Entscheidungen treffen: Was tun bei zu vielen Optionen? Wie gelingt es, die richtige Entscheidung zu finden?
Entscheidungen treffen: Was tun bei zu vielen Optionen? Wie gelingt es, die richtige Entscheidung zu finden?
© Marianne Bos, unsplash.com

Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten wie heute. Nicht selten sind wir überfordert, da wir nicht mehr wissen, welche Entscheidung wir treffen sollen. Dann tun wir entweder gar nichts – aus Angst vor einer (falschen) Entscheidung – oder wir verfallen in Aktionismus und entscheiden uns für mehrere Optionen, so dass wir gefühlt alles haben, verzetteln uns aber unter Umständen dabei.  

Die Qual der Wahl: Tägliche Entscheidungen sind eine Herausforderung

Unser Alltag ist gepflastert mit Optionen und Möglichkeiten, sich zu entscheiden: Soll ich heute Sushi essen gehen oder doch lieber Burger, Thai oder Levante? Möchte ich auf dem Land leben oder in der Großstadt? Will ich Karriere oder Kinder oder beides? Von den kleinen Blitzentscheidungen bis zu den großen Lebensfragen, wir müssen uns permanent entscheiden. Das betrifft z. B. die Balance zwischen Arbeits- und Familienleben, Beziehungsfragen, Joboptionen, Wohn- und Lebensmöglichkeiten, Freizeitgestaltung, Urlaubs- und Wochenendplanung, Mediennutzung, Konsumgüter usw.

Viel Auswahl gibt uns einerseits das Gefühl von Lebendigkeit und davon, viele Optionen auskosten zu können. Unser Leben gewinnt an Intensität, wenn wir unser Leben aus der Fülle heraus gestalten. Nichts entgeht uns so (gefühlt), wir haben von allem etwas. Und wir können jeden Tag wieder alles verändern – ein komplett neues Leben gestalten, uns ganz selbst verwirklichen – in der Hoffnung auf eine bessere und freudvollere Zukunft. Diese Optionsvielfalt vermittelt uns auch ein Gefühl grenzenloser Freiheit und die Vorstellung, alles erreichen, ja vielleicht sogar die Illusion ewig so leben zu können. Social Media und andere Kanäle liefern uns zudem zahlreiche Vorbilder und Ideen, wer oder was wir heute sein oder morgen tun könnten. Unsere Fantasie wird im positiven Sinne angeregt.

Das Paradoxon: Nicht selten verirren wir uns in den Optionen, haben das Gefühl, uns und unsere Ziele zu verlieren und schaffen weniger als wir möchten. So steigt im Meer der Optionen nicht selten die Unzufriedenheit. Wir brechen im Extremfall wiederholt unser „altes Leben“ ab und wandern von einem Ziel zum nächsten. Wir schenken allem oder immer Neuem unsere Aufmerksamkeit und sind schließlich zerstreut, verwirrt, gestresst, müde bis ausgebrannt, orientierungslos. Dabei übersehen wir, dass manches einfach nicht zu uns passt, wir also gar nicht alles haben oder sein müssen, wir mit weniger bereits zufrieden sein können. Wir erkennen, dass wir nicht genug im Hier und Jetzt gelebt haben oder leben und dankbar genug waren oder sind, für das, was da war oder ist.

Die vielen Optionen gaukeln uns andererseits vor, dass wir uns später noch entscheiden können. So schieben wir auch wichtige Entscheidungen auf, da wir denken, alles sei immer möglich, jetzt sei noch nicht der richtige Zeitpunkt oder die richtige Option sei noch nicht da. Zum Beispiel warten wir vielleicht zu lange mit dem Kinderwunsch, auf den passenderen Partner, auf den erfüllenderen Beruf, auf die schönere Wohnung, auf die bessere Idee, auf mehr Freizeit, auf bessere Zeiten, den passenderen Ort usw. Wir erwachen, wenn wir sehen müssen, dass sich das Leben und die Umstände gewandelt haben, dass manche Optionen nicht mehr da sind, wir manches nicht zurückholen können und sich unser Entscheidungsradius verändert hat. Andererseits können wir darauf vertrauen, dass sich neue Optionen bieten, die zu einer bestimmten Zeit zu uns passen werden.

Entscheidungen treffen: aus Optionen werden Prioritäten

Unsere Zeit ist begrenzt, der Tag hat nur 24 Stunden und davon verbringen wir etwas weniger als die Hälfte schlafend. Um also ein weniger gehetztes und dennoch erfüllendes Leben zu leben, müssen wir uns in der verfügbaren wachen Zeit aus zahlreichen Optionen für die für uns (und unsere Nächsten) am geeignetsten entscheiden. Natürlich ist denkbar, dass wir mehrere, vielleicht sogar widersprüchliche Optionen wählen oder Kompromisse eingehen. Gleichzeitig ist es wichtig, im Blick zu behalten, wo wir eigentlich hinwollen und wie wir jetzt leben möchten.

Dazu gehört Klarheit über unsere Ziele: Was möchten wir hier und heute tun, was morgen, was in dieser Woche, was in diesem Jahr? Wenn wir unsere Prioritäten kennen, können wir auch unsere Entscheidungen darauf ausrichten. Dabei ist weniger mehr. Wir können uns z. B. folgende Fragen stellen: Was bedarf heute unserer besonderen Aufmerksamkeit? Wann haben wir heute am meisten Energie und Zeit, um uns darum zu kümmern? Was hindert uns daran, uns ganz einer Sache zu widmen und unsere echten Prioritäten zu verfolgen? Können wir Störquellen ausschalten und jetzt ganz im gegenwärtigen Moment aufgehen und uns engagieren? Was ist also, wenn wir einfach ein Ziel zu einer bestimmten Zeit verfolgen und uns mit weniger Optionen auf das Wesentliche beschränken? Verlieren wir wirklich etwas? Wie können wir heute Energie sparen, indem wir weniger von dem tun, was auf unserer Prioritätenliste weiter unten steht? Wie können wir generell mit weniger Aufwand mehr erreichen, indem wir gezielt vorgehen?

