Ratgeber Selbstvertrauen

Woher kommt die Angst vorm Fliegen?

flugzeug startet

Flugangst entsteht, wenn wir uns ängstliche Gedanken machen und kein Vertrauen in die Sicherheit des Flugzeugs und das Fliegen haben. Informationen zu den Ursachen der Flugangst. Bild © Sergiy Serdyuk - Fotolia.com

© Autor: Dr. Rolf Merkle, Psychotherapeut

Wenn Sie unter Flugangst leiden, dann geht nicht nur Ihnen das so. Etwa 20 Prozent der Deutschen leiden unter Flugangst, und erstaunlicherweise sollen etwa 25 Prozent der Flugbegleiter Angst vorm Fliegen haben.

Wir wollen Ihnen zeigen, woher Ihre Flugangst kommt und was Sie gegen die Angst vorm Fliegen tun können.

Unsere Anti-Flugangst Strategien können Sie auch für den Alltag am Boden einsetzen.

Wie macht sich die Flugangst bemerkbar?

Wenn Sie unter Flugangst leiden, dann werden Sie vor und während des Fluges einige der folgenden Reaktionen verspüren:

a) Negative Gefühle: Sie fühlen Angst oder gar Panik, Furcht, verrückt zu werden oder zu sterben. Sie sind nervös, gereizt und übersensibel gegenüber Geräuschen und Gerüchen. Sie haben Angst, einen Herzinfarkt zu bekommen.

b) Unangenehme Körperreaktionen: Sie verspüren ein Zittern, Anspannung, innere Unruhe, ein Vibrieren der Unterkiefers, Übelkeit, kalte Füße und Hände, ein Prickeln in Füßen und Händen, Benommenheit, Verschwommenheit vor den Augen, Unwirklichkeitsgefühle, Schweißausbrüche, Ohrensausen, Magenschmerzen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Atemnot, weiche Knie, Schwindelgefühle, Mundtrockenheit, Harn- oder Stuhldrang, Ohnmachtsgefühle.

c) Ein verändertes Verhalten: Sie trinken exzessiv Alkohol, greifen zu Beruhigungstabletten. Sie kauen Nägel, lecken sich häufig über die Lippen, trommeln mit den Fingern.

Sie haben den Impuls, am liebsten weglaufen zu wollen. Sie sind aggressiv gegenüber Angehörigen, Mitreisenden oder dem Flugpersonal.

Sie sind schusselig, lassen etwas fallen, stolpern oder verschütten Ihr Getränk.

Diese Reaktionen sind bei Flugangst völlig normal. Ihr Körper hat gute Gründe, in dieser Art und Weise zu reagieren.

Diese Gründe wollen wir uns nun zusammen anschauen.

Woher kommt die Flugangst?

Achten Sie einmal auf Ihre Gedanken und Bilder in Ihrem Kopf. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie Flugangst verspüren?

In Ihrem Kopf laufen wahrscheinlich Gedanken wie die folgenden ab:

Neben solchen Gedanken läuft in Ihrem Kopf gleichzeitig ein Katastrophenfilm ab: Sie sehen sich völlig aus der Fassung geraten und vor den Mitreisenden und Flugbegleitern bloßgestellt.

Sie malen sich aus, wie eine Tragfläche abbricht oder ein Triebwerk ausfällt, wie Sie völlig tatenlos zusehen müssen, daß die Maschine mit höllischer Geschwindigkeit auf die Erde zurast, am Boden zerschellt und Sie ums Leben kommen.

Diese Horrorgedanken und Phantasien sind die Ursachen Ihrer Flugangst.

Vermutlich hat das Lesen dieser ängstlichen Gedanken Ihre Flugangst hervorgerufen. Daran merken Sie, daß Sie selbst durch Ihre Gedanken und Phantasien Ihre Angst auslösen.

Das beweist aber gleichzeitig, daß Sie Ihre Flugangst lindern und überwinden können. Sie können nämlich lernen, Ihre ängstlichen Gedanken zu kontrollieren und so entspannter fliegen.

