Einen geliebten Menschen verlieren

Einleitung

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir begegnen uns in einem der schwersten Lebensabschnitte Ihres Lebens. Sie haben einen lieben Menschen verloren und sind überwältigt von all dem, was sich in Ihrem Inneren abspielt. Sie fühlen Verzweiflung, Wut, Schuld, Angst und haben eine Vielzahl von körperlichen Beschwerden.

Zugegeben, ich hätte Sie lieber auch an einer anderen Stelle in Ihrem Leben getroffen, an der wir gemeinsam hätten lachen können.

Doch vielleicht ist diese Stelle jetzt sogar die Stelle, an der Sie mehr Unterstützung brauchen. Vielleicht können wir beide an dieser Erfahrung viel mehr wachsen als an dem gemeinsamen Lachen und der Freude.

Ich weiß, daß ich Ihnen diesen lieben Menschen nicht ersetzen kann. Niemand kann das. Der Tod eines lieben Menschen ist vergleichbar mit einer schweren Operation, der Sie sich unterziehen.

Er hinterläßt eine Wunde, die sehr schmerzt und die nur sehr langsam heilen wird. Es wird eine Narbe bleiben, aber Ihr Körper und Ihre Seele können mit ihr leben lernen.

Sie können Vertrauen haben, die Wunde wird sich schließen. Sie wird sich schließen, wenn Sie alles dafür tun, daß sie sich schließen kann. Es wird immer eine Narbe bleiben, aber Ihr Körper und Ihre Seele können lernen, mit ihr zu leben.

Ich habe mich entschlossen, ein Buch zum Thema Tod und Trauer zu schreiben, weil ich jeden Tag in meiner Praxis erlebe, wie hilflos wir Menschen bei diesem Thema sind.

Der Tod verbindet uns Menschen miteinander, denn jeder von uns wird einmal sterben, aber gleichzeitig trennt er uns auch. Wenn wir einen nahen Angehörigen verlieren, fühlen wir uns meist sehr allein.

Keiner kann unseren Schmerz verstehen und nachempfinden. Um uns herum läuft die Welt weiter, als ob nichts geschehen wäre, während für uns die Welt stehen zu bleiben scheint.

Ich selbst wurde schon mehrmals mit dem Tod in unmittelbarer Nähe konfrontiert. Als ich 10 Jahre alt war, starb mein Vater an Krebs. Ich erlebte, wie hilflos man sich fühlt, wenn man einen lieben Menschen verliert, und ich erlebte die Hilflosigkeit meiner Mutter, mit ihrer Trauer und der ihrer Kinder umzugehen.

Wie dankbar wäre ich gewesen, jemand hätte mir damals beigestanden und mir erklärt, was in einem vorgeht, wenn man trauert. Später verstarb der Schwiegervater sehr plötzlich an einem Herzinfarkt, was in mir erneuten Schmerz und auch nochmals viele Erinnerungen an den Tod meines Vaters wachrief.

In den letzten Jahren verstarben meine beiden Großmütter, was mich wiederum mit Abschiednehmen in Berührung brachte.

Um Trauer zu empfinden, muß der Tote jedoch nicht zu den nächsten Familienangehörigen gehören. Jeder Mensch, der für uns wichtig ist, den wir in unser Herz geschlossen haben, hinterläßt, wenn er geht, eine Lücke, die für uns schmerzhaft ist und uns Kraft kostet, zu schließen.

Ja, sogar der Mensch, den wir hassen, hinterläßt nach seinem Tod in unseren Gefühlen eine Spur. Ich weiß nicht, ob Ihr Verlust schon viele Monate zurückliegt oder gerade erst vor kurzem eingetreten ist. Ich weiß nicht, ob Sie Ihren Partner, Ihr Kind, Ihren Freund oder Ihre Freundin, Mutter oder Vater, einen Schulkameraden oder Geschäftskollegen verloren haben

Ich möchte hier nicht so tun, als wüßte ich, wie Sie sich fühlen. Sie sind der einzige Mensch, der wirklich weiß, wie sich Ihre Trauer anfühlt. Trauer ist eine einzigartige Reaktion, die sich bei jedem Menschen anders äußern kann.

So kann ich Ihnen nur sagen, daß ich weiß, wie sich meine Trauer anfühlt, und daß eine Zeit kommen wird, in der an die Stelle Ihrer Verzweiflung ein neues Lebensgefühl treten wird.

Aus eigener Erfahrung und der meiner Patienten kann ich Ihnen versichern, daß wir Menschen mit der Fähigkeit geboren werden, zu trauern und nach der Trauer zu einem inneren Frieden zu gelangen.

