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Trost spenden - die richtigen Worte finden

Frau tröstet eine Freundin

Einen Freund oder einen lieben Menschen trösten ist keine leichte Aufgabe. Das Elend und Schicksal anderer macht die meisten von uns hilflos und sprachlos.

Wir tun uns schwer, tröstende Worte zu finden. "Wie kann ich trösten und helfen?" fragen Sie sich vielleicht. Anregungen hierfür finden Sie hier.

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Eine Freundin ruft weinend an, weil ihr Mann mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Letzte Woche hat man Ihren Nachbarn zu Grabe getragen und Sie wissen nicht, wie Sie seiner verzweifelten Frau im Treppenhaus begegnen sollen.

Verluste, Krisen, Kummer und Schmerz anderer bringen uns in Kontakt mit unseren eigenen Ängsten und wunden Punkten, die uns das Trösten erschweren können.

Schauen wir uns an, wie wir anderen Menschen in schweren Zeiten Trost spenden können.

Warum Trösten und Trost spenden schwerfällt

Wir Menschen sind soziale Wesen. Als solche sind wir empfänglich für die seelische Verfassung unserer Mitmenschen.

Sind nahestehende Menschen unglücklich und verzweifelt, gerät auch unser seelisches Gleichgewicht ins Wanken.

Wir reagieren mit Betroffenheit, Unsicherheit, Traurigkeit, Verzweiflung, Mitleid, Mitgefühl, Angst, Schuldgefühlen und Hilflosigkeitsgefühlen.

Unsere Betroffenheit und Unsicherheit sind umso stärker, je

Durch den Betroffenen und sein Leid kommen wir mit unseren Ängsten vor Krankheiten, Tod und Verlusten in Berührung.

Plötzlich rückt die Möglichkeit, dass wir auch in eine solch schwierige Situation kommen könnten, sehr viel näher.

Wenn es unseren Freund oder Nachbarn getroffen hat, dann könnten wir dasselbe Schicksal erleiden.

Haben wir in der Vergangenheit auch einen geliebten Menschen verloren, dann kann die Begegnung mit dem Trauernden wieder die „Kiste mit all den schmerzhaften Gefühlen“ öffnen, die wir bis jetzt gut verschlossen hielten.

Wenig hilfreiche Wege, Trost zu spenden

Wie wir andere trösten, hat immer etwas damit zu tun, wie wir selbst mit unseren Gefühlen umgehen.

Wer selbst hart mit sich umgeht, wird es anderen gegenüber meist auch sein. Haben wir Angst, aus der Fassung zu geraten, werden wir auch bei anderen die für uns bedrohlichen Themen meiden. 

Haben wir Angst, unser Gegenüber weinen zu sehen und ihn vielleicht gar nicht mehr zum Aufhören bewegen zu können, werden wir ebenfalls „bedrohliche” Themen meiden.

Um für uns bedrohlich und schmerzhaft erscheinende Gefühle zu vermeiden, versuchen wir möglicherweise „die Luke dicht zu halten” und dem Betroffenen aus dem Weg zu gehen: Wir gehen nicht zur Beerdigung, besuchen ihn nicht in der Klinik, schreiben keine Beileidskarte oder rufen ihn nicht an.

Im unmittelbaren Kontakt mit einem verzweifelten Menschen, der z.B. seine Gesundheit oder einen lieben Menschen verloren hat, gibt es ebenfalls Reaktionsweisen, mit denen wir negativen Gefühle bei dem Betroffenen und bei uns zu vermeiden suchen:

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Wie einem Freund oder lieben Menschen Trost spenden?

Es gibt nicht die eine richtige Reaktion. Trösten sollte aber auf keinen Fall so verstanden werden, dass wir vermeiden müssen, dass der andere weint.

Trost spenden bedeutet auch nicht, dass der Getröstete nach den tröstenden Worten wieder glücklich durchs Leben geht.

Das Trösten besteht aus unterschiedlichen Teilen:

1. dem Betroffenen das Recht auf seine Gefühle einräumen, ihm zu verstehen geben, dass er weinen und traurig, ängstlich oder verbittert sein darf.

2. uns bemühen, zu verstehen, weshalb der Betroffene verzweifelt und deprimiert ist.

3. dem Betroffenen das Gefühl geben, dass wir für ihn da sind, wenn er uns braucht.

4. mit dem Betroffenen nach Wegen suchen, wie er mit dem Verlust umgehen kann.

Für einen Betroffenen kann es hilfreich sein,

Die Devise beim Trösten heißt: Berühren, zuhören, emotionale Wärme spenden, reden und handeln.

Diese Verhaltensweisen sind keine Garantie, dass wir dem Betroffenen tatsächlich eine Hilfe sind.

