Hilfe bei Alkoholproblemen

Woran erkennt man eine Alkoholabhängigkeit? Wie eine Alkoholsucht entsteht. Was tun bei Alkoholproblemen?

Hilfe bei Alkoholproblemen
© Thomas Picauly, unsplash.com

"Das kann mir nicht passieren. Ich brauche Alkohol nicht und kann jederzeit wieder aufhören", so mögen Sie vielleicht denken.

Aber so einfach ist dies mit der Suchtentwicklung nicht. Der Weg in die Alkoholabhängigkeit verläuft meist in 3 Schritten.

Der Weg in die Alkoholsucht

1. Schritt: Wir haben Langeweile, Schmerzen, fühlen uns deprimiert, ängstlich, unsicher oder sind angespannt. Vielfach sind unsere Eltern oder unser Freundeskreis für uns Vorbilder oder ermuntern uns sogar dazu, Alkohol zu trinken.

Auch die Werbung suggeriert uns, dass wir uns mit einem Glas Sekt gleich wohler fühlen werden, und außerdem zur Gruppe derjenigen gehören, die "in" sind und etwas von Genuss verstehen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass es uns in den Sinn kommt, ein Gläschen Alkohol zu trinken, um lockerer zu werden und uns besser zu fühlen. Und wir werden dafür belohnt: die Schmerzen lassen nach, wir sind entspannter und lockerer, Anspannung und Unsicherheit lösen sich oder schwächen sich ab.

Video über die Wirkung des Alkohols und das Problemtrinken

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2. Schritt: Psychische Abhängigkeit: In der nächsten ähnlichen Situation greifen wir schon schneller zum Alkohol. Auch unsere Umwelt belohnt uns zunächst dafür, dass wir beim Trinken mithalten. Es zählt derjenige, der am meisten verträgt.

Irgendwann kommen wir nicht mehr auf die Idee, unsere Probleme ohne Alkohol anzugehen. Wir greifen automatisch zum Alkohol. Es ist sehr einfach, sich mit Suchtmitteln zur Entspannung zu verhelfen, seine Hemmungen abzubauen und quälende Sorgen zu vertreiben.

3. Schritt: Körperliche Abhängigkeit (Alkoholsucht): Schließlich gewöhnt sich unser Körper so stark an das Suchtmittel Alkohol, dass wir körperlich abhängig werden. Er betrachtet den Alkohol als körpereigene Substanz und meldet, wenn sich zu wenig von dieser Substanz im Körper befindet.

Dies äußert sich dann durch Entzugserscheinungen wie etwa einem intensiven Verlangen nach Alkohol, innerer Unruhe, Zittern, Angstgefühlen und Schweißausbrüchen. Wir fühlen uns erst dann leistungsfähig, wenn wir einen genügend hohen Alkoholspiegel haben.

Wir werden also zunächst psychisch abhängig, d.h. glauben, ohne das Suchtmittel unsere Probleme nicht lösen zu können.

Dann folgt die körperliche Abhängigkeit. Wenn wir körperlich abhängig sind, trinken wir aus Angst vor den Entzugserscheinungen und um zu verhindern, dass andere merken, "wie weit wir bereits heruntergekommen sind".

Ist die körperliche Abhängigkeit erst einmal entstanden, gibt es keinen Weg mehr zurück zu einem gemäßigten, kontrollierten Trinken.

Woran erkennt man eine Alkoholabhängigkeit oder Alkoholsucht?

Die psychische Abhängigkeit ist dann vorhanden, wenn wir glauben, nur noch durch den Alkohol Erleichterung zu bekommen bzw. eine bestimmte Situation nur mit Alkohol aushalten zu können.

Es geht nicht mehr um das Genießen eines Gläschen Weins in geselliger Runde, wir trinken wegen der positiven Wirkung auf unseren Körper. Wir trinken so lange, bis wir uns benommen fühlen und locker sind.

Da der Körper sich an den Alkohol gewöhnt, brauchen wir immer größere Mengen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Viel zu vertragen ist kein Grund, stolz zu sein, sondern ein Alarmzeichen, dass wir auf den Weg in die Sucht oder bereits abhängig sind.

Alarmsignale und Anzeichen einer Alkoholsucht sind u.a.:

  • wenn wir ein Versteck mit alkoholischen Getränken anlegen
  • wenn wir im Büro auf unser Alkoholverhalten angesprochen werden
  • wenn wir Schuldgefühle nach dem Konsum von Alkohol empfinden
  • wenn wir nach dem Trinken Gedächtnislücken haben
  • wenn wir den Eindruck haben, nach dem ersten Glas nicht aufhören zu können
  • wenn wir morgens zittern und dies nach Alkoholkonsum besser wird
  • wenn wir täglich trinken
  • Veränderungen in der Persönlichkeit (Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, usw.)
  • Veränderungen im Erscheinungsbild (ungepflegtes Äußeres, Verwendung von viel Rasierwasser oder Parfüm, ständiges Pfefferminzlutschen)
  • Verändertes Arbeitsverhalten (häufige Fehlzeiten und Kurzerkrankungen, sinkende Arbeitsleistung und Arbeitsqualität, Unpünktlichkeit).

Nach medizinischen Untersuchungen sind männliche Erwachsene gefährdet, wenn sie täglich mehr als 40 bis 50g reinen Alkohol (etwa 2-3 Flaschen Bier oder einen halben Liter Wein oder 4-5 Schnäpse) trinken, und Frauen, wenn sie mehr als 20g Alkohol trinken.

Regelmäßiger, auch geringer, Alkoholkonsum, kann zu erheblichen körperlichen Schädigungen führen wie: Bluthochdruck, Krebs der Mundhöhle, Leberschäden, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und der Magenschleimhaut, Impotenz.

Was tun bei Alkoholproblemen?

Viele Menschen versuchen sich selbst zu beruhigen, dass sie jederzeit aufhören könnten und ihr Trinkverhalten ganz normal sei. Sie haben Angst, sich eingestehen zu müssen, "zu den Alkis zu gehören". Auch die Angehörigen versuchen meist, nach außen hin das Suchtproblem des Partners zu verbergen und herunterzuspielen.

Es ist keine Schande, ein Alkoholproblem zu haben. Wichtig ist, dass man etwas dagegen unternimmt. Es gibt verschiedene Selbsthilfeorganisationen wie etwa die Anonymen Alkoholiker (AA), der Dt. Guttempler-Orden, der Kreuzbund oder das Blaue Kreuz, an die Sie sich wenden können.

Im Telefonbuch finden sich die Telefonnummern von örtlichen Suchtberatungsstellen. Auch ein Arzt wird Ihnen weiterhelfen, wenn Sie sich ihm anvertrauen. Sie stehen nicht alleine mit Ihrem Alkoholproblem.

Etwa 1,8 Millionen Deutsche sollen alkoholabhängig sein und etwa 4 bis 5 Millionen trinken so viel, dass man von Alkoholmissbrauch sprechen kann und sie körperliche Schäden davontragen - Tendenz steigend.

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Karin schreibt am 20.07.2022

Wir haben heute eine sehr traurige Nachricht von meiner Schwester bekommen. Ihr 31 jähriger Sohn verstorben ist. Er litt unter einem Alkohol Problem. Er hatte zwar jetzt eine längerer Zeit nicht mehr getrunken. Die Organe haben versagt. Wir sind alle durch den Wind. Und da ich noch an Depressionen leide ist es nicht einfach.


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