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Angst vor neuer Arbeitsstelle - wie damit umgehen?

Frau hat Angst bei Arbeit

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Wir leben in einer Zeit, in der wir sowohl im Privat- als auch im Berufsleben immer wieder auf Veränderungen gefaßt sein müssen. Bild © Photographee.eu - Fotolia.com

Auch wenn wir aus eigener Initiative die Firma wechseln, treten meist Gefühle der Angst und Unsicherheit auf.

Um einige Dimensionen größer sind unsere Unsicherheit und Angst, wenn wir gekündigt bekommen oder auf eine andere Stelle versetzt werden.

Deshalb wollen wir uns anschauen, wie wir mit der Angst vor einer neuen Arbeitsstelle umgehen können.

Angst - ein Warnsignal des Körpers

Sofern Sie nicht zu den Menschen gehören, für die Neues und Unbekanntes eine Herausforderung darstellt, ist die Angst vor neuen Situationen angemessen und normal.

Beim Wechsel des Arbeitsplatzes, Chefs oder der Firma kommen neue Situationen auf Sie zu, die Sie nicht einschätzen können.

Alles, was für uns unbekannt ist, kann jedoch Gefahren in sich bergen. Die Angst zeigt uns, daß wir aus unseren Gewohnheiten herausgerissen werden und unsicher sind, was auf uns zukommen wird.

Bei vielen Menschen steigert sich die Angst in Panik und wirkt sich körperlich aus. Sie leiden unter Schlafstörungen, Appetitverlust, starker innerer Unruhe und Gereiztheit.

Sie bekommen Herz- oder Magenbeschwerden, Schweißausbrüche und vieles mehr.

Ratgeber Gefühle verstehen

Woher kommt die Angst vor der neuen Arbeitsstelle?

Die Angst entsteht, wie Sie bereits ahnen werden, durch angstauslösende Gedanken.

Hinter Ihrer Angst verstecken sich Gedanken wie:

Wir erzählen uns, daß eine Katastrophe auf uns zukommen wird, die wir nicht bewältigen können, und versetzen und damit in Panik.

Verspüren wir nur leichte Angst und Anspannung, so gehen uns Gedanken durch den Kopf wie: "Ich weiß noch nicht, was auf mich zukommen wird. Ich bin unsicher, ob ich den Anforderungen gewachsen bin."

Erkennen Sie den Unterschied?

Starke lähmende Angst entsteht, wenn wir uns einreden, daß etwas Schlimmes auf uns zukommen wird und wir befürchten, nicht damit umgehen zu können.

Wir überschätzen die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Gefahr und unterschätzen gleichzeitig unsere Möglichkeiten, mit dieser Gefahr umgehen zu können.

Leichte Angst empfinden wir, wenn wir uns sagen, daß Veränderungen eintreten werden und wir nicht wissen, ob sie uns schaden oder nützen, wir aber zuversichtlich sind, damit fertig zu werden.

Wann sollten wir uns unseren Ängsten stellen?

Ziel ist nicht, angstfrei zu leben, sondern zu lernen die Angst,

Ziel ist es, solche Ängste zu überwinden, die uns an der Verwirklichung unserer Ziele hindern und uns schaden, und den Umgang mit solchen Ängsten zu lernen, die uns alarmieren und zur Wachsamkeit vor Gefahren rufen.

Schauen wir uns Szenen aus dem Alltag an und suchen nach Lösungen, die Angst zu verringern.

Szene 1: Wenn der neue Chef kommt ...
dann werde ich seinen Vorstellungen nicht gewachsen sein und er wird mich über kurz oder lang entlassen. Das wäre eine Katastrophe.

So oder ähnlich könnten Ihre Gedanken lauten, die Sie in Panik versetzen. Bei solchen Gedanken müssen Sie in Panik geraten.

Ihr Körper hat keine andere Chance, wenn Sie ihm erzählen, daß sicher eine Katastrophe auf Sie zukommen wird.

Doch ist diese Einschätzung realistisch? Woher wissen Sie, was der neue Chef von Ihnen erwarten wird? Woher wissen Sie, daß er Sie entlassen wird?

Sicher wäre es möglich, daß er seine Sekretärin bereits mitbringt oder im Zuge seiner neuen Ideen auch Ihren Arbeitsplatz anders gestalten möchte.

