Entscheidungshilfen für schwierige Entscheidungen

Was tun, wenn man sich nicht entscheiden kann oder sich schwer tut, sich zu entscheiden? Hilfen zum Treffen von Entscheidungen erhalten Sie in diesem Beitrag.

Entscheidungshilfen für schwierige Entscheidungen
© Jon Tyson, unsplash.com

Warum tun wir uns manchmal schwer, eine Entscheidung zu treffen? Was können wir tun, um uns die Entscheidungsfindung zu erleichtern? Was tun, wenn wir Angst haben, Entscheidungen zu treffen? Was tun, wenn wir uns nicht entscheiden können? Antwort auf diese Fragen gibt dieser Beitrag.

Unser Lebensweg ist mit Entscheidungen gepflastert. Es gibt große und kleine, leichte und schwere Entscheidungen, die wir treffen müssen. Wir müssen uns entscheiden, zu heiraten oder als Single zu leben, Kinder zu bekommen oder kinderlos zu bleiben, aufs Land zu ziehen oder in der Stadt zu leben, ein Haus zu bauen oder zur Miete zu wohnen usw. Veränderte Lebensumstände wie etwa die Berentung, der Tod eines Partners oder eine gesundheitliche Beeinträchtigung erfordern es immer wieder, unsere Lebensweise anzupassen und Entscheidungen zu treffen.

Wir können es nicht vermeiden, Entscheidungen treffen zu müssen.

Auch eine Entscheidung, die wir aufschieben oder nicht treffen, ist eine Entscheidung - nämlich die Entscheidung, alles beim Alten zu belassen. Manchen Menschen fällt es leicht, sich zu entscheiden, andere wiederum gehen tage-, monate- oder gar jahrelang schwanger, bis sie eine Entscheidung treffen.

Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, welche Bedeutung die Entscheidung für unser Leben hat. Bei den meisten Menschen ist zu beobachten, dass sie sich mit zunehmendem Alter schwerer tun, Entscheidungen zu treffen. Warum wir manchmal entscheidungsunfähig sind, wollen wir uns nun anschauen.

Warum Entscheidungen schwerfallen können

Entscheidungen fallen dann leicht, wenn eine Alternative eindeutig mehr Vorteile hat, als die andere. Eine Entscheidung fällt dann schwer, wenn jede Alternative gewisse Vorteile hat und keiner dieser Vorteile eindeutig besser ist. Es gibt keine beste Wahl. Wenn es keine beste Wahl gibt, dann kommen Ängste auf, wir könnten eine falsche Entscheidung treffen, die für uns negative Konsequenzen hat.

Ängste bei der Entscheidungsfindung

  • Wir haben Angst vor den Konsequenzen und der Verantwortung. Wir glauben, nicht genügend Kraft zu haben, mit einer falschen Entscheidung leben zu können.
  • In unserem Kopf kreisen negative Phantasien, was alles schiefgehen könnte. Wir könnten uns hinterher maßlos über uns selbst ärgern, die Entscheidung bereuen, andere Menschen könnten uns ablehnen oder auslachen. Es gibt nur zwei negative Alternativen, zwischen denen wir uns entscheiden können. Sich zu entscheiden zwischen einer positiven und einer negativen Alternative ist eine leichte Übung. Aber was, wenn wir nur zwischen zwei unangenehmen Alternativen wählen können wie beispielsweise zwischen dem Streit mit unserem Partner oder damit, weiterhin von ihm ausgenutzt zu werden? Zwei Alternativen, die beide mit negativen Konsequenzen verknüpft sind, können in unserem Kopf unendliche Diskussionsrunden auslösen. Sind wir so weit, uns für eine Alternative zu entscheiden, kommt uns wieder die andere in den Sinn: "Ja, aber …" Wir kommen so nicht zum Handeln.
  • Wir gestehen uns nicht zu, etwas in unserem Leben zu verändern. Wir glauben zu alt zu sein, um eine größere Entscheidung treffen zu können. Uns erscheint die Bürde zu schwer, die wir uns mit einer Entscheidung aufladen.
  • Wir wollen hundertprozentig sicher sein, uns für die richtige Alternative zu entscheiden. Wir wollen uns nicht vorwerfen müssen, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Mehr dazu in Angst vor Entscheidungen. Dahinter steht die Einstellung, dass es nur richtige und falsche Entscheidungen gibt. Wir verlangen von uns, in die Zukunft sehen zu können und zu wissen, was uns die Zukunft bringt. Haben wir eine Entscheidung getroffen, die sich nicht als günstig erweist, machen wir uns Vorwürfe und glauben, versagt zu haben.
  • Wir übertreiben die Konsequenzen einer Entscheidung. Wir tun so, als ob unser Überleben von dieser Entscheidung abhänge.

Eine sichere Entscheidung treffen

Bei Entscheidungen, die uns schwerfallen, treffen wir oft die scheinbar sicherste Wahl: Wir entscheiden uns für diejenige Alternative, von der wir die wenigsten negativen Konsequenzen erwarten, quasi auf der sicheren Seite sind. Das ist okay, aber vielleicht doch keine gute Entscheidung.

Wenn Sie z. B. zwischen zwei Berufen wählen sollen, die Sie beide interessieren – einer im künstlerischen Bereich, der andere im Bankwesen –, dann spielen bei der (richtigen) Wahl viele Faktoren eine Rolle. Ein Job im Bankwesen verspricht ein gesichertes und vielleicht sogar hohes Einkommen, ein Job im künstlerischen Bereich eher nicht.

