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Angst überflüssig zu sein und nicht (mehr) gebraucht zu werden

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Wir alle kennen wahrscheinlich dieses Hochgefühl, wenn wir nach großem Engagement ein Dankeschön von unserem Gegenüber bekommen und in glückliche Augen schauen.

Diese Anerkennung bestärkt uns darin, uns auch in Zukunft einzusetzen und Gutes zu tun. Wenn unser Gegenüber unseren Einsatz in keinster Weise würdigt, dann sind wir meist maßlos enttäuscht und verärgert.

Unsere Reaktionen sind auf eines der wichtigsten Lerngesetze zurückzuführen, nämlich dass wir dasjenige Verhalten wiederholen, für das wir belohnt werden.

Dadurch dass der andere uns für unseren Einsatz durch anerkennende Worte entschädigt, kommt es zu einem Gleichgewichtszustand zwischen dem, was wir geben, und dem, was wir bekommen.

Wir haben das Gefühl, wichtig zu sein und gebraucht zu werden.

Es gibt aber auch Menschen, deren Antrieb nicht daher kommt, dass andere ihre Leistung anerkennen. Freiwillig geben sie immer wieder, unabhängig davon, ob etwas zurückkommt oder nicht.

Ja, manchmal drängen Betroffene anderen ihre Hilfeleistung sogar förmlich auf, setzen sich ein, ohne dass die anderen dies wollen. Sie erbringen klaglos ihren Einsatz und beschweren sich nie.

Auf Dauer laufen sie Gefahr, ausgenutzt zu werden und sich selbst auszulaugen. Die Folge dieses Helfersyndroms können ein Burnout und Depressionen sein.

Hinter ihrem zunächst einmal scheinbar selbstlosen Verhalten kann sich durchaus auch ein Gewinn verbergen: nämlich damit das Gefühl zu bekommen, wichtig und liebenswert zu sein.

Ihr hilfsbereites Verhalten wird von der Angst gesteuert, überflüssig zu sein und nicht gebraucht zu werden.

Manchmal schlägt sich diese Angst auch darin nieder, dass die Betroffenen bei Dritten immer wieder darüber erzählen, wie sehr sie sich einsetzen.

Diese Angst trifft insbesondere nicht berufstätige Mütter, die sich nur über ihre Kinder definieren. Gehen die Kinder aus dem Haus, kommt es zu einer Sinn- und Lebenskrise.

Mütter können sogar so weit gehen, dass sie ihr Kind absichtlich verletzen, nur um das Gefühl zu haben, für seine Pflege gebraucht zu werden.

Die Angst, überflüssig zu sein, kann sich auch darin äußern, dass Menschen sich jahrelang von einem alkoholabhängigen Partner misshandeln lassen, aber dennoch bei ihm bleiben und ihre Lebensaufgabe darin sehen, ihn zu retten.

Ratgeber Gefühle verstehen

Warum entwickeln wir die Angst, nicht gebraucht zu werden?

Gewöhnlich lernen wir in der Kindheit, was wir über uns und unsere Bedeutung für andere denken.

Gibt es im Leben der Eltern kaum einen Platz für uns, sind wir unerwünscht oder werden oft übergangen, dann können wir zu der Einstellung gelangen, dass wir nicht wichtig sind.

Sätze wie „Dich kann man zu nichts gebrauchen“ oder „Das war auch nur ein Ausrutscher, dass du entstanden bist.“, haben eine fatale Wirkung auf das Selbstwertgefühl. 

Unser Selbstwertgefühl entwickelt sich nur schwach und wir sind immer auf der Suche nach Bestätigung.

Ein Mittel, um diese Bestätigung zu erhalten, ist, dass wir uns für andere aufopfern.

Um unser selbst willen geliebt zu werden, das können wir uns nicht vorstellen. Der Gedanke: „Wenn ich mich nur in irgendeiner Weise unersetzlich mache, dann werden die anderen mich eines Tages schon lieben und wichtig nehmen.“ treibt uns an.

Unter dieser Prämisse wählen wir dann auch häufig unseren Partner aus. Er behandelt uns ähnlich wie unsere Eltern und wir strengen uns aufs Neue an, wichtig genommen zu werden, indem wir Einsatz bringen.

Löst sich unser Partner aus unserer Umklammerung und aus der Partnerschaft, sehen wir uns  in unserer negativen Einstellung uns selbst gegenüber bestätigt.

Wir sind wir wieder an dem Punkt, uns selbst nicht die Wertschätzung geben zu können, nach der wir uns sehnen.

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Wie die Angst, nicht gebraucht zu werden, überwinden?

Die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, kann an bestimmten Punkten in unserem Leben immer einmal wieder auftreten - z.B. wenn die Kinder aus dem Haus gehen, unser Partner uns verlässt, wir in Rente gehen oder durch eine Krankheit nicht mehr so belastbar und leistungsfähig sind.

Dann liegt es an uns, uns der neuen Lebenssituation anzupassen und nach neuen Lebenszielen und Lebensinhalten zu suchen.

Anders sieht es aus, wenn uns die Angst, nicht gebraucht zu werden, schon unser ganzes Leben begleitet.

Dann ist es sinnvoll, allein oder mit therapeutischer Unterstützung, nach den Ursachen unseres geringen Selbstwertgefühls und unserer negativen Einstellungen zu uns zu suchen.

In einem zweiten Schritt müssen wir unsere Sichtweisen, die wir uns aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen zugelegt haben, überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.

Neue Einstellungen könnten so aussehen: „Ich bin liebenswert und wichtig, und muss mich nicht täglich über meinen Einsatz beweisen.“ Oder „Ich trage allein dadurch, dass ich lebe, etwas für die Gesellschaft bei.“

Im Anschluss daran müssen wir unsere Erkenntnisse auf unseren Alltag übertragen, d.h. wir müssen uns genau anschauen, wo Gewinn und Verlust nicht im Gleichgewicht stehen, bei welchen Menschen wir immer mehr geben, als wir bekommen, und dort unser Verhalten verändern.

Dies können wir tun, indem wir weniger geben, von anderen mehr verlangen oder die Beziehung abbrechen. 

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Ein weiteres Ziel wird es sein, Ziele zu formulieren, die wir erreichen wollen, weil sie unsere Talente entfalten oder uns Spaß machen.

Wir müssen lernen, für uns selbst etwas zu tun, und daraus Zufriedenheit zu ziehen.


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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Monica Weyrauch
Diplom Psychologin, Speyer

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