Angst, sich zu freuen

Haben Sie Angst sich zu freuen weil Sie schon bald wieder einen Dämpfer bekommen könnten? Dann lesen Sie diesen Artikel.

Angst, sich zu freuen
© Jacqueline Munguía, unsplash.com

Warum verbietet man es sich, sich zu freuen und gute Gefühle zu verspüren? Was tun, wenn man Angst hat, sich zu freuen? Kommen Ihnen die folgenden Gedanken vertraut vor?

  • Immer wenn es mir gut geht, werde ich bestraft.
  • Ich darf mich nicht zu sehr freuen, denn das dicke Ende kommt noch.
  • Nach jedem glücklichen Moment kommt auch wieder der Einbruch.
  • Wenn ich richtig glücklich bin, werde ich, wenn es mir wieder schlechter geht, umso mehr enttäuscht sein.
  • Vögel, die zwitschern, holt die Katze.

Mir sind diese Worte aus der Kindheit gut vertraut. Auf den ersten Blick mögen sie wie weise Worte eines Menschen mit viel Lebenserfahrung klingen. Aber schauen wir sie uns einmal näher an. Was passiert, wenn wir diese Gedanken zu unserem Lebensmotto machen? Was passiert, wenn wir uns die Freude verbieten aus Angst, sie verlieren zu können?

Wenn wir überzeugt sind, dass wir für schöne Momente bestraft werden, dann

  • vermiesen wir uns die schönen Augenblicke.
  • bremsen wir unsere Glücksgefühle.
  • lauern wir darauf, was im nächsten Moment Schlimmes passieren könnte.
  • signalisieren wir uns, dass wir Freude und Glück nicht verdient haben.
  • haben wir Angst vor guten Gefühlen, weil wir befürchten, dass wir wieder in ein Tief gelangen.

Es gibt also deutliche Nachteile für diese negative Haltung gegenüber positiven Gefühlen.

Was tun, wenn man Angst hat, sich zu freuen?

Trotz der Nachteile ist es nicht einfach, die Angst, sich zu freuen, aufzugeben. Der Grund: Wir werden in unserer Einstellung immer wieder bestätigt und haben den Eindruck, dass unsere Einstellung richtig sei.

Das Leben ist nämlich eine Ansammlung von Aufs und Abs. Wir können nicht auf Dauer ein Hoch haben. Manchmal gewinnen wir etwas, aber wir können es auch wieder verlieren. Wir werden permanent darin bestätigt, dass das Leben ein Auf und Ab ist. Wie gewonnen, so zerronnen. Dieser Satz beschreibt die Wechselbäder, die das Leben für uns alle bereithält.

Warum sich nicht über das Gewonnene freuen, wohlwissend, dass wir es verlieren können?

Schauen wir uns ein Beispiel aus einem ganz anderen Bereich an. Wie viel Sinn würde es machen, wenn Sie sich bei Sonnenschein sagen würden: Ich darf die Sonne nicht genießen, denn es regnet demnächst wieder und dann bin ich umso mehr enttäuscht, wenn es regnet.

Ebenso wie es nach Sonnenschein irgendwann regnet und Sie das wahrscheinlich so hinnehmen, können Sie auch akzeptieren lernen, dass nach einem seelischen Hoch wieder ein seelisches Tief kommt.

Wie wäre es, wenn Sie positiven Gefühlen und Glücksmomenten zukünftig mit folgender Haltung begegnen würden: Ich freue mich, dass es mir heute so gut geht und ich Anlass habe, mich richtig zu freuen. Ich habe es verdient, dass es mir gut geht. Diesen Augenblick genieße ich, solange er anhält, in vollen Zügen. Das kann mir niemand nehmen und bereichert mein Glücksarchiv. Wenn wieder mal schlechtere Zeiten kommen, kann ich davon zehren.

Denken Sie auch daran, dass Sie sich quasi doppelt bestrafen, wenn Sie sich die Freude verbieten:

  • Sie nehmen sich die Freude weg und
  • verhindern damit, dass Sie Kräfte für das nächste Tief sammeln.

Verhindern können Sie mit dieser Politik ein aufziehendes Tief nicht. Wenn Sie sich so richtig freuen, dann haben auch andere etwas davon. Sie können diese mit Ihrer Freude anstecken und sind ihnen gegenüber geduldiger und großzügiger.

Und wenn Sie sich in schlechten Zeiten an Ihre schönen Erfahrungen erinnern, dann können Sie davon zehren. Alleine die lebendige Erinnerung daran wird dann ein paar Glückshormone sprudeln lassen.

Achte darauf, dass du auf der Suche nach Sicherheit nicht deine Freiheit verlierst.

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