Gewohnheiten ändern - so gelingt es

Gewohnheiten erleichtern das Leben. Wenn wir eine Gewohnheit ändern wollen dann tun wir uns schwer. Warum ist das so? Wie Gewohnheiten ändern?

Gewohnheiten ändern - so gelingt es
© t;?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><p xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><i>© <a href="http://www.doriswolf.de" shape="rect">Dr. Doris Wolf</a>, Diplom Psychologin</i>

Man kann Denkgewohnheiten, Gefühlsgewohnheiten und Verhaltensgewohnheiten unterscheiden. Die Entscheidung, alt vertraute, aber schädliche oder behindernde Gewohnheiten aufzugeben, ist meist schnell getroffen. Die Umsetzung dieser Entscheidung, etwa mit dem Rauchen aufzuhören, ist der schwierigere Teil.

Deshalb sagt Reinhard Sprenger nicht zu Unrecht:

Die Macht der Gewohnheit ist der härteste Klebstoff der Welt.

Gewohnheiten haben es nämlich an sich, sich gegen Veränderungen zu wehren. Und das macht auch Sinn, denn Gewohnheiten sollen uns das Leben erleichtern. Gewohnheiten ermöglichen es uns, dass wir uns blind auf unser Gefühl verlassen können. Da darf es nicht passieren, dass sich Angewohnheiten einfach und ohne unser bewusstes Zutun verändern.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten von heute auf morgen all das neu lernen, was Sie sich über die Jahrzehnte hinweg angeeignet haben: Fahrradfahren, Laufen, Schreiben, Autofahren, Skifahren, ... Es macht Sinn, dass wir diese und andere Verhaltensgewohnheiten nicht von jetzt auf nachher ablegen oder verlernen.

Diese Beharrlichkeit unserer Gewohnheiten ist dann von Nachteil, wenn wir schädliche Denk- und Verhaltensweisen ablegen wollen. Wenn wir uns, etwa beim Tennis, eine falsche Schlägerhaltung angewöhnt haben, dann braucht es Geduld und Training, bis wir uns eine neue Schlägerhaltung angewöhnt haben. Damit es Ihnen besser gelingt, sich von schädlichen Verhaltens- und Denkgewohnheiten zu trennen, möchte ich Ihnen im Folgenden beschreiben,

  • wie Gewohnheiten entstehen.
  • wie der Veränderungsprozess verläuft.

Wie entstehen Gewohnheiten?

Gewohnheiten erleichtern uns das Leben ungemein. Wir haben ganz bestimmte Verhaltensgewohnheiten, wie wir beispielsweise essen, gehen, sprechen, einschlafen, schreiben, Zähne putzen, usw. Wir haben aber auch bestimmte Gewohnheiten zu denken, zu fühlen und mit unseren Gefühlen umzugehen.

Manche von uns geraten bei Wut aus der Fassung und schreien andere an, anderen wiederum verschlägt es die Sprache. Manche glauben, überhaupt keine Wut verspüren zu können, sondern reagieren eher mit Trauer und Verzweiflung. Manche sehen immer nur das Negative oder die Fehler, während andere die Chancen und Erfolge sehen. Sie kennen sicher das Beispiel, dass man ein halbleeres Glas auch als halbvoll beschreiben kann. 

All diese Gewohnheiten sind entstanden, indem wir immer wieder in ein- und derselben Weise gedacht und gehandelt haben. Am besten haben Sie wahrscheinlich noch vor Augen, wie Ihre Gewohnheiten, Schreibmaschine zu schreiben, Auto zu fahren oder mit dem Euro zu rechnen, entstanden sind.

Sind Gewohnheiten erst einmal installiert, erfordern sie keine Mühe und Aufmerksamkeit mehr von uns. Wir brauchen uns dann nur noch auf unseren Körper zu verlassen. Dieser meldet uns, wenn unser Verhalten von den Gewohnheiten abweicht. Er meldet, wenn zu wenig Salz in der Suppe ist, wir auf der falschen Seite einschlafen, im Linksverkehr fahren, usw. Wir fühlen uns dann unwohl und so, als ob etwas nicht stimme.

