Familiengeheimnisse gibt es in fast allen Familien

Ein Familiengeheimnis ist eine große Belastung für die Betroffenen - wie damit umgehen?

Familiengeheimnisse gibt es in fast allen Familien

Alle Menschen machen im Verlauf ihres Lebens Fehler und handeln nicht immer nach moralischen Prinzipien und den gesellschaftlichen Regeln. Abhängig davon, wie schlimm sie ihre Fehler bewerten, entscheiden sie sich dafür, offen darüber zu sprechen oder sie vor der Umwelt zu verbergen.

In vielen Familien werden ganz bestimmte Ereignisse verschwiegen - beispielsweise, wenn

  • ein Kind adoptiert wurde,
  • ein Partner fremd ging,
  • ein Angehöriger sich das Leben genommen hat oder eine schwere chronische Krankheit hat,
  • ein Angehöriger im Gefängnis war,
  • man einen Unfall mit Todesfolge selbst verschuldet hat,
  • man lesbisch oder homosexuell ist.

Auswirkungen auf die Familie & Angehörigen

Ein Familiengeheimnis kann enorme Auswirkungen auf die gesamte Familie haben. Derjenige, der etwas verschweigt, kann seelisch und/oder körperlich erkranken. Er kann von Suchtmitteln abhängig werden, wenn er versucht, den inneren Druck durch Alkohol oder Medikamente zu betäuben. Er kann seine Sicht, dass das, was er verschweigt, etwas Entsetzliches sei, was man nicht offenbaren kann, nicht überprüfen. Die anderen Angehörigen können spüren, dass etwas nicht stimmt, aber es nicht herausfinden.

Warum macht man aus etwas ein Geheimnis?

Man entscheidet, ein Geheimnis für sich zu behalten,

  • aus Angst, dann nicht mehr geliebt oder geachtet zu werden,
  • weil man sich selbst dafür ablehnt, verurteilt oder gar hasst
  • weil man befürchtet, dass andere das Geheimnis nicht verkraften könnten.

Der Preis, den man dafür zahlt, ist hoch. Bei allem, was immer man sich selbst oder den für einem wichtigen Personen nicht verzeiht, wofür man sich ablehnt, besteht die Gefahr, dass es im "Untergrund" weiter aktiv ist.

Wann ist Schweigen gefährlich?

  • wenn psychosomatische Beschwerden auftreten
  • wenn Alpträume quälen
  • wenn man in ständiger Anspannung lebt, dass es "herauskommen" könnte.
  • wenn die Kinder Verhaltensstörungen aufweisen
  • wenn es um für das Familiensystem wesentliche Ereignisse geht wie etwa eine Adoption oder Selbstmord eines Geschwisterchens
  • wenn von der Familie Rückfragen kommen und man immer wieder lügen muss.

Es ist jedoch nimmer notwendig, das Geheimnis den Angehörigen zu offenbaren. Man kann sich zunächst auch eine neutrale Vertrauensperson oder eine Selbsthilfegruppe suchen oder es erst einmal zu Papier bringen, was man in sich verschlossen hat. Man muss abwägen, welche Konsequenzen sich für einen selbst und die Familie wirklich ergeben, ob der andere so massiv verletzt oder verunsichert sein könnte, dass er damit überfordert ist?

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