Lebensfreude in der Corona-Krise

Lebensfreude in der Corona-Krise

Gert Kowarowsky

Gert Kowarowsky, Dipl. Psychologe


Hamstern Sie - so viele gute Gedanken wie nur irgend möglich!

In Zeiten der Herausforderungen durch veränderte äußere Umstände scheint es ein archaischer Reflex zu sein, soviel wie möglich zu hamstern, um Zeiten möglichen Mangels vorzubeugen. In diesen Tagen gibt es offensichtlich vielen Menschen ein besonders gutes Gefühl, viel Toilettenpapier in der Vorratskammer zu haben.

Schwierige Zeiten haben jedoch schon immer diejenigen am besten überstanden, die sich inmitten der widrigsten Umstände die Leichtigkeit ihres Herzens bewahren konnten, die so viele neue konstruktive Gedanken wie nur irgend möglich gehamstert haben und sich immer wieder diesen Vorräten an hilfreichen Gedanken zugewandt haben.

Einer meiner Lieblingssätze, der mir angesichts fehlender konkreter Lösungsmöglichkeiten immer wieder geholfen hat, die Leichtigkeit des Seins aufrechtzuerhalten, stammt aus der Feder von Hölderlin: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!"

Inmitten kollektiver Aufgewühltheit ist es von besonderer Wichtigkeit, in der eigenen Mitte zu bleiben und verankert im eigenen Sein zu handeln. Dieses Ziel zu erreichen fällt ganz sicher denjenigen leichter, die regelmäßig eine Insel der Ruhe in ihrem Inneren aufsuchen. Aus der eigenen Heiterkeit der Seele und innerer Stille heraus zu handeln stärkt das Immunsystem und erhält so die Gesundheit.

Alles, was Sie an guten Gedanken finden können, die Ihrer Seele helfen, sich hell und leicht und gut zu fühlen, ist des Hamsterns wert.

Ganz aktuell zeigt uns die Dankbarkeitsforschung, dass das, was wir besonders wertzuschätzen in der Lage sind, unser Immunsystem in besonderem Maße stärkt.

Erinnern Sie sich am besten immer abends der drei, vier, fünf guten, dankenswerten Erlebnisse des vergangenen Tages, die inmitten aller sonstigen Ereignisse stattgefunden haben, und schreiben Sie sie auf. Das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs ist gerade in diesen Tagen ganz besonders wichtig. Vor allem in Zeiten, in denen wir von morgens bis abends überflutet werden von sich überschlagenden schlechten Nachrichten, horten Sie alles Gute in Ihrem Gedächtnis!

Regelmäßige Phasen der Stille, ein Hamstervorrat an hilfreichen Gedanken und die tägliche, dankbare Wachheit für die vielen kleinen Geschenke des Lebens sind die hilfreichsten und einfachsten Rezepte, um unser Immunsystem zu stärken und Ängste zu überwinden.

 

Die Pest und der Heilige

Vor einigen Tagen erzählte mir ein pensionierter Geschichtslehrer seine Lieblingsgeschichte gegen die Krankheitsangst:

Als in der Zeit von 1347 bis 1353 in Europa die Pest wütete und mehr als 25 Millionen Todesopfer forderte, bewegte sich die Pest auch auf ein kleines Städtchen zu, vor der ein Heiliger gerade seine Morgenmeditation beendet hatte. Der Heilige erkannte die Pest sofort und deutete ihren entschlossenen Schritt in Richtung Stadttor folgerichtig als das sichere Ende der Stadtbewohner, die ihm sehr am Herzen lagen.

Er flehte die Pest an: "Bitte, bitte, verschone meine Leute, sie leben allesamt so sehr in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen und sind so reinen Herzens, du darfst ihnen einfach kein Leid zufügen! Bitte, verschone sie." Die Pest ließ sich erweichen, betonte jedoch, dass auch sie einen Auftrag zu erfüllen hätte. Mindestens zwanzig Prozent der Einwohner müssten sterben, sonst wäre dieser Auftrag nicht erfüllt. Schweren Herzens stimmte der Heilige zu, froh darüber, dass immerhin nicht alle würden sterben müssen. Er ließ sich von der Pest noch einmal ihr Ehrenwort geben, dass sie nach dem Tod von exakt zwanzig Prozent der Einwohner weiterziehen würde. Und die Pest versprach es ihm tatsächlich.

In den folgenden Wochen nahm das Wehgeschrei in dem Städtchen zu. In jedem fünften Haus forderte die Pest ihr Opfer.

Doch dann empörte sich der Heilige und verspürte unendlichen Schmerz, als er hörte, dass schon dreißig Prozent der Einwohner an der Pest gestorben waren, nach weiteren zwei Wochen bereits fünfzig Prozent und bis zum Ende des Monats nur noch zwanzig Prozent der Einwohner überlebt hatten. Achtzig Prozent waren gestorben.

Als die Pest nach zwei Jahren auf dem Rückweg von ihrer Arbeit wieder bei ihm vorbeikam, beklagte der Heilige sich bitterlich bei ihr: "Du hattest mir hoch und heilig versprochen, nur jeden Fünften sterben zu lassen! Gestorben sind aber achtzig Prozent! Wieso hast du dein Wort so schmählich gebrochen?"

Die Pest antwortete: "Stop, Stop, Stop! Ich habe mich an mein Versprechen gehalten. Ich habe wie versprochen nur zwanzig Prozent der von dir so geliebten Einwohner der Stadt dahingerafft. Die anderen sechzig Prozent sind nicht durch mein Werk gestorben. Sie starben aus Angst ..."

 

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