Folge 65: Die Basis guter Entscheidungen

Der Wunsch, die Verantwortung für die Folgen eigener Handlungen nicht ganz tragen zu müssen, scheint bei vielen von uns tief zu sitzen. In meinem Beitrag verrate ich dir, was dazu beiträgt, zu guten Entscheidungen zu gelangen.

Folge 65: Die Basis guter Entscheidungen
© PAL Verlag

Wenn es schwierig wird im Leben, schauen sich viele Menschen nach Hilfe um. Und das ist gut so. Denn das ist ja das Schöne, dass die, die den Weg kennen, denjenigen, die nach dem Weg fragen, hilfreiche Hinweise geben können.

Was dir jedoch niemand von außen zu geben vermag, ist die Antwort auf die Frage, wohin es für dich zu gehen am besten ist. Zu welcher Zeit an welchen Ort zu gehen, um was mit wem zu tun – das zu entscheiden wird immer deine Aufgabe bleiben.

Auf der altbekannten Suche nach Hilfe von außen

Dennoch haben Menschen seit Urzeiten auch dafür um Hilfe von außen gesucht. Das Orakel von Delphi, Astrologen, Sterndeuter, Jyotishis, Kundige des I Ging wurden befragt, und auch heute haben Handlinienleser, Kartenlegerinnen oder Wahrsagende mit allerlei Hilfsmitteln wie Kaffeesatz, Pflanzenhalmen, Münzen oder Vogelflugbeobachtungen gut zu tun.

Der Wunsch, die Verantwortung für die Folgen eigener Handlungen nicht vollumfänglich tragen zu müssen, scheint bei vielen von uns tief zu sitzen.

Paul zum Beispiel formulierte es in einem seiner Gespräche mit mir so: "Am wohlsten fühle ich mich, wenn mein Partner alles für mich entscheidet und ich selbst keinerlei Entscheidung treffen muss. Egal, ob es darum geht, was wir heute essen, welches Auto das in die Jahre gekommene nun ersetzen soll oder, ganz aktuell, für welchen der zwei möglichen Jobs ich mich entscheiden soll. Wenn mir mein Partner sagt, was ich tun und lassen soll, ärgert mich das so gut wie nie. Im Gegenteil, es entspannt mich zutiefst. Denn egal, was dabei herauskommt – ich trage ja nicht die Verantwortung dafür. Ich habe ja nur getan, wozu er mir geraten hat …"

Gute Entscheidungen treffen

Diesen vollen Ausprägungsgrad einer dependenten Persönlichkeitsstruktur werden zwar nur die wenigsten bei sich zu orten vermögen. Und dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen wir uns alle wie im Märchen das ein oder andere Mal wünschen: "Ach, wenn doch was käme und mich mitnähme …" – mitnähme heraus aus der Unentschlossenheit, dem Zögern und Zaudern.

Eigene Entscheidungen zu treffen, kann man jedoch lernen. Und zwar nach besseren Regeln als jene, die ich zufällig in einem Postershop auf einem riesigen Plakat entdeckte: Eine Frau erklärt einer Freundin, wie sie Entscheidungen trifft, wenn ihr etwas sehr gut gefällt, was sie aber nicht wirklich benötigt und was viel zu teuer ist: "Augen zu – und Karte durch …"

Die 5 Grundüberzeugungen

Gute Entscheidungen zu treffen hat damit zu tun, dass du dir selbst grundsätzlich vertraust. Selbstwertschätzung ist die Basis. Entscheidungen zu treffen, fällt dir umso leichter, je mehr du die folgenden 5 Grundüberzeugungen bereits in dir trägst oder lernst, sie dir anzueignen:

Grundüberzeugung Nr. 1

„Ja, ich habe prinzipiell die Fähigkeit zu denken; ich kann mich auf meinen eigenen Verstand verlassen.“

Grundüberzeugung Nr. 2

„Ja, ich bin prinzipiell den Herausforderungen des Lebens gewachsen.“

Grundüberzeugung Nr. 3

„Ja, Misserfolge und wiederholtes Scheitern sind auch Teil des Weges zum Erfolg.“

Grundüberzeugung Nr. 4

„Ja, ich bin es wert, erfolgreich und glücklich zu sein.“

Grundüberzeugung Nr. 5

„Ja, ich bin liebenswert, genauso wie ich bin.“

Natürlich schließt das nicht aus, Fehler zu machen, aus ihnen zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen. Menschen mit diesen Grundüberzeugungen sind Menschen, die über ein gesundes und starkes Selbstwertgefühl verfügen.

