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Warum es im Urlaub häufig in der Partnerschaft kriselt

strand mit palmen

Ab in den Urlaub und in die Partnerschaftskrise. Für viele Paare ist der Urlaub eine konfliktträchtige Zeit, in der es häufig zu Streit kommt.

Was tun, damit der Urlaub gelingt? Bild © Dmitry Ersler - Fotolia

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Nur noch zwei Wochen bis zum Urlaub. Sehnsüchtig zählen wir die Tage. Sonnencreme, neues Badezeug und Reiselektüre warten schon auf ihren Einsatz.

Endlich Zeit für gemeinsame Spaziergänge mit dem Partner, viele einfühlsame Gespräche über Gott und die Welt, neue Eindrücke, die man gemeinsam teilt.

Und dann, als es endlich so weit ist: Über den Krach beim Einräumen der Koffer und die gereizte Stimmung auf der langen Autofahrt wollen wir ja gar kein Wort verlieren, aber dass der Urlaub so baden gehen würde, das hätten wir uns nicht träumen lassen.

Gereizte Stimmung, gegenseitige Vorwürfe, der Mann war stundenlang hinter der Zeitung oder in der Kneipe verschwunden.

Für die Tausende von Stechmücken, die schlechte Matratze, den tropfenden Wasserhahn waren selbstverständlich wir verantwortlich.

Wir mussten uns um die nörgelnden Kinder kümmern, von liebevollen Worten keine Spur.

Warum musste der Urlaub so schiefgehen, warum war man im Urlaub so zerstritten? Schließlich hat man ja nur die paar Wochen im Jahr.

Über zwei Drittel aller Paare geraten im Urlaub in heftigen Streit miteinander. Jede dritte Scheidung wird nach einem Urlaub eingereicht!

Auch wenn wir es uns noch so sehr wünschen, führt die Tatsache, dass wir Urlaub haben, nicht automatisch zu Glücksgefühlen und Harmonie in der Partnerschaft.

Liebesgefühle und vielleicht auch Sehnsucht nach körperlicher Nähe erwachen im Urlaub nicht automatisch aus dem Dornröschenschlaf.

Es gibt viele Gründe, warum der Urlaub nicht das erfüllt, was wir uns wünschen. Auf der einen Seite sind es äußere Gründe: der Urlaubsort ist zu abgelegen, das Hotelzimmer zu klein, das Essen schlecht, zu viele Touristen, die Zimmerwände sind hellhörig, das Wetter schlecht, der Strand ist verdreckt, ....

Diesbezüglich können wir uns nur, sofern eine Änderung möglich, darum bemühen, oder lernen, das Beste aus der Situation zu machen. Die Hauptgründe für Streitereien im Urlaub liegen jedoch in uns selbst.

Wie wir unsere Urlaubsfreuden boykottieren

- zu hohe Erwartungen an den Partner

Wir haben die Phantasie: Der Urlaub wird endlich die fehlende Nähe zum Partner wiederbringen, wir können miteinander kuscheln, endlose Gespräche führen und wir werden die zweiten Flitterwochen erleben.

- zu hohe Erwartungen an den Urlaubsort

Wir stellen uns den Urlaub als Traumurlaub vor, in dem alle unsere Wünsche erfüllt werden. Die Sonne scheint, die Menschen sind gastfreundlich, das Essen ist vom feinsten, es gibt einen zauberhaften, einsamen Sandstrand ... Es ist alles, wie es der Reiseprospekt uns verspricht und dann ist alles ganz anders ...

- bereits bestehende Konflikte in der Partnerschaft

Wir nehmen die Alltagsprobleme, die über das Jahr angesammelten Enttäuschungen mit in den Urlaub. Kommt noch die Enttäuschung über den Urlaubsort, das Wetter, das Essen, etc. hinzu, sind die Chancen groß, dass die Stimmung im Urlaub noch schlimmer ist als zuhause.

