppe Cluster B sind nicht therapierbar. Sie versuchen allenfalls den Therapeuten auf ihre Seite zu ziehen und andere als die Schuldigen darzustellen. Im englischsprachigen Raum wird diese Störung viel klarer definiert, Auch die Bemerkung, diesen Seelenräubern mit Einfühlungsvermögen zu begegnen, ist nicht zielführend, ja sogar sehr gefährlich. Die einzige Möglichkeit besteht im radikalen Kontaktabbruch. Auch wird hier sehr stark auf den grandiosen Typ eingegangen. Sehr viele aber kommen ganz anders daher. Der niedrige prozentuale Anteil entspricht bei weitem nicht der Realität.


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Inhalt des Beitrags 
 Was bedeutet Narzissmus?  
 Narzissmus: Persönlichkeitsmerkmal oder Persönlichkeitsstörung?  
 Narzisstische Phänomene  
 Welche Arten von Narzissmus gibt es?  
 Wie erkenne ich einen Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung?  
 Ursachen für eine narzisstische Störung: Defizite bei der Entwicklung eines stabilen Selbstbildes  
 Narzissmus und Social Media  
 11 Tipps zum Umgang mit Narzissten, die Sie stärken  
 Wie kann Narzissmus therapeutisch behandelt werden?  
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