Wenn finanzielle Sicherheit für Sie sehr wichtig ist, entscheiden Sie sich vermutlich für das Bankwesen. Das mag in finanzieller Hinsicht eine gute Wahl sein. Vielleicht kommen Sie aber nach einigen Jahren im Bankwesen zur schmerzlichen Erkenntnis, dass der Bankjob langweilig, stressig und unbefriedigend ist. Sie verdienen gut, aber der Preis ist hoch. Sie würden viel lieber Ihre künstlerische Ader ausleben. Sie bereuen Ihre Entscheidung. Also war die sichere Wahl hinsichtlich der persönlichen Befriedigung der Tätigkeit letztlich doch keine gute Wahl.

Ich kann mich nicht entscheiden! Tipps für die Entscheidungsfindung

TIPP 1: Fragen Sie sich, ob es wirklich um Leben und Tod geht. Wäre es wirklich eine Katastrophe, wenn sich Ihre Entscheidung als falsch herausstellen würde? Wie könnte Ihr Leben dann weitergehen?

TIPP 2: Wenn Sie dazu neigen, auf Nummer Sicher zu gehen (s. Beispiel oben), dann fragen Sie sich: Ist mir die (finanzielle) Sicherheit wirklich so wichtig, dass ich dafür persönliche Nachteile in Kauf nehmen möchte oder ist mir die Befriedigung meiner persönlichen Neigungen und Interessen wichtiger? Eines ist klar: Ein Job, der dauerhaft unbefriedigend ist, ist sein Geld nicht wert.

TIPP 3: Sprechen Sie mit Freunden - am besten mit solchen, die entscheidungsfreudig sind. Auf diese Weise können Sie mehr Argumente für und wider eine Entscheidung zusammentragen.

TIPP 4: Hilfreich ist es auch, sich die Argumente für und gegen die Entscheidung in zwei Spalten nebeneinander aufzuschreiben und dann durchzuzählen, ob die Argumente für oder dagegen überwiegen.

TIPP 5: Erwarten Sie von sich keine absolut richtigen Entscheidungen. Sie sind kein Hellseher und können nicht in die Zukunft sehen. Fehlentscheidungen sind unvermeidlich, da wir nie alle Informationen für eine richtige Entscheidung haben. Vieles muss man erst ausprobieren, um zu wissen, ob es gut für einen ist. Und jede (noch so richtige) Entscheidung hat sowohl positive als auch negative Konsequenzen für unser Wohlergehen und unsere Zufriedenheit.

TIPP 6: Wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, sollten Sie diese nicht ständig wieder in Frage stellen. Sagen Sie sich innerlich: "Stopp. Ich habe alle Argumente durchdacht und werde jetzt handeln".

TIPP 7: Verzeihen Sie sich, wenn sich eine Entscheidung im nachhinein als ungünstig oder falsch herausstellt. Sagen Sie sich: "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Alles, was ich in Erfahrung bringen konnte, habe ich durchdacht. Ich habe mein Bestes gegeben, um eine richtige Entscheidung zu treffen. Ich kann nicht in die Zukunft sehen und alle Konsequenzen einer Entscheidung vollkommen abschätzen. Ich werde mir jetzt überlegen, wie ich das Beste aus der Situation mache."

Ich wünsche Ihnen die Kraft, die für Sie richtigen Entscheidungen zu treffen und den Mut, diejenigen zu akzeptieren, die sich im nachhinein als ungünstig erwiesen haben.

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Jutta schreibt am 23.06.2020

Hallo,Ich fand ihre Seite sehr sehr gut, hilft mir gerade eine wichtige Entscheidung zu treffenGruss Jutta

Elke Spiess schreibt am 14.01.2020

Mich interessieren, ob gewisse " Ängste", besonders vor gewohntem Ort verlassen, Gewohnheiten ändern , Handygespräche beim Reisen etc.ab 60 Jahren flexibel machbar sind?Mit freundlichen Grüßen

Daniel Hans Jan Hinkelmann schreibt am 27.07.2019

Dieser Artikel ist genial.

Martina schreibt am 25.06.2019

HalloTja wenn man immer wüsste was richtig ist und was falsch..... Dann noch die Verantwortung den Kindern gegenüber..... Bin grad dabei umzuziehen... Oder doch nicht... Ich weiß nicht.... Ahhhhh

Solala schreibt am 08.03.2019

Der Beitrag ist gut aber betrachtet nicht die Situation, wenn wir für andere Menschen und sogar eine ganze Gruppe eine Entscheidung zu treffen haben. Z. B. Beim Thema Sterbehilfe, oder schicke ich mein Kind in diese oder jene Schule, oder riskieren ich ein Risiko meiner Firma mit diesem Projekt, oder oder oder. Ihr wisst was ich meine?Was denkt ihr dazu? Ich stehe täglich vor der Entscheidung, wie ich mit den Kunden kommuniziere, was ich anbiete und was nicht. Die eigenen Interessen stehen so gut wie nie im Vordergrund und ich muss mich entweder in den Kunden hinein versetzen oder mich fragen, ob die Firma davon Schaden trägt oder nicht. Nicht so leicht auf Dauer, weil es nerven kostet. Aber es ist machbar. Doch ist es das wert? (hier hinterfrage ich dann meine persönliche Entscheidung :)) GRÜßE

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