Nocebo - der Glaube kann krank machen

Nocebo - die Macht negativer Erwartungshaltungen. Wie wirken negative Erwartungen und wie können wir uns vor ihnen schützen?

Nocebo - der Glaube kann krank machen

Wörtlich übersetzt aus dem Lateinischen heißt Nocebo „Ich werde schaden“. Es handelt sich bei dem Nocebo-Effekt um eine selbsterfüllende negative Prophezeiung.

Video: Die Macht negativer Gedanken

YouTube Video  

Der Nocebo-Effekt entfaltet dann seine Wirkung, wenn wir davon überzeugt sind, dass eine Handlung oder ein Medikament sich schädlich auf unsere Gesundheit auswirken wird. Als Folge davon fühlen wir uns dann tatsächlich krank bzw. werden krank.

So können Beipackzettel von Medikamenten ein echtes Gesundheitsrisiko sein. Wir lesen z.B. im Beipackzettel eines Medikamentes von Nebenwirkungen wie Schwindel und Magen-Darm-Störungen, Sehstörungen oder einem trockenen Mund.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eben diese Beschwerden verspüren, ist sehr hoch. Unsere Erwartung, die unerwünschten Nebenwirkungen zu verspüren, macht uns krank. Deshalb: am besten keine Beipackzettel lesen.

Oder wir lesen in einem Zeitungsartikel über schädliche Auswirkungen von Handys und Funkmasten, Berichte über Nebenwirkungen von Nahrungsmittelzusatzstoffen, etc. und verspüren daraufhin die angekündigten Symptome.

Wer glaubt, eine kaputte Wirbelsäule zu haben, rechnet damit, Schmerzen zu haben und bekommt diese auch.

Am deutlichsten zeigt sich der Nocebo-Effekt in Verbindung mit Ängsten vor eingebildeten Gefahren. Auch der Voodoo-Fluch, bei denen die Opfer, über die der Medizinmann einen Fluch verhängt, sterben, ist auf den Nocebo-Effekt zurückzuführen.

Gegenteilige Auswirkungen hat der Placebo-Effekt.

Kann man sich krank denken?

Eine Gesetzmäßigkeit, dass jeder, der davon überzeugt ist, krank zu werden, auch krank wird, gibt es nicht. Dennoch gibt es Zusammenhänge, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung kann hierdurch erhöht werden. Amerikanische Epidemiologen schätzen, dass Nocebo weltweit für mindestens 5% aller Infarkttode oder jede zehnte "Grippe-Epidemie" verantwortlich ist.

Eine Untersuchung hatte zum Ergebnis, dass Frauen, die glauben, dass sie einen Herzinfarkt erleiden werden, fast viermal so häufig einen Infarkt erleiden. Und viele von uns haben wahrscheinlich schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es sie plötzlich juckt, wenn von Flöhen die Rede ist. Oder aber es wird ihnen schlecht, wenn das Gerücht umgeht, dass das Essen verdorben ist.

Übelkeit, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen können alleine dadurch verursacht werden, dass wir uns von anderen Menschen und deren Symptomen „anstecken“ lassen. Wir „reden“ uns diese so lange ein, bis wir sie bekommen. Schon das bloße Wissen um mögliche Nebenwirkungen - etwa durch das Lesen des Beipackzettels eines Medikaments, kann dazu führen, dass man diese Nebenwirkungen verspürt.

Welche Menschen sind besonders gefährdet, Opfer des Nocebo Effektes zu werden?

Menschen, die

  • dazu neigen, sich Katastrophen auszumalen
  • ihren Körper kritisch und ängstlich beobachten
  • stets damit rechnen, dass ihnen Schlimmes widerfahren wird
  • eine schwere körperliche Krankheit erlebt haben und deshalb Angst vor einer erneuten Erkrankung haben
  • zwänglich, ängstlich oder depressiv sind.

Wie sich vor dem Nocebo-Effekt schützen?

Folgende Strategien können Sie einsetzen:

TIPP 1: Meiden Sie die Gesellschaft von Menschen, die ständig nur über Krankheiten und Gebrechen reden.

TIPP 2: Unterbrechen Sie bewusst Katastrophenphantasien über Krankheiten und wenden Sie sich positiven Dingen zu.

TIPP 3: Suchen Sie, wenn Sie sich schon mit Krankheiten befassen, nach Lösungswegen, falls Sie erkranken sollten.

TIPP 4: Lesen Sie Biographien und Berichte von Menschen, die die Krankheit überwunden haben.

TIPP 5: Richten Sie Ihre Gedanken auf Gesundheitsvorsorge und werden Sie aktiv.

TIPP 6: Suchen Sie nach Beweisen, weshalb es Sie nicht treffen wird, statt sich mit einer möglichen Erkrankung zu befassen.

TIPP 7: Erfragen Sie in Beipackzetteln genauer die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens des Symptoms.

Test: Sind Sie Nocebo-gefährdet?

Je mehr Fragen Sie zustimmen, desto anfälliger sind Sie für den Nocebo-Effekt.

  • Sind Sie eher ein negativ eingestellter Mensch?
  • Reden Sie mit anderen häufig über Krankheiten?
  • Studieren Sie Todesanzeigen oder Berichte über Katastrophen?
  • Beobachten Sie täglich sorgfältig Ihren Körper, ob noch alles in Ordnung ist?
  • Lesen Sie Beipackzettel von Medikamenten intensiv?
  • Leiden Sie unter Ängsten?
  • Reagieren Sie bei Stress mit körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Magenschmerzen, Rückenschmerzen?
  • Können Sie abends schlecht abschalten?
  • Neigen Sie zum Grübeln?
  • Glauben Sie, dass der Sinn des Lebens im Leiden besteht?
  • Gönnen Sie sich nur selten etwas Positives?
  • Nehmen Sie sich nur selten Zeit für Dinge, die Sie begeistern?

Wie der Glaube an die Heilung gesund macht, so macht die Erwartung, krank zu werden, krank.

Wie hilfreich war der Beitrag für Sie?

4.67 Sterne (6 Leserurteile)

Empfehlungen der Redaktion

Informationen zu Abhängigkeiten von stofflichen und nichtstofflichen Suchtmitteln und zur emotionalen Abhängigkeit.

Im Laufe unseres Lebens müssen wir von vielem Abschied nehmen. Die Verarbeitung des Abschieds braucht Zeit.

mehr laden

Ihr Kommentar

Hinterlassen Sie einen Kommentar und helfen anderen mit Ihrer Erfahrung.

Bitte die zwei gleichen Bilder auswählen:

Inhalt des Beitrags   
Inhalt des Beitrags 
 Video: Die Macht negativer Gedanken
 Kann man sich krank denken?
 Welche Menschen sind besonders gefährdet, Opfer des Nocebo Effektes zu werden?
 Wie sich vor dem Nocebo-Effekt schützen?
 Test: Sind Sie Nocebo-gefährdet?
 Wie der Glaube an die Heilung gesund macht, so macht die Erwartung, krank zu werden, krank.
 Weitere Beiträge