Doch lohnt es sich, sich wegen einer bloßen Möglichkeit in Panik zu versetzen? Helfen Ihnen diese Gedanken, sich gut auf den neuen Chef einzustellen und ihn von Ihren Qualitäten zu überzeugen?

Sicher nicht. So schwächen Sie lediglich Ihre Position, bringen sich in Anspannung und machen sich unsicher.

Bringen Sie stattdessen Ihre Einstellung zu Ihren Fähigkeiten auf Vordermann. Erinnern Sie sich daran, daß Sie Ihrem ehemaligen Chef jahrelang gute Dienste geleistet und sich voll engagiert haben. Er konnte sich auf Sie verlassen.

Gleichgültig was der neue Chef von Ihnen halten wird, diese Qualitäten kann er nicht in Frage stellen.

Sie haben den Vorteil, daß Sie sämtliche Geschäftskontakte kennen und wissen, wer in der Firma für was zuständig ist. Sie haben die Erfahrung und das Know-how, wie bisher alles abgewickelt wurde.

Hören Sie sich Vorschläge des neuen Chefs an, falls er sie anbringt, und überlegen Sie, ob diese auch Vorteile für Sie bringen.

Doch Vorsicht vor Selbstabwertungen. Seine Neuerungen bedeuten nicht, daß alles, was bisher lief, Mist war.

Szene 2: Wenn ich an meine neue Arbeitsstelle komme ....
werde ich unfähig sein, mich einzuarbeiten. Ich werde nicht mit der neuen Software zurechtkommen und mit den neuen Arbeitsabläufen nicht klarkommen, so könnten die Gedanken lauten, die Sie in Angst versetzen.

Auch hier gilt es wieder, herauszufinden, ob diese Gedanken den Tatsachen sprechen und Ihnen helfen, sich ruhig und einigermaßen gelassen auf die neue Abteilung einzustellen.

Wie ist die Prüfung ausgefallen? Woher wissen Sie jetzt, daß Sie sich nicht einarbeiten können, daß Sie zu dumm sind, Neues hinzuzulernen? Können Sie hellsehen? Wissen Sie überhaupt, was Sie genau an Arbeitsabläufen und Arbeitsschritten erwartet?

Es ist in Ordnung sich innerlich zu sagen: "Ich weiß nicht genau, was auf mich zukommt und wie schnell ich es begreifen werde. Sicher wird mir einiges leicht, einiges aber auch schwerer fallen."

Sicher ist es sinnvoll, von Perfektheitsansprüchen Abschied zu nehmen, und von der Rolle, alles gleich beim ersten Mal zu begreifen oder, ohne zu fragen, erledigen zu können.

Doch woher nehmen Sie die Gewißheit, sich die Lernfähigkeit abzusprechen? Auch wenn Sie jetzt vielleicht einwenden, Sie hätten es doch nicht ganz so extrem gemeint. Sie haben es sich gedacht.

Wenn Sie sich solche Gedanken machen, dann reagiert Ihr Körper entsprechend. Er nimmt alles wörtlich und ernst, was Sie ihm sagen.

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Wenn Sie mit weniger Anspannung und Angst in die neue Situation gehen möchten, dann müssen Sie sich das sagen, was Sie auch wirklich meinen.

Es genügt, sich zu sagen: "Ich habe mich in meiner bisherigen Abteilung einarbeiten können, also spricht alles dafür, daß ich es auch in der neuen Abteilung schaffen werde. Ich werde alle Energien einsetzen. Sollte es mir nicht gelingen oder mir die Arbeit möglicherweise keinen Spaß machen, dann kann ich immer noch nach einer anderen Abteilung oder einem anderen Aufgabenbereich Ausschau halten."

Ehe Sie sich mit Spekulationen beschäftigen, welche Fähigkeiten Sie benötigen, sollten Sie den Kontakt zu Kollegen aufnehmen und sich informieren.

Vielleicht gibt es auch außerhalb der Firma einen Einführungskurs in diesen Bereich, so daß Sie sich einen zeitlichen Vorsprung verschaffen können.

Szene 3: Wenn ich im Großraumbüro arbeiten werde ...
dann werde ich mit meinen Kollegen nicht klarkommen, so könnten Ihre angsterzeugenden Gedanken lauten.

