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Was Betroffene als hilfreich erlebten

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Kapitel 18 Ratgeber: Ängste verstehen und überwinden

Zum Abschluß möchten einige meiner Klienten und Leser meiner Bücher Sie an Ihren Erkenntnissen und Erfahrungen mit der Angst teilhaben lassen.

Sie werden sich sicher in der einen oder anderen Erzählung wiedererkennen und von den Einsichten meiner Klienten profitieren.

Auf meine Frage, was für sie besonders hilfreich für ihren Umgang mit der Angst und ihre persönliche Weiterentwicklung war, schrieben sie mir:

Frau O., 46 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder

„Ich habe mir in der Situation die Fehler notiert und aufgeschrieben, wie ich es das nächste Mal anders mache. Ich habe Atemübungen gemacht, um mich ruhiger zu kriegen und zu entspannen.

Ich habe in Büchern gelesen. Ich habe durchgehalten, bin nicht weggelaufen, was mich heute stärkt. Wenn ich beim Arbeiten aufgeregt war, habe ich mir gesagt, das macht nichts, das muß so sein, dadurch kannst du dein Bestes geben. Diese Äußerung habe ich mal bei einem Interview von Schauspielern gehört, die auf Lampenfieber angesprochen wurden. Hat mir geholfen.

Diese Angstphase läßt sich aber nur langsam abbauen. Ich bin der Angst nicht gewichen, ich habe durchgehalten und darüber bin ich unheimlich glücklich und denke, daß es mir in ähnlichen Situationen hilft.

Ich gehe jetzt mehr Dinge an, die mir unangenehm sind, weil ich weiß, ich muß sie tun, um die Angst zu überwinden, wie z.B. mit dem Auto dort hinzufahren, wo ich mich nicht auskenne. Das kann ich nur lernen, wenn ich es öfter tue und mich nicht davor drücke oder zu bequem bin. Natürlich klappt es nicht immer, aber manchmal.

Ich weiß, daß die Angstsymptome wieder bei entsprechenden Situationen auftreten werden. Ich denke jedoch, daß ich nicht mehr so mit Panik reagiere, da ich sie ganz bewußt durchlebt habe.

Was mir hilft und woran ich arbeite, ist, mich gern zu haben, mich zu akzeptieren, so wie ich bin, mir auch Fehler zu verzeihen. Wenn ich mir das sage, werde ich gelassener und es tut mir gut. Ich stehe mir selbst bei, wenn ich denke, ich bin in Gefahr.

Ich habe mich schon immer sehr streng kontrolliert und beurteilt und die Meinungen anderer über mich waren mir heilig. Daran bin ich immer noch am Arbeiten. Ist nicht leicht, das loszuwerden - aber kann auch Spaß machen.”

Frau A., 41 Jahre, verheiratet, ein Kind

„An Ängste in der Kindheit kann ich mich nicht erinnern, und zwar deshalb nicht, weil ich extrem behütet aufwuchs und meine Eltern mir eine heile Welt vermittelten und alles von mir fernhielten bzw. alles für mich entschieden und regelten.

Dieser Zustand dauerte sehr lange an bis in ein Alter, in dem andere Frauen zum Teil schon die Verantwortung für eine eigene Familie haben.

Mitte zwanzig, als ich mich gegen dieses Reglementieren immer öfter auflehnte und die Schwierigkeiten, speziell mit meiner Mutter, immer mehr wurden, schaffte ich den lange überfälligen Schritt zur Selbständigkeit, die zunächst gar keine war, denn ich wohnte lediglich allein, und da begannen dann langsam die Ängste.

Ich war ja gewohnt, entweder gar keine eigenen Entscheidungen zu treffen oder aber nur nach ausführlicher Rücksprache mit meinem Vater.

Die Notwendigkeit, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, verursachte mir oft Beklemmungen, die in keiner Relation zum tatsächlichen Sachverhalt standen.

Viele Dinge ließ ich zunächst laufen in der Hoffnung, daß sie sich mit der Zeit von selbst erledigen würden.

