Sorgen - wie damit umgehen?

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Sorgen sind überwindbar


Dr. Rolf Merkle Dr. Rolf Merkle - Diplom Psychologe, Psychotherapeut

"Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder da ..." mit diesen Worten begann ein bekannter Fernsehmoderator ein nicht ganz ernst gemeintes Lied.

Vielen Menschen geht es so, daß sie schon beim Aufwachen von den finstersten Befürchtungen überfallen werden. Sorgen können zu einer Geisel werden und unsere Lebensfreude und unser seelisches Wohlbefinden empfindlich stören.

Neigen Sie zum Sich-Sorgen? Der kleine Sorgen Test

Je mehr der folgenden Feststellungen Sie zustimmen können, umso mehr sind Sorgen ein Problem für Sie.

Sie können schlecht einschlafen und grübeln im Bett.
Sie sind angespannt und leiden unter Konzentrationsstörungen.
Sie denken immer gleich an das Schlimmste.
Sie denken: Ich muss mir um meine Zukunft Sorgen machen, sonst bin ich verantwortungslos und leichtfertig.
Sie leben in Gedanken immer in der Zukunft, können sich nicht am Hier und Jetzt erfreuen.
Sie können schlecht abschalten.
Sie sind nicht spontan, wollen alles vorab planen.
Sie gehen immer auf Nummer Sicher, lehnen das Risiko ab.
Sie haben wenig Vertrauen in Ihre Fähigkeiten.
Sie fühlen sich nach dem Aufwachen häufig erschlagen/erschöpft.
Sie würden am liebsten morgens nicht aufstehen, weil Ihnen das Leben zu anstrengend erscheint.

Sorgen - eine rein menschliche Angelegenheit

Im Gegensatz zu den Tieren hat der Mensch die Möglichkeit, die Zukunft bewusst in Gedanken vorwegzunehmen und zu planen. Das klingt zunächst einmal nach großem Fortschritt, denn das Vorausdenken ermöglicht es uns, Vorsorge zu treffen. Wir gehen zu Vorsorgeuntersuchungen, um eine Krankheit möglichst schon im frühen Stadium zu entdecken. Wir planen den Speiseplan fürs Wochenende, eine Urlaubsreise, die Anzahl unserer Kinder, unsere berufliche Karriere, unseren sog. Lebensabend, usw. Die Versicherungen und die Alarmanlagenfirmen leben davon, dass wir uns Schlimmes ausmalen und uns dann für den Ernstfall absichern, indem wir eine Versicherung abschließen und eine Alarmanlage einbauen.

Unsere Fähigkeit, uns etwas auszumalen, was noch nicht existiert, kann uns in abenteuerliche Welten entführen. Wir können Gegenstände und Bauten erschaffen, einen Roman entstehen lassen und uns vorstellen, wie wir einen lieben Menschen mit einem Geschenk überraschen. Das Ausmalen in der Phantasie schafft uns Vorfreude, versorgt uns mit Energie und treibt uns an, unser Erdachtes in der Wirklichkeit entstehen zu lassen. Die gleiche Vorstellungsgabe kann uns jedoch auch jeglicher Energie und Kraft berauben - womit wir bei den Sorgen und Grübeleien wären.

Was sind Sorgen?

Sorgen sind Gedanken und Phantasien, die um mögliche Gefahren kreisen. Unsere Sorgen setzen sich zusammen aus der Frage: Was wäre, wenn ... und den daraus resultieren Katastrophenphantasien. Wir reden uns ein, dass das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses schrecklich wäre und wir dies nicht ertragen könnten. Wir malen uns beispielsweise aus, wie wir uns mit den Kindern zerstreiten, dass die Rente nicht reichen wird, wie wir vor Schmerzen nicht mehr laufen können, wie wir trauernd vorm Grab unseres Partners stehen.