Ich möchte Ihnen mit diesem Buch helfen, Ihre Gefühle und Ihr Verhalten besser zu verstehen und sich in Ihrer Trauer zunächst einmal anzunehmen.

Dann möchte ich Sie durch die verschiedenen Phasen begleiten, die jeder vom tiefsten Schmerz bis zu langsam wieder erwachender neuer Lebensfreude durchläuft.

Auch Sie können in Ihrem Leben wieder Freude empfinden, lachen und einen neuen Lebenssinn finden, auch wenn dies im Augenblick für Sie unvorstellbar oder sogar sarkastisch klingen mag.

Folgen Sie mir bitte durch dieses Buch. Ich kann Ihnen Ihre Trauer nicht ersparen, abnehmen oder wegnehmen, aber ich möchte Ihnen helfen, Ihre Gefühle, die Sie überwältigen, zu verstehen, zu akzeptieren, und Ihnen Mut machen, daß Sie sie beeinflussen und verändern können. Sie dürfen traurig sein.

Ihre Trauer ist normal und menschlich. Ihre Trauer ist ein Teil Ihres Lebens, aber Sie können lernen, mit ihr umzugehen. Sie können lernen, Trauer als eine Aufgabe anzusehen, die Sie bewältigen können.

Haben Sie den Eindruck, unter diesen Umständen nicht weiterleben zu können? Dann geben Sie sich noch eine Chance. Suchen Sie einen Psychotherapeuten auf. Er kann Ihnen die Entscheidung über Leben und Tod nicht abnehmen. Er kann Ihnen aber helfen, die einzelnen Möglichkeiten und Lebensperspektiven, die Ihnen bleiben, noch einmal behutsam anzuschauen.

Sie mögen im Augenblick verwirrt und unfähig sein, sie zu erkennen. Mit ihm können Sie offen über Ihre Gefühle sprechen. Sie brauchen sich nicht zu verstecken oder zu verurteilen, daß Sie sich so elend und hilflos fühlen.

Im Anhang finden Sie Adressen, an die Sie sich wenden können. Versprechen Sie mir, es zu tun. Sie können sich auch an mich wenden, wenn in der Liste kein Therapeut in Ihrer Nähe ist. Ich werde Ihnen dann auf alle Fälle persönlich antworten und Adressen von Therapeuten zuschicken.

Auch wenn Sie Ihren Partner schon vor mehreren Jahren verloren haben, kann es ein, daß Sie die Phase der Trauer noch nicht überwunden haben. Sie empfinden noch immer heftigen Schmerz, wenn der Name des verlorenen Partners fällt, wenn Sie mit ihm in der Erinnerung verknüpfte Orte aufsuchen oder von ihm träumen.

Wenn das, was Sie vor 6 Monaten schmerzte, heute noch mit der gleichen Heftigkeit weh tut, wenn Sie noch immer gleich häufig an den Toten denken, dann ist es hilfreich für Sie, einen Therapeuten aufzusuchen.

Was erwartet Sie in diesem Buch?

Ich habe dieses Buch in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil möchte ich Ihnen darüber berichten, wie unterschiedlich verschiedene Kulturen mit dem Tod umgehen, welche Phasen alle Trauernden durchlaufen und welche Mythen in unserer Gesellschaft zum Tod existieren.

Ferner erfahren Sie, auf welche Weise sich die Trauer bei Kindern äußern kann, welche Hilfe uns die Religion für den Umgang mit dem Tod gibt und welche inneren Kräfte wir einsetzen können, um mit dem Verlust fertig zu werden.

Im zweiten Teil möchte ich Sie durch die unterschiedlichen Phasen Ihrer Trauer begleiten und Ihnen dabei behilflich sein, sich zu verstehen, anzunehmen und die Phasen zu überwinden.

Weitere Leseproben

Kapitel 2
Phasen der Trauerverarbeitung

Kapitel 8
Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens

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... habe vor drei Monaten meinen Mann durch einen tragischen Unfall verloren. Zu Ihrem Buch bin ich durch Freunde gekommen, die mir helfen wollten.

Dieses Buch ist für mich Alles. Ich bezeichne es immer als meine Bibel. Wann immer ich unten bin, und das ist noch sehr oft, greife ich zu diesem Buch und finde Trost und Verständnis.

Dieses Buch gibt mir das Gefühl, als ob Sie nur für mich geschrieben haben und wir uns schon ewig kennen. Wie eine gute Freundin eben.

Ilse Kaiser

Expertenempfehlung

Heike Born

Heike Born
Diplom Psychologin, Wiesbaden

Ich empfehle meinen Patienten die Bücher aus dem PAL Verlag, weil sie die Selbstveränderung auf hervorragende Weise unterstützen. Viele Menschen finden leicht Zugang zu den Inhalten durch die gut verständliche Sprache.

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