Worte, die man Trauernden nicht sagen sollte

Frau tröstet eine trauernde Freundin

Ich bekomme immer wieder Briefe von Trauernden, die sich durch das Verhalten oder durch Worte von Angehörigen und Freunden verletzt fühlen. Bild © Antonioguillem - Fotolia

Deshalb möchte ich hier  einmal ausführlich darauf eingehen.

, Psychotherapeutin

Tritt in unserem nahen Umfeld ein Trauerfall ein, dann sind auch wir davon betroffen.

Selbst wenn es nicht so sehr der Verlust des verstorbenen Menschen ist, der uns belastet, so ist es der Umgang mit dem Trauernden.

Wir fühlen uns unsicher, wie wir uns ihm gegenüber verhalten sollen: Wie sollen wir ihn trösten?

Sollen wir ihn erst mal alleine mit seiner Trauer lassen oder ihn besuchen?

Sollen wir mit ihm über den Verstorbenen sprechen oder versuchen, ihn abzulenken und aufzuheitern?

Vielleicht haben wir auch Angst vor unseren eigenen Gefühlen: Was ist, wenn wir bei einem Gespräch mit ihm auch weinen müssen?

Vielleicht haben wir bis jetzt immer versucht, das Thema Tod aus unserem Leben auszuklammern und nun kommt die Angst vor dem Sterben in uns hoch.

All diese Gedanken und Gefühle beeinflussen uns in unserem Verhalten dem Trauernden gegenüber.

Der Trauernde andererseits ist in einer Ausnahmesituation.

Er fühlt sich wie aus der Welt gefallen und nicht mehr dazu gehörig.

Er möchte sein altes Leben zurück mit dem Menschen, den er verloren hat, und dies kann ihm niemand geben.

Er ist gespalten: Einerseits möchte er, dass der quälende Schmerz aufhört.

Andererseits befürchtet er, den verstorbenen Menschen ganz zu verlieren, wenn er nicht mehr so häufig an ihn denkt.

Schließlich stellt der Schmerz die letzte Verbindung zu ihm her.

In dieser schwierigen Lage begegnen wir dem Trauernden.

Alles, was wir zu ihm sagen, nimmt er extrem empfindlich wahr.

Dies bedeutet, selbst wenn wir zu ihm etwas sagen, was sachlich gesehen absolut richtig ist, kann es bei ihm als Kränkung ankommen.

Deshalb können wir uns nur bemühen, ihm keinen Anlass zu geben, sich verletzt und unverstanden zu fühlen, aber es wird uns nicht immer gelingen.

Hier einige Sätze, die den Trauernden - zumindest in den ersten Trauerphasen - sehr verletzen können, obwohl sie in guter Absicht ausgesprochen werden.

Was wir einem Trauernden nicht sagen sollten

1. Sei froh, dass ihr so lange habt zusammen sein können.

Dies mag sachlich zutreffen, ist aber für den Trauernden kein Trost.

Für ihn war die gemeinsame Zeit auf jeden Fall zu kurz. Er kann im Augenblick nur den Verlust sehen.

Der Verlust mag umso größer für ihn sein, je länger er sein Leben mit dem Verstorbenen geteilt hat.

Erst in einer späteren Phase seiner Trauer kann er sich wahrscheinlich dafür öffnen, dankbar für die gemeinsame Zeit zu sein.

2. Du bist noch jung. Du findest wieder jemanden.

Dies mag sachlich richtig sein, und wir möchten dem Trauernden damit Hoffnung auf ein neues positives Leben mit einem anderen Menschen machen.

Gerade aber weil er jung ist, fühlt er sich wahrscheinlich vom Leben umso mehr bestraft.

Andere Paare dürfen zusammen weiterleben, gemeinsam die Kinder groß werden sehen und ihre Zukunftspläne gemeinsam verwirklichen.

3. Jetzt hast du genug getrauert. Such dir einen neuen Partner.

Aus unserer Sicht mag es zutreffen, dass der Trauernde schon sehr lange in seiner Trauer verharrt.

