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Wie Selbstvorwürfe und Schuldgefühle überwinden?

es tut mir leid

Plagen Sie Schuldgefühle? Machen Sie sich häufig Selbstvorwürfe und haben ein schlechtes Gewissen?

Schuldgefühle sind ein Gift, das uns innerlich auffrisst. Ratschläge, wie Sie Schuldgefühle loswerden bzw. vermeiden können. Bild © styleuneed - Fotolia

Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

"Wie konnte ich das nur vergessen!" "Wie konnte ich mich nur so unmöglich benehmen!" "Das hätte mir nicht passieren dürfen". "Warum habe ich nicht ...".

Dies sind typische Gedanken, wenn wir Schuldgefühle haben. Wie häufig machen Sie sich solche Vorwürfe und worüber?

Machen Sie sich Schuldgefühle, weil Sie

Es gibt viele Anlässe, sich Vorwürfe zu machen und sich mit Worten selbst zu bestrafen.

Warum haben wir Gewissensbisse? Schauen wir uns die Ursachen von Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen an.

Warum haben wir Schuldgefühle?

Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, dann glauben Sie, dass Schuldgefühle zwangsläufig auftreten, wenn Sie sich falsch verhalten, also etwas tun, was Sie für schädlich, falsch, unmoralisch oder unangemessen halten.

Dagegen spricht, dass es Menschen gibt, die sich bei genau dem gleichen Verhalten in keinster Weise schuldig fühlen. Ein Extrembeispiel hierfür sind Verbrecher, die absolut kein Unrechtsbewusstsein besitzen und keine Reue zeigen.

Schuldgefühle sind „hausgemacht". Wir selbst machen uns unsere Schuldgefühle durch die Art und Weise, wie wir unser Verhalten und uns beurteilen.

Wir fühlen uns schuldig, wenn wir uns vorwerfen,

Damit wir Schuldgefühle bekommen, müssen wir unseren Selbstvorwürfen noch etwas Wichtiges hinzufügen - nämlich die Schlussfolgerung: weil wir uns nicht so verhalten haben, wie wir es hätten tun sollen, sind wir verurteilenswerte und schlechte Menschen.

Diese Schlussfolgerung bewirkt, dass wir unter Schuldgefühlen leiden und ein schlechtes Gewissen haben.

Die Folgen von Schuldgefühlen

Wenn wir uns vorwerfen, etwas falsch gemacht zu haben und uns dafür verurteilen, dann erzeugen wir Spannung in unserem Körper.

Wenn der Magen unser schwächster Punkt im Körper ist, bekommen wir Magenschmerzen.

Andere bekommen Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Heißhunger nach Essen, Herzstechen oder Atemnot. Vielleicht fühlen wir uns einfach "nur" gereizt und ärgerlich.

Vielleicht geben wir aber auch unseren Druck an unsere Kinder, den Partner oder unseren Hund weiter, indem wir diese anschnauzen.

Eine andere Folge unserer Selbstvorwürfe sind Depressionen. Wir fühlen uns als Versager, die nichts zustande bringen.

Haben wir uns genügend viele Selbstvorwürfe eingehämmert, können wir sogar in völlige Passivität und Mutlosigkeit verfallen.

Ein Betroffener sagte: Mich lähmt die Traurigkeit über verpasste Chancen. Hätte ich nur früher den Mut von heute gehabt. Jetzt bin ich in der Sackgasse des Lebens angekommen.

Wir wollen hier nichts beschönigen. O.k., wir haben einen Fehler gemacht. Es wäre besser gewesen, die fällige Rechnung zu begleichen, dem Partner mehr Zuwendung zu geben, sich mehr um die Kinder zu kümmern, usw. Aber es wäre lediglich besser und angenehmer gewesen.

Wir können nicht in die Zukunft sehen und wissen, ob eine Entscheidung, die wir heute treffen und für richtig halten, auch morgen noch richtig ist.

So traurig das ist, es ist leider die unumgängliche Tatsache. Was bedeutet diese Tatsache für uns, wenn wir uns bei einem Fehler ertappen oder wir etwas tun, von dem wir im Nachhinein denken, dass wir es besser nicht getan hätten?

