Wie helfen, wenn ein Freund trauert?

Frau tröstet eine traurige Freundin

Wie kann ich einem trauernden Freund helfen, der seinen Partner verloren hat? Welche tröstenden Worte helfen? Hilfestellungen für den Umgang mit Verlusten und Trauer bei Freunden.

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Unter wahrer Freundschaft verstehen die meisten von uns, einen Freund auch in schlechten Zeiten zu begleiten.

So fühlen wir uns vielleicht besonders dann, wenn ein Freund oder eine Freundin ihren Partner oder ein Elternteil durch Tod verlieren, besonders gefordert.

Wir möchten unserem Freund in der schmerzlichen Phase beistehen, doch wissen nicht wie. Es fehlen uns die Worte. Wir fühlen uns hilflos.

Deshalb wollen wir uns damit beschäftigen, was wir zu seiner Unterstützung tun können bzw. nicht tun sollten.

Bevor wir uns überlegen, wie wir einen Freund trösten können, müssen wir uns um uns selbst kümmern.

Persönliche Erfahrungen, die es erschweren, einen Freund zu trösten

Der Verlust, den unser Freund erleidet, berührt auch uns emotional. Ob wir dadurch aus dem Gleichgewicht geraten, mit Angst oder Hilflosigkeit reagieren, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

von unserer Beziehung zu unseren Eltern bzw. unserem Partner.

Je stärker wir an unserem Eltern bzw. unserem Partner hängen, umso schwerer fällt es uns wahrscheinlich, den Freund zu trösten. Wir sehen uns dann an seiner Stelle und trauern quasi mit ihm.

Umgekehrt, können wir uns vorstellen, ohne Eltern weiterzuleben, oder haben wir bereits den Verlust unserer Eltern oder unseres Partners gut verarbeitet, dann fällt uns die Begleitung unseres Freundes durch die Trauer leichter.

von unserer Fähigkeit, mit Gefühlen umzugehen.

Wenn wir Angst vor negativen Gefühlen wie z.B. vor Hilflosigkeit, Trauer und Angst haben, dann versuchen wir vielleicht, alle Situationen zu meiden, in denen solche Gefühle wachgerufen werden könnten.

Unsere Angst kann sich darauf beziehen, dass wir selbst negative Gefühle verspüren oder dass ein anderer Mensch starke Gefühle hat, denen wir uns hilflos ausgeliefert fühlen.

Umgekehrt, wenn wir gelernt haben, negative Gefühle für den Augenblick zu akzeptieren, und wissen, dass sie vorübergehen, dann können wir unserem Freund auch Sicherheit geben, dass er den Verlust bewältigen wird.

von unserer Einstellung zum Tod.

Wenn wir den Tod bisher aus unseren Gedanken ausgeklammert haben und sehr große Angst vor dem Tod haben, dann haben wir vielleicht das Bedürfnis, unseren Freund zu meiden, denn dieser erinnert uns immer wieder an den Tod.

Umgekehrt hilft uns die Einstellung, dass der Tod zum Leben gehört und wir alle eines Tages vom Leben Abschied nehmen müssen, die Trauer unseres Freundes als wichtige Erinnerung an diese Tatsache zu sehen.

Wie einen trauernden Freund trösten?

Akzeptieren Sie Ihre Grenzen.

Sie können Ihrem Freund die Trauer nicht abnehmen. Es gibt nichts, was Sie tun können, um ihm die Trauer zu ersparen. Sie gehört dazu, wenn man einen Verlust erleidet, und ist ein Weg, sich auf die neue Situation einzustellen.

Fragen Sie konkret nach.

Wenn Sie nicht wissen, wie Sie Ihrem Freund helfen können, dann fragen Sie ihn. Machen Sie konkrete Vorschläge, was Sie für ihn übernehmen oder tun könnten.

Jeder Mensch trauert anders und das, was er von seiner Umgebung braucht, ändert sich gewöhnlich mit der Dauer der Trauer. So ist es wichtig, dass Sie immer einmal wieder nachfragen.

Sprechen Sie über Ihre Gefühle.

Wenn Sie sich überfordert fühlen, dann sprechen Sie mit Ihrem Freund darüber. Das ist besser, als sich wortlos zurückzuziehen.

Möchten Sie für ihn da sein, dann ist der erste Schritt, ihm zu vermitteln, dass Sie wissen, dass es eine schwere Zeit für ihn ist und Sie für ihn da sind.

Seien Sie für ihn da und hören Sie ihm einfach zu.