Mit dieser Bemerkung wollen wir ihn motivieren, sich aus seiner Erstarrung und Isolation zu befreien.

Der Trauernde hört aus dieser Bemerkung aber heraus: „Mit mir stimmt etwas nicht. Ich darf nicht mehr trauern“. oder „Er will mir meine Trauer wegnehmen.“

Er kann sich an diesem Punkt überhaupt nicht vorstellen, sich jemals in einen anderen Menschen zu verlieben.

Möglicherweise reagiert er auch mit Wut: „Was geht dich das an. Es ist mein Leben".

4. Sei froh, dass er nicht mehr leiden muss.

Diese Bemerkung mag zutreffen und soll trösten.

Auch der Trauernde wollte nicht, dass sein Partner oder Angehöriger weiter leiden muss, aber dennoch kann dieser Satz seinen Verlust im Moment nicht lindern.

5. Wenigstens hast du noch die Kinder.

Aus unserer Sicht können Kinder Halt geben und helfen, eine Zukunft zu sehen.

Der Trauernde kann die Kinder jedoch als große Belastung erleben.

Sie wollen weiterhin umsorgt, geführt und getröstet werden, obwohl der Trauernde kaum Kraft für sich selbst aufbringen kann.

Außerdem erinnern die Kinder ihn täglich an seinen Partner. Er fühlt sich hilflos, ihnen eine unbeschwerte Kindheit und heile Familie geben zu können.

Und ersetzen können die Kinder den Partner ohnehin nicht.

6. Er hat doch ein schönes Alter erreicht.

Sachlich mag dies zutreffen, aber es kann kaum ein Trost sein.

Für den Trauernden steht all das im Vordergrund, was er nicht mehr mit dem verstorbenen Menschen zusammen tun kann. Für ihn ist es immer zu früh.

7. Jetzt reiß dich mal zusammen. Du musst auch an deine Kinder denken.

Wir wollen den Trauernden mit diesem Satz ermutigen, an andere und das Weiterleben zu denken.

Der Trauernde fühlt sich dadurch jedoch vollkommen unverstanden.

Zum einen hat er das Gefühl, dass er sich ohnehin tagtäglich zusammenreißen muss.

Außerdem fühlt es sich kraftlos und von dem Verlust überfordert.

Er schafft es nicht, über sein Leid hinauszudenken und den Kindern Hoffnung zu geben.

8. Das Leben geht weiter.

Das ist die Realität sowohl für uns als auch für den Trauernden.

Und doch erlebt der Trauernde es nicht so. Für ihn steht das Leben seit dem Tod quasi still.

Alles, was früher normal war, gibt es in dieser Form nicht mehr und wird es auch nicht mehr so geben.

Einen neuen Lebensentwurf muss er sich erst erschaffen. Er bedauert es vielleicht sogar, dass das Leben für ihn weitergeht und würde am liebsten seinem Partner nachfolgen.

9. Jeder muss mal Abschied nehmen.

Auch das stimmt. Doch der Trauernde sieht sich als den Einzigen, der im Moment Abschied nehmen muss. Niemand hat ihn gefragt, ob er das möchte.

10. Andere sind noch schlimmer dran.

Ja, es ist in jeder Situation noch etwas Schlimmeres denkbar.

Der Trauernde frägt sich bei einer solchen Bemerkung aber, was ihm das hilft.

Er spürt im Augenblick nur seinen Verlust und sein Leid. Er hat keine Kapazitäten frei, sich darum zu kümmern, ob es anderen schlechter als ihm geht.

11. Wer weiß, was ihn noch alles Schlimmes erwartet hätte.

Von uns ist das als Trost gedacht. Für den Trauernden zählt nur, was er verloren hat und nun nicht mehr mit dem geliebten Menschen erleben kann.

Das spürt er in seiner Seele und seinem Alltag. Was dem Verstorbenen noch Schlimmeres hätte blühen können, muss er sich erst ausmalen.