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Wie Sie sich von Schuldgefühlen befreien

TIPP 1: Nehmen Sie Ihre Fehler zur Kenntnis und übernehmen Sie die Verantwortung dafür. Beispielsweise: "Ich habe einen Mahnbescheid erhalten, weil ich die Rechnung verlegt habe". "Ich habe eine Delle im Auto, weil ich den Laternenpfahl übersehen habe".

TIPP 2: Werten Sie lediglich diesen Fehler, nicht jedoch Ihre Person als negativ, und überlegen Sie, ob Sie diesen Fehler korrigieren und in Zukunft vermeiden können.

Ich habe nicht in meinem besten Interesse gehandelt, aber es ist nun mal passiert. Ich bin ein Mensch, der Fehler macht. Ich habe die Situation falsch eingeschätzt. In Zukunft werde ich mehr darauf achten, indem ich ... tue.

Es ist sinnlos, sich vorzuwerfen "Ich hätte mich anders verhalten müssen. Wie konnte ich mich nur so verhalten".

Sie haben sich so verhalten, weil Sie ein Mensch sind, der Fehler macht. Als Menschen sind wir "beschränkt" in unserer Einschätzung.

Wenn Sie Reis und Wasser in den Kochtopf geben, dann erhalten Sie gekochten Reis. Es nützt Ihnen dann nichts zu sagen "Wie konnte ich nur Reis in den Topf geben. Ich hätte Kartoffeln reingeben sollen, weil ich lieber Kartoffeln esse".

Sie haben sich vor Beginn des Kochens Gründe dafür gegeben, Reis in den Topf zu füllen und nicht Kartoffeln. Statt der Selbstverurteilung genügt die Feststellung: "Ich habe Reis gekocht und jetzt Reis auf dem Teller. Schade, lieber hätte ich jetzt Kartoffeln gegessen."

TIPP 3: Wenn Sie sich im Verlauf des Tages bei Selbstvorwürfen ertappen, dann erinnern Sie sich daran: "Ich bin bereit, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Ich habe mein Bestes gegeben."

Sie können nur danach handeln, was Sie im Moment des Handelns für richtig halten - auch wenn sich Ihre Entscheidung später als falsch herausstellt.

Vielleicht werden Sie jetzt einwenden: "Das ist ja alles schön und gut für solche Kleinigkeiten, aber bei den wirklich großen Entscheidungen darf doch kein Fehler passieren".

Beispielsweise habe ich Patienten in der Praxis, die sich vorwerfen, einen bestimmten Partner geheiratet zu haben, sich vom Partner getrennt zu haben, schwanger oder tablettensüchtig geworden zu sein oder die Schulausbildung abgebrochen zu haben.

Doch auch hier gilt das gleiche Prinzip. Es ist wichtig, sich einen Fehler einzugestehen. Wenn wir ihn verleugnen oder die Schuld auf anderere schieben, können wir nicht aus ihm lernen.

Es ist jedoch ungesund, sich einen Fehler ständig vorzuwerfen. Sie haben getan, was Sie für richtig hielten und wozu Sie zu dem Zeitpunkt körperlich und psychisch fähig waren.

Wenn Sie es heute anders sehen, dann können Sie sich heute anders verhalten. Damals waren Sie noch nicht so weit.

TIPP 4: Akzeptieren Sie Ihre Unvollkommenheit. Wir alle lernen bis zum Zeitpunkt unseres Todes und werden doch niemals perfekt sein.

Wir können lediglich aus unseren Fehlern lernen und uns bemühen, denselben Fehler nicht zweimal zu machen. Schuldgefühle helfen nicht, Fehler in der Zukunft zu vermeiden.

Videoberatung zum Thema Schuldgefühle


Schuldgefuehle-Info.html

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Leserfrage zum Thema Selbstvorwürfe

Ich habe die Arbeit meines alkoholabhängigen Geschäftspartners jahrelang mit übernommen und bin für seine Schulden eingestanden. Dafür habe ich meine Altersvorsorge geopfert. Nun bin ich selbst körperlich angeschlagen und kann nicht mehr arbeiten. Ich werfe mir vor, im Leben alles falsch gemacht zu haben.

