Folge 69: Allein-SEIN und Zusammen-SEIN

Die Balance zu finden zwischen dem Allein-Sein und dem Zusammen-Sein, ist seit der frühesten Menschheitsgeschichte eine große Aufgabe für jeden von uns. In meinem Beitrag zeige ich dir, warum und wie du sie meistern kannst.

Folge 69: Allein-SEIN und Zusammen-SEIN
© PAL Verlag

"Allein geht’s – gemeinsam geht’s besser …"
"You never walk alone …"
"Geht zusammen, sprecht zusammen …"
"Die Schwarmintelligenz nutzen …"

Diese und ähnliche Sätze höre ich immer wieder in Supervisions-Sitzungen, wenn es um die Ermutigung für Menschen geht, mehr mit anderen gemeinsam zu unternehmen, die unter dem "Am-liebsten-mache-ich-alles-allein"-Syndrom und daraus resultierender Selbstisolation und Einsamkeit leiden. Und ja, wenn du auf dem Trip bist, alles allein machen zu wollen oder gar zu glauben, alles allein machen zu müssen, dann sind diese Hinweise ganz besonders wichtig für dich.

Du kennst sicher viele, viele Beispiele, wo du eine Arbeit allein getan hast und dies einfach nur dröge und kräftezehrend war. Ist die gleiche Arbeit ein anderes Mal jedoch gemeinsam mit anderen erledigt, kann das deine Lebensfreude beleben, bereichern und erhöhen.

Der Balanceakt zwischen Allein-Sein und Zusammen-Sein

Auf der tiefsten Ebene geht es darum, auch bei dem Thema „Nicht alles allein machen zu müssen“, eine Balance zu finden. Auf der einen Seite steht das Gute und das Schädliche des Allein-Machens und des Allein-Seins. Auf der anderen Seite steht das Gute und das Schädliche des immer nur mit anderen Zusammen-Machens und mit anderen Zusammen-Seins.

Der Balanceakt besteht nun darin, deine Achtsamkeit zu schulen für die Grenzlinien:

Wenn du dich hell und klar, kreativ und kraftvoll fühlst im Allein-Sein und Allein-Tun, dann ist alles im grünen Bereich. Du kennst aber auch sehr gut die Erfahrung, wo dein Allein-Sein umkippt zur Einsamkeit. Wenn du dich einsam fühlst, spürst du das Missverhältnis zwischen den von dir in diesem Moment gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen. Du spürst den Mangel an Hilfe und Unterstützung. Du fühlst dich schlecht.

Die zweite Grenzlinie bedarf der gleichen Aufmerksamkeit:
Wenn du dich hell und klar, kreativ und kraftvoll fühlst im Zusammen-Sein mit anderen und dem gemeinsamen Tun, dann ist auch hier alles im grünen Bereich. Aber auch da kennst du sehr gut die Erfahrung, wo dein mit anderen Zusammen-Sein umkippt zum Genervtsein, zur Überforderung, zum inneren Rückzug.

Einsamkeit ist eine Frage des Gefühls, nicht der Anzahl der Menschen

Wenn du dich mit anderen zusammen einsam fühlst, spürst du ebenfalls das Missverhältnis zwischen den von dir in diesem Moment gewünschten Freiräumen und den tatsächlichen sozialen Beziehungen, die dich gerade im Übermaß umfluten. Du spürst die Reizüberflutung zu Gedanken und Vorstellungen vieler anderer, zu Wegen vieler anderer, ein Ziel zu erreichen. Du fühlst dich schlecht.

Das wohlige In-Dir-Sein als Maßstab

Ganz offensichtlich bedarf eine ausgewogene Balance einer dynamischen Pendelbewegung. Einer für dich und deine Persönlichkeit passenden Mischung aus Allein-Sein und mit anderen Zusammen-Sein. Vielleicht im Gegensatz zu deiner besten Freundin spürst du, wie viel schneller du satt bist mit sozialen Kontakten und deinem Bedürfnis, mit anderen gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Oder aber im Gegenteil, du spürst wie viel mehr Energie du hast, wenn du viel Zeit mit anderen verbringst, sowohl in deiner Freizeit Zeit als auch während deiner Arbeit.

Dein Erfolg bei den dir wichtigen Aufgaben, deine Lebensfreude, deine Klarheit, deine Energie, dein wohliges "In-Dir-Sein" sind letztlich der alleinige Maßstab.

Spürst du, dass dein Allein-Sein und -Tun umkippt zum Gefühl der Einsamkeit mit all seinen negativen Begleiterscheinungen eines schlechteren Immunsystems, Schlafstörungen und zunehmender Depressivität, dann ist es Zeit, deine Höhle zu verlassen, die Fenster der sozialen Kontaktkanäle zu öffnen, aktiv auf andere zuzugehen und so viel Großes und Kleines wie möglich mit anderen Menschen zusammen zu tun. Auf praktischer Ebene bedeutet das: Mach dich sichtbar. Erzähle anderen, womit du gerade beschäftigt bist. Suche dir Verbündete. Reaktiviere und erweitere dein soziales Netzwerk. Bitte um Unterstützung und biete selbst Unterstützung an. Vorhersagbar werden deine Energien dann wieder stärker fließen.

