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Warum interessiert sich niemand für mich?

Leserfrage von Rainer P.

Seit meiner Jugend mache ich immer wieder dieselbe Erfahrung. Wenn ich neue Menschen kennenlerne oder mich mit Bekannten treffe, frage ich diese anfangs nach ihrem Befinden und interessiere mich für ihre Probleme.

Das kann stundenlang so gehen. Fast nie kommt jemand auf die Idee, mal nach mir zu fragen. Ich habe den Eindruck, ich bin total uninteressant und unwichtig. Warum interessiert sich niemand für mich? Bin ich so uninteressant?

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Hallo Rainer

Ich kann mir gut vorstellen, wie ermüdend und enttäuschend es für Sie sein mag, immer wieder auf andere zuzugehen, ohne dass etwas zurückkommt.

Ganz sicher ist Ihre Schlussfolgerung, dass Sie uninteressant und unwichtig sind, jedoch nicht zutreffend.

Zum einen braucht jeder Redner ja auch einen Zuhörer. Zum anderen sind Sie ein Mensch mit der großen und heute sehr seltenen Begabung, anderen zuhören und sich auf diese einlassen zu können.

Es könnte sein, dass Sie selbst etwas dazu beitragen, dass Sie in der Rolle des Zuhörers verbleiben.

Vielleicht glauben Sie selbst von sich, nichts Interessantes beitragen zu können.

Sie neigen vielleicht dazu, Fragen nur mit einem kurzen Ja oder Nein zu beantworten, statt lebendig und ausschmückend zu erzählen.

So findet Ihr Gegenüber nur schwer eine Möglichkeit, das Gespräch fortzuführen.

Oder Sie sind sehr kritisch, was Sie glauben, was erzählenswert ist.

Sie haben eine Abneigung, Belangloses zu erzählen, und Sensationelles ereignet sich halt nicht jeden Tag in Ihrem Leben.

Vielleicht möchten Sie auch nicht über Probleme sprechen, weil Sie glauben, diese gehen andere nichts an oder Sie müssten stark genug sein, diese alleine zu lösen.

Wie aus der Zuhörerrolle herauskommen?

Um aus Ihrer Zuhörer-Rolle herauszukommen, müssen Sie damit beginnen, ab und zu ungefragt etwas von sich zu erzählen.

Sie können sich auch darin trainieren, Alltagsgeschichten wortreich zu erzählen. Überlegen Sie sich, worüber Ihre gesprächigen Mitmenschen berichten und ahmen Sie es nach.

Wichtig zu wissen: Es ist leider so, dass viele Menschen in Gesprächen einen überhaupt nicht fragen, was man selbst macht und wie es einem geht. Das geht auch mir ganz oft so.

In gewisser Weise sind diese Menschen Egomanen oder Narzisten.

Entweder man hält sich von ihnen fern oder man muss selbst die Initiative ergreifen, indem man sagt: "Jetzt möchte ich mal etwas von mir erzählen" und dann erzählt, was man selbst gerne loswerden möchte.

Anders ist diesen Menschen nicht beizukommen.

Wichtig zu wissen: Wenn andere sich nicht für Sie interessieren, heißt das nicht, dass Sie uninteressant sind.

Das heißt nur, dass andere zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und sich gerne selbst reden hören. Also kein Grund, schlecht von sich zu denken.

Lernen Sie sich mehr anzunehmen und Ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

In dem Maße, in dem Sie sich mehr akzeptieren, verlieren Sie die Angst, von anderen abgelehnt zu werden und in dem Maße können Sie freier und ungezwungener Gespräche führen.

Und natürlich können Ihnen ein paar Small-talk Strategien und Gesprächstechniken auch nicht schaden.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar Maja schreibt am 08.09.2016, 20.43 Uhr

    Hallo ihr lieben,ich fühle mich total einsam und unwichtig. Jeder kommt bei mir an wenn es Probleme gibt,wenn ich mal was möchte hat nie einer Zeit für mich,die gehen nicht einmal ans Telefon wenn ich anrufe. Keinen interessiert sich dafür wie es mir geht. Bin seit tagen nur am weinen.

