Schuldgefühle nach dem Tod seines Partners

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Hinterbliebene machen sich oft Vorwürfe, dass sie sich zu Lebzeiten zu wenig um den Verstorbenen gekümmert haben. Bild © styleuneed - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, dann fällt uns vieles ein, was wir nicht mehr für ihn tun und nicht mehr zu ihm sagen können.

Es tut uns unendlich leid, ihm nicht mehr sagen zu können, wie wichtig er für uns ist und wie gerne wir mit ihm zusammen waren.

Vielleicht würden wir uns auch gerne entschuldigen, mit ihm so oft gestritten zu haben.

Doch manchmal gehen wir über das Bedauern hinaus. Wir machen uns starke Schuldgefühle. Wir werfen uns vor, dass wir etwas falsch gemacht haben oder etwas versäumt haben, und verurteilen uns dafür.

Das Tragische an diesen Vorwürfen ist, dass wir nichts mehr wiedergutmachen oder ungeschehen machen können, denn unser Partner ist tot.

Unsere Schuldgefühle bleiben bestehen, bis wir eines Tages auch sterben - wenn wir sie nicht aufgeben.

Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, dass Menschen wochenlang am Bett ihres Partners sitzen, und dann, als sie einmal nur für kurze Zeit außer Haus sind, verstirbt ihr Partner.

Das ist Grund für sie, sich vorzuwerfen, ihren Partner im Stich gelassen zu haben. Sie machen sich bittere Schuldgefühle.

Mit ihren Schuldgefühlen tragen sie zusätzlich zu dem Verlust ihres Partners noch eine weitere Last.

Was tun, wenn Sie sich Vorwürfe machen, sich falsch verhalten zu haben?

Sie haben mehrere Möglichkeiten, sich von Ihren Schuldgefühlen zu lösen.

Ihre Schuldgefühle, entstehen durch Ihre Einstellungen und nicht durch die Ereignisse als solche. Und Ihre Einstellungen können Sie verändern.

Wandeln Sie Ihre Schuldgefühle in Bedauern.

Sie haben Recht. Es ist bedauerlich, dass Sie sich so verhalten haben. Sie konnten jedoch nicht vorhersehen, welche Konsequenzen Ihr Verhalten haben würde und dass Ihr Mann zu diesem Zeitpunkt sterben würde.

Sie sind ein Mensch, der ebenso wie andere Menschen Fehler macht und nicht in die Zukunft sehen kann. Erwarten Sie deshalb nichts von sich, was Sie nicht leisten können.

Prüfen Sie Ihre Verantwortung.

Vielleicht machen Sie sich Vorwürfe für Ereignisse, für die Sie keine Verantwortung tragen.

So fühlte sich z.B. eine Klientin von mir schuldig, weil ihr Bruder auf dem Weg zu ihrer Geburtstagsfeier tödlich verunglückte.

In Wirklichkeit kamen nur zufällig zwei Ereignisse zusammen, ihre Geburtstagsfeier und ein anderer Autofahrer, der die Kontrolle über seinen Wagen verlor und frontal auf den Wagen des Bruders prallte.

In einem solchen Fall ist es wichtig, sich an die Tatsachen zu halten: Das Schicksal hat diese beiden Ereignisse miteinander verknüpft. Sie wurden dazu nicht gefragt und hatten keinerlei Einfluss.

Es könnte aber auch sein, dass Sie einen kleinen Anteil zu dem Geschehen beigetragen haben.

So hatte sich z.B. ein Klient mit seiner Frau gestritten und danach wütend die Wohnung verlassen. Als er zurückkam, hatte sie einen plötzlichen Herztod erlitten.

Sein Anteil war, dass er sich mit seiner Frau gestritten und die Wohnung verlassen hat.

Er ist jedoch nicht dafür verantwortlich, wie stark sie sich aufgeregt hat, wie stark ihr Herz geschädigt war und dass sie zu diesem Zeitpunkt gestorben ist.

Wenn der Partner alleine stirbt, obwohl man ihm versprochen hat, bei ihm zu bleiben, dann ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass man nicht Herr über Leben und Tod ist.

Vielleicht hat Ihr Partner sogar diesen Zeitpunkt gewählt, um zu gehen, weil er Ihren Schmerz nicht ertragen konnte.

Lenken Sie Ihren Blick auf das, was Sie Ihrem Partner gegeben haben.

Sie gehen im Augenblick vermutlich so vor, dass Sie Ihren Blick nur noch darauf lenken, was Sie glauben, falsch gemacht zu haben.

Im Zusammenleben mit Ihrem Partner haben Sie jedoch wahrscheinlich tausende Male etwas für ihn getan und zu ihm gesagt. Ihre Liebe zu ihm hat sich nicht nur in einem einzigen Verhalten gezeigt.