12. „Es ist Gottes Wille.“

Auch mit einem solchen Satz wollen wir trösten. Gleichzeitig zeigen wir damit auch unsere Hilflosigkeit.

Für den Trauernden ist dieser Satz, selbst, wenn er gläubig ist, aber kein Trost.

„Das kann kein liebender Gott sein, der mich so leiden lässt. Gott muss mein Feind sein. Womit habe ich dieses Leid verdient?“

13. Das schaffst du schon.

Ein im Alltag Mut machender Gedanke. Der Trauernde fühlt sich in seiner Situation jedoch komplett unverstanden: „Woher weiß er, wie es in mir aussieht. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.“

14. Du musst mehr unter Menschen gehen.

Von uns ist der Satz als Hilfestellung gedacht. Wir wollen, dass es dem Trauernden besser geht und er wieder etwas anderes erlebt als die Trauer.

Er sieht darin den Beweis, dass ihn keiner versteht. Wie soll er mit seinem Schmerz unter Menschen gehen, die unbeschwert leben und sich amüsieren!

Wie soll er sich jetzt fest mit jemandem verabreden, wo er nicht weiß, wie er sich zum Zeitpunkt des Treffens fühlt und ob er die Kraft dazu hat.

15. Ich weiß, wie du dich fühlst.

Wir wollen dem Trauernden damit vermitteln, dass wir uns vorstellen können, wie es ihm geht, weil wir schon selbst um einen Menschen getrauert haben oder uns in ihn hineinversetzen.

Der Trauernde frägt sich: Woher will er das wissen?

16. Hör auf, dich zu bemitleiden.

Diese Bemerkung machen wir vielleicht, weil wir am Ende unserer Geduld angekommen sind.

Wir wollen den Trauernden wach rütteln und ihn zu einem Schritt zurück ins Leben motivieren.

Der Trauernde fühlt sich völlig unverstanden. Wie kann der andere so etwas sagen, wo er doch niemanden verloren hat!

17. Wie geht es dir?

Dies kann eine achtlos hingeworfene Alltagsfloskel sein, aber auch das ernsthafte Interesse signalisieren, zu erfahren, wie der Trauernde sich fühlt.

Eine Antwort darauf ist für den Trauernden schwierig. Er möchte nicht sagen, dass es ihm immer noch schlecht geht.

Vielleicht spürt er, dass wir mit einer ehrlichen Antwort überfordert wären.

18. Du siehst schon wieder ganz gut aus.

Dies sagen wir vielleicht nur zum Trost, vielleicht aber auch, weil wir es so wahrnehmen.

Der Trauernde denkt: „Wenn du wüsstest, wie es in mir aussieht, dann würdest du so etwas nicht sagen.“ und fühlt sich unverstanden.

Nicht nur durch unsere Worte sondern auch durch unser Verhalten können wir einen trauernden Menschen verletzen. Hier einige Beispiele.

Was wir einem Trauernden gegenüber nicht tun sollten

1. Wir erwähnen den Namen des Verstorbenen nicht mehr.

Dies tun wir vielleicht, weil wir den Trauernden schützen und nicht in seiner Wunde bohren möchten.

Der Trauernde möchte jedoch auf gar keinen Fall, dass der geliebte Mensch in Vergessenheit gerät.

Ihn schmerzt zwar die Erwähnung seines Namens, aber noch mehr, wenn wir so tun, als ob es ihn nie gegeben hätte.

Wenn wir seinen Namen nicht mehr nennen, dann ist es für den Trauernden so, als ob er für uns nie wichtig gewesen wäre.

2. Wir beziehen den Trauernden nicht mehr mit ein.

Weil wir nicht wissen, wie wir uns dem Trauernden gegenüber verhalten sollen, verabreden wir uns nicht mehr mit ihm.

Vielleicht hat er uns auch mehrmals eine Absage erteilt oder uns versetzt. So glauben wir, er lege keinen Wert mehr darauf.

Der Trauernde fühlt sich zwar überfordert, „am normalen Leben teilzunehmen“. Gleichzeitig tut es ihm aber gut, zu wissen, dass er auch ohne Partner noch wichtig ist.