Ich habe geantwortet:

Wir alle können in unserem Leben nur nach dem entscheiden, was wir im Augenblick als richtig ansehen. Vorhersehen, was uns in der Zukunft erwartet, können wir nicht.

Es gab für Sie sicher viele gute Gründe, warum Sie Ihrem Geschäftspartner so lange die Stange gehalten haben. Vielleicht wollten Sie ihn aus Mitleid nicht fallenlassen oder haben ihn im nüchternen Zustand als sehr guten Geschäftspartner geschätzt und wollten ihn deshalb nicht verlieren.

Man könnte es durchaus auch als positiv ansehen, dass Sie ihm immer wieder eine Chance gegeben haben. Selbstvorwürfe, alles falsch gemacht zu haben, verschlimmern Ihre Lage jetzt nur noch.

Sie können Ihr Verhalten nicht mehr ungeschehen machen, aber Ihre Haltung dazu verändern.

Eine angemessene Betrachtung könnte z.B. sein: „Ich habe die Chance, dass mein Geschäftspartner seine Alkoholabhängigkeit überwinden kann, falsch eingeschätzt.

Mit dem Wissen von jetzt würde ich anders handeln, als ich es getan habe. Ich würde nicht für ihn bürgen und ihm zur Auflage machen, sich in eine Suchtklinik zu begeben.“

Unterbrechen Sie Ihre Gedanken, wann immer Sie sich bei Selbstvorwürfen ertappen. Ersetzen Sie die Vorwürfe durch den Gedanken: „Ich bin bereit zu akzeptieren, dass ich in dieser Weise gehandelt habe.“

Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit dann darauf, wie Sie Ihre Gesundheit und Ihre finanzielle Lage verbessern können.

Möglicherweise können Sie noch beratend tätig sein oder bei einem Kollegen stundenweise arbeiten.

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Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar Susi schreibt am 09.01.2017, 12.01 Uhr

    Hallo zusammen habe nach 30 Jahren meinen Mann verlassen und stehe finanziell am Rande geschweige meine ganze Freunden wenn es welche waren haben sich von mir abgewand und halten meinem Mann die Stange in diesem Augenblick als ich ging war es richtig für mich den er hat mich unter Druck gesetzt und ich musste gehen im Nachhinein würde ich es änderst machen aber für das ist es jetzt leider zu spät ich muss die Verantwortung übernehmen es Frist mich manchmal auf und ich habe große Schuldgefühle aber ich bin ein mensch und keine Maschinen mit all meinen Fehlern und Gefühlen ich werde mein Leben jetzt in die Hand nehmen und das negative in positive um Wandel sooo das meine Schuldgefühle aufhören !! Ich wünsche allen ein gutes neues Jahr und es wird alles gut 👍

  2. Leserkommentar Angel schreibt am 03.01.2017, 20.56 Uhr

    Hallo, als ich Kind war hat mein Vater mir des öfteren für Alles und jeden die Schuld gegeben. Zbsp.Wenn der Kugelschreiber mal wieder beim Telefonregister weg war oder einLieblingsvideo dann war ich die Jenige die wo Schuld daran war. Das zog sich bis Heute. Auch in meiner Beziehung werde ich für dies und jenes Verantwortlich gemacht.Jetzt hab ich gelesen das das so nicht stimmt sondern Egal wers ist ob M oder W.Jedr für sein Eigenes Leben verantwortlich. ist und man keinem die Schuld geben darf.Und die Menschen die mit Schuldgefuhle geplagt werden das heißt Untergebuttert werden es ins positive umsetzen sollen sonst wird gleiches mit gleichem angezogen.Das heißt man fühlt sich Schuldig wegen was auch immer bekommt dadurch ein miserables Gefühl und steuert man da nicht entgegen wird es statt besser immer schlimmer. Ich kann nur jedem empfehlen Negativ auf Positiv umzusetzen. Seit ich das mache hab ich mehr Selbstbewusstsein und lass mich nicht mehr klein halten.Auch mehr Energie spüre ich. Ich bin seit 3 Tage wie ausgewechselt und das erstemal richtig Stolz und Glücklich auf mich.Mein Freund behandelt mich jetzt auch anders. Lg Angel♥ Danke fürs lesen Und Euch ein Gutes Neues Jahr!