Rufen Sie sich in Erinnerung, was Sie alles für ihn gemacht haben. Selbst wenn Sie bei dem Standpunkt bleiben, dass Sie an der wichtigsten Stelle versagt haben, gibt es noch viele andere Situationen, in denen Sie das Leben Ihres Partners bereichert haben.

Behandeln Sie sich nicht wie einen Schwerverbrecher.

Selbst wenn Sie einen Mord begangen hätten, was Sie ganz sicher nicht getan haben, haben Sie in unserer Gesellschaft ein Anrecht darauf, dass die Strafe für Ihre Tat zu irgendeinem Zeitpunkt abgegolten ist.

Wie lange glauben Sie, für Ihr Verhalten büßen zu müssen?

Sprechen Sie mit einem Menschen, dem Sie vertrauen, über Ihre Schuldgefühle.

Vielleicht tun Sie sich sehr schwer, zu einer anderen als Ihrer Sichtweise zu gelangen.

Dann sollten Sie sich ein Herz fassen und sich einer neutralen Person, z.B. einem Psychotherapeuten, Freund oder Pfarrer anvertrauen.

Wer sich nach einer Verlusterfahrung für eine neue Partnerschaft öffnet,

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Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar moni schreibt am 28.11.2016, 22.00 Uhr

    mein Partner hatte vor fast 9 jahren seine frau an krebs verlorenen. seit gut 6 jahren sind wir ein paar und wohnten zusammen. Letzte Woche ist er aus mehreren Gründen ausgezogen. Nun sagt er das er mich liebt, aber von schuldgefühle n und gewissensbissen zu mir und seiner Frau hin und hergerissen wird. wie geh ich damit um?

  2. Leserkommentar Nevy schreibt am 12.11.2016, 22.19 Uhr

    Mein Partner hat sich am 06.10.2016 das Leben genommen. Wir hatten uns vorher gestritten und ich sagte ihm dass es vorbei ist. Dabei wollte ich nur dass er über den Streit nachdenkt und wir uns nochmal ausprechen könnten.Ich bin psychisch am ende.Diese Schuldgefühle zerfressen ein, obwohl der "logische" teil meines Gehirns sagt; wie kann man sich deswegen umbringen;?! Ich habe nie vorher eine schleichende Depression oder Pyschische Verhaltensstörung bemerkt! Er war der liebevollste Mensch den ich kannte! Auch dass macht mich fertig dass ich es einfach nicht gemerkt habe wie verletzt er von mir war...

  3. Leserkommentar Lili schreibt am 04.11.2016, 21.46 Uhr

    Liebe Silke, machen Sie sich Bitte keine Vorwürfe. Sie waren bei Ihm, als er diese Welt verlassen hat. Das ist ein großes Geschenk. Wir haben es leider bei unserem Vater nicht geschafft. Er war eine Woche bei uns daheim, doch dann ging es ihm so schlecht, dass wir uns entschieden haben in auf die Paliativstation zu geben. In der zweiten Nacht auf der Station ist er leider verstorben. Keiner sollte sich Vorwürfe machen. Wir haben und machen es uns auch, weil wir ihn nicht helfen konnten, obwohl wir ständig bei den Ärzten waren und ohne den blöden Sturz wäre er noch am Leben und das alles wegen einer blöden Tasse die Ihm runtergefallen ist. Meine Mutter macht sich auch Vorwürfe, weil Sie gesagt hat steh auf ich hebe die Tasse auf und dann ist er gestürzt :( Ärzte haben versagt und alles nahm seinen traurigen lauf :( Vorwürfe hätten unsere lieben nicht gewollt, dass wir uns diese machen. Aber natürlich ist es einfach zu sagen, man soll sich keine Vorwürfe machen, wenn das Herz doch was anderes sagt :( Ich wünsche allen die sich Vorwürfe machen, dass Ihre Seelen bald zur Ruhe kommen und Menschen an Ihrer Seite haben die Ihnen helfen. Liebe Grüße an Sie Silke und alle anderen.

  4. Leserkommentar Silke schreibt am 04.11.2016, 19.53 Uhr

    Ich habe alles getan bis über meine Grenzen. War beim tot bei ihm. Konnte ihn aber nicht mehr nach Hause holen. Er hätte den Transport nicht geschafft. DAFÜR mach ich mir jetzt Vorwürfe. Lb.gr Silke

  5. Leserkommentar Viola schreibt am 28.10.2016, 10.11 Uhr

    Mein Mann hat letzten Monat Suizid begangen. Er hatte Depressionen und Schizophrenie. Das allerschlimmste mein Sohn hat ihn gefunden. Ich mache mir seitdem sehr schwere Vorwürfe dass ich ihm nicht helfen konnte. Er hat mich und unsere zwei Kinder einfach verlassen.

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