Dieses Nichtabschließen von Dingen verursachte dann wiederum Ängste vor eventuellen Folgen. Dieses Verhalten konnte ich bis heute nie ganz ablegen.

In puncto Männerbekanntschaften lief es nach ähnlichem Muster.

Nachdem ich bisher mein Männerbild nach meinem Vater ausgerichtet hatte, mußte ich mit zunehmender Angst feststellen, daß die Männer so gut wie nie dieser Vaterkopie entsprachen, die ich unbewußt ja suchte, damit wieder einer die Verantwortung für mich übernimmt.

Diesem Trugbild jagte ich sehr lange mit wachsender Frustration nach bis schließlich hin zu einem Selbstmordversuch.

Erst während meiner Therapie wurde mir dies bewußt, und ich lernte mühsam, daß nur ich selbst für mich entscheiden kann.

Das nahm mir den größten Teil dieser Seite von Angst, denn bisher sah ich mich immer nur als Ergänzung eines Mannes oder im Spiegelbild, wie er mich wünschte.

Was eine wirkliche Partnerschaft außerdem behinderte, war meine Angst, nicht perfekt zu sein.

Erst wenn die Angst wegfällt vor menschlichen Unzulänglichkeiten wie z.B. zu dick oderzu dünn, statt angepaßt aufmüpfig, körperlich nicht unbedingt dem herkömmlichen Standards entsprechend zu sein, dann kann man sich natürlich geben und auch mal fallen lassen.

Solange man sich selbst nicht mag und sein eigener schärfster Kritiker ist, kann auch die Angst vor Ablehnung in Beruf und Partnerschaft nicht weichen.

Diese ganze Facette meiner Ängste wurde im Laufe meines Lebens immer größer, auch deshalb, weil ich mich meistens diesen Ängste nicht stellte und sie somit nicht abbauen konnte.

Bei Partnerschaften suchte ich mir unbewußt immer Männer aus, von denen von vorneherein klar war, daß die Beziehung über kurz oder lang scheitern würde, und zwar meistens so, daß ich nach außem im Recht war und nicht Farbe bekennen mußte.

Ich fürchtete immer, daß ich im Laufe der Zeit dem Bild nicht gerecht würde, das mein jeweiliger Partner von mir hatte.

Erst sehr spät lernte ich, daß ich immer versuchte, dieser Vorstellung gerecht zu werden bis hin zur Aufgabe meiner eigentlichen Persönlichkeit.

Durch dieses „Wohlverhalten” wollte ich anerkannt und geliebt werden wie seinerzeit als Kind unter dem Motto „Sei ein braves Mädchen und tue, was man von dir verlangt”.

Nach der letzten gescheiterten Beziehung, als ich so am Boden war, daß ich nicht mehr glaubte, hochzukommen, erkannte ich, daß ich mich künftig nicht mehr verstellen darf, sondern ich sein muß, damit ich in einer normalen Beziehung leben kann.

Dann muß ich nicht Angst haben, daß mein Partner mich nach einiger Zeit fallenläßt, wenn er merkt, daß es nicht nur nach seinen Vorstellungen läuft.

Als ich dies erkannte, war der Knoten geplatzt, aber auch heute noch merke ich manchmal, daß sich wieder das alte Rollenverhalten einschleicht, doch jetzt habe ich die Möglichkeit, hier zu stoppen.

Ein weiterer, sehr wichtiger Bestandteil meiner Angstpalette, den ich sicher mit sehr vielen Menschen teile, ist die Angst vor Ablehnung. Daß man nicht von allen Menschen geliebt und angenommen wird, ist normal.

Bei mir war und ist es manchmal noch so, daß ich bei Ablehnung sofort die Fehler bei mir suche und in den Teufelskreis gerate, mein Verhalten so zu ändern, daß ich nicht mehr „unbequem” bin.

Das führte in der Vergangheit so weit, daß meine ureigensten Bedürfnisse fast verschüttet waren und demzufolge meine Persönlichkeit verblaßte und ich nur noch depressiv war und mich als armes verkanntes Opfer fühlte.