In Entscheidungsfindung einbeziehen: Dankbarkeit für alles, was wir schon haben

Neben dem, was wir tun können, ist entscheidend, dass wir schätzen, was wir bereits erreicht haben, und erkennen, dass wir nicht alles brauchen. Was wäre also, wenn wir dankbar sind für das, was wir schon haben und das Beste daraus machen? Was wäre, wenn wir erkennen, dass wir manchmal gar nichts tun müssen? Vielleicht übersehen wir, dass das Gras auf der anderen Wiese nicht grüner ist und gar nicht zu uns passt, sich also der Aufwand für etwas Neues oder Zusätzliches nicht immer lohnt. Vielleicht erkennen wir nicht, dass wir uns bereits glücklich schätzen können mit dem, was da ist, dass wir uns zurücklehnen und genießen dürfen. Müssen wir immer wieder links und rechts Ausschau halten nach dem, was wir noch tun oder sein könnten? Natürlich können wir uns inspirieren lassen, das ist sehr bereichernd, ebenso, eine Vision zu haben und die eigenen Wünsche, Talente und Freuden und sicher auch Verantwortlichkeiten und Pflichten zu verfolgen. Dafür müssen wir letztere aber zuerst kennen und wissen, was uns im Leben wichtig ist und uns und andere wirklich weiterbringt – und das alles im Bewusstsein dessen, dass wir bereits viel erreicht haben.

Klarheit schaffen und Ziele im Auge behalten

Reflexion ist entscheidend dafür, dass wir wissen, wohin wir möchten. Wenn wir unser Ziel nicht kennen, schippern wir planlos auf hoher See. Wir steuern nach links und nach rechts und verlieren uns, ohne ein mögliches Ziel je zu erreichen. Wir können am Ende unseres Lebens sagen, dass wir viel getan haben. Aber haben wir auch das Richtige getan? Können wir insgesamt stolz auf uns sein, oder sind wir nicht vielmehr umhergeirrt auf der ewigen Suche nach „der“ Option? Um zu wissen, wo es hingehen soll, bedarf es Momente des Innehaltens: Was ist wann wichtig, wofür plane ich mir wann Zeit ein, was setze ich wann um? Mehr Klarheit bringt uns weiter, sorgt dafür, dass wir unsere Prioritäten verfolgen und uns zugleich unseren Zielen nähern. Wir lernen wieder, Verantwortung für das zu übernehmen, was uns antreibt, gleichzeitig klare Grenzen zu ziehen, unsere Zeit gut einzuteilen und für uns und unser Leben einzustehen. Wir sagen „Ja“ zu dem, was uns aufblühen lässt oder einfach „dran“ ist, und „Nein“ zu dem, was wir jetzt nicht brauchen, und was uns ablenkt.

Entscheidungen fallen uns leichter, wenn wir wissen, warum wir zu etwas „Ja“ und zu etwas anderem „Nein“ sagen. Wenn wir unsere Motivation kennen, überwinden wir einfacher Hindernisse. Wir bereuen weniger, weil wir Chancen ergreifen, die zu unseren Prioritäten passen. Wir haben andererseits mehr Energie, weil wir nicht überall dabei sein müssen, sondern uns bereits entschieden haben und dort, wo es uns wichtig ist, das richtige Maß an Energie und Zeit investieren. Letztlich haben wir so gelernt, „Ja“ zu uns selbst zu sagen und unsere Wünsche, Ziele und nicht zuletzt auch Werte zu verfolgen, ohne uns zu verzetteln und zu überfordern.

Entscheidungen flexibel treffen, weil es manchmal anders kommt als geplant

Wohin das Leben uns trägt, erkennen wir erst unterwegs, wenn wir losgegangen sind. Wir können eine gute Absicht gehabt haben, uns im besten Wissen und Gewissen aus einer Fülle von Optionen entschieden haben. Ob diese Entscheidung sich als richtig erweist, zeigt sich erst in der Zukunft, ist nur bedingt durch uns steuerbar und unterliegt auch dem Fluss und den Gesetzen des Lebens.

Entscheidend ist unsere gute Intention, nicht immer nur das Ergebnis, zumindest sollten wir uns nicht auf ein bestimmtes Resultat fixieren. Das Leben spielt manchmal anders, als wir dachten. Nicht immer erreichen wir unser geplantes Ziel. Vielleicht führt uns das Leben sogar zu einem Passenderen, ohne dass wir das gleich erkennen. Manchmal werden uns also neue, ungeahnte Optionen präsentiert, die wir ergreifen können, wenn sie sich für uns gut und richtig anfühlen. Oder wir führen selbst überraschende Wendungen herbei, ohne dass uns das zunächst bewusst ist. Wer kennt nicht diesen Satz: „Ich hätte nie gedacht, dass…“

Bleiben wir also auf unserem Weg geschmeidig, wach und gelassen und üben uns auch im Loslassen, insbesondere wenn alles anders kommt. Dafür brauchen wir Flexibilität und Vertrauen ins Leben, vielleicht sogar eine Portion Humor. Auch tun wir gut daran, spontan zu bleiben, unseren Impulsen zu vertrauen und ihnen zu folgen. Nicht jede Entscheidung oder Handlung muss hundert Mal durchdacht oder geplant werden, oft wissen wir bereits intuitiv, was gerade ansteht, und wo es langgeht. Hand aufs Herz: Was ist jetzt gerade wichtig für Sie?

Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern.

Konfuzius

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