Folge 78: Die Angst, die Zukunft und das Hier und Jetzt

Angststörungen sind sehr weit verbreitet, die Auslöser dieser Angst sind dabei vielfältig. In diesem Beitrag erfährst du, was Angst ausmacht und wie dir deine fünf Sinne bei deren Überwindung helfen können.

Folge 78: Die Angst, die Zukunft und das Hier und Jetzt
© PAL Verlag, unter Verwendung einer Illustration von Christina von Puttkamer

Angst ist nach Depression der häufigste Grund, weshalb Menschen zu mir in Therapie kommen. Manche haben unerklärliche Panikanfälle, andere wiederum haben Angst vor anderen, vor speziellen Orten, Tieren oder Gegenständen, Angst vor Krankheiten, Angst, das sichere Zuhause zu verlassen, Angst davor, was wohl noch alles Negatives geschehen mag.

Spannend ist, dass kein Mensch jemals sagen würde: „Ich habe solche Angst, dass mir letztes Jahr etwas passieren könnte.“ Angst, ganz gleich welcher Art, lässt sich also immer nur in Bezug auf die Zukunft erleben: „Was wird wohl Negatives, Gefährliches, Schädliches in der Zukunft auf mich zukommen? Wird der Hund da vorne mich beißen? Werde ich im Alter hungern und frieren müssen?“

Die Folgen der Zukunftsangst

Genau diese Gedanken führen jedoch zu einer dauerhaft hohen Anspannung mit zunehmender Erschöpfung, Leistungsrückgang durch Konzentrationsstörungen und zunehmender Gereiztheit. Der übermäßige Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen, die kurzfristig als hilfreich erlebt werden, kommt als Zusatzproblem nicht selten hinzu. Gerade im Zusammenhang mit Angststörungen treten eine hohe Anzahl körperlicher, vegetativer und zentralnervös gesteuerter erschöpfungsauslösender, unangenehmer Symptome auf:

  • innere Ruhelosigkeit, ständiges „Auf-dem-Sprung-Sein“
  • leichte Ermüdbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten oder Leere im Kopf
  • Reizbarkeit
  • Muskelspannung
  • Schlafstörungen wie Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten oder unruhiger, nicht erholsamer Schlaf
  • Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwindelgefühle
  • Unsicherheit
  • Benommenheit oder das Gefühl, der Ohnmacht nahe zu sein
  • Kälteschauer oder Hitzegefühle

Weshalb beschreibe ich diese Symptome so ausführlich? Einfach deshalb, um aufzuzeigen, dass das, wovor du Angst hast, oftmals übertroffen wird durch die negativen Auswirkungen, die im Angsthaben selbst liegen.

Was unterscheidet die empfundene Angst von der tatsächlichen Gefahr?

Alle Forscher:innen, die sich eingehend mit Angst beschäftigt haben, kommen zu der übereinstimmenden Erkenntnis:

Das Besondere an Ängsten ist die Tatsache, dass die erlebte Angst dabei in den meisten Fällen weit über das Ausmaß der tatsächlichen Gefahr hinausgeht und in der Regel von altersentsprechend vergleichbaren anderen Personen so weder gesehen noch erlebt wird.

Angst findet und fand sich schon immer bei vielen Menschen. Auch bei berühmten Menschen. Johann Wolfgang von Goethe, Bertolt Brecht und Sigmund Freud hatten Panikanfälle. Berühmte Redner wie Demosthenes und Cicero oder der Schauspieler Sir Laurence Olivier litten vor jedem öffentlichen Auftritt unter Ängsten.

Angststörungen sind sehr weit verbreitet. Du kannst dir sicher sein, dass es unter deinen Bekannten noch einige andere Personen gibt, die ebenfalls ein Angstproblem haben. Angst zu haben ist nichts, wofür sich irgendjemand schämen müsste. Doch die wichtigste Information ist: Jede Angst kann behandelt werden!

Was tun, wenn dich das Angstgefühl überflutet?

Wenn sich Angst also immer auf etwas bezieht, das erst in der Zukunft auf dich zukommen mag, wäre folglich die „Flucht“ ins Hier und Jetzt die beste Strategie, um jede Angst bereits im Keim zu bewältigen, bevor sie dich überflutet.

Hast du diesen Punkt jedoch versäumt und die Angstwelle hat dich erfasst und bereits alle Zellen in dir in Aufruhr versetzt, dann ist die beste Strategie die folgende: Tue all das, was du sowieso tun wolltest. Tue all das, was dir zu tun sinnvoll erscheint und was du ohne Angst hier und jetzt tun würdest, weil du es zu tun als sinnvoll ansiehst. Tue es zusammen mit all diesen Angstwellen in dir!

Dies ist eine sehr machtvolle Strategie:

Zusammen mit der Angst das zu tun, was du tun möchtest – sofern du es als sinnvoll ansiehst.

Du hast die Wahl, das vor dir liegende Jahr in all den dir möglichen schwarzen Farben auf deine innere Vorstellungsleinwand zu malen – und vorauseilend jetzt schon ganz real darunter zu leiden. Oder aber dich zu fokussieren auf all die lichtbringenden Aktivitäten und Erlebnisse, die das gerade erst beginnende Jahr dir bringen mag. Vor allem aber wieder und wieder dich ganz in dir zu zentrieren. In dir, bei dir, mit dir zu SEIN. Hier und jetzt. In Sicherheit in dir. Weit entfernt von allen Ängsten.

Die 5-Sinne-Technik zum Überwinden der Angst

Die Technik dazu ist einfach: 

Komm einfach dreifach zu Sinnen!

Halte an! Wo immer du gerade sein magst. Nimm alles so bewusst und neu wie irgend möglich mit all deinen Sinnen wahr. So, als ob du eben aus einer tiefen Bewusstlosigkeit erwacht wärst und erstaunt bist über all das, was es hier und jetzt alles zu sehen, zu hören, zu spüren und vielleicht auch zu riechen und zu schmecken gibt. Beantworte dir am besten laut diese Fragen:

Welche drei Dinge siehst du hier und jetzt?
Ich sehe …
Ich sehe …
Ich sehe …

Welche drei Geräusche hörst du hier und jetzt?
Ich höre …
Ich höre …
Ich höre …

Welche drei Materialien spürst du hier und jetzt?
Ich spüre …
Ich spüre …
Ich spüre …

Welche drei Gerüche riechst du hier und jetzt?
Ich rieche …
Ich rieche …
Ich riech e…

Welche drei Dinge schmeckst du hier und jetzt?
Ich schmecke …
Ich schmecke …
Ich schmecke …

Diese kleine Übung auszuführen wird dir umso leichter fallen, je mehr du dir bewusst bist, dass der gegenwärtige Augenblick das Einzige ist, was du hast.

Der Dalai Lama sagte einmal:

Tomorrow never comes.

Ja, das Morgen kommt wirklich nie! Morgen wird tatsächlich nie sein. Morgen kommt zum Glück nie, denn Morgen ist zum Glück wieder heute.

Du kannst dich entspannen.

Sei einfach so oft, wie es dir möglich ist, im Hier und Jetzt!

Das ist dein angstfreier Raum, der dir immer offen steht.

Alles, alles Gute dir,

JETZT!

Dein 

Gert Kowarowsky

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 Was unterscheidet die empfundene Angst von der tatsächlichen Gefahr?
 Was tun, wenn dich das Angstgefühl überflutet?
 Die 5-Sinne-Technik zum Überwinden der Angst
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