Meinen Sie, Mitreisende, denen das Fliegen überhaupt nichts ausmacht oder die das Fliegen sogar genießen, haben auch solch schrecklichen Phantasien? Sicherlich nicht.

Diese können nur deshalb entspannt den Flug genießen,

Jeder, der sich ängstliche Gedanken über das Fliegen macht und das Fliegen als Lebensgefahr ansieht, muß auch Flugangst haben.

Die Angst ist eine angeborene körperliche Reaktion des Menschen auf Situationen, die er als gefährlich ansieht.

Da Ihr Körper normal funktioniert, muß Sie Ihre Flugangst also im Augenblick begleiten.

Warum können Sie nicht darauf vertrauen, sicher ans Ziel zu kommen?

1. Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht oder von schlimmen Erfahrungen gehört.
Vielleicht mußten Sie bei einem Flug einmal längere Zeit in der Luft kreisen, weil das Flugzeug keine Landeerlaubnis bekam, und haben das als sehr unangenehm erlebt.

Vielleicht haben Sie bei einem Flug erlebt, daß das Flugzeug zwischenlanden mußte, um einen technischen Defekt beheben zu lassen.

Möglich auch, daß Sie einmal einen sehr unruhigen Flug mit sehr schlechten Wetterverhältnissen mitgemacht haben, das Flugzeug durch starke Winde ziemlich geschüttelt würde, die Trageflächen sich Ihrer Meinung nach gefährlich weit nach oben oder unten gebogen haben, das Flugzeug ächzte und knackte, es Ihnen dabei schlecht wurde und Ihnen Zweifel an der Sicherheit des Fliegens kamen.

Ja, vielleicht hat auch ein Katastrophenfilm über eine Flugzeugentführung Sie so beeindruckt, daß Ihnen diese Bilder jetzt immer im Kopf herumkreisen.

2. Sie überbewerten die Gefahren
Vielleicht können Sie sich nicht vorstellen, daß ein Flugzeug dieser Größe sich überhaupt in der Luft halten kann.

Oder aber Sie schätzen bestimmte fremdartige Geräusche, wie etwa das Ein- und Ausfahren der Start- und Landeklappen, Turbulenzen, Kurvenfliegen, das Beschleunigen oder das Abbremsen, Nebel oder die Eisbildung an den Fenstern als gefährlich ein.

3. Sie neigen generell zu Ängsten
Vielleicht fühlen Sie sich an Bord eingesperrt und haben das Gefühl, einem wildfremden Piloten oder einer Technik ausgeliefert zu sein - ein Gedanke, der Ihnen starkes Unbehagen erzeugt, weil es Ihnen wichtig ist, alles unter Kontrolle zu haben.

Wenn Sie Angst vor Höhen, engen Räumen oder Menschenansammlungen haben, dann verstärken diese Ängste Ihre Flugangst.

Wie dem auch sei: Ihre Flugangst ist nicht angeboren. Sie ist erlernt. Und da man alles, was man erlernt hat, auch wieder verlernen kann, habe ich eine gute Nachricht für Sie: Sie können Ihre Flugangst überwinden und lernen, das Fliegen zu genießen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Was Ihnen fehlt, um entspannt fliegen zu können, ist das Vertrauen in die Technik, den Piloten und die Sicherheit des Fliegens. Richtig?

Sind Sie schon einmal mit dem Auto auf einer Landstraße gefahren? Natürlich, denken Sie nun und sind über die Frage verdutzt. Gut, wie stehen Sie das durch, ohne in Angst und Panik zu geraten?

Sie fahren auf der Landstraße, es kommen Ihnen ständig Autos entgegen, andere überholen Sie. Ob als Beifahrer oder als Fahrer, Sie sehen es als selbstverständlich an, sicher ans Ziel zu kommen.

Gewiß, Sie sind ein sicherer Autofahrer, routiniert und fühlen sich der Situation gewachsen. Was verleiht Ihnen aber diese Sicherheit, die Sie gelassen Autofahren läßt?