Vergleichbar sind Gewohnheiten mit einem Canyon, in den sich Jahrhunderte lang das Wasser tief eingegraben hat.

Wollen wir ein neues Verhalten erlernen, müssen wir quasi eine neue Schlucht graben. Dabei wird das Wasser dazu neigen, immer wieder in die alte Schlucht zu fließen, solange die neue Schlucht noch nicht mindestens genauso tief wie die alte ist. Wir müssen deshalb geduldig das Wasser ganz bewusst und mit Anstrengung in das neue Flussbett lenken. Vergleichbar damit müssen wir immer wieder ganz bewusst neue Gewohnheiten, zu denken und zu reagieren, einüben, bis sie automatisch ablaufen.

Wie verläuft der Veränderungsprozess?

Eine Veränderung ist, wie Sie wahrscheinlich bereits an sich selbst erlebt haben, gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Wir müssen mit einigen Hürden rechnen. Nehmen wir einmal an, Sie wollen die Angst vor dem Fahrstuhl-Fahren überwinden. Dann verläuft der Veränderungsprozess in 5 Phasen:

  • In der 1. Phase haben Sie die theoretische Einsicht, dass die Angst vor dem Fahrstuhl übertrieben und irrational ist.

Sie wissen, dass die Fahrstühle in der Regel sicher sind und es relativ unwahrscheinlich ist, dass etwas passiert. Sie wissen auch, dass Ihre Angst entstanden ist, weil Sie gedacht haben, dass der Fahrstuhl gefährlich sei. Sie wissen, dass die Angst unangenehm ist, aber Sie diese ertragen können, wenn Sie mit dem Fahrstuhl fahren.

  • Nun muss die 2. Phase folgen: die praktische Übung. Sie müssen Ihre Erkenntnis umsetzen und mit der Angst in den Fahrstuhl steigen.
  • Während der praktischen Übung gelangen Sie in die 3. Phase, den Widerspruch zwischen Kopf und Bauch.

Obwohl Sie sich vom Kopf her klar darüber sind, dass das Aufzug-Fahren keine Katastrophe ist und Sie die Fahrt überleben werden, haben Sie das Gefühl, als ob Sie die Fahrt nicht aushalten können. Ihr Gefühl sagt Ihnen: "Das hältst du nicht aus. Bestimmt bleibt der Lift hängen." und Ihr Kopf sagt Ihnen: "Das Fahrstuhl-Fahren ist nicht gefährlich. Du kannst deine Angst und deine körperlichen Symptome aushalten." Das alte Gefühl ist quasi wie eine Warnanlage, die Sie noch einmal fragen will: Meinst du es ernst mit deiner Veränderung? Folgen Sie dem alten Gefühl, werden Sie sich niemals ändern.

Sie können sich nur ändern, wenn Sie Ihr altes Gefühl einfach nur zur Kenntnis nehmen, als Irrtum ansehen und sich nach Ihrer neu erarbeiteten Einstellung verhalten.

  • Nun ist der schwierigste Teil der Veränderung bereits geschafft. Sie kommen in die 4. Phase, der Übereinstimmung zwischen Kopf und Bauch.

Sie sind sich Ihrer neuen Gedanken noch bewusst, aber das Gefühl stimmt schon mit den Gedanken überein. Sie haben das Gefühl, es richtig zu machen. Die Angst hat deutlich nachgelassen oder ist bereits überwunden. Sie steigen problemlos in den Lift.

  • Die 5. und letzte Phase ist dann erreicht, wenn eine neue Gewohnheit entstanden ist.

Ihr Denken läuft automatisch ab. Sie benutzen den Fahrstuhl wahrscheinlich wie Ihr Auto ohne irgendeinen Gedanken an Gefahr. Während der Fahrt im Lift können Sie sich mit Alltagspflichten befassen oder sich angenehm mit Mitfahrern unterhalten.

Gefühle sind also manchmal gute, manchmal schlechte Berater. Wir müssen herausfinden, ob es uns in einer bestimmten Situation hilft oder schadet, auf unsere Gefühle zu hören. In den Selbsthilfe-Informationen Gefühle beeinflussen und Gesundes Denken erfahren Sie mehr darüber.

LESENSWERT: Was persönliche Veränderungen behindern kann.

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