Ratgeber Depressionen

Selbstachtung stärken

Ratgeber Depressionen: Kapitel 8

© Autor: Dr. Rolf Merkle, Psychotherapeut

Wie steht es um Ihre Selbstachtung? Wie ist Ihr Selbstwertgefühl? Schon vor Ihrer Erkrankung hatten Sie vermutlich oft das Gefühl, nicht in Ordnung zu sein.

Sie haben sich für vieles kritisiert und verurteilt. Richtig? Jetzt in Ihrer Depression sind Ihre Selbstverurteilung und Selbstablehnung noch größer.

Deshalb ist es für Sie enorm wichtig, dass Sie lernen, Ihre Selbstachtung und Ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Woher kommt die Neigung, sich zu kritisieren und zu verurteilen?

In den ersten Lebensjahren sind wir von unseren Eltern abhängig. Wir brauchen unsere Eltern und Erzieher, um überleben zu können. Deshalb dürfen wir es uns nicht mit ihnen verscherzen.

Wir nehmen uns die Kritik unserer Eltern bezüglich unserer Fehler und Schwächen zu Herzen und lernen, uns selbst für unsere vermeintliche Unvollkommenheit zu verurteilen. In dieser Zeit entsteht unser Kritiker.

Als Kritiker bezeichne ich die nörgelnde und ständig kritisierende Stimme, die Sie in Ihrem Kopf haben.

Erst haben uns die Eltern gesagt, was wir nicht tun sollten und was schlecht ist, später verinnerlichen wir deren Worte und sagen uns selbst: »Das tut man nicht. Das ist schlecht. Du solltest das nicht tun. Du solltest ... sein.«

Der Kritiker ist geboren.

Kennen Sie Äußerungen Ihrer Eltern wie die folgenden?
»Mit dir hat man nur Ärger. Wie kann man nur so blöd sein? Was hast du dir dabei nur gedacht?«

Je öfter wir solche Worte hören, umso mehr haben wir den Eindruck, etwas müsse mit uns nicht stimmen.

Wir denken uns: »Wenn ich in Ordnung wäre, dann würde man nicht so mit mir reden und mich so behandeln.

Folglich muss mit mir etwas nicht stimmen, dass man permanent so über mich und mit mir redet.«

Deshalb übernehmen wir unsere Bestrafung selbst. Wir lernen, die Selbstbestrafung und Selbstverurteilung als ein Mittel anzusehen, um unsere (vermeintliche) Unvollkommenheit zu überwinden und so zu werden, wie wir sein sollten.

Wir verinnerlichen diese Selbstbeurteilung und Selbstverurteilung (das, was man tun und nicht tun sollte, was gut und schlecht, moralisch und unmoralisch ist) so sehr, dass wir als Erwachsene die Autorität des Kritikers nicht mehr in Frage stellen.

Er und seine verurteilenden Kommentare fühlen sich ebenso richtig und zu uns gehörig an wie unsere Arme und Beine.

Wir kommen nicht auf die Idee, dass der Kritiker ein überflüssiges Relikt aus einer Zeit sein könnte, als wir noch von unseren Eltern abhängig waren.

Sehr viel wichtiger ist jedoch: Als Kinder waren wir nicht unvollkommen, hatten wir keine Fehler und Schwächen - außer unerfahren zu sein.

Unsere »Fehler« und »Schwächen« bestanden darin, dass wir nicht so waren, wie unsere Eltern uns haben wollten.

Wir lernen: ohne Strafe, keine Veränderung. Wir denken: »Wenn ich mich selbst nicht für meine Fehler und Unvollkommenheit verurteile, dann werde ich diese Fehler wieder machen und dann wird alles noch schlimmer.«

Die Vorstellung, sich angesichts eigener Fehler und Schwächen gut zu fühlen, ist ausgeschlossen.

Nur durch Selbstbestrafung, so denken wir, werden wir zu guten Menschen.

Wir tun, sagen oder denken etwas Schlechtes, fühlen uns schuldig und bestrafen uns für unsere Unvollkommenheit, um sicher zu gehen, dass wir nicht noch einmal so denken, fühlen und handeln.

Was hat all die Selbstbestrafung und Selbstverurteilung bislang bewirkt? Sind wir perfekt geworden?

Haben wir unsere Unvollkommenheit überwunden? Sind wir fehlerlose oder bessere Menschen geworden?

Nein. Alle Selbstbestrafung hat nichts daran geändert, dass wir auch als Erwachsene Fehler machen und uns gelegentlich dumm benehmen.

Viele Menschen kommen sich ihr ganzes Leben lang unvollkommen und minderwertig vor, haben das Gefühl, mit ihnen stimme etwas nicht.

Sie sind deshalb oft deprimiert und versuchen verzweifelt, zu der Person zu werden, die sie glauben, sein zu müssen, um sich akzeptieren zu können.

Viele Menschen wissen noch nicht einmal genau, was mit ihnen nicht stimmen könnte. Sie haben einfach nur permanent das Gefühl, minderwertig und nutzlos zu sein, und hassen sich dafür.

Deshalb tun wir gut daran, damit aufzuhören.

Wie seine Selbstachtung aufbauen?

1. Zähmen Sie den inneren Kritiker.

Der Kritiker in uns macht uns Vorwürfe, dass wir zu dick, zu dünn, zu schüchtern, zu egoistisch sind, dass wir nie einen Partner abkriegen werden, weil alle anderen schöner, intelligenter und liebenswerter sind, u.v.m.

Der Kritiker will uns vorgaukeln, dass er uns mit seinen vernichtenden Urteilen einen Gefallen tut. Das ist jedoch nicht der Fall.

Der erste Schritt von Selbstablehnung hin zu Selbstachtung ist der, zu erkennen, dass der Kritiker keine nützliche Funktion mehr erfüllt.

Wir sind erwachsen und können selbst entscheiden, was gut und schlecht, richtig und falsch ist. Die Normen und Werte unserer Eltern müssen nicht auch für uns gelten und richtig sein.

Der zweite Schritt besteht darin, dass wir die Urteile unseres Kritikers anschauen, diese hinterfragen und in Frage stellen.

Wenn wir den inneren Kritiker sagen hören »Du machst immer alles falsch. Du bist ein Versager.«, dann können wir uns fragen: »Stimmt das?«

Da solche pauschalen Urteile nie stimmen, können wir uns und ihm klarmachen, dass wir vielleicht manchmal Fehler machen - was ganz menschlich ist -, aber bestimmt nicht immer.

Wir können uns bewusstmachen, dass wir uns für unsere Fehler nicht schämen und verurteilen müssen und schon gar kein Versager sind.

Doch das ist nicht alles. Sich annehmen und seine Selbstachtung stärken erfordert mehr.

... weiterlesen im Ratgeber Depressionen überwinden

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Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Gottseidank habe ich mich aufgerafft und diesen Ratgeber bestellt.

Rolf Merkle begleitet einen Schritt für Schritt und sehr einfühlsam auf dem Weg aus der Depression.

Schon alleine durch das Lesen ging es mir besser.

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Dr. med. Kai Born
Facharzt für Psychosomatische Medizin, Wiesbaden

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