Auch hier gilt wieder die Frage: Woher wissen Sie das? Selbst wenn Sie schon einschlägige negative Erfahrungen mit dem Teamgeist in einem Großraumbüro gemacht haben, wissen Sie nicht, welches Arbeitsklima Sie in der neuen Firma erwarten wird.

Sie sollten auch noch einmal generell Ihre Erwartungen bezüglich des Arbeitsklimas überprüfen.

Sicher ist es unrealistisch zu erwarten, daß Sie alle Kollegen sympathisch finden und diese Sie nett finden werden.

Es genügt, wenn die Atmosphäre friedlich ist und Sie vielleicht noch den einen oder anderen Kollegen finden werden, mit dem Sie auf gleicher Wellenlänge sind.

Wenn Sie niemanden kennen, der in der neuen Abteilung arbeitet, können Sie vorab wahrscheinlich wenig über das Klima herausfinden.

Dann ist es aber auch nicht sinnvoll, negative Prognosen abzugeben. Sie haben sich für die neue Firma entschieden und es wäre gut mit folgender Einstellung dem Tag X entgegenzusehen:

Ich lasse es auf mich zukommen, was mich erwartet. Wahrscheinlich wird es Kollegen geben, die ich wenig sympathisch finde, und solche, die ich nett finde. Den neuen Kollegen wird es mit mir ähnlich gehen. Ich kann damit leben, selbst wenn es Intrigen in der Firma gibt. Ich habe meinen Freundeskreis außerhalb der Firma. Sollte mir die Stelle nicht gefallen, kann ich mir in der Probezeit einen anderen Arbeitsplatz suchen.

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Weitere Strategien zum Angstabbau

TIPP 1. Sie haben Ihre Gedanken bisher auf ihren Tatsachengehalt hin überprüft und angstauslösende Gedanken durch realistische Gedanken ersetzt.

Gut ist es, sich die neuen hilfreichen Gedanken aufzuschreiben!

Eine weitergehende Möglichkeit ist es, sich auf das Schlimmstmögliche innerlich vorzubereiten.

Man nennt diese Strategie auch Immunisierung. "Was wäre, wenn das Schlimmstmögliche passieren würde? "Was hätte ich dann noch an Lösungsmöglichkeiten?"

Notieren Sie die Antworten auf diese Frage in einer Liste. Schreiben Sie alle Lösungsvorschläge auf, ohne sie zu bewerten.

Beispielsweise, "Wenn ich arbeitslos würde, könnte ich als Tippelbruder gehen, ins Kloster gehen, auswandern, vom Arbeitslosengeld leben".

Selbst wenn Sie diesen Alternativen niemals nachgehen werden, ist es für Ihr Gehirn wichtig, Alternativen zu haben, - zu wissen, es geht weiter, es besteht keine Lebensgefahr.

TIPP 2. Viele Menschen greifen zu Beruhigungstabletten, um ihre innere Anspannung zu lösen oder um sich zu entspannen.

Davon möchte ich Ihnen abraten. Sie fühlen sich zwar kurz nach dem Konsum ruhiger, doch Ihre blockierenden Gedanken und Gefühle kommen wieder. Es besteht die Gefahr der Abhängigkeit.

Trinken Sie stattdessen abends einen Baldrian- oder Johanniskrauttee und bauen Sie Ihre Anspannung durch körperliche Bewegung oder eine Entspannungsmethode wie die Muskelentspannung nach Jacobson ab.

TIPP 3. Setzen Sie den Gedankenstopp ein. Wann immer Sie sich beim Grübeln und dem negativen Film, wie schlimm alles ausgehen wird, ertappen, rufen Sie sich "Stopp" zu und ersetzen Sie die Gedanken durch Ihre neu erarbeiteten Gedanken.

Sollten Sie die Grübelgedanken mitten in der Nacht überraschen, genügt es, sich "Stopp" zu sagen und "Morgen werde ich mich damit beschäftigen".

TIPP 4. Sprechen Sie mit Freunden über Ihre Ängste. Diese werden Ihnen helfen können, Ihren Blick wieder in eine realistische Richtung zu rücken.

Meiden Sie solche Bekannten, die darauf spezialisiert sind, Ihnen Horrorgeschichten zu erzählen.

TIPP 5. Unternehmen Sie alles, um möglichst viele Informationen zu bekommen, die die Angst vor dem Neuen reduzieren.