  2. Leserkommentar Frank schreibt am 17.07.2016, 21.53 Uhr

    Ich nochmal. Früher hatte ich schon keine Freunde. Meine Mutter sagte mir im Alter von 6 und 7 nochmal, dass ich ja gar nicht gewollt bin und nur hier rumtappe. Geburtstage mit gleichaltrigen gabs bei mir nie. Nachdem ich nichts durfte gabs halt auch keine Freunde. Heute ist das Leben einsam. Ich habe eine Familie aber keine Freunde. Wir wurde einmal von jemandem sehr weh getan mit dem ich eigentlich etwas aufbauen wollte. Seitdem habe ich Angst und blocke jeden Mann ab. Mit mir will eh keiner etwas zu tun haben.

  3. Leserkommentar Frank schreibt am 17.07.2016, 21.45 Uhr

    Ich kann nicht auf andere zugehen. Demnach halte ich mich zurück. Vor kurzem haben wir einen neuen höheren Mitarbeiter bekommen. Der Sympathifunke spran sofort über. Nun mauere ich schnell Stein auf Stein um eine Mauer zu bekommen. Ich denke nicht, dass ich das Recht habe, mich mit ihm zu verstehen zu dürfen. Ich hatte das bei unserem GF auch. Die Sympathie war sofort da. Dadurch er mein Vorgesetzter war und ich vom kleinen Personal bin ignorierte ich ihn vom feinsten mit der Begründung, dass ich nicht mit ihm reden darf. Ihn gratullierte ich per WA zum Geburtstag und ein Danke habe ich auch nicht bekommen.

  4. Leserkommentar Tanja schreibt am 14.07.2016, 21.51 Uhr

    Ich wünsche mir so sehr, dass ich die Geduld habe, auf diesen einen Menschen warten zu können, der auch mir mal zuhört. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, weiter in Liebe und Zuneigung gegenüber den Menschen offen sein. Es ist an manchen Tagen so schwer, die Hoffnung nicht zu verlieren...

  5. Leserkommentar Hilde schreibt am 10.07.2016, 19.13 Uhr

    das Problem, dass man zum "ewigen Zuhörer" verdammt ist, kenne ich auch nur zu gut. Dass hier so viele Leidensgenossen sind, tröstet mich ein wenig; man fühlt sich weniger einsam. Ich interessiere mich für andere Menschen; höre Ihnen gerne zu, frage nach, bin interessiert. Es kommt aber in den meisten Fällen nichts zurück. Kein: "Erzähle jetzt mal was von Dir"-du interessiert mich". Man hat nach so einem "Beisammen sein" das traurige Gefühl, dass man sich anschließend nicht sich so schlecht und einsam fühlen würde, wenn man anstatt zu zweit, oder in der Gruppe, alleine gewesen wäre. Darin besteht auch die Gefahr, sich völlig von anderen zurückzuziehen; zu vereinsamen. Ganz anders muss sich ja der andere fühlen, das Gefühl super interessant zu sein, dass einem so viel Raum zu ewigen Monologen gegeben wird-- das ist doch irgendwie krank...und hat mit Freundschaft so gar nichts zu tun.... Eine Therapeutin schlug mir vor, dem anderen zu signalisieren, dass man auch gehört werden möchte. Ich kann das so gar nicht; denke, dass es dann vom anderen gespielt und aufgesetzt ist- einfach unecht. Ich denke, dass das dann einfach nicht der richtige Mensch für einen ist. Schade, dass man als schüchterner Mensch nicht so oft Menschen kennen lernt. Aber man muss einfach weiter suchen..Wie man hier sieht, gibt es ja auch noch empathische Menschen; man muss nur noch zueinander finden:)) Liebe Grüße!

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