Antipathie - Sympathie: wie entstehen sie?

Frau zeigt Abneigung durch Daumen nach unten

Wodurch entsteht eine Abneigung gegenüber anderen Menschen? Wie kann man eine Antipathie lindern oder überwinden? Bild © Olaf Schulz - Fotolia

, Psychotherapeutin

Da wurde Ihnen gerade Ihre neue Kollegin vorgestellt und bei Ihnen sträubten sich bereits beim ersten Anblick alle Haare. Sie wussten gleich, dass Sie mit ihr nicht klarkommen würden.

Auch der neue Nachbar ist Ihnen nicht geheuer. Sein arrogantes Getue können Sie nicht ausstehen.

Ähnlich ergeht es Ihnen mit dem neuen Lebensgefährten Ihrer Freundin. Sie können mit ihm nicht so richtig warm werden, obwohl Ihrer Freundin sehr viel an einem guten Verhältnis liegt.

Sie wissen zwar, dass man keine Vorurteile haben und allen Menschen mit Toleranz begegnen sollte, doch es will Ihnen nicht so recht gelingen.

Wir wollen uns deshalb damit befassen, was sich hinter einer Antipathie oder Aversion gegenüber bestimmten Menschen verbergen kann.

Was verbirgt sich hinter einer spontanen Abneigung?

"Den kann ich nicht riechen", "Wenn ich den schon sehe, kommt mir die Galle hoch", "Wenn sie den Mund aufmacht, bin ich auf hundert", "In seiner Gegenwart läuft es mir eiskalt den Rücken herunter".

So beschreiben wir in der Umgangssprache unsere Abneigung gegenüber einem Menschen.

Wir spüren unsere Ablehnung körperlich. Es schüttelt uns, die Haare sträuben sich, wir fühlen uns von seinem Geruch unangenehm berührt, können seine Stimme nur schwer ertragen.

Es scheint, als ob unser Gegenüber eine große Macht über uns hätte und uns mit seiner Gegenwart aus dem Gleichgewicht bringen könnte.

Viele von uns meiden deshalb den Kontakt zu diesem Menschen. Falls die Meidung nicht möglich ist, reagieren wir distanziert, ablehnend, bisweilen auch unwirsch und ungehalten.

Solange wir diesem Menschen nur einmal flüchtig auf der Straße oder im Supermarkt begegnen, ist diese Ablehnung nicht besonders tragisch.

Schwierig wird es, wenn sich unsere Antipathie gegen einen Menschen richtet, mit dem wir häufig oder gar täglich zu tun haben.

Dann könnte es sich lohnen, nach den Ursachen dieser Abneigung zu suchen und uns zu überlegen, wie wir mit diesem Menschen besser auskommen können - unseretwillen.

Ursachen der Antipathie

1. Wir lehnen an anderen ab, was wir an uns selbst nicht mögen.
Kämpfen wir beispielsweise mit unserem Gewicht oder hassen unsere Falten, so erinnert uns ein Mensch mit Gewichtsproblemen oder einem faltigen Gesicht an unsere Schwächen.

Er hält uns quasi einen Spiegel vor. Da wir diesen Anblick nicht ertragen können, finden wir diesen Menschen unsympathisch und meiden seine Nähe.

2. Wir lehnen an anderen ab, was wir selbst gerne haben möchten, aber nicht haben.
Unser Gegenüber hat beispielsweise eine gute Figur, eine befriedigende Partnerschaft oder kommt bei anderen gut an, während wir uns für zu dick halten, uns isoliert von anderen fühlen und das Feuer in unserer Partnerschaft längst erloschen ist.

Der andere erinnert uns an unsere Schwächen, wir beneiden ihn und lehnen ihn deshalb ab.

3. Der andere erinnert uns an schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen
Unser Gehirn speichert alle negativen und positiven Erfahrungen. Wir speichern nach vielen unterschiedlichen Merkmalen - beispielsweise nach Gerüchen, Merkmalen der Situation, dem Stimmklang, dem Dialekt, der Körperhaltung, Mimik, Gestik oder Kleidung eines Menschen.

Erinnert uns unser Gegenüber an einen Menschen, mit dem wir schlechte Erfahrungen gemacht haben, hat er schlechte Karten. Ihn trifft ein Gefühl, das ihn im Grunde gar nichts angeht. Er ist ein Opfer unserer Vorurteile.