Wenn wir wissen, was auf uns zukommt, können wir uns vorbereiten und fühlen uns so sicherer.


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar Simon schreibt am 03.12.2016, 13.56 Uhr

    Ich bewege mich nehme ein Bad, spreche dass dadurch ich abgelenkt werde. Musik hören und essen

  2. Leserkommentar Engale van Morgen schreibt am 11.05.2016, 18.12 Uhr

    Ich hab nach 12 meinen Job verloren,da die Firma zugesperrt hat,ab 1 Juni fang ich in einer neuen Firma an,ich kann seit Wochen nicht mehr schlafen,mir is jeden Tag übel ich hab Angst das ich mit der Kassa nicht zurecht komm es ist einfach schrecklich diese Angst

  3. Leserkommentar Alice schreibt am 30.11.2015, 17.33 Uhr

    Ich habe eben Ihren Artikel gelesen, hatte gezielt nach Tipps für den/die ersten Arbeitstag/e gesucht, da ich morgen eine neue Arbeit anfange und ich an einer generalisierten Angststörung und einigen anderen Persönlichkeitsstörungen leide. Ihre Tipps sind alle schön und gut und richtig. Nur meine Erfahrungen sagen mir was anderes und auch viele der hier abgegebenen Kommentare. Wie Sie es hier beschreiben, wäre es fast der Idealfall, den es leider kaum noch gibt. Ich denke nicht, dass das Katastrophendenken ist, denn es ist nichts Ausgedachtes sondern ERLEBTES. Nicht "es könnte passieren" sondern "es ist so schon passiert". Ich hoffe ganz einfach mal, dass es nicht wieder so schlimm wird.

  4. Leserkommentar Monika schreibt am 02.08.2015, 23.31 Uhr

    Der Artikel und auch die Kommentare haben mir sehr geholfen, meine Angst vor der neuen Arbeitsstelle zu mildern. Mir liegt der Arbeitsvertrag im Entwurf vor und in drei Tagen ist Termin vor Ort zur Unterzeichnung. Die letzten Tage war ich davon überzeugt, dass ich den Vertrag nicht unterschreiben werde und mich aus der Sache irgendwie herauswinde. Ich habe vor allem Angst davor, dass meinem neuen Arbeitgeber meine Einarbeitung zu lange gehen könnte, weil ich zu langsam bin. Ich habe auch Angst vor einer allzu ernsten und strengen Stimmung, die in dem Büro herrschen könnte, es ist nämlich ein Anwaltsbüro. Ich weiß, dass ich schon immer sehr hohe Ansprüche an mich selbst gestellt habe, sozusagen perfektionistisch bin. Ich werde versuchen, mich selbst in Geduld mit mir zu üben, ich weiß ja, dass ich nicht dumm bin, aber halt einfach Zeit brauche, wie jeder andere auch. Dem Ganzen werde ich mich nun stellen, den Vertrag unterschreiben und die Arbeitsstelle antreten. Wenn es wirklich doof dort wird, kann ich ja immer noch das Handtuch werfen.

  5. Leserkommentar M schreibt am 22.06.2015, 09.58 Uhr

    Ich muss gleich zur Spätschicht (es ist jetzt kurz vor 10, anfangen muss ich 13:30), in einen Job mit hoher Verantwortung (eine Art Notrufzentrale). Ich hab zwar gestern das erste Mal allein gearbeitet, aber es war nichts los, weil alle im WE waren. Heute ist viel los und es wird mitunter von verschiedenen Stellen an mir gezupft (also, das jmd etwas von mir will). Gestern ist mir aufgefallen, dass ich einiges noch nicht behersche. Eigentlich sollte ich so einen Job nicht mehr machen, hab von der Rentenversicherung wegen Stress und Burnout eine Umschulung bekommen. Aber in dem umgeschulten Beruf hab ich nach 5 Monaten Bewerbungen schreiben keine Anstellung bekommen und ich musste schnell Arbeit finden, sodass ich wieder in den alten Beruf zurück bin. Meine Angst lähmt mich zurzeit und mit Schrecken denke ich an die gleich folgende Spätschicht. Entspannung ist mir nicht möglich. Es wird ja auch von meinem Umfeld erwartet, dass ich den Job mache...bis ich was anderes finde. Aber das ist schwer derzeit. Mir schnürt es regelrecht den Brustkorb zusammen.

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