Trost spenden - die richtigen Worte finden

Einen Menschen trösten und die richtigen Worte finden ist nicht einfach. Wir fühlen uns hilflos wissen nicht was tun. In diesem Beitrag bekommen Sie Hilfen für Zuspruch und Trost.

Trost spenden - die richtigen Worte finden
© NCI, unsplash.com

Einen Freund oder einen lieben Menschen trösten ist keine leichte Aufgabe. Das Elend und Schicksal anderer macht die meisten von uns hilflos und sprachlos. Wir tun uns schwer, tröstende Worte zu finden. "Wie kann ich trösten und helfen?", fragen Sie sich vielleicht. Anregungen hierfür finden Sie hier. Eine Freundin ruft weinend an, weil ihr Mann mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Letzte Woche hat man Ihren Nachbarn zu Grabe getragen und Sie wissen nicht, wie Sie seiner verzweifelten Frau im Treppenhaus begegnen sollen.

Verluste, Krisen, Kummer und Schmerz anderer bringen uns in Kontakt mit unseren eigenen Ängsten und wunden Punkten, die uns das Trösten erschweren können. Schauen wir uns an, wie wir anderen Menschen in schweren Zeiten Trost spenden können.

Warum Trösten und Trost spenden schwerfällt

Wir Menschen sind soziale Wesen. Als solche sind wir empfänglich für die seelische Verfassung unserer Mitmenschen. Sind nahestehende Menschen unglücklich und verzweifelt, gerät auch unser seelisches Gleichgewicht ins Wanken. Wir reagieren mit Betroffenheit, Unsicherheit, Traurigkeit, Verzweiflung, Mitleid, Mitgefühl, Angst, Schuldgefühlen und Hilflosigkeitsgefühlen.

Unsere Betroffenheit und Unsicherheit sind umso stärker, je

  • mehr wir uns in den Trauernden oder Verzweifelten hineinversetzen und ihm nahestehen.
  • intensiver wir uns ausmalen, wie es uns in einer solch schwierigen Situation gehen würde.
  • weniger wir eine Lösung für die Probleme des Betroffenen erkennen können.

Durch den Betroffenen und sein Leid kommen wir mit unseren Ängsten vor Krankheiten, Tod und Verlusten in Berührung. Plötzlich rückt die Möglichkeit, dass wir auch in eine solch schwierige Situation kommen könnten, sehr viel näher. Wenn es unseren Freund oder Nachbarn getroffen hat, dann könnten wir dasselbe Schicksal erleiden.

Haben wir in der Vergangenheit auch einen geliebten Menschen verloren, dann kann die Begegnung mit dem Trauernden wieder die „Kiste mit all den schmerzhaften Gefühlen“ öffnen, die wir bis jetzt gut verschlossen hielten.

Wenig hilfreiche Wege, Trost zu spenden

Wie wir andere trösten, hat immer etwas damit zu tun, wie wir selbst mit unseren Gefühlen umgehen. Wer selbst hart mit sich umgeht, wird es anderen gegenüber meist auch sein. Haben wir Angst, aus der Fassung zu geraten, werden wir auch bei anderen die für uns bedrohlichen Themen meiden. Haben wir Angst, unser Gegenüber weinen zu sehen und ihn vielleicht gar nicht mehr zum Aufhören bewegen zu können, werden wir ebenfalls "bedrohliche" Themen meiden.

Um für uns bedrohlich und schmerzhaft erscheinende Gefühle zu vermeiden, versuchen wir möglicherweise „die Luke dicht zu halten” und dem Betroffenen aus dem Weg zu gehen: Wir gehen nicht zur Beerdigung, besuchen ihn nicht in der Klinik, schreiben keine Beileidskarte oder rufen ihn nicht an.

Im unmittelbaren Kontakt mit einem verzweifelten Menschen, der z. B. seine Gesundheit oder einen lieben Menschen verloren hat, gibt es ebenfalls Reaktionen, mit denen wir negativen Gefühle bei dem Betroffenen und bei uns zu vermeiden suchen:

  • Wir spielen die Ernsthaftigkeit der Lage herunter und beschwichtigen: "Ist doch alles nicht so schlimm.”
  • Wir ziehen Vergleiche: "Mir ist das auch mal passiert und es ging wieder vorüber”. „Ich weiß, wie es Ihnen geht.”
  • Wir wecken falsche Hoffnungen: "Es wird bestimmt alles wieder gut."
  • Wir überschütten mit Mitleid: "Sie Armer. Wie schrecklich doch die Welt ist."
  • Wir appellieren an die Vernunft: "Jetzt reiß dich doch mal zusammen.", "Bis jetzt hattest Du doch eine sorgenfreie Zeit."
  • Wir nehmen die Gefühle des anderen nicht ernst: "Da braucht man doch nicht gleich verzweifeln.", "Zeit heilt die Wunden.", "Andere sind noch schlimmer dran.", "Das Leben geht weiter.", "Wir sind auf der Welt, um zu leiden."
  • Wir schweigen das Thema tot oder lenken vom Thema ab.