Er braucht zunächst einmal keine Ratschläge. Verzichten Sie darauf, ihm zu sagen, dass Sie wissen, wie es ihm geht, letztendlich kann nur er es wissen und fühlen.

Verzichten Sie auf Bemerkungen wie:

Hören Sie Ihrem Freund einfach geduldig zu, auch wenn er immer wieder dasselbe erzählt.

Akzeptieren Sie, wenn er nicht über seine Gefühle sprechen möchte.

Manche Trauernde meiden im Gespräch alles, was mit dem verstorbenen Menschen zu tun hat – meist aus Angst, die Fassung zu verlieren. Sie wollen einfach nur den Tag überstehen.

Wenn Ihr Freund diesen Weg wählt, dann planen Sie nur gemeinsame Aktivitäten. Vielleicht wird er sich später öffnen.

Pflegen Sie Rituale.

Rufen Sie ihn zu bestimmten Zeiten an. Rituale haben etwas Verlässliches. Er weiß dann, dass Sie anrufen, Sie selbst „vergessen“ den Freund auch nicht.

Beziehen Sie Ihren Freund bei Aktivitäten mit ein.

In der Trauerphase kann es für den Trauernden hilfreich sein, ab und zu mal abgelenkt zu werden und zu erleben, dass das Leben weitergeht.

Bleiben Sie deshalb am Ball - auch wenn Sie oft einen Korb bekommen - und versuchen Sie ihn immer wieder zur Teilnahme an kleinen Aktivitäten zu ermuntern.

Empfehlen Sie Ihrem Freund die Teilnahme an einer Trauerbewältigungsgruppe.

Dies kann der Kontakt zu einer Trauerbewältigungsgruppe an seinem Wohnort oder zu einer Gruppe im Internet sein.

Wenn er mit anderen Betroffenen zusammen ist, dann hat er nicht mehr das Gefühl, alleine mit seiner Trauer zu sein, und kann erleben, dass andere Menschen ähnliche Gefühle und Reaktionen wie er haben.

Einen trauernden Freund zu begleiten, ist nicht leicht. Es führt Sie möglicherweise an Ihre Grenzen.

Gleichzeitig kann eine gemeinsam durchgestandene Krise auch ihre Freundschaft stärken. Sie können sich gemeinsam mit Ihrem Freund weiterentwickeln.

Leserbrief:

Der Mann meiner besten Freundin ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nachdem es erst so schien, als ob sie gut darüber hinweg käme, zieht sie sich nun vollkommen zurück.

Sie tut mir sehr leid, sie ist erst 42 Jahre alt und schon Witwe. Ich bin völlig hilflos, wie ich ihr helfen kann.

Ich habe geantwortet:

Ein unerwarteter Verlust in jungen Jahren macht die gesamte Lebensplanung zunichte. Nachdem Ihre Freundin die Formalitäten (Information der Behörden und Versicherungen, Obduktion, Beerdigung) hinter sich gebracht hat, ist ihr wohl erst die gesamte Bedeutung dieses dramatischen Ereignisses so richtig zu Bewusstsein gekommen. Das ist ein ganz normaler Prozess.

Betroffene sind erst einmal im Schock oder funktionieren wie ein Roboter. Danach brechen ihre Gefühle auf. Sie fühlen sich verzweifelt, hoffnungslos, einsam, voller Angst und Schuld oder verspüren auch Wut.

Auf dem Weg durch die Trauer kommen sie dann gewöhnlich langsam an den Punkt, eine neue Lebensperspektive zu finden.

Für Sie als Freundin ist es zunächst wichtig, sich um Ihre eigenen Gefühle zu kümmern. Sie können die Freundin nicht unterstützen, wenn Sie selbst Angst vor Trauergefühlen haben oder daran zweifeln, dass man eine solche Situation bewältigen kann.

Ihrer Freundin können Sie helfen, indem Sie ihr ein Recht auf ihre Gefühle einräumen. Erlauben Sie ihr, dass ihre Gefühle schwanken, sie weinen darf, ängstlich oder verbittert ist.

Bieten Sie am besten eine ganz konkrete Unterstützung an. Fragen Sie, was Sie genau von Ihnen braucht. Kaufen Sie ihr beispielsweise ein, fahren mit ihr auf den Friedhof oder kochen Sie ihr vor.

Rechnen Sie damit, dass sie sich Ihnen gegenüber ab und zu ungerecht oder gereizt verhält, und verzeihen ihr das. Machen Sie ihr Mut, dass Sie aus der Krise kommen wird.

