Schuldgefühle nach dem Tod des Partners

grabkreuz

Hinterbliebene machen sich oft Vorwürfe, dass sie sich zu Lebzeiten zu wenig um den Verstorbenen gekümmert haben.

, Psychotherapeutin

Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, dann fällt uns vieles ein, was wir nicht mehr für ihn tun und nicht mehr zu ihm sagen können.

Es tut uns unendlich leid, ihm nicht mehr sagen zu können, wie wichtig er für uns ist und wie gerne wir mit ihm zusammen waren.

Vielleicht würden wir uns auch gerne entschuldigen, mit ihm so oft gestritten zu haben.

Doch manchmal gehen wir über das Bedauern hinaus. Wir machen uns starke Schuldgefühle. Wir werfen uns vor, dass wir etwas falsch gemacht haben oder etwas versäumt haben, und verurteilen uns dafür.

Das Tragische an diesen Vorwürfen ist, dass wir nichts mehr wiedergutmachen oder ungeschehen machen können, denn unser Partner ist tot.

Unsere Schuldgefühle bleiben bestehen, bis wir eines Tages auch sterben - wenn wir sie nicht aufgeben.

Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, dass Menschen wochenlang am Bett ihres Partners sitzen, und dann, als sie einmal nur für kurze Zeit außer Haus sind, verstirbt ihr Partner.

Das ist Grund für sie, sich vorzuwerfen, ihren Partner im Stich gelassen zu haben. Sie machen sich bittere Schuldgefühle.

Mit ihren Schuldgefühlen tragen sie zusätzlich zu dem Verlust ihres Partners noch eine weitere Last.

Was tun, wenn Sie sich Vorwürfe machen, sich falsch verhalten zu haben?

Sie haben mehrere Möglichkeiten, sich von Ihren Schuldgefühlen zu lösen.

Ihre Schuldgefühle, entstehen durch Ihre Einstellungen und nicht durch die Ereignisse als solche. Und Ihre Einstellungen können Sie verändern.

TIPP 1: Wandeln Sie Ihre Schuldgefühle in Bedauern.

Sie haben Recht. Es ist bedauerlich, dass Sie sich so verhalten haben. Sie konnten jedoch nicht vorhersehen, welche Konsequenzen Ihr Verhalten haben würde und dass Ihr Mann zu diesem Zeitpunkt sterben würde.

Sie sind ein Mensch, der ebenso wie andere Menschen Fehler macht und nicht in die Zukunft sehen kann. Erwarten Sie deshalb nichts von sich, was Sie nicht leisten können.

TIPP 2:Prüfen Sie Ihre Verantwortung.

Vielleicht machen Sie sich Vorwürfe für Ereignisse, für die Sie keine Verantwortung tragen.

So fühlte sich z.B. eine Klientin von mir schuldig, weil ihr Bruder auf dem Weg zu ihrer Geburtstagsfeier tödlich verunglückte.

In Wirklichkeit kamen nur zufällig zwei Ereignisse zusammen, ihre Geburtstagsfeier und ein anderer Autofahrer, der die Kontrolle über seinen Wagen verlor und frontal auf den Wagen des Bruders prallte.

In einem solchen Fall ist es wichtig, sich an die Tatsachen zu halten: Das Schicksal hat diese beiden Ereignisse miteinander verknüpft. Sie wurden dazu nicht gefragt und hatten keinerlei Einfluss.

Es könnte aber auch sein, dass Sie einen kleinen Anteil zu dem Geschehen beigetragen haben.

So hatte sich z.B. ein Klient mit seiner Frau gestritten und danach wütend die Wohnung verlassen. Als er zurückkam, hatte sie einen plötzlichen Herztod erlitten.

Sein Anteil war, dass er sich mit seiner Frau gestritten und die Wohnung verlassen hat.

Er ist jedoch nicht dafür verantwortlich, wie stark sie sich aufgeregt hat, wie stark ihr Herz geschädigt war und dass sie zu diesem Zeitpunkt gestorben ist.

Wenn der Partner alleine stirbt, obwohl man ihm versprochen hat, bei ihm zu bleiben, dann ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass man nicht Herr über Leben und Tod ist.

Vielleicht hat Ihr Partner sogar diesen Zeitpunkt gewählt, um zu gehen, weil er Ihren Schmerz nicht ertragen konnte.

TIPP 3:Lenken Sie Ihren Blick auf das, was Sie Ihrem Partner gegeben haben.

Sie gehen im Augenblick vermutlich so vor, dass Sie Ihren Blick nur noch darauf lenken, was Sie glauben, falsch gemacht zu haben.