Wie einem Freund oder lieben Menschen Trost spenden?

Es gibt nicht die eine richtige Reaktion. Trösten sollte aber auf keinen Fall so verstanden werden, dass wir vermeiden müssen, dass der andere weint. Trost spenden bedeutet auch nicht, dass der Getröstete nach den tröstenden Worten wieder glücklich durchs Leben geht.

Das Trösten besteht aus unterschiedlichen Teilen:

  1. dem Betroffenen das Recht auf seine Gefühle einräumen, ihm zu verstehen geben, dass er weinen und traurig, ängstlich oder verbittert sein darf.
  2. uns bemühen, zu verstehen, weshalb der Betroffene verzweifelt und deprimiert ist.
  3. dem Betroffenen das Gefühl geben, dass wir für ihn da sind, wenn er uns braucht.
  4. mit dem Betroffenen nach Wegen suchen, wie er mit dem Verlust umgehen kann.

Für einen Betroffenen kann es hilfreich sein,

  • ihn ganz konkret zu fragen: "Wie geht es Dir wirklich?", "Was genau kann ich tun, um dir zu helfen?" Selbstverständlich sollten wir die Versprechungen auch einhalten.
  • ihm durch nonverbale Signale zu zeigen, dass wir bei ihm sind – z. B. indem wir unsere Hand auf seine Schulter oder seine Hand legen oder ihn in unsere Arme nehmen.
  • ihn immer wieder anzurufen und nachzufragen, ob man etwas für ihn tun kann. Die Unterstützung beim Einkaufen, bei Behördengängen etc. kann ihm das Gefühl vermitteln, nicht allein und für andere Menschen noch wichtig zu sein.

Die Devise beim Trösten heißt: Berühren, zuhören, emotionale Wärme spenden, reden und handeln.

Diese Verhaltensweisen sind keine Garantie, dass wir dem Betroffenen tatsächlich eine Hilfe sind. Jeder Mensch reagiert anders, stellt sich Hilfe anders vor und braucht zu unterschiedlichen Zeitpunkten auch unterschiedliche Unterstützung. Mal braucht er vielleicht eine Umarmung, zu einem anderen Zeitpunkt einen schweigenden Zuhörer oder einen Begleiter, der ihn an die Hand nimmt und aufmuntert.

Wichtig zu wissen: Es ist in Ordnung, sich und dem anderen einzugestehen, wenn man sich auch hilflos, überfordert oder ohnmächtig fühlt. Kein Grund, sich dafür zu schämen.

Wie der Getröstete reagieren kann

Der Betroffene durchläuft nach einem Schicksalsschlag oder in einer Krise unterschiedliche Phasen: Zunächst verleugnet er meist den Tod, die Erkrankung oder die neue Situation. Er steht unter Schock. Dann brechen die Gefühle auf und er verspürt Verzweiflung, Ängste, Schuldgefühle und Wut. Dann lernt er, die Situation anzunehmen und ein neues Gleichgewicht zu finden.

Je nachdem, in welcher Phase sich der Betroffene befindet, wird er anders auf unsere Versuche, ihn zu trösten, reagieren. Mal wird er gar nicht, mal ununterbrochen über seine Situation sprechen wollen. Er wird bisweilen auf unsere tröstenden Worte mit Verbitterung, Neid, Gereiztheit und Aggressivität reagieren. Vielleicht wird er auch mehrmals eine Verabredung mit uns kurzfristig absagen oder einfach während des Gesprächs den Telefonhörer auflegen. All diese Reaktionen haben nichts mit uns zu tun, sondern mit seiner momentanen seelischen Verfassung.

Wenn der Getröstete nichts annimmt

Wenn wir einen Menschen trösten, werden wir auch bei uns ganz unterschiedliche Gefühlsregungen feststellen. Wir gehen vielleicht zunächst mit sehr viel Engagement auf den Freund oder lieben Menschen zu. Bemerken wir, dass der Betroffene nichts von uns annimmt und es ihm nicht besser geht, können wir leicht in Resignation oder auch Wut geraten.