Die Weisheit der Veden und der Stadion-Songs

Selbst in den Veden, den ältesten Aufzeichnungen menschlicher Erfahrung, findet sich diese Ermutigung, mit anderen in Kontakt zu treten, mit anderen im Kontakt zu sein, in diesen Zeilen wieder:

Geht zusammen, sprecht zusammen, wisset, dass euer Geist gleichen Ursprungs ist und mit allen anderen zusammen wirkt ... In der Einheit liegt die Stärke einer Gemeinschaft, trotz der Vielfalt ihrer Wünsche sind ihre Gemüter vereinigt …

Heutzutage sprechen wir gerne von der „Schwarmintelligenz“. Gemeint ist damit die kollektive Intelligenz von Menschen, die weit über die Möglichkeiten des Einzelnen hinausgeht, Lösungen von Problemen zu finden und vermeintlich unüberwindliche Schwierigkeiten zu bewältigen. Einfach deshalb, weil eine Gruppe meist sinnvollere Entscheidungen trifft als ein einzelner Mensch.

Spürst du jedoch im Zusammen-Sein und -Tun mit anderen, dass deine Lebensgeister dir entweichen, du dich zerfleddert und immer unklarer fühlst, dann ist es Zeit für einen Rückzug, ein Retreat. Dann ist es Zeit für Selbstrückbezug, Zeit für mehr Allein-Sein und Allein-Tun.

Der Song "You never walk alone", den sich die Borussia-Fans zu eigen gemacht haben, zeigt die Dialektik des Verbundenseins im Allein-Machen schön auf:

"Geh deinen Weg, geh deinen Weg – und du gehst niemals allein …"

Darauf solltest du in jedem Fall achten …

Achte darauf, wann und wo und wobei deine Lebensfreude besonders intensiv ist, wenn du allein bist und allein handelst.

Und:

Achte darauf, unter welchen Bedingungen deine Lebensfreude zunimmt, wenn du mit anderen zusammen bist und mit anderen zusammen arbeitest.

Viel Spaß beim Allein-SEIN
und
beim Zusammen-SEIN mit anderen

wünscht dir 

Dein

Gert Kowarowsky

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Serie: Erfahrungen aus der Praxis

In dieser Kolumne berichtet Gert Kowarowsky von seinen Erfahrungen aus seiner therapeutischen Praxis.

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Luef Martina schreibt am 12.09.2022

Ich habe ein Problem oder besser gesagt schon immer in unserer Ehe gab es Diskussionen über mehr oder wenigen kleinere und größere Probleme.
Wir sind nun 40 Jahre verheiratet haben drei Erwachsen Kinder für die ich alleine zuständig war meinen Mann ist kein Problemlöser oder hatte sich nie darum bemüht . Nun bin ich seid 1 Jahr in Pension und mein Mann ist 7 Jahre älter war Schwerarbeitend und ist schon 10 Jahre zu Hause.
So lange ich inn der Arbeit war gab es zwar auch Themen aber er ist wenig motiviert mag keinen Sport ich schon es gibt so gut wie keine Gemeinsamkeiten die waren die Kinder oder das Versorgen seiner Eltern auch Großteil von mir. Er hat Hörgeräte beidseits und versteht auch manches nicht richtig was zusätzlich zu Problemen führt. Er sieht das alles nicht so man kann versuchen was man ändern möchte aber eigentlich bin ich eh selber schuld. Man muss wissen das sich niemand ändert und er hat nie gerne getanzt oder etwas untergenommen. Ich habe eine kleine Pension und denke schon des Öfteren an Trennung nur ob ich es alleine finanziell bewältigen kann ist die Frage. Ich weis ehrlich gesagt nicht ob es sich lohnt die Beziehung so weiter zu führen. Habe schon vorgeschlagen Paartherapie ect. Ist alles Blödsinn. Er hatte leider eine Kindheit die nicht auf Gespräche und Ausreden aufgebaut war. Seine Mutter war arm neben ihrem Mann der auch sehr einsilbig war aber durch Kriegserlebnisse geschädigt trank auch gerne Alkohol mein Mann fühlte sich nie verstanden.
Ich glaube das ich bei der Heirat zu viel Mitleid und den Glauben das man sich ja ändern kann mit einbezogen habe das fällt mir jetzt da wir alleine sind im Haus auf den Kopf. Können sie mir vielleicht ein paar Tipps geben.
Mit freundlichen Grüßen
Luef Martina


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