Keine Selbstachtung? Bereits 300.000 Leser vertrauten diesem Ratgeber >>

Für die Eltern im Alter sorgen

Mutter wird von Tochter betreut

Mit zunehmendem Alter der Eltern brauchen diese immer mehr die Fürsorge und Hilfe ihrer Kinder. Dies ist für beide Seiten nicht leicht. Hilfestellungen für die Versorgung der Eltern im Alter. Bild © Peter Maszlen - Fotolia

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umhöre, dann nimmt die Sorge um die älter werdenden Eltern einen immer größeren Raum ein. Plötzlich oder langsam drehen sich die Rollen um.

Aus einem Elternteil, das uns einst die Windeln wechselte und uns lehrte, mit Messer und Gabel zu essen, wird möglicherweise ein Mensch, der seine Hygiene vernachlässigt und unselbständig wird.

Das altersbedingte Nachlassen von Sinnesleistungen führt dazu, dass die Eltern Schmutz und unangenehme Gerüche nicht mehr wahrnehmen und Gefahren zu spät oder gar nicht erkennen.

Briefe von Behörden und der Bank und die neuen Techniken überfordern sie. Sie vergessen, den Herd abzuschalten und verlieren ihre Schlüssel.

Kleinste Störungen des Tagesrhythmus bringen sie aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig kann es passieren, dass sie gekränkt oder aggressiv angebotene Unterstützung ablehnen.

In dieser Phase müssen sowohl die Eltern als auch die Kinder lernen, sich auf die körperlichen und geistigen Veränderungen einzustellen.

Ratgeber Gefühle verstehen

Probleme der Eltern im Alter

Vielen alten Menschen fällt es schwer, sich des Nachlassens ihrer geistigen und körperlichen Veränderungen bewusst zu werden und einzugestehen.

Gründe dafür können sein, dass es sie schmerzt, anderen zur Last zu fallen oder sie sich innerlich gegen den körperlichen und geistigen Abbau wehren.

Sie wollen weiterhin Auto fahren, obwohl ihr Reaktionsvermögen verlangsamt und ihre Sehschärfe geschwächt sind. Lieber fragen Sie x-mal nach, als sich für ein Hörgerät zu entscheiden.

Statt den Rollator zu nutzen, nehmen sie einen Sturz in Kauf. Die angebotene Unterstützung lehnen sie vehement ab.

Von außen gesehen kann man verstehen, dass es den Eltern schwerfällt, immer mehr Abstriche in ihrer Bewegungsfreiheit machen zu müssen.

Niemand will gerne hilfsbedürftig sein und Kontrolle abgeben. Das, was wir im Leben gewohnt sind zu tun und was uns Sicherheit gibt, wollen wir bis ans Ende unserer Tage fortführen.

Positiv an der Verleugnung ist, dass die Eltern sich nicht resigniert ins Bett zurückziehen, sondern aktiv am Leben teilnehmen wollen.

Ein weiterer Grund für das Ablehnen von Hilfe kann auch eine sich entwickelnde Demenz sein, die es den Betroffenen nicht mehr möglich macht, über ihr Verhalten nachzudenken und sich bewusst auf Veränderungen einzustellen.

Neben dem Nicht-Wahrhaben-Wollen der Schwächen gibt es noch eine andere Variante. Manche Eltern wollen aus ihrer Unsicherheit heraus in allen Lebenslagen die Unterstützung ihrer Kinder.

Sie rufen die Kinder mehrmals am Tag an und erwarten, dass diese sich sofort und intensiv um sie kümmern bzw. vielleicht sogar bei sich zuhause aufnehmen.

Sie trauen sich weniger zu, als sie im Stande sind zu tun, und senden permanent Hilferufe.

Probleme der Kinder mit dem Älterwerden der Eltern

Viele Kinder tun sich schwer, die nachlassenden Kräfte der Eltern bewusst wahrzunehmen und darauf angemessen zu reagieren.

Es schmerzt, mit ansehen zu müssen, wie unsere Eltern, zu denen wir irgendwann einmal aufgeschaut haben, geistig und körperlich abbauen.

