Keine Selbstachtung? Bereits 300.000 Leser vertrauten diesem Ratgeber >>

Trost spenden - die richtigen Worte finden

Frau tröstet eine Freundin

Einen Freund oder einen lieben Menschen trösten ist keine leichte Aufgabe. Das Elend und Schicksal anderer macht die meisten von uns hilflos und sprachlos.

Wir tun uns schwer, tröstende Worte zu finden. "Wie kann ich trösten und helfen?" fragen Sie sich vielleicht. Anregungen hierfür finden Sie hier.

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Eine Freundin ruft weinend an, weil ihr Mann mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Letzte Woche hat man Ihren Nachbarn zu Grabe getragen und Sie wissen nicht, wie Sie seiner verzweifelten Frau im Treppenhaus begegnen sollen.

Verluste, Krisen, Kummer und Schmerz anderer bringen uns in Kontakt mit unseren eigenen Ängsten und wunden Punkten, die uns das Trösten erschweren können.

Schauen wir uns an, wie wir anderen Menschen in schweren Zeiten Trost spenden können.

Warum Trösten und Trost spenden schwerfällt

Wir Menschen sind soziale Wesen. Als solche sind wir empfänglich für die seelische Verfassung unserer Mitmenschen.

Sind nahestehende Menschen unglücklich und verzweifelt, gerät auch unser seelisches Gleichgewicht ins Wanken.

Wir reagieren mit Betroffenheit, Unsicherheit, Traurigkeit, Verzweiflung, Mitleid, Mitgefühl, Angst, Schuldgefühlen und Hilflosigkeitsgefühlen.

Unsere Betroffenheit und Unsicherheit sind umso stärker, je

Durch den Betroffenen und sein Leid kommen wir mit uns unseren Ängsten vor Krankheiten, vor Tod und Verlusten in Berührung.

Plötzlich rückt die Möglichkeit, dass wir auch in eine solch schwierige Situation kommen könnten, sehr viel näher. Wenn es unseren Freund oder Nachbarn getroffen hat, dann könnten wir auch dasselbe Schicksal erleiden.

Haben wir in der Vergangenheit auch einen geliebten Menschen verloren, dann kann die Begegnung mit dem Trauernden wieder die „Kiste mit all den schmerzhaften Gefühlen“ öffnen, die wir bis jetzt gut verschlossen hielten.

Wenig hilfreiche Wege, Trost zu spenden

Wie wir andere trösten, hat immer etwas damit zu tun, wie wir selbst mit unseren Gefühlen umgehen.

Wer selbst hart mit sich umgeht, wird es anderen gegenüber meist auch sein. Haben wir Angst, aus der Fassung zu geraten, werden wir auch bei anderen die für uns bedrohlichen Themen meiden. 

Haben wir Angst, unser Gegenüber weinen zu sehen und ihn vielleicht gar nicht mehr zum Aufhören bewegen zu können, werden wir ebenfalls „bedrohliche” Themen meiden.

Um für uns bedrohlich und schmerzhaft erscheinende Gefühle zu vermeiden, versuchen wir möglicherweise „die Luke dicht zu halten” und dem Betroffenen aus dem Weg zu gehen: Wir gehen nicht zur Beerdigung, besuchen ihn nicht in der Klinik, schreiben keine Beileidskarte oder rufen ihn nicht an.

Im unmittelbaren Kontakt mit einem verzweifelten Menschen, der z.B. seine Gesundheit oder einen lieben Menschen verloren hat, gibt es ebenfalls Reaktionsweisen, mit denen wir negativen Gefühle bei dem Betroffenen und bei uns zu vermeiden suchen:

newsletter

Wie einem Freund oder lieben Menschen Trost spenden?

Es gibt nicht die eine richtige Reaktion. Trösten sollte aber auf keinen Fall so verstanden werden, dass wir vermeiden müssen, dass der andere weint.

Trost spenden bedeutet auch nicht, dass der Getröstete nach den tröstenden Worten wieder glücklich durchs Leben geht.

Das Trösten besteht aus unterschiedlichen Teilen:

1. dem Betroffenen das Recht auf seine Gefühle einräumen, ihm zu verstehen geben, dass er weinen und traurig, ängstlich oder verbittert sein darf.

2. uns bemühen, zu verstehen, weshalb der Betroffene verzweifelt und deprimiert ist.

3. dem Betroffenen das Gefühl geben, dass wir für ihn da sind, wenn er uns braucht.

4. mit dem Betroffenen nach Wegen suchen, wie er mit dem Verlust umgehen kann.

Für einen Betroffenen kann es hilfreich sein,

Die Devise beim Trösten heißt: Berühren, zuhören, emotionale Wärme spenden, reden und handeln.