Hatten Sie beispielsweise eine Freundin mit sanfter Stimme, die sich hinterher als Biest herausstellte, begegnen Sie wahrscheinlich allen Menschen mit sanfter Stimme skeptisch und misstrauisch.

4. Wir lehnen den anderen ab, weil er vollkommen anders ist als wir.
Sie leben nach den Prinzipien: "Sparsamkeit und keine Schulden" und "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen".

Ihr Nachbar macht Schulden und gibt sein Geld mit vollen Händen aus. Statt sich auch mal um den Vorgarten vor seinem Haus zu kümmern, sitzt er in seinem Liegestuhl und trinkt genüsslich ein Gläschen Wein.

Sie fühlen sich von ihm in Ihren Grundsätzen bedroht und lehnen ihn ab.

5. Wir fühlen uns von dem anderen abgelehnt.
Manchmal deuten wir bestimmte Signale unseres Gegenübers als Arroganz oder Ablehnung. "Der will was Besseres sein", "Der kann mich nicht leiden", oder "Der will nichts mit mir zu tun haben" so lauten unsere Bewertungen.

Nicht immer ist dies jedoch der Fall. Hinter einem distanzierten arroganten Verhalten verbirgt sich meist ein selbstunsicherer und schüchterner Mensch.

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Wenn wir jemanden unsympathisch finden, hat das immer etwas mit uns zu tun!

Wir treffen die Entscheidung, ob uns jemand sympathisch oder unsympathisch ist, nicht bewusst!

Ob uns jemand sympathisch oder unsympathisch ist, dass entscheidet unser Unbewusstes aufgrund vergangener Erfahrungen.

Unser Unbewusstes braucht nur etwa 100 Millisekunden, um ein Urteil über ein Gesicht zu fällen, das wir noch nie gesehen haben.

Wie Sie Ihre Antipathie beeinflussen können

Auch wenn unser Unbewusstes für uns über über Sympathie und Antipathie entscheidet, heißt das nicht, dass wir ihm ausgeliefert sind! Wir können bewusst dagegensteuern.

TIPP 1. Nehmen Sie den ersten Eindruck zur Kenntnis, aber achten Sie darauf, Ihr Urteil nochmals bewusst(!) zu überprüfen.

TIPP 2. Fragen Sie sich, wenn Sie einen Menschen nicht ausstehen können: "Was stört mich an ihm?" "Weshalb stört es mich?" "Erinnert er mich an jemand aus meiner Kindheit, der mich nicht leiden konnte?"

TIPP 3. Erinnert Sie Ihr Gegenüber an schlimme Erfahrungen aus Ihrer Vergangenheit, die nichts mit ihm zu tun haben, dann machen Sie sich deutlich: "Dieser Mensch hat nichts damit zu tun. Ich gebe ihm eine Chance".

TIPP 4. Besitzt er Eigenschaften oder Merkmale, die Sie bei sich nicht ausstehen können, können Sie lernen, diese bei sich zu akzeptieren.

Wenn Sie sich so annehmen, wie Sie sind, können Sie auch andere Menschen mit diesen Eigenschaften annehmen.

TIPP 5. Wenn Sie gewohnt sind, zu fordern, dass andere so sein sollten, wie Sie es sich wünschen, dann trainieren Sie sich darin, toleranter zu sein. Entwickeln Sie die Einstellung: "Er hat das Recht so zu sein, auch wenn es mir nicht gefällt."

TIPP 6. Lenken Sie Ihren Blick ganz bewusst auf positive Eigenschaften Ihres Gegenübers.

TIPP 7. Entwickeln Sie Verständnis für Ihr Gegenüber. Suchen Sie nach Gründen, weshalb der andere so ist, wie er ist.

Ich wünsche Ihnen die Begegnung mit vielen Menschen, die Sie sympathisch finden, und die Fähigkeit, mehr Menschen so annehmen zu können, wie sie sind.

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Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Seit 35 Jahren helfe ich Menschen bei der Bewältigung persönlicher Probleme. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, der Meditation, dem Jin Shin Jyutsu und dem Backen von leckeren Kuchen & Gebäck.

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  1. Leserkommentar Höchstbegabter schreibt am 18.09.2019

    Auf mich trifft Ursach 4 zu: Ich mag keine dummen Menschen, also Menschen, die ganz anders sind also ich, und dies sind nun einmal 99,99% aller Menschen - nicht einfach.