Die nachlassende Kraft unserer Eltern führt uns unsere eigene Endlichkeit vor Augen. Am liebsten wollen wir, dass alles so weiterläuft wie bisher, und jeder für sein Leben selbst zuständig sein kann.

Wenn uns die Veränderungen bei den Eltern wirklich bewusst werden, dann bedeutet dies, dass wir Verantwortung übernehmen und handeln müssen.

Wir müssen etwas unternehmen, um unsere Eltern zu unterstützen und beschützen. Wenn nicht, bekommen wir Schuldgefühle, sie hängen zu lassen.

Das Kümmern um unsere Eltern bedeutet aber auch, dass unser Leben nicht so weitergehen kann wie bisher.

Es kann heißen, dass wir selbst viel mehr Zeit mit unseren Eltern verbringen, für sie bestimmte Verpflichtungen übernehmen, fremde Hilfe organisieren und/oder sie finanziell unterstützen.

Unser eigener Anspruch, was wir für unsere Eltern tun sollten, kann mit unseren normalen Verpflichtungen wie z.B. mit unserer Berufstätigkeit, der Kindererziehung oder unserer Aus-/ Fortbildung kollidieren.

Unsere Hobbys und Interessen, unsere Bedürfnisse nach Urlaub und Unabhängigkeit kommen dann vielleicht zu kurz.

Unsere Situation noch erschweren kann die Tatsache, dass unsere Eltern sich gekränkt fühlen, wenn wir sie auf ihre Einschränkungen hinweisen, und deshalb unsere Hilfe verweigern.

Manchmal gibt es auch Partner oder Geschwister, die querschießen und sich nicht an der Unterstützung der Eltern beteiligen wollen.

Hatten wir von jeher ein schlechtes Verhältnis zu den Eltern, kommen wir nun möglicherweise in einen Gewissenskonflikt: Sollen oder müssen wir ihnen in der Notlage helfen oder können wir uns darauf zurückziehen, dass sie uns auch nicht die Liebe haben angedeihen lassen, die wir uns so sehr gewünscht haben?

Viele von uns quälen sich auch mit den Fragen „Wieviel Hilfe wird von mir erwartet?“ und „Kann ich die Hilfe leisten?“

newsletter

Wie Sie mit den Veränderungen Ihrer Eltern umgehen können

Sie sollten sich schon frühzeitig mit Ihren Eltern zusammensetzen und über die Zukunft sprechen.

Sprechen Sie darüber, wie die beste Lösung für Sie und Ihre Eltern aussehen könnte, auch wenn Sie vielleicht zunächst Skrupel haben, ein solches Gespräch zu führen.

Ein solches Gespräch bedeutet nicht, dass Sie mit dem baldigen Ableben Ihrer Eltern rechnen. Sind die Vorstellungen ganz unterschiedlich, dann sollten Sie sich Gedanken darüber machen, wie ein Kompromiss aussehen könnte.

Beispielsweise stehen zwischen dem Alleinleben, dem Heim und dem Einzug bei den Kindern noch andere Alternativen offen: eine Haushaltshilfe, eine ungelernte Honorarkraft, die bei den Eltern wohnt, ein Pflegedienst, eine Dauerbetreuung durch einen Pflegedienst, Essen auf Rädern, eine betreute Wohnanlage, eine Seniorenwohngemeinschaft, eine Demenz-Wohngemeinschaft, usw.

Benötigen Ihre Eltern bereits Unterstützung, dann sollten Sie sich informieren, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt.

Beispielsweise können Sie sich beraten lassen über barrierefreies Wohnen, einen Hausnotruf, Sturzprophylaxe, Pflegehilfsmittel, Tagespflege, Pflegehilfsdienste, Kurzzeitpflege, Pflegegeld.

Eine Beratung erhalten Sie z.B. bei einer Seniorenberatungsstelle bzw. bei den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, des Deutschen Roten Kreuzes sowie städtischen und kirchlichen Beratungsstellen. Auch im Internet finden Sie viele Informationen.