Diese Verhaltensweisen sind keine Garantie, dass wir dem Betroffenen tatsächlich eine Hilfe sind.

Jeder Mensch reagiert anders, stellt sich Hilfe anders vor und braucht zu unterschiedlichen Zeitpunkten auch unterschiedliche Unterstützung.

Mal braucht er vielleicht eine Umarmung, zu einem anderen Zeitpunkt einen schweigenden Zuhörer oder einen Begleiter, der ihn an die Hand nimmt und aufmuntert.

Wichtig zu wissen: es ist in Ordnung, sich und dem anderen einzugestehen, wenn man sich auch hilflos, überfordert oder ohnmächtig fühlt. Kein Grund, sich dafür zu schämen.

Ratgeber Gefühle verstehen

Wie der Getröstete reagieren kann

Der Betroffene durchläuft nach einem Schicksalsschlag oder in einer Krise unterschiedliche Phasen: Zunächst verleugnet er meist den Tod, die Erkrankung oder die neue Situation. Er steht unter Schock.

Dann brechen die Gefühle auf und er verspürt Verzweiflung, Ängste, Schuldgefühle und Wut. Dann lernt er, die Situation anzunehmen und ein neues Gleichgewicht zu finden.

Je nachdem, in welcher Phase sich der Betroffene befindet, wird er anders auf unsere Versuche, ihn zu trösten, reagieren. Mal wird er gar nicht, mal ununterbrochen über seine Situation sprechen wollen.

Er wird bisweilen auf unsere tröstenden Worte mit Verbitterung, Neid, Gereiztheit und Aggressivität reagieren.

Vielleicht wird er auch mehrmals eine Verabredung mit uns kurzfristig absagen oder einfach während des Gesprächs den Telefonhörer auflegen.

All diese Reaktionen haben nichts mit uns zu tun, sondern mit seiner momentanen seelischen Verfassung.

Wenn der Getröstete nichts annimmt

Wenn wir einen Menschen trösten, werden wir auch bei uns ganz unterschiedliche Gefühlsregungen feststellen.

Wir gehen vielleicht zunächst mit sehr viel Engagement auf den Freund oder lieben Menschen zu. Bemerken wir, dass der Betroffene nichts von uns annimmt und es ihm nicht besser geht, können wir leicht in Resignation oder auch Wut geraten.

Dann sollten wir uns daran erinnern, dass der Weg durch eine Krise lange dauern kann und der Getröstete uns nicht ärgern will. Er braucht noch Zeit, seinen Schmerz zu verarbeiten oder kann unseren Zuspruch nicht annehmen.

Er kann im Augenblick nicht auf uns eingehen und sich um unsere Gefühle kümmern; er ist zu stark mit sich selbst beschäftigt.

Wir haben das Recht, uns auch Zeiten zu gönnen, in denen wir für uns Kräfte sammeln und nicht für den anderen da sind. Nur wenn wir auch gut für uns sorgen, können wir ihn über einen längeren Zeitraum begleiten.

Wichtig ist auch, dass wir, sollten wir bemerken, dass uns die Begleitung überfordert, ihn motivieren, Kontakt mit einem Psychotherapeuten oder Arzt aufzunehmen. Das sollten wir auf jeden Fall tun, wenn er über Selbstmord redet.

Trösten ist eine Kunst des Herzens. Sie besteht oft nur darin, liebevoll zu schweigen und schweigend mitzuleiden.
Otto von Leixner

Ihnen gefällt mein Beitrag? Dann teilen Sie ihn auf teilen auf facebook Facebook. Danke!


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

Lust auf positive Impulse? Dann holen Sie sich meinen Newsletter.

newsletter abonnieren


Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Trösten?

Hinterlassen Sie einen Kommentar und teilen Ihre Erfahrung mit anderen.

Ihr Name
Ihr Kommentar
maximal 1500
Zeichen!
Zur Spam-
vermeidung Zahl
eingeben
captcha

  1. Leserkommentar Molly schreibt am 20.09.2016, 09.07 Uhr

    ich fühle und leide mit.Es ist nicht einfach zu troesten.,manchmal fühle ich mich hilflos wenn die andere Seite abblockt.Ich kann den Schmerz nachempfinden und kann nichts tun.Dann wieder sprudelt es wie ein Wasserfall.Viele Hochs und Tiefs doch für Menschen die mir am Herzen liegen bin ich bereit dazu.