Im Zusammenleben mit Ihrem Partner haben Sie jedoch wahrscheinlich tausende Male etwas für ihn getan und zu ihm gesagt. Ihre Liebe zu ihm hat sich nicht nur in einem einzigen Verhalten gezeigt.

Rufen Sie sich in Erinnerung, was Sie alles für ihn gemacht haben. Selbst wenn Sie bei dem Standpunkt bleiben, dass Sie an der wichtigsten Stelle versagt haben, gibt es noch viele andere Situationen, in denen Sie das Leben Ihres Partners bereichert haben.

TIPP 4:Behandeln Sie sich nicht wie einen Schwerverbrecher.

Selbst wenn Sie einen Mord begangen hätten, was Sie ganz sicher nicht getan haben, haben Sie in unserer Gesellschaft ein Anrecht darauf, dass die Strafe für Ihre Tat zu irgendeinem Zeitpunkt abgegolten ist.

Wie lange glauben Sie, für Ihr Verhalten büßen zu müssen?

TIPP 5:Sprechen Sie mit einem Menschen, dem Sie vertrauen, über Ihre Schuldgefühle.

Vielleicht tun Sie sich sehr schwer, zu einer anderen als Ihrer Sichtweise zu gelangen.

Dann sollten Sie sich ein Herz fassen und sich einer neutralen Person, z.B. einem Psychotherapeuten, Freund oder Pfarrer anvertrauen.

Wer sich nach einer Verlusterfahrung für eine neue Partnerschaft öffnet,

Schätzen Sie meinen Beitrag? Dann teilen Sie ihn auf teilen auf facebook Facebook Danke!


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Seit 35 Jahren helfe ich Menschen bei der Bewältigung persönlicher Probleme. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, der Meditation, dem Jin Shin Jyutsu und dem Backen von leckeren Kuchen & Gebäck.

Sie schätzen meine Arbeit und würden gerne Teil meiner Community werden? Dann holen Sie sich meinen kostenlosen Newsletter.

newsletter abonnieren


Welche Vorwürfe machen Sie sich?

Hinterlassen Sie einen Kommentar und helfen anderen mit Ihrer Erfahrung.


Zur Spam-
vermeidung Zahl
eingeben
captcha

  1. Leserkommentar Matthias Lederer schreibt am 17.07.2019

    Sehr geehrte Frau Wolf, was Sie schreiben, habe auch ich erfahren müssen, aber besonders die Schuldgefühle sind bei mir doch etwas anders als in den von Ihnen geschilderten Beispielen. Meine Lebensgefährtin litt eigentlich immer unter dicken Beinen wegen Wasser durch jahrelange Einnahme von Psychopharmaka. Aber als es in den letzten Wochen besonders schlimm war, habe ich es einfach nicht richtig bemerkt, hätte sie zu einem Arztbesuch drängen müssen. Aber mein jetzt 92jähriger Vater war ja wegen seines Alters viel kränker, hat mich wegen jedem Kleinkram zum Arzt geschickt. Aber nun raten Sie mal, wer jetzt tot ist: Nicht etwa mein 92jähriger Vater, sondern meine erst 53jährige Lebensgefährtin, mit Herzversagen neben mir auf dem Weg zum Arztbesuch tot zusammengebrochen. Nun erklären Sie mir bitte mal, wie ich damit fertigwerden soll. Der alte 92jährige lebt und meine 53jährige Partnerin (24 Jahre zusammen) ist tot !! meine email Adresse, habe kein Facebook: matthias.lederer.ml@gmail.com

  2. Leserkommentar Kenan schreibt am 21.06.2019

    Ich kannte meine Ehefrau bereits 5 Jahre als wir geheiratet hatten. Sie hatte ständig Angst um meine Gesundheit, da ich eine autoimmunkrankheit habe (autoimmune Hepatitis). Ich sagte ihr inmer wieder, dass es mir gut geht, irgendwie wollte Sie dies aber nicht wahrhaben. Nun haben wir am 27.4.2019 endlich geheiratet. Die Hochzeit war der schönste Tag in meinem Leben. Leider dauerte dies nicht lange an. Bereits an meinem Geburtstag teilte Sie mir mit, dass Sie gelben Schleim erbricht und ihre Brustkorb etwas schmerzt. Da Sie trotz meiner Bitte nicht in der Schweiz zun Arzt gehen wollte, flog sie am morgigen Tag nach Bosnien. Dort schlief sie etwas und ging am Abend aus. Am Sonntag ging es ihr schliesslich so schlecht, dass Sie in die Notaugnahme musste. LUNGENEMBOLY. Ich flog sofort nach Bosnien und konnte Sie auch kurz besuchen. Sie war jedoch im Koma und ich konnte ihr nichts mehr sagen. Nun bin ich seit dem 11.6.2019 mit 28 Jahren Witwer und kann nie mehr mit der Liebe meines Lebens zusammen sein. Ich kämpfe nun jeden Tag und möchte nicht Ihre sachen einfach so in eine Kiste packen und wegschliessen. So viele erinnerungen die Weh tun aber trotzdem eine geborgenheit geben.