Werden Sie sich darüber klar, was Sie anbieten können und wo Ihre Belastungsgrenzen sind.

Nur wenn Sie einen Plan haben, können Sie auch Ihren Eltern gegenüber klare Lösungsalternativen formulieren.

Wenn Sie Geschwister haben, beziehen Sie diese mit ein.

Vereinbaren Sie mit Ihren Geschwistern vor einem Gespräch mit Ihren Eltern, welche Lösungen Sie den Eltern anbieten können.

Auch über die finanzielle Frage muss gesprochen werden. Bringen Sie klar zum Ausdruck, dass Sie nicht die gesamte Verantwortung und Last alleine tragen können.

Besprechen Sie mit Ihrem Partner, was sich in der Familien ändern wird.

Die vermehrte Hilfe für Ihre Eltern wird auch Ihre eigene Familie mehr oder weniger beeinflussen. Bitten Sie deshalb um ein Einverständnis und Unterstützung.

Führen Sie mit Ihren Eltern Gespräche über die Hilfsmöglichkeiten.

Überlassen Sie Ihren Eltern die Verantwortung, solange es nicht um ihren Schutz und ihre Sicherheit geht.


eltern-alter-kinder.html

Wie finden Sie diesen Artikel?

star rating4.5 stars 4.5 Sterne (229 Leserurteile)





Möglicherweise haben Sie viele Ideen, wie Ihre Eltern besser leben könnten. Doch diese sind Resultat Ihrer ganz persönlichen Sichtweise.

Auch wenn Ihre Mutter eine fleckige Bluse anhat, was früher niemals vorkam, wird sie überleben.

Ernährung, Körperpflege, Medikamenteneinnahme, Flüssigkeitszufuhr und Sicherheit sind hingegen Bereiche, in denen Ihr Eingreifen zum Schutz Ihrer Eltern wichtig ist.


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

Lust auf positive Impulse? Dann holen Sie sich meinen Newsletter.

newsletter abonnieren


Ihnen gefällt mein Beitrag? Dann teilen Sie ihn auf teilen auf facebook Facebook. Danke!

Welche Erfahrungen machen Sie mit Ihren Eltern?

Hinterlassen Sie einen Kommentar und teilen Ihre Erfahrung mit anderen.

Ihr Name
Ihr Kommentar
maximal 1500
Zeichen!
Zur Spam-
vermeidung Zahl
eingeben
captcha

  1. Leserkommentar Monika schreibt am 05.09.2016, 13.34 Uhr

    Meine eltern leben bei uns im Gaus..in einer eigenen Wohnung.Obwohl sie noch recht mobil sind unternehmen sie selten was. Bei gztwm Wetter verbringen sie den ganzen Rag veobachtend am Fe ster.Wenn wir weg wollen heist es wann wohin wieso..auf allgemeine Gültigkeiten wie z B Mülltrennung nehmen sie keine Rücksicht..das alles beladtet die Situation hier sehr..wie fühlen uns ständig kontrolliert. Alkes wolken sie wissen...und alles wird angezweifelt hinzu kommt eine gehörige Portipn Teotz. Meine Mutter hört schlecht aber das Tragen der Hörgeräte wird verweigert..was immer wieder zu Missverständnissen führt. Ich hätte nie gedacht das sich das mal so entwickeln würde....

  2. Leserkommentar mara schreibt am 14.08.2016, 10.03 Uhr

    Ich bin froh, dass meine Eltern gemeinsam entschieden haben in ein Seniorenstift zu gehen. So konnte meine Mutti meinen Vater pflegen bis zum Tod. Meine Mutter musste durch eine große OP danach in die Pflegeabteilung wechseln. Es geht ihr gut, da sie es mit selbst entschieden hat. Allerdings habe ich Probleme geduldig zu sein. Ich muss jetzt mitlernen mit ihr, damit wir gut miteinander umgehen können. Sie ist 92 und es könnte jeden Tag zu Ende sein.