Dann sollten wir uns daran erinnern, dass der Weg durch eine Krise lange dauern kann und der Getröstete uns nicht ärgern will. Er braucht noch Zeit, seinen Schmerz zu verarbeiten oder kann unseren Zuspruch nicht annehmen. Er kann im Augenblick nicht auf uns eingehen und sich um unsere Gefühle kümmern; er ist zu stark mit sich selbst beschäftigt.

Wir haben das Recht, uns auch Zeiten zu gönnen, in denen wir für uns Kräfte sammeln und nicht für den anderen da sind. Nur wenn wir auch gut für uns sorgen, können wir ihn über einen längeren Zeitraum begleiten. Wichtig ist auch, dass wir, sollten wir bemerken, dass uns die Begleitung überfordert, ihn motivieren, Kontakt mit einem Psychotherapeuten oder Arzt aufzunehmen. Das sollten wir auf jeden Fall tun, wenn er über Selbstmord redet.

Trösten ist eine Kunst des Herzens. Sie besteht oft nur darin, liebevoll zu schweigen und schweigend mitzuleiden.
- Otto Leixner von Grünberg -

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Weiterführende Links

Nicolaidis Stiftung - Hilfe für verwitwete Mütter und Väter: http://www.nicolaidis-stiftung.de
Zentrum für Trauerbegleitung: http://tabu-team.de/
Bundesverband verwaiste Eltern: http://www.veid.de/

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Engel schreibt am 13.05.2020

Mein.neuer Freund ... seit 3 Monaten ...er ist Witwer seit 6 Jahren..und hat noch so seine Momente wo er Tränen in den Augen hat.Beim Erzählen davon gleich am 1.Date ..Beim TV Film wenn es um das Thema geht.. sein Hochzeitstag..wäre Silberhochzeit gewesen ..ihr Geburtstag ...am Friedhof Ich finde es schwer ihn zu trösten...ihn in den Arm nehmen streicheln.. ok.. er möchte das auch ist froh dass ich da bin.ich weiß aber nicht was ich sagen soll.. komische Situation entsteht dann.. Wenn Sie noch da wäre ..wäre ich es nicht..Er sagt aber hätten wir uns besser eher kennen gelernt.. wäre besser..da war er glücklich verheiratet..frau 2014 an Krebs naCh 3 x Chemotherapie doch verstorben Liebt er mich genauso ..ist das möglich? Bin ich nur Ersatz.. ?Darf ich ihm das sagen..was ich denke?..ich will das er mit mir darüber reden kann und nicht denkt dass es mir weh tut.. aber manchmal tut es mir weh..andersherum ist es ok.. es ist 6 jahre her..sehr schwer.. sind schwer verliebt... total harmonische Beziehung..

Gila schreibt am 14.05.2019

Ich leide mit meiner Schwester ( 67 Jahre alt ) die an einem nicht bekannten Krebs erkrant ist.Sie schneidet alle Kontakte und ich weiß nicht damit umzugehen.Was ist richtig. Was ist eine Zumutung?

Tanja schreibt am 04.02.2019

Halloin meiner eigenen Trauer, kam ich im Trösten schnell an eine Grenze. Dann wurde es persönlich. Leider habe ich meiner Freundin, in ihrer Trauer, nicht nicht helfen können, die Freundschaft zerbrach. Meine Trauer habe ich heute überwunden und dies hat Jahrzehnte gedauert. Mitfühlen, dem anderen seine Zeit schenken, heute in unserer Gesellschaft ein Tabu, vor dem sogar gewarnt wird.Schade

ilka wisch schreibt am 31.01.2019

wie ist es mit menschen, die weiter weg leben? die man selten sieht oder gar nicht mehr? mit denen man teilweise ein gespaltenes verhältnis hat, aber trotzdem sein mitgefühl ausdrücken möchte? wie mache ich das?

Angelika schreibt am 30.01.2019

Ja, im vorigen Jahr hat ein Gast unseres Lieblings- Cafes seine Frau verloren. Als wir uns im Cafe `begegneten habe ich den großen, kräftigen Mann umarmt und ihm gesagt, dass ich ihm viel Kraft und Stärke wünsche; Beileid wäre mir zu wenig. Wir umarmten uns und er begann zu weinen. Er sagte:" so hat es noch keiner gesagt:" Dann weinten wir zusammen.

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 Warum Trösten und Trost spenden schwerfällt
 Wenig hilfreiche Wege, Trost zu spenden
 Wie einem Freund oder lieben Menschen Trost spenden?
 Wie der Getröstete reagieren kann
 Wenn der Getröstete nichts annimmt
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