  3. Leserkommentar Annel schreibt am 30.05.2019

    Mein Mann ist seit vielen Jahren schwer Herzkrank. 2016 einen Infarkt mit Schlaganfall. Wir haben schon immer viel gestritten und jeder von uns war ungerecht dem Anderen gegenüber. Anfang des Jahres hatte mein Mann einen Herz-Kreislaufstillstand, bei der Reanimation wurde das Hirn nicht genügend Sauerstoff versorgt, sodass der Hirnschaden bei 80% lag.Nach2 Wochen mußten wir entscheiden, ihn in Würde sterben zu lassen, oder in ein Heim zu geben. Ich habe mich für das würdevolle Sterben entschieden. Ich komme nun nicht mehr darüber hinweg und denke immer, dass ich über Leben und Tod entschieden habe. Mein Mann war 70 Jahre, und vielleicht könnte er doch noch leben. Ich weiß, was das für ein Leben gewesen wäre, aber ja da steht immer das aber.......habe nichts alleine entschieden, alles in Zusammenarbeit mit Familie und Ärzten und trotzdem........

  4. Leserkommentar Alexandra schreibt am 21.05.2019

    Am 09.05. Ist meine Schwester gestorben. Ich habe sie tot in Ihrem Bett gefunden. Sie hatte eine COPD und ich war jeden Vormittag bei ihr. An jenem Tag war ich erst einkaufen und ziemlich spät dran. Zu spät. Es ging ihr die letzten Wochen sehr schlecht. Sie hatte sehr wenig Luft, trotz Sauerstoffzufuhr 24h. Sie hätte gar nicht mehr alleine sein dürfen. Jetzt ist sie tot und alleine, wahrscheinlich qualvoll, gestorben. Ich fühle mich schuldig, hätte ich sie doch retten können..Ich weiß nicht, wie ich damit leben soll

  5. Leserkommentar Sabine schreibt am 05.05.2019

    Meine Mutter starb ohne dass ich mich mit ihr aussprechen und versöhnen konnte. Es raubt mir seitdem fast jede Nacht den Schlaf, weil ich so unglaublich Starrsinnig war und gehofft hatte, dass sie sich einmal bei mir entschuldigt.

  6. Seite:

newsletter abonnieren

Psychotests, die Sie interessieren könnten

Ärger Test
Wie leicht bin ich aus der Fassung zu bringen?

Belastbarkeits Resilienz Test
Wie gut gehen Sie mit Belastungen um? Wie belastbar sind Sie?

Psychotherapie Test
Wäre eine Psychotherapie für mich hilfreich?

Finden Sie, dass Sie zu egoistisch sind? Machen Sie den Egoismus Test

Psychotest Einsamkeit
Wie sehr leide ich unter Einsamkeit?

Schuldgefühle Test: wie stark belasten Sie Schuldgefühle?

Ratgeber Schuldgefühle

Umgang mit Schuldgefühlen Ratgeber

ratgeber schuldgefühle bestellen

Expertenempfehlung

Frey

Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

Ich empfehle meinen Patienten die PAL Ratgeber, weil sie wichtige Informationen in einer die Therapie unterstützenden Weise vermitteln. In der Wartezeit auf einen Therapieplatz sind die Bücher eine große Hilfe.

Wie mit dem Verlust und Schmerz leben?

Trauerbegleiter, der Trost und Anteilnahme spendet

41 positive Empfehlungen Ratgeber Trauerbewältigung Bewertungen

Ratgeber Trauerbewältigung anschauen

Lesermeinung Lesermeinung zum Trauerratgeber

... habe vor drei Monaten meinen Mann durch einen tragischen Unfall verloren. Zu Ihrem Buch bin ich durch Freunde gekommen, die mir helfen wollten.

Dieses Buch ist für mich Alles. Ich bezeichne es immer als meine Bibel. Wann immer ich unten bin, und das ist noch sehr oft, greife ich zu diesem Buch und finde Trost und Verständnis.

Dieses Buch gibt mir das Gefühl, als ob Sie nur für mich geschrieben haben und wir uns schon ewig kennen. Wie eine gute Freundin eben.

Ilse Kaiser

diesen artikel empfehlen
selbstfürsorge ratgeber