Die Folge unserer Sorgen ist, dass wir durch unser Kopfkino unseren Körper in Angst und Panik versetzen. Unsere Muskeln spannen sich an, Atmung und Herzschlag werden beschleunigt, unser Stoffwechsel verändert sich. Manche Menschen leiden unter Konzentrations-, Merkfähigkeits- und Schlafstörungen, bekommen Magen- oder Kopfschmerzen. Bei anderen läßt der Appetit nach oder sie neigen zum Überessen.

Dies liegt daran, dass unser Gehirn nicht unterscheiden kann, ob wir uns etwas nur ausmalen oder ob es tatsächlich passiert. Dies bedeutet, wenn wir uns eine mögliche zukünftige Katastrophe in der Phantasie vorstellen, reagiert unser Körper, als ob sie bereits eingetroffen wäre. Er macht uns bereit zu Kampf, Flucht oder erstarrt in einer Art Lähmung - so wie das bei unseren Vorfahren notwendig war, um sich vor Gefahren zu schützen. Da sich das ganze Szenarium jedoch erst mal nur in unserem Kopf abspielt, können wir nichts unternehmen, um unser Problem zu lösen. Wir bringen unseren Körper also mit Sorgen sehr häufig völlig überflüssigerweise in einen Alarmzustand.

Ich bilde mir ein, wenn ich nicht grüble und mir Sorgen mache, dann passiert etwas Schlimmes, auf das ich nicht vorbereitet bin.

So denken viele Menschen, die sich häufig Sorgen machen. Wenn auch Sie so denken, dann möchte ich Sie fragen: Besitzen Sie übersinnliche Fähigkeiten, mit denen Sie kraft Ihrer Gedanken Naturgesetze außer Kraft setzen können? Können Sie durch Ihre Sorgen tatsächlich verhindern, dass Ihre Tochter auf dem Nachhauseweg von der Schule überfahren wird? Können Sie mit Ihren Gedanken verhindern, dass ein anderer Autofahrer Sie in einen Unfall verwickelt? Können Sie durch Ihre Sorgen verhindern, dass Sie entlassen werden? Wenn ja, dann müssen Sie eine sehr mächtige und einflussreiche Person sein, wenn Sie solche Dinge alleine durch Ihre Sorgen verhindern können.

Sorgen können auch ein Symptom einer generalisierten Angststörung sein, einer seelischen Erkrankung. Ob Sie darunter leiden, erfahren Sie in diesem Angst Test

Müssen wir uns nicht in bestimmten Situationen sorgen?

Ja und nein. Sorgen sind sinnvoll, so lange sie uns bereit machen, zu handeln, und wir etwas unternehmen können. Wenn unsere Sorgen uns also zum Vorsorgen und Vermeiden von Gefahren anstiften, sind sie hilfreich, aber lösen sich dann durch die getroffene Vorsorge auch von selbst auf.

Frau Sorgen Sorgen um Ereignisse, die unwahrscheinlich sind oder die wir nicht beeinflussen können, kosten uns nur unnötig Energie und Zeit. Wenn wir übertreiben und uns einreden, etwas ganz Schlimmes würde passieren, was sich dann als Kleinigkeit herausstellt, sind unsere Sorgen ebenfalls schädlich.

Viele Menschen haben es sich zur Gewohnheit gemacht, wenn sie keine Kontrolle über eine Situation haben, sich dann zumindest zu sorgen. Es steckt eine Art Aberglauben dahinter: "Wenn ich mir nur genügend Sorgen um etwas mache, dann kann ich verhindern, dass es auftritt". Leider ist häufig das Gegenteil der Fall. Je mehr wir uns gedanklich mit etwas beschäftigen, um so eher tritt es auf. Man nennt dies dann eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Unsere Sorgengedanken haben auch eine ganz charakteristische Eigenart: Es ist so, als ob wir Karussell fahren. Sie laufen im Kreis herum - immer wieder um die vermeintliche Katastrophe kreisend. Es gibt kaum Platz für andere Gedanken. Wir müssen schon aktiv etwas tun, um sie durch positive Gedanken zu ersetzen.