Könnte es nicht sein, daß ein anderer Autofahrer die Kontrolle über seinen Wagen verliert und mit Ihnen zusammenstößt?

Ist es nicht möglich, daß ein anderer Autofahrer alkoholisiert am Steuer sitzt und plötzlich in Ihren Wagen hineinrast?

Kommt es nicht vor, daß Autofahrer aus Unachtsamkeit oder mangelnder Fahrpraxis einen Unfall verursachen?

All das ist möglich und passiert jeden Tag. Dennoch sitzen Sie entspannt in Ihrem Wagen, geradewegs so, als säßen Sie zuhause vor dem Fernseher. Wie machen Sie das?

Ihre Antwort lautet wahrscheinlich: "Ich vertraue darauf, daß nichts passiert".

Sie machen sich wie Fluggäste, die nicht unter Flugangst leiden, keinerlei Gedanken über mögliche Zwischenfälle.

Kurzum: Sie haben Vertrauen in die anderen, in deren Fahrstil und deren Auto und das, obwohl Sie keinerlei Kontrolle über deren Verhalten haben. Es ist dieses Vertrauen in die anderen, das Sie gelassen autofahren läßt!

Würden Sie sich beim Autofahren solch ängstliche Gedanken machen wie beim Fliegen und würden sich in Ihrem Kopf ständig solche Katastrophenfilme abspielen, dann würden Sie in kein Auto steigen oder beim Fahren Höllenqualen leiden.

Vielleicht wenden Sie nun ein, daß Sie beim Autofahren auf jeden Fall mehr Einflußmöglichkeiten hätten als beim Fliegen.

Das ist sicher so, jedoch haben Sie auch dort keine hundertprozentige Kontrolle.

Wenn ein anderer Autofahrer in selbstmörderischer Absicht auf Ihren Wagen fährt, haben Sie kaum Chancen auszuweichen. Wenn ein Reifen platzt, sind Ihre Kontrollmöglichkeiten auch sehr bescheiden.

Vertrauen, Vertrauen und nochmals Vertauen in andere und daß alles gutgeht, ist die einzige Möglichkeit, wie wir gelassen autofahren und fliegen können.

Klar doch: Es sind schon Flugzeuge abgestürzt und das wird immer mal wieder passieren. Aber das ist nicht die Ursache Ihrer Flugangst.

Schließlich kommen jährlich 5.000 Menschen bei Autounfällen ums Leben - weit mehr als bei allen Flugzeugabstürzen. Dennoch sitzen Sie seelenruhig in Ihrem Auto und fühlen sich sicher!

Der einzige Grund, warum Sie sich beim Autofahren sicher fühlen, ist der, daß Sie sich nicht ausmalen, was passieren könnte.

Stattdessen vertrauen Sie darauf, daß andere keine Fehler machen und Sie die Kontrolle haben.

Vertrauen in die Technik und den Piloten ist der Schlüssel zur Überwindung von Flugangst.

"Ich hätte doch keine Angst, wenn Fliegen nicht gefährlich wäre. Meine Angst ist der Beweis, daß Fliegen keine harmlose Sache ist."

Aus der Tatsache, daß Sie Angst verspüren, abzuleiten, daß Fliegen gefährlich ist, ist genauso ein Trugschluß, als würden Sie aus Ihrer Gelassenheit beim Autofahren schlußfolgern, daß Autofahren völlig ungefährlich ist.

Obwohl die Chance eines Autounfalls um ein Vielfaches größer ist als die eines Flugzeugabsturzes, verspüren Sie beim Autofahren keine Angst.

Ihre Flugangst ist lediglich der Beweis, daß Sie sich ängstliche Gedanken machen.

Über die Gefährlichkeit des Fliegens sagt Ihre Angst nichts aus. Ihre Flugangst sagt ebensowenig etwas über die Gefährlichkeit des Fliegens aus wie Ihre Gelassenheit beim Autofahren etwas über die Ungefährlichkeit des Autofahrens aussagt.