- mangelnde Absprachen

Wir nehmen stillschweigend an, dass der Partner die gleichen Vorstellungen von der Urlaubsgestaltung hat wie wir. Während der Partner aber  im Urlaub nur entspannen, viel lesen und schlafen will, wollen wir vielleicht endlich mal wieder etwas erleben und möglichst viele neue Kontakte knüpfen.

- zu große Nähe: alles gemeinsam machen

Sehen wir unseren Partner im Alltag wenig, so haben wir die Erwartung, möglichst alles gemeinsam zu erleben. Dabei vergessen wir, dass unser Partner vielleicht ganz andere Bedürfnisse hat. Auch die räumliche Enge, plötzlich den ganzen Tag bei schlechtem Wetter ein Zimmer zu teilen, kann zur negativen Stimmung beitragen.

- fehlende Einstellung und Vorbereitung auf den Urlaub

Wir arbeiten bis zur letzten Minute und gönnen uns keine Zeit, unseren Körper und unsere Seele auf den Urlaub einzustimmen.

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Was tun, damit der Urlaub gelingt?

Gemeinsam über das Urlaubsziel entscheiden

Die gemeinsame Urlaubsplanung sollte schon beim Aussuchen des Reiseziels beginnen. Sind die Vorstellungen unterschiedlich, sollten wir abwechselnd mal die Wünsche des einen, dann des anderen erfüllen.

Einmal fahren wir zur See, das andere Mal zu einem Wanderurlaub ins Gebirge. Auf jeden Fall kann man über Vorlieben nicht streiten und es gibt keinen Maßstab dafür, wie das „richtige“ Reiseziel aussehen sollte.

Wir sollten uns also erst gar nicht darum bemühen, den anderen von unserem Reiseziel zu „überzeugen“.

Sträubt sich der Partner vollkommen gegen das Reiseziel, er will die absolute Ruhe, während wir Highlife suchen, dann sollten wir uns jeweils eine Woche Urlaub allein, nach den jeweiligen Vorlieben, gönnen und dann noch einen Urlaub zusammen.

Sich die eigenen Bedürfnisse bewusst machen

Im Allgemeinen sollte man sich im Urlaub das zurückholen, was einem im Alltag fehlt. Wer den ganzen Tag malocht, braucht eher Ruhe. Wer geistig arbeitet, braucht eher körperliche Aktivitäten.

Genügend lange Urlaubszeit einplanen

Die Urlaubszeit muss auf jeden Fall genügend lang sein. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die eigentliche Erholung, insbesondere bei Fernreisen, erst nach zwei Wochen beginnt.

Langsam auf den Urlaub einstellen

Wir können uns den Urlaubseinstieg erleichtern, indem wir schon ein bis zwei Tage vor Abreise zuhause Urlaub haben. So können wir uns schon vorher langsam einstimmen, einen Reiseführer lesen, gemütlich das Reisegepäck richten, schon mal länger ausschlafen.

Arbeiten wir bis zum letzten Tag im Büro, dann sind wir auf der Fahrt und am 1. Urlaubstag noch gar nicht offen für neue Eindrücke.

Keine übergroßen Erwartungen haben

Am besten ist es, keine allzu großen Erwartungen an den Urlaub zu stellen. Je größer die Erwartungen und Forderungen an unseren Urlaub sind, desto größer ist die Gefahr, dass wir enttäuscht werden. Wir fahren am besten, wenn wir ihn auf uns zukommen lassen und als Experiment betrachten.

Körper und Seele Zeit zum Eingewöhnen geben

Wir sollten unserem Körper und unserer Seele auch eine Eingewöhnungszeit gönnen. Alles, was uns aus der Routine wirft, bedeutet auch Stress für uns.

Wir müssen uns auf die neue Situation, das Klima, das Essen, die fremden Geräusche, die anderen Sitten umstellen und uns neu orientieren. Das erfordert Energie.

Eine wirklich entspannte Urlaubsstimmung kann deshalb meist erst nach 3 Tagen auftreten. Am 3. Tag kommt zunächst gewöhnlich die große Krise.