Was können Sie tun, um sich weniger Sorgen zu machen?

Um es noch einmal klar zu formulieren: Wenn Sorgen in eine Vorsorge münden, können sie hilfreich sein. Hier geht es um Sorgen, die uns lähmen und uns Kräfte rauben. Ich möchte Ihnen einige Vorschläge machen, wie Sie Ihre Sorgen beeinflussen können. Probieren Sie aus, welche Strategien am besten für Sie passen.

Tipp bei Sorgen Es gibt ein Sprichwort, das Sie sich zum Leitspruch machen sollten: "Daß die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, das kannst du nicht verhindern. Aber daß sie Nester in deinem Kopf bauen, das kannst du verhindern."

Wenn Sie sich bisher viele Sorgen gemacht haben, dann können Sie nicht verhindern, daß die Sorgen auftauchen. Doch Sie können entscheiden, ob Sie ihnen Raum einräumen oder nicht. Reagieren Sie zunächst damit, sie willkommen zu heißen: "Es ist in Ordnung, daß ihr da seid. Ihr wollt mich warnen".

Tipp bei Sorgen Verschaffen Sie sich einen Überblick, wie häufig Sie sich sorgen. Trainierte Sorgenmacher bemerken nämlich gar nicht mehr, dass sie sich permanent sorgen. Führen Sie für einen Tag eine Strichliste, in die Sie einen Strich für jeden sorgenvollen Gedanken machen.

Tipp bei Sorgen Unterbrechen Sie Ihre Sorgen, indem Sie innerlich Stopp zu sich sagen, wann immer sie auftauchen. Dies kann unter Umständen mehrere hundertmal pro Tag sein. Sofern Sie alleine sind, können Sie auch in die Hände klatschen und laut Stopp rufen. Das ist noch wirkungsvoller. Danach werden Sie aktiv und suchen Sie Ablenkung: Was würde Ihnen im Moment mehr Spaß machen? Ein Kreuzworträtsel, ein Spaziergang, Großputz?

Tipp bei Sorgen In Ihrer Phantasie malen Sie sich vielleicht in lebendigen Bildern aus, was Schlimmes passieren könnte. Schwächen Sie die Wirkung dieser Bilder ab, indem Sie die Bilder nur noch verschwommen und ganz klein sehen - so als ob sie eine ganz schlechte Photographie davon anschauen würden.

Tipp bei Sorgen Manchmal scheinen uns die Sorgen einfach keine Ruhe zu lassen. Wenn dies der Fall ist, dann setzen Sie sich hin und schreiben auf, wovor Sie Angst haben. Stellen Sie sich die Frage: Was könnte schlimmstenfalls passieren und was habe ich dann noch an Möglichkeiten? Ruhen Sie nicht, bis Sie einige Lösungsmöglichkeiten aufgeschrieben haben. Dann überlegen Sie sich weiter: Was kann ich jetzt konkret tun, um das Ereignis zu verhindern?

Tipp bei Sorgen Sagen Sie zu sich immer wieder: "Was auch immer kommt, ich werde eine Lösung finden. Bisher habe ich auch immer eine Lösung gefunden".

Tipp bei Sorgen Lachen Sie viel und häufig. Lachen ist ein ausgezeichnetes Gegengift gegen Kummer und Sorgen.

Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Ihnen die Fähigkeit, Ihre Sorgen in Vorsorgen zu verwandeln und im Hier und Jetzt zu leben. Hierbei helfen könnte Ihnen auch die

Videoberatung zum Thema Sorgen

Hier einer von 4 Video Clips zum Thema Sorgen und wie damit umgehen. Weitere kostenlose Videoclips zum Thema, sowie zu Angst und Panikstörungen, finden Sie im Expertenrat Video Portal.


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