Schauen Sie sich die Informationen zur Sicherheit an Bord eines Flugzeugs an. Diese Informationen können Ihre Flugangst lindern und Ihr Vertrauen in die Sicherheit des Fliegens stärken.


Flugangst.html

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Fassen wir zusammen, was Sie über Ihre Flugangst wissen


Dr. Rolf Merkle
Rolf Merkle (Autor)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Als Psychotherapeut helfe ich seit 35 Jahren Menschen, besser mit dem Leben und ihren Problemen klarzukommen. In meiner Freizeit koche ich leidenschaftlich gerne, spiele Squash und interessiere mich für Kunst.

Was ich für das Wichtigste im Leben halte? Sein Leben so erfüllt zu leben, wie nur möglich. Denn nur wer mit sich zufrieden ist, kann mit anderen Menschen positive Beziehungen haben.

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  1. Leserkommentar Ventura Adrien schreibt am 11.07.2016, 16.22 Uhr

    Ich bin mitlerweile 29 Jahre alt, und in meinem Leben sicher schon 15 mal geflogen. Das letzte mal sollte ich in einer wirklich sehr kleinen Maschine von Stuttgart nach Rumänien fliegen. Ķeine Chance... Als ich mich hingesetzt habe wurde mir Schwarz vor Augen und ich hatte eine richtig starke Panikattacke. Ich bin ausgestiegen und mit dem Zug gefahren. Vor kurzem traute ich mich nicht mal mehr durch den Tunnel zu fahren.... Meine Mutter meinte es seie Stressbedingt ich solle einen Psychologen aufsuchen... Können Sie mir eventuell weiterhelfen.

  2. Leserkommentar H schreibt am 03.07.2016, 23.15 Uhr

    Stefanie ich hab genau das gleiche Problem und genau das gleiche im Kopf wie du.....fliege in paar tagen in die Türkei ich hab total angst und will nicht fligen ich brauche andere tipps

  3. Leserkommentar Pia schreibt am 28.06.2016, 22.59 Uhr

    Bin heute zum ersten Mal geflogen. Meine Angst war, die Beschleunigung und das Abheben des Fliegers. Diese hat sich dann bewahrheitet. Beim Starten wurde ich extrem in den Sitz gedrückt und hatte gleichzeitig das unangenehme Gefühl zu fallen und das minutenlang. Nach dem Erreichen der Flughöhe ging es dann wieder. Jedoch folgten dann Panikattacken, aufgrund der Höhe. Darauf folgten Herzrasen, Übelkeit und Schüttelfrost. Krampfhaft versuchte ich an den bevorstehenden Urlaub zu denken, doch bald kehrte die Angst zurück. Die Ansage, dass die Landung bevorsteht, verursachte in mir höchste Unruhe und den Gedanken:" Um Gottes Willen ich will das nicht! Ich will hier nur noch raus!" Die Landung war dann wieder vom Gefühl begleitet zu fallen. Nun habe ich festen Boden unter den Füßen und wahnsinnige Panik vor dem Rückflug.

  4. Leserkommentar Line schreibt am 16.06.2016, 21.42 Uhr

    Ich habe Angst vor Flugzeugabsturz hatten mal Turbulenzen seit dem flieg ich nicht gerne und einmal wollten wir landen und musste wieder hoch fliegen. Ich fliege jedes jahr nach Griechenland aber nur mit Tabletten ohne die kann ich nicht. Hab immer Panik schon tage vorher und wenn ich Flughafen bin schlimmer. Hab mir Buch bestellt ich hoffe es hilft

  5. Leserkommentar Stefanie schreibt am 30.05.2016, 13.10 Uhr

    Seit der Terror wieder allgegenwärtig ist, ist auch meine Flugangst wieder ins unermessliche gestiegen. Meine größte Angst ist vor allem, dass etwas passiert und ich meine Verpflichtungen (Menschen um die ich mich zuhause kümmere und meine Tiere) alleine lasse. Das Beispiel mit dem Autofahren ist ja schön und gut, jedoch ist die Chance einen Autounfall zu überleben deutlich größer als bei einem Flugzeugabsturz.

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