  2. Leserkommentar Christa G. schreibt am 24.06.2016, 22.58 Uhr

    Ihre Worte treffen ins Schwarze. Den richtigen Trost können nur wenige Menschen geben. Nach einem schweren Schicksalsschlag konnte ich nur wenige Menschen um mich herum ertragen. Sprüche und Floskeln erträgt man nicht! Die engsten Vertrauten handeln instinktiv richtig. Sie sind stumm da, und helfen ohne zu fragen. Ich las einen passenden Spruch: Manchmal ist eine lange Umarmung die beste Lösung. Wer sich nicht mehr meldet, war niemals ein Freund. Ohne die herzliche Hilfe von lieben Menschen schafft man schwierige Situationen nicht.

  3. Leserkommentar Tobias schreibt am 30.04.2016, 16.14 Uhr

    Die Mutter meines besten Freundes hat sich umgebracht. Sie hatte Depressionen. Vor wenigen Tagen haben wir noch darüber gesprochen, ob sie Gedanken an Selbstmord hat. Es gab keine Anzeichen. Mein eigener Vater hatte auch schwere Depressionen. Vielleicht erschwert mir das, es zu verarbeiten. Ich war da als der Anruf kam. Ich habe noch nie solch einen verzweifelten Menschen gesehen wieder in der Wirklichkeit noch im Film. Er hat nur noch geweint, geschrien, ist umhergelaufen hat sich auf den Boden fallen lassen draußen auf der Straße hat so schnell geatmet hat Sachen geworfen und hat gar nicht mehr aufhören können zu weinen. Er war so gebrochen! Es gibt einfach nichts was man in diesem Moment sagen kann oder soll man kann keinen Trost spenden welchen Trost soll es denn geben?? natürlich war ich für ihn da und habe ihm das auch versichert. Ich hab ihn gehalten bin mit ihm spazieren gegangen. Diese Hilflosigkeit dieser Anblick ihn so zu sehen das kann ich nur schwer verarbeiten. Die Bilder tauchen immer wieder auf das war ein richtiger Schock. ich habe das noch nie gesehen. Aber was ich auch gesehen habe, als wir auf der Straße waren, so viele Menschen die sich kümmern wollten, die fragten ob man helfen kann, die uns etwas zum Trinken spendierten. Auch das werde ich nie vergessen. Was das Menschsein ausmacht.... Die Fähigkeit zu so großer Trauer und Verzweiflung und die Fähigkeit zu Solidarität.

  4. Leserkommentar ina schreibt am 28.03.2016, 13.34 Uhr

    Ich bin seit knapp zwei jahren von meinem ex getrennt er hatte gleich ne andere und hat sie immer noch nun hat auch meine jüngere Schwester einen freund und ich bin traurig niemand festes zu haben komm im Moment auch selten raus hab angst allein bleiben zu müssen Hilfe ???

  5. Leserkommentar Brigitte schreibt am 06.03.2016, 21.43 Uhr

    Meine Schwester und Nichte durchlaufen eine sehr traurige Zeit. Meine Nichte hat am Freitag ihre Zwillinge vorzeitig per Kaiserschnitt geboren. Das Mädchen stirbt 13 Std. nach der Geburt, der Jung 500g schwer lebt noch. Werde Beide bei der Besetzung des Mädchens treffen, ich hoffe und wünsche mir die richtigen Worte zufinden. Bin sowas von unsicher, konnte ich noch nie, hab solche Situationen immer gemieten, aber hier geht es jetzt nicht. Die Babys waren durch künstliche Befruchtung gezeugt, alle waren so happy und nun so was, traurig.

  6. Seite:
newsletter abonnieren

Trauerhilfe Ratgeber von Dr. Doris Wolf

Einfühlsamer Trostspender & Trauerbegleiter

Trauerbegleiter, der Trost und Anteilnahme spendet

38 positive Empfehlungen Ratgeber Trauerbewältigung Bewertungen

Ratgeber Trauerbewältigung anschauen

Leserstimme Leserstimme zum Trauerratgeber

Dieses Buch ist für mich Alles. Es ist meine Bibel. Wann immer ich unten bin, greife ich zu diesem Buch und finde Trost und Verständnis.

Es gibt mir das Gefühl, als ob Frau Wolf dieses Buch nur für mich geschrieben hat und wir uns schon ewig kennen.

Wie eine gute Freundin eben. Es hilft die Trauer zu verstehen und die Trauerphasen besser zu bewältigen.

Hanni

Expertenempfehlung

Dr. Hohler

Dr. Reinhold Hohler
Diplom Psychologe, Wiesbaden

Ich empfehle die Bücher von Frau Wolf, weil sie verständlich geschrieben sind, sich an aktuellen Forschungen orientieren & einen konkreten Alltagsbezug haben.

Ratgeber Trennung Scheidung bewältigen

Ratgeber Scheidung Trennung verarbeiten

135 (!) positive Empfehlungen Scheidungsratgeber Bewertungen


Ratgeber Trennung Scheidung bestellen

facebook teilen

Weisheiten

selbstvertrauen