  3. Leserkommentar Chris schreibt am 23.12.2016, 20.15 Uhr

    Ich bin 23 und bereue mein gesamtes Leben und fühle mich nur noch dumm und minderwertig. Ich bin mein leben lang einem “Freund “ gefolgt, der mich mein gesamtes Leben seit ich 14 bin unbewusst runtergezogen hat und noch nie dieselben Interessen mit mir geteilt hat. Ich hatte immer etwas im Leben bekommen, wofür ich nie viel Mühe aufwenden musste, das aber auch genauso wieder ging. Es fing mit der größten Fehlentscheidung meines Lebens an, aus einer gemütlichen Kleinstadt in eine Großstadt zu ziehen und meine derzeitige Arbeit abzubrechen. Ich dachte nicht an meine Zukunft, sondern nur an etwas großes, was ich damit verband. Irgendwann nach Jahren durch den Stress, entwickelte ich eine Psychose und ich wehrte mich gegen alles, was mir dargeboten wurde als Therapie. Jetzt sind ich und mein Körper einfach nur verwirrt und ich kann Nächte nicht schlafen und habe Suizidvorstellungen, weil ich nicht Faul sein will, aber auch einfach nicht weiß, was gerade im Moment richtig für mich ist, was ich tun kann oder ob es nicht schon zu spät ist. All meine Sinne sind wie abgestumpft und abgenutzt, alles tut nur noch weh....

  4. Leserkommentar Linda schreibt am 16.12.2016, 20.20 Uhr

    @Sven Stahl: So hart es auch klingen mag, genau solche Situationen sind für Sie eine Chance zu wachsen und dazu zu lernen. Sie haben damals gehandelt, wie sie gehandelt haben. Gestehen Sie sich ihren Fehler ein, aber hadern Sie nicht mit sich. Gerade im Todesfall des eigenen Vaters haben sie anders reagiert, als sie es mit "kühlem Kopf" getan hätten. Damals waren sie nur in der Lage, so zu handeln, wie Sie gehandelt haben. Heute würden Sie anders handeln, weil Sie die Dinge heute anders sehen und dazu gelernt haben. Geld zu verlieren ist sicher kein Grund zur Freude, aber gehen Sie mit sich selbst liebevoll um. In dieser Situation hatten Sie einen Grund, den Preis der Wohnung so niedrig anzusetzen. Eine Immobilie loszuwerden bedeutet ja auch Ballast abzuwerfen. Vieleicht können Sie letzten Endes doch noch etwas Gutes aus der Situation heraus ziehen. Es ist so passiert, weil Sie damals nicht anders konnten, heute würden Sie anders reagieren. Nicht mehr, und nicht weniger. Wünsche Ihnen alles Gute!

  5. Leserkommentar Sven Stahl schreibt am 04.11.2016, 09.22 Uhr

    Ich bin seit Jahren depressiv erkrankt. Vor kurzem ist nun mein Vater völlig unvorhergesehen verstorben. Ich wollte alles was mit Ihm und der Verantwortung zu tun hat schnellstmöglich hinter mich bringen, also auch den Verkauf seiner Wohnung. Ich habe direkt den ersten Kaufpreis eines Interessenten akzeptiert und die Wohnung im Wissen das sie unter Wert verkaufe veräußert. Nun, seitdem ich beim Notar die Unterschrift geleistet habe, bricht die Welt über mich zusammen und ich frage mich wie ich nur so dumm sein konnte. Es macht mich physisch und psychisch fertig und bin so voller Selbstvorwürfe das ich kaum noch Leben mag.

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Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

Ich empfehle meinen Patienten die PAL Ratgeber, weil sie wichtige Informationen in einer die Therapie unterstützenden Weise vermitteln. In der Wartezeit auf einen Therapieplatz sind die Bücher eine große Hilfe.

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