Ihnen gefällt mein Beitrag? Dann teilen Sie ihn auf teilen auf facebook Facebook. Danke!


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

Lust auf positive Impulse? Dann holen Sie sich meinen Newsletter.

newsletter abonnieren


Wie helfen Sie, wenn jemand trauert?

Hinterlassen Sie einen Kommentar und teilen Ihre Erfahrung mit anderen.

Ihr Name
Ihr Kommentar
maximal 1500
Zeichen!
Zur Spam-
vermeidung Zahl
eingeben
captcha

  1. Leserkommentar Diana Wilhelm schreibt am 05.09.2016, 09.58 Uhr

    Meine Freundin hat vor ein paar Tagen ihre Mutter verloren, nachdem diese nur vor ein paar Wochen an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Meine Freundin hat sich völlig zurück gezogen und lässt gar keinen Kontakt mehr zu und niemand aus dem gemeinsamen Freundeskreis kommt an sie heran. Wir wissen nicht mehr, wie wir ihr helfen können.

  2. Leserkommentar Sarah schreibt am 30.03.2016, 18.01 Uhr

    Lasst ihn einfahc leben

  3. Leserkommentar muddy schreibt am 27.03.2016, 10.31 Uhr

    ja ich habe meinen mann auch ganz unerwartet verloren.bin mal eben mit dem hund... kam nach 20 min.nach hause und mein man war tot. einfach weg... boden weg zuhause weg freunde welche sich so nannten weg empathie war nirgends zu finden. die guten ratschläge.so nun ist aber gut mit deiner trauer geh mal zum therapeuten.ich habe mir ein neues leben mit meinen kindern und mir ganz allein aufgebaut.ohne therapeut und gute ratschläge die ja doch nur schläge waren. mein tipp an euch glaubt an euch und geht jeden tag nur 24 std weiter..das laufen wird mit der zeit tatsächlich ein wenig besser. wir müssen wieder laufen lernen im eigenen tempo ,nehmt euch selber in die arme wenn es keiner da draussen tut.alles liebe und ich nehme euch alle in meine arme.....muddy

  4. Leserkommentar Chris Miller schreibt am 17.01.2016, 07.08 Uhr

    Meine beste Freundin hat ihre Mutter verloren. Wir haben dann Sex gehabt (kranken) und nach einigen malen ist sie immer besser damit klar gekommen, da sie sich an mir ausgetobt hat.

  5. Leserkommentar Ondina schreibt am 10.12.2015, 07.31 Uhr

    Verständnis, Geduld, Toleranz und viel Zuneigung brauchen die Menschen die ihren geliebten Partner oder Tierli verloren haben die auch als Lebenspartner öfter gewählt werden kann. Leider kann man ihr nicht das zurück geben was sie wirklich brauchen aber hilfreich ist für sie immer nah zu sein und sie genau zu hören, Stunden lang spazieren gehen und über viele positive Dinge reden die auch sie oder ihm zum lachen bringen könnte.

  6. Seite:
newsletter abonnieren

Trost und Verständnis

Trauerbegleiter für die Bewältigung von Verlusten

Trauerbegleiter, der Trost und Anteilnahme spendet

38 positive Empfehlungen Ratgeber Trauerbewältigung Bewertungen

Ratgeber Trauerbewältigung anschauen

Sprechblase Lesermeinung Leserstimme zum Trauerratgeber

Dieses Buch ist für mich Alles. Es ist meine Bibel. Wann immer ich unten bin, greife ich zu diesem Buch und finde Trost und Verständnis.

Es gibt mir das Gefühl, als ob Frau Wolf dieses Buch nur für mich geschrieben hat und wir uns schon ewig kennen.

Wie eine gute Freundin eben. Es hilft die Trauer zu verstehen und die Trauerphasen besser zu bewältigen.

Hanni

Expertenempfehlung

Dr. Hohler

Dr. Reinhold Hohler
Diplom Psychologe, Wiesbaden

Ich empfehle die Bücher von Frau Wolf, weil sie verständlich geschrieben sind, sich an aktuellen Forschungen orientieren & einen konkreten Alltagsbezug haben.

diesen artikel empfehlen

Eine Umarmung in Worten


Trauerbegleiter, der Trost und Anteilnahme spendet

38 positive Empfehlungen Ratgeber Trauerbewältigung Bewertungen

Ratgeber Trauerbewältigung anschauen
selbstvertrauen