Jeder Mensch reagiert anders, stellt sich Hilfe anders vor und braucht zu unterschiedlichen Zeitpunkten auch unterschiedliche Unterstützung.

Mal braucht er vielleicht eine Umarmung, zu einem anderen Zeitpunkt einen schweigenden Zuhörer oder einen Begleiter, der ihn an die Hand nimmt und aufmuntert.

Wichtig zu wissen: es ist in Ordnung, sich und dem anderen einzugestehen, wenn man sich auch hilflos, überfordert oder ohnmächtig fühlt. Kein Grund, sich dafür zu schämen.

Ratgeber Gefühle verstehen

Wie der Getröstete reagieren kann

Der Betroffene durchläuft nach einem Schicksalsschlag oder in einer Krise unterschiedliche Phasen: Zunächst verleugnet er meist den Tod, die Erkrankung oder die neue Situation. Er steht unter Schock.

Dann brechen die Gefühle auf und er verspürt Verzweiflung, Ängste, Schuldgefühle und Wut. Dann lernt er, die Situation anzunehmen und ein neues Gleichgewicht zu finden.

Je nachdem, in welcher Phase sich der Betroffene befindet, wird er anders auf unsere Versuche, ihn zu trösten, reagieren. Mal wird er gar nicht, mal ununterbrochen über seine Situation sprechen wollen.

Er wird bisweilen auf unsere tröstenden Worte mit Verbitterung, Neid, Gereiztheit und Aggressivität reagieren.

Vielleicht wird er auch mehrmals eine Verabredung mit uns kurzfristig absagen oder einfach während des Gesprächs den Telefonhörer auflegen.

All diese Reaktionen haben nichts mit uns zu tun, sondern mit seiner momentanen seelischen Verfassung.

Wenn der Getröstete nichts annimmt

Wenn wir einen Menschen trösten, werden wir auch bei uns ganz unterschiedliche Gefühlsregungen feststellen.

Wir gehen vielleicht zunächst mit sehr viel Engagement auf den Freund oder lieben Menschen zu. Bemerken wir, dass der Betroffene nichts von uns annimmt und es ihm nicht besser geht, können wir leicht in Resignation oder auch Wut geraten.

Dann sollten wir uns daran erinnern, dass der Weg durch eine Krise lange dauern kann und der Getröstete uns nicht ärgern will. Er braucht noch Zeit, seinen Schmerz zu verarbeiten oder kann unseren Zuspruch nicht annehmen.

Er kann im Augenblick nicht auf uns eingehen und sich um unsere Gefühle kümmern; er ist zu stark mit sich selbst beschäftigt.

Wir haben das Recht, uns auch Zeiten zu gönnen, in denen wir für uns Kräfte sammeln und nicht für den anderen da sind. Nur wenn wir auch gut für uns sorgen, können wir ihn über einen längeren Zeitraum begleiten.

Wichtig ist auch, dass wir, sollten wir bemerken, dass uns die Begleitung überfordert, ihn motivieren, Kontakt mit einem Psychotherapeuten oder Arzt aufzunehmen. Das sollten wir auf jeden Fall tun, wenn er über Selbstmord redet.

Trösten ist eine Kunst des Herzens. Sie besteht oft nur darin, liebevoll zu schweigen und schweigend mitzuleiden.
Otto von Leixner

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Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar Bianca schreibt am 13.11.2016, 18.19 Uhr

    Ich habe eine frage. Seit einiger zeit habe ich kontakt zum kollegen meines ex Mannes. Wir haben uns verliebt. Sein opa ist sehr krank. Krebs nierenversagen. Am 28.10.16 kam der opa in ein einzelzimmer. Ich weiss nun leider nicht ob er verstorben ist oder nicht. Ich schreib ihm 2 mal die woche und frage ob ich was tun kann und das ich die ganze zeit bei ihm bin. Er antwortet nicht. Heut hab ich ihn gefragt ob ich ihn auf einen spaziergang einladen kann, keine reaktion. Ich stand nun die letzten 2 monate 3 mal unerwartet vor seiner tür weil ich mir so gedanken machte da er nicht antwortete. Ich kann doch nicht wieder einfach hinfahren. Zumal er als letztes schrieb er möchten niemanden sehn egal wer es ist und sorry. Mehr nicht. Was soll ich tun. Mir geht es nicht gut dabei wenn er allein ist auch wenn er das gesagt hatte. Kann mir jemand helfen wie ich damit umgehen soll? Gerne auch über whats app. Meine nummer 0178-4388761. Ich bin für jeden rat dankbar. Bianca