  3. Leserkommentar Petra Rademacher schreibt am 20.07.2016, 23.24 Uhr

    Es ist wirklich sehr schwierig, alle Bedürfnisse der Eltern, wie auch der Angehörigen, gerecht zu werden! Beide Seiten müssen sich in ihren Sichtweisen akzeptieren. Beide Seiten müssen miteinander versuchen, ohne Streitigkeiten zurechtzukommen! Eltern sollten sich nicht scheuen, nach Hilfe zu fragen, aber auch mit Zeitmangel der Kinder klarkommen! Das allerwichtigste ist immer: Dass alle Beteiligten prinzipiell an- und aussprechen, was gewünscht ist, was zu viel wird, was machbar ist oder nicht! Und dies beiderseits toleriert wird! Darin einen guten Kompromiss zu finden, ist dann einfacher, als verhärtete Fronten! Nicht leicht, aber wünschenswert! Viel Kraft und Mut und Glück allen, die in dieser Situation stecken! Wie ich es auch gerade bin. Ich bin Ende 50, und habe selbst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, und die Eltern über 80, machen zusätzlich Sorgen! Nicht wirklich schön, doch aussuchen können wir uns unser Schicksal nicht. Eltern auch nicht! Deshalb schauen, wie wir diesen Weg gemeinsam und doch getrennt gehen können! Alles GUTE allen!!!

  4. Leserkommentar margot lührs schreibt am 07.06.2016, 14.42 Uhr

    ich bin selbst die "alte Mutter" im 82.Lebensjahr und bin unsicher, welche Hilfe ich von meinen Kindern erwarten kann. Abhängig zu sein, fällt mir sehr schwer. Ich möchte in meinem Haus sterben

  5. Leserkommentar Eigenständiger Mensch schreibt am 28.05.2016, 08.42 Uhr

    Die Frage, ob Kinder überhaupt pflegen und sich kümmern können, kommt mir in der gesellschaftlichen Diskussion viel zu kurz. Warum wird nicht einmal über die Angehörigen berichtete, die durch die Pflegebelastung selbst (psychisch) krank geworden sind. Da gibt es sicherlich eine riesige Dunkelziffer! Aufklärung ist hier angesagt, am besten bevor das Kind sich entscheidet ob es pflegt oder sich sonst in irgendeiner Weise kümmert. Jeder sollte das für sich selbst entscheiden könne, ohne das sie/er an den gesellschaftlichen Pranger gestellt wird.

  6. Seite:
newsletter abonnieren

Werden Sie Ihr eigener Psychologe

In ihrer Gebrauchsanleitung für Gefühle zeigen die Psychologen Wolf und Merkle wie man negative Gefühle beeinflussen und sich gute Gefühle machen kann.

Ratgeber Gefühle - wie sie entstehen - wie man sie beeinflussen kann

101 positive Empfehlungen Ratgeber Gefühle Bewertungen

Auch als CD & MP3 Hörbuch

ratgeber gefühle anschauen

Leserstimme Luciana schreibt am 8.11.2015

Ich habe nie gedacht, dass ein Buch mein Leben so positiv ändern könnte. Dank dieses Buches kann ich heute mein Leben positiv und glücklich gestalten.

Das wichtigste für mich ist zu wissen, dass ich selber meine negativen Gefühle losbekommen kann. Diese ist die Botschaft, die mein Leben geändert hat.

Ratgeber Depressionen

Selbsthilfe Ratgeber des Psychotherapeuten Dr. Rolf Merkle

Mutmachende Hilfe, um ins Leben zurückzukehren

Ratgeber Depressionen überwinden


37 (!) positive Empfehlungen Ratgeber Depressionen Leserurteile

ratgeber Depressionen bestellen

Expertenempfehlung

Heike Born

Heike Born
Diplom Psychologin, Wiesbaden

Ich empfehle meinen Patienten die Bücher aus dem PAL Verlag, weil sie die Selbstveränderung auf hervorragende Weise unterstützen. Viele Menschen finden leicht Zugang zu den Inhalten durch die gut verständliche Sprache.

diesen artikel empfehlen
selbstvertrauen