Erst als ich erkannte, daß mein Leben weitergeht, und zwar sehr oft besser, wenn ich nicht zu allem ja und amen sage, wurde meine Lebensqualität in allen Bereichen besser, sei es Beruf, Partnerschaft oder Kindererziehung.

Ein zusätzlicher positiver Nebeneffekt war, daß ich merkte, wer meine wirklichen Freunde sind oder zumindest Menschen, die mir wohl wollen, denn für die anderen war ich nicht mehr „pflegeleicht”, d.h. nicht mehr manipulierbar.

Es gibt auch hier noch Rückschläge wie bei einem kleinen Kind, das langsam laufen lernt, aber sie werden seltener. Manchmal waren diese Rückfälle nach fast beendeter Therapie noch sehr intensiv und schmerzhaft, aber indem man sie bewußt durchleuchtet und weiß, woher sie rühren, verlieren sie ihren Schrecken und man blickt nach vorn.

Die schlimmste Angst von allen ist bei mir die Angst vor Krankheit, Angst vor Verlust und Verlassenwerden. Woher dieser Teil meiner Angst kommt, weiß ich aus meiner Lebensgeschichte, das waren ganz reale Vorkommnisse, und diese können im nachhinein weder wegradiert noch bagatellisiert werden. Ich kenne das warum und werde damit leben müssen und können, daß ich in dieser Hinsicht anfälliger bin als „Normalverbraucher”.

Ich möchte es vielleicht nicht ganz passend als meine Archillesferse bezeichnen, so wie andere auf ihren empfindlichen Magen oder Verletzungsanfälligkeiten achten müssen.

Wenn ich merke, daß ich unverhältnismäßig auf gewisse Vorkommnisse wie Verspätungen und  dergleichen reagiere, bekomme ich solche Dinge inzwischen durch das ABC der Gefühle in den Griff.

Auch sehr hilfreich ist die Möglichkeit, Entwicklungen bis zu einem zunächst fiktiven negativen Ende durchzudenken „Was wäre, wenn...?” Dann merke ich, daß es immer wieder irgendwie weitergeht und anschließend, die gelegentlich noch aufsteigende Panik nachläßt.

Abschließend noch ein Wort zu den Folgeproblemen der Angst und daraus resultierenden körperlichen Beschwerden:

Wenn man seine Ängste dauernd zuläßt, sich ihnen nicht stellt und sie, ohne es zu merken, in masochistischer Manier noch fast pflegt, weil die Opferrolle oft sehr bequem ist, geht ein guter Teil Lebensqualität verloren, denn man stagniert, traut sich nichts zu und kapselt sich ab.

Die Folgen sind beispielsweise bei mir massive Kreislauf- und Magenbeschwerden, Angstzustände, nervöse Herzbeschwerden und Allergien.

Aus meiner eigenen schmerzhaften Erfahrung kann ich nur raten, vor seinen Ängsten keinesfalls zu resignieren, sich ihnen zu stellen, täglich neu und in  nicht zu großen Schritten, und das Ziel vor Augen nicht zu verlieren, nämlich nach Überwindung der Angst ein lebenswertes Leben zu führen.

Wenn man sich Ängste wirklich bewußt macht, sie analysiert und die Überwindung dieser Ängste immer wieder, ohne sich durch Rückschläge entmutigen zu lassen, übt, dann kann eine Rückkehr zur Normalität gar nicht ausbleiben, wobei die Dauer des Genesungsprozesses sehr variieren kann, auch wenn man nach relativ kurzer Zeit erkannt hat, wo das Hauptproblem liegt.

Erst wenn man in der Lage ist, das Gelernte und Erfahrene immer öfter im Alltag umzusetzen, gewöhnt sich nach dem Kopf der Körper daran, nicht mehr davonzulaufen.”

>>> Weiterlesen im Ratgeber Ängste verstehen und überwinden

Weitere Leseproben

Einleitung

Kapitel 2
Die wahre Ursache für unsere Gefühle

Kapitel 6
Angst und ihre Berechtigung

Kapitel 9
Einnahme von Beruhigungsmitteln und Medikamenten

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