  2. Leserkommentar Heike schreibt am 09.11.2016, 12.19 Uhr

    Vielen Dank Frau Wolf, Sie haben mir hier sehr geholfen. Heute ist mir eine gute Bekannte begegnet. Sie hat Krebs. Ich wusste dies, aber ich wollte mich auch nicht mit dummen Ratschlägen aufdrängen. Deshalb habe ich sie einfach gefragt, ob ich sie besuchen darf und sie hat dies bejaht, mich aber darum gebeten, vorher kurzfristig anzurufen, weil sie auch Tage hat, wo sie mit sich allein klar kommen muss. Nun bin ich selbst krank, habe MS. Meine Ärztin meint, ich bin seelisch stark. Das glaube ich auch, mich trägt meine Familie und ich bin trotzdem meistens gut drauf. Deshalb möchte ich meine Bekannte trösten. Aber ich hatte auch Angst ihr etwas überzustülpen. Was Sie oben geschrieben haben, hat mir sehr gefallen und ich weiß jetzt, wie ich mit ihr umgehen kann. Ob ich alles richitg mache, weiß ich dennoch nicht, aber ich habe eigentlich ein gutes GEfühl. Ich werde sie fragen, ob sie über ihre Situation reden möchte. Wenn ja, werde ich versuchen, einfach zuzuhören und falls sie es mag, sie auch mal tröstend zu berühren. Wenn sie darüber schweigen möchte, werde ich ihr auch folgen. Ansonsten werde ich ihr wünschen, auch mal egoistisch zu sein und nicht wie sonst immer für andere da zu sein. Nochmals "Danke" und "Seien Sie behütet!" Einen schönen Tag und Liebe Grüße Heike

  3. Leserkommentar Stefan schreibt am 29.10.2016, 20.02 Uhr

    Aufzuzählen was mir alles schon widerfahren ist würde den Rahmen sprengen. Ich möchte den leidenden Seelen nur sagen das sie geprüft werden und sich dieser Prüfung stellen müssen,so schwer sie auch ist. Ihr seid nicht alleine! Habt Mut und die Kraft wird kommen das alles zu schaffen. Den starken Seelen sei gesagt, das ihr diejenigen seid die helfen können. Ihr werden wissen wann...und ihr werdet spüren wie. Auch Euch wünsche ich den Mut dann da zu sein wenn ihr gebraucht werdet, denn das ist Eure Aufgabe. Namas te

  4. Leserkommentar Meganespresso schreibt am 19.10.2016, 15.38 Uhr

    Ich möchte gerne meine Erfahrung schildern zum Thema trösten! Nur schwache und labile Menschen brauchen einen Menschen der Sie tröstet gut zu redet etc... Aber stellt euch mal die Situation vor euch passiert etwas und es ist niemand zur Hand der euch trösten kann oder viele Menschen wenden sich auch einfach ab weil Sie zu schwach oder feige sind! Ich rate jedem aus eigener Erfahrung sich das selbsttrösten beizubringen ohne andere damit zu belasten.Wer das absolut nicht kann braucht professionelle Hilfe.... Manche trösten sich auch mit ihrem Glauben. Ich z.B.führe 1mal in der Woche für max 1 h so eine art Selbstgespräch in mein inneres ich und indirekt hört der da oben mit.Wenn das raus ist und man sich ausgeheult hat etc...das ist viel besser als wenn dir jemand sein ihr schenkt...weil der andere Mensch kann nur dir Ratschläge geben...aber ob die das richtige sind bezweifle ich! Weil du nur du selbst weißt was dir wirklich hilft! Ich jalte nichts davon andere zu trösten...ich sage ihnen das musst du allein!

  5. Leserkommentar J.Schröder schreibt am 12.10.2016, 23.01 Uhr

    Meine Mutter ist eine beeindruckende Frau. Sie hat eine reine Seele und ist mehr für andere da als für sich. Von heute auf morgen wurde sie von ihrem mann verlassen. In meinen augen ein psychisch kranker desillusionierter mensch. Seither steht sie unter schock. Sie ist auf 48kg abgemagert, bei 1.72m. Aber das schlimmste ist dass ich das mit gebundenen händen mitansehen muss. Ich trage so viel wut und verzweiflung in mir. Wenn ich könnte ich würde mir nichts mehr wünschen als dass sie es leichter ertragen kann. Sie ist ein schatten ihrerselbst. Die lebensgeister sind durch dieses ereignis verschwunden. Tröstend helfen ist so schwer

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Dieses Buch ist für mich Alles. Es ist meine Bibel. Wann immer ich unten bin, greife ich zu diesem Buch und finde Trost und Verständnis.

Es gibt mir das Gefühl, als ob Frau Wolf dieses Buch nur für mich geschrieben hat und wir uns schon ewig kennen.

Wie eine gute Freundin eben. Es hilft die Trauer zu verstehen und die Trauerphasen besser zu bewältigen.

Hanni

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Dr. Hohler

Dr. Reinhold Hohler
Diplom Psychologe, Wiesbaden

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