Warum wir so oft nicht auf uns selbst vertrauen

Und genau hier beginnt die Henne-Ei-Geschichte. Je öfter du dich deines eigenen Verstandes bedienst, ohne überängstlich und oftmals überflüssig vorauseilend andere zu fragen, was du dir selbst beantworten kannst, desto mehr lernst du, dich auf deinen Verstand zu verlassen. Je mehr du dich auf deinen Verstand verlässt, desto erfolgreicher werden deine Entscheidungen.

Handelst du jedoch immer erst nach dutzendfacher Rückversicherung bei anderen, ob es richtig ist oder nicht, wird selbst ein erfolgreiches Handeln dir keine wirkliche Befriedigung geben, geschweige denn dein Selbstbewusstsein stärken. Meine zögernden und zaudernden Patientinnen und Patienten ermutige ich gerne zu Entscheidungen auf der Basis eigener Überlegungen mit dem Satz:

Lieber eine erlittene Enttäuschung als das Gefühl einer verpassten Chance!

Läuft etwas nach deiner eigenen Entscheidung nicht ganz rund, kannst du eine systematische Fehleranalyse durchführen, die dir hilft, es beim nächsten Mal besser zu machen. Entscheidest du dich jedoch nicht – was ja auch eine Entscheidung darstellt, aber eben die ungünstigste –, dann wird dich die Situation noch lange verfolgen mit Gedanken wie: "Ach, weshalb habe ich denn nicht …" oder "Wenn ich nur ... gesagt oder getan hätte …".

Perfektion ist Gift fürs Selbstvertrauen

Manchmal spiele ich ihnen dann das Lied "Bye Bye" von CRO vor mit den Textzeilen:

„… Stell dich nicht so an.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Doch alles, was man hört, ist mein Herzschlag.
Was soll ich nur sagen? Irgendwas knockt mich aus.
Ich bin ein Versager, weil ich mich doch nicht trau.
Mein Kopf ist voller Wörter, doch es kommt nichts raus.
Und sie steht auf, und steigt aus, und sagt
Bye Bye, Bye Bye, meine Liebe des Lebens.
Und ja, wir beide werdn uns nie wieder sehn.
Kann schon sein, dass man sich im Leben zweimal begegnet,
Doch es beim zweiten Mal dann einfach zu spät ist.“

Die Angst nicht perfekt zu sein, wirkt ätzend wie Salzsäure auf das Selbstvertrauen. Gerade in Bezug auf soziale Kontakte lässt sich Perfektionismus gut reduzieren, wenn du dir innerlich das Lied von Hildegard Knef singst:

„Und geht’s mal daneben, dann war‘s halt Erfahrung anstatt Offenbarung, was macht das schon …“

Vertraue deinem Verstand

Je öfter du dich bei den Entscheidungen deines eigenen Verstandes bedienst, je klarer du mit dir selbst vereinbarst, dass du es wert bist, glücklich und erfolgreich zu sein, und je mehr du dir die Fähigkeit zusprichst, prinzipiell in der Lage zu sein, den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein, umso stärker wird dein Respekt vor dir selbst wachsen, dein Selbstwertgefühl, eine gesunde Selbstsicherheit.

Dies wiederum – so zeigt die Forschung – führt dazu, dass du bei schwierigen Aufgaben viel länger durchhalten wirst als diejenigen, die von ihrem Scheitern stärker überzeugt sind als von ihrer Fähigkeit und ihrem Recht, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen.

Wage es zu denken! Vertraue deinem eigenen Verstand! Wage es, mutig gemäß deiner eigenen Erkenntnisse zu handeln! Und vergiss nie, dass Niederlagen und Misserfolge Teil des Weges zum Erfolg sind. Ja, erlaube dir in allen deinen Zellen zu spüren:

Ich vertraue auf meinen eigenen Verstand.
Ich bin liebenswert, genauso wie ich bin.
Ich bin es wert, glücklich zu sein.

Dir das Allerbeste!

Dein

Gert Kowarowsky

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In dieser Kolumne berichtet Gert Kowarowsky von seinen Erfahrungen aus seiner therapeutischen Praxis.

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