Nach dem Lustprinzip leben

Von einem bereits vorher in allen Einzelheiten festgelegten Urlaubsprogramm (Besichtigung aller Museen, Kirchen, Sehenswürdigkeiten) ist ebenfalls abzuraten.

Wir sollten uns, sofern wir nicht eine organisierte Studienreise gewählt haben, die Freiheit lassen, mal nach dem Lustprinzip zu verfahren: „Was möchte ich heute am liebsten tun?“ Termine und Verpflichtungen haben wir zuhause zur Genüge.

Die Urlaubskasse festlegen

Ein gehöriges Streitpotential steckt auch in der Urlaubskasse. Schon im voraus sollten wir uns darauf einigen, wie viel Geld wir insgesamt ausgeben wollen und welcher Betrag jedem zur Verfügung steht.

Freiraum lassen

Allzu große Nähe und Enge im Urlaub, während man im Alltag kaum etwas miteinander zu tun hat, kann zu Aggressionen und dem Gefühl des Geklammertseins führen.

Es tut der Partnerschaft gut, wenn man sich gegenseitig erlaubt, auch Aktivitäten alleine zu unternehmen.

Am Morgen sollten wir uns über unsere jeweiligen Vorstellungen vom Tag unterhalten und Absprachen treffen.

Jedoch nicht vergessen: eine gemeinsame Zeit einplanen, in der wir unsere  Erfahrungen austauschen, denn der Urlaub soll uns ja auch wieder näher bringen.

Störungen sofort anmelden

Gelegentliche Enttäuschung oder Verärgerung lässt sich meist nicht vermeiden. Wir sollten dann mit dem Partner darüber sprechen und den Ärger nicht ansammeln, bis man unkontrolliert ausrastet.

Bilanz ziehen

Wenn bereits vor dem Urlaub Krisenstimmung herrschte, dann kommen die Probleme im Urlaub meist hoch. Wir sind den ganzen Tag zusammen und so gibt es mehr Punkte, worüber man sich aufregen kann.

Dann sollten wir die Zeit nutzen, mit unserem Partner zusammen einmal Bilanz zu ziehen: „Was gefällt mir in der Partnerschaft?“ „Was wünsche ich mir anders?“ „Gibt es auch in anderen Bereichen Schwierigkeiten, die mich unzufrieden machen (Job, Beziehung zu den Eltern, finanzielle Belastungen)?“

Schweigend nebeneinander her zu leben und dabei dicke Luft zu verbreiten, hilft niemandem.

Video: Streit im Urlaub vermeiden

Bewusst nach dem Positiven Ausschau halten

Unsere Einstellungen bestimmen, wie wir uns fühlen. Diese Erkenntnis gilt auch für den Urlaub und die Urlaubsstimmung.

Beschäftigen wir uns täglich damit, was uns stört, was nicht nach unseren Vorstellungen verläuft, wie viel besser das Essen sein könnte und wie viel schöner wir es doch zuhause hätten, dann vermiesen wir uns den Urlaub. Wir laufen quasi durch den Urlaubsort mit einer Brille, die alles nur schwarz zeigt.

Konzentrieren wir uns hingegen darauf, das Schöne, Neue, Angenehme wahrzunehmen, dann werden wir uns am Abend zufrieden ins Bett legen.


urlaub-streiten-partnerschaft.html

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An die guten Seiten des Partner erinnern

Auch die Gefühle unserem Partner gegenüber können wir durch unsere Gedanken und Phantasien beeinflussen.

Erinnern wir uns an die Erlebnisse mit unserem Partner, die uns in der Vergangenheit besonders gut getan haben, dann werden wir liebende Gefühle ihm gegenüber empfinden.

Wenn Sie sich generell für die Themen Partnerschaft und Beziehungsprobleme interessieren. Eheberatung Angst vor Streit im Urlaub.

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen und vor allem konfliktfreien Urlaub.

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Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

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