  2. Leserkommentar Kaline schreibt am 14.05.2019

    Ich "meine", ein Problem mit einer Kollegin gehabt zu haben. Ein Kommunikationsproblem (schriftliche, für alle Kollegen einsehbare Zurechtweisung ihrerseits - Fehlinterpretation ausgeschlossen). Ich habe mich jedoch selbst ermahnt, mich nicht von diesen negativen öffentlichen Anschuldigungen in Hinsicht auf ihre Person (ich kenne sie nicht näher, schätze aber ihre ansonsten gute Arbeit sehr) allein beeinflussen zu lassen (eine Nacht drüber schlafen). Ihre "Schuldzuweisungen" habe ich - sachlich!- zurückgewiesen und mir diese zukünftig verbeten. Selbstreflexion (was Sie hier sehr schön betonen!) ist wichtig. Ebenso Empathie (was bewegt sie dazu?). Danach ist die Sache für mich "gegessen" und ich reite nicht weiter darauf herum. Dass ich nicht von anderen "meine Standards" oder Vorstellungen, wie wer zu sein hat, erwarten sollte, ist nochmal ein guter Hinweis. Ich arbeite dran;-) Vielen Dank!

  3. Leserkommentar Karina schreibt am 10.05.2019

    Hallo, ich kann dem Beitrag von Tia nur zustimmen. Die Vermännlichung meiner Geschlechtsgenossinen ist leider sehr verbreitet. Auch diese falsche Frauensolidarität ist unerträglich, ich habe mit vielen Frauen keine Gemeinsamkeiten nur weil ich auch eine Frau bin, deren Probleme sind nicht meine. Es braucht auch keine Frauenquote, wer gut und qualifiziert ist in seinem Beruf kann alles erreichen. Immer dieses Gejammer auf hohem Niveau geht mir so auf die Nerven. Wir armen Frauen haben keine Rechte wir dürfen nicht studieren wir dürfen uns den Beruf nicht selbst auswählen usw. Ich weiß wirklich nicht was mit dieser Art der Diskussion bezweckt werden soll. Ich fühle mich wohl als Frau und lebe gerne als Frau, meinem Mann gefällt es ebenfalls, dass ich einfach Frau bin.

  4. Leserkommentar Yvette schreibt am 21.11.2017

    Ich finde das ist weit weg von der Realität. In meinem Umfeld waren Menschen die Kinder misshandeln und schwer narzistisch sind, so etwas kann kein normaler Mensch tollerieren oder gar Verständnis finden. So lange ich auch suchte, fand ich keine positive Eigenschaft an diesen Menschen, sie waren einfach nur durch und durch arogant, böse, intrigant, manipulierend und noch dumm dazu, da sie meinten das Umfeld bemerkt es nicht. Zu solchen Menschen gibt es aus meiner Sicht nur Eines-Kontaktabbruch, Verständnis ist der falsche Weg. Man verliert nur wertvolle eigene Zeit und unterstützt diese Menschen in ihrem Denken, wenn man ihnen Raum dazu gibt. Eher sollte man gut auswählen, wen man in sein Leben lässt. Mit netten Menschen lebt es sich besser, bei mir gibt es so keine schlechten Tage mehr, die aroganten und durch und durch bösen sollen unter sich bleiben, dort können sie sich dann gegenseitig vollstänkern. Wer sich ein Leben lang ärgern will, beachtet am besten den Tipp 7.

  5. Leserkommentar Phil schreibt am 09.11.2017

    Gibt es dazu auch ein Buch?

  6. Seite:

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Leserstimme Amazon Kunde 27.3.2019

Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ein Buch so viel bewirken kann. Man sollte sich langsam durcharbeiten. Es ist sehr verständlich geschrieben. Man kann jeder Zeit nach blättern falls man wieder Probleme bekommt. Ich war noch nie von einem Buch so überzeugt wie von diesem Buch. Beide Daumen hoch.

Leserstimme Amazon Leser 19.1.2018

Ich habe dieses Buch von meinem Therapeuten empfohlen bekommen aufgrund der Thematiken Depressionen, Ängste, Perfektionismus und kann nur sagen - ich nenne es meine persönliche Bibel. Ich habe mich so oft in diesem Buch wiedererkannt und das allein hat mir schon weitergeholfen.

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Dr. med. Kai Born
Facharzt für Psychosomatische Medizin, Wiesbaden

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