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3. Wir tun so, als ob alles wieder in Ordnung wäre.

So sprechen wir nicht mehr darüber, dass den Tod in unseren Reihen Einkehr gehalten hat.

Der Trauernde wünscht sich einerseits nichts sehnlicher, als dass alles wieder in Ordnung sei.

Andererseits erlebt er jeden Tag, dass dem nicht so ist. Ihn macht es traurig oder wütend, wenn andere ihr Leben einfach so weiterleben.

4. Wir meiden den Kontakt und ziehen uns stillschweigend von dem Trauernden zurück.

Dahinter können sich bei uns viele Motive wie etwa Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit, Angst vor eigenen Gefühlen oder auch den Eindruck, dass wir von nun an in zwei unterschiedlichen Welten leben, verbergen.

Der Trauernde sieht sich dadurch mit einem weiteren Verlust konfrontiert.

Nicht nur den Verstorbenen sondern auch seinen Angehörigen oder Freund hat er verloren. Er fühlt sich noch einsamer und verlassener.

Auch wenn es sich hier so anhört, als ob wir im Umgang mit einem trauernden Menschen nur etwas falsch machen können, sollten wir den Kontakt zu ihm pflegen.

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Dr. Doris Wolf
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Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, der Meditation, dem Jin Shin Jyutsu und dem Backen von Kuchen & Gebäck.

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  1. Leserkommentar edith schreibt am 28.12.2017

    so ein jahr wie dieses jahr habe ich mit meinen fast 80 jahren noch nie erlebt.vielleicht ist es auch das alter und man weiss, dass man eines tages gehen wird. ich habe meinen mann und 3 tage später meine schwester verabschieden müssen. heute wurde noch eine langjährige Freundin zu grabe getragen. der mann einer Freundin ist am gleichen tag , an der gleichen Krankheit , verstorben. es sind noch einige aus dem freundes und bekan ntenkreis gegangen. aber ich lebe noch und will, trotz der trauer, leben. wir müssen das leben so annehmen, wie es ist. euch allen viel kraft

  2. Leserkommentar Roswitha, 27.12.17 schreibt am 27.12.2017

    Ich kann Meike nur beipflichten, mir geht es genauso.

  3. Leserkommentar Meike schreibt am 27.12.2017

    Zu mir haben viele Menschen gesagt, dass sie gar nicht wüssten, was sie zum Tod meines Mannes sagen sollten. Und das war vielleicht das Tröstlichste überhaupt. Ich fühlte mich in meinem Schock nicht so allein. Auch ein "Er fehlt mir!", oder ein "Weißt du noch?!", tat unheimlich gut. Was mich zornig machte, war das "Das Leben muss weitergehen!". Irgendwann habe ich erwidert: "Nein, muss es nicht. Das ist meine Entscheidung. Ich WILL, dass es weitergeht!".

  4. Leserkommentar edith schreibt am 26.12.2017

    all die worte, die man trauernden nicht sagen soll, was bleibt dann noch? im leben ist es aber so, die menschen tun das, was andere auch immer getan haben sie meinen es gut. .ich, auch betroffene, muß für mich einen weg finden, um zufrieden weiterzuleben. die Erinnerung ist schön, die kann mir keiner nehmen. aber das leben ist auch schön, trotz der trauer

  5. Leserkommentar Ramona schreibt am 17.11.2017

    Danke für diesen einfühlsamen und gut geschriebenen Artikel.

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Es gibt mir das Gefühl, als ob Frau Wolf dieses Buch nur für mich geschrieben hat und wir uns schon ewig kennen.

Wie eine gute Freundin eben. Es hilft die Trauer zu verstehen und die Trauerphasen besser zu bewältigen.

Hanni

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Dr. Hohler

Dr. Reinhold Hohler
Diplom Psychologe, Wiesbaden

Ich empfehle die Bücher von Frau Wolf, weil sie verständlich geschrieben sind, sich an aktuellen Forschungen orientieren & einen konkreten Alltagsbezug haben.

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