Folge 21: Vergeben

In dieser Beitragsserie berichtet Gert Kowarowsky von den Erfahrungen aus seiner therapeutischen Praxis.

Folge 21: Vergeben
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Folge 21: Vergebung heilt – dich selbst

Wenn du vergibst, tust du zuallererst etwas sehr Egoistisches. Du entschließt dich, dich aus dem Gefängnis deiner eigenen negativen Emotionen zu befreien. Vergebung hilft dir, Angst, Wut, Hass, Depression und viele stressbedingte körperliche Störungen loszulassen. Vergebung hilft dir dabei, die Opferrolle abzulegen und statt Bitterkeit wieder mehr Frieden und Lebensfreude zu spüren. Die negative Bindung an den Täter löst sich auf, neue Kraft und ein Gefühl von Souveränität entstehen in dir.

Wie gelingt es zu vergeben?

Das erlittene Leid, die erlebte Ungerechtigkeit mag Vergebung sehr schwierig bis unmöglich erscheinen lassen, besonders wenn die Folgen des Erlebten für dich weiterhin spürbar sind. Wenigstens muss doch der Schuldige seine Schuld eingestehen, sich reuig zeigen, um Vergebung bitten, sich um Wiedergutmachung bemühen, oder? – Sicher ist es hilfreich, wenn das geschieht, aber es ist keine unabdingbare Voraussetzung. Manchmal ist das auch gar nicht möglich. Vielleicht wurde dir in der Kindheit etwas angetan und der Schuldige ist gar nicht mehr in deinem Leben oder überhaupt am Leben. Darum sei radikal!

Mache die Vergebung nicht vom Schuldigen abhängig, sondern entscheide dich bewusst selbst dazu.

In deinem eigenen Interesse! Es geht nicht darum, das Geschehene kleinzureden. Es war einfach so wie es war. Es braucht manchmal eine Menge Radikalität, Mut und Selbstliebe, um vergeben zu können. Auch du selbst bist sicherlich schon schuldig geworden, auch du hast andere verletzt. Vergib auch dir selbst. Schuldgefühle sind nicht hilfreich, versuche stattdessen, es in Zukunft besser zu machen.

Vergeben kann in einer Versöhnung enden

Viele Patienten berichten davon, dass sie durch den bewussten Entschluss zu vergeben sich wieder freier und leichter, positiver und kreativer gefühlt haben. Und dies ist ihnen sogar möglich, wenn sie im Alltag immer wieder mit der geschehenen Verletzung konfrontiert sind oder sich daran erinnern.

Vergeben kann, aber muss nicht zwangsläufig in einer Versöhnung enden. Besonders dann nicht, wenn beispielsweise in der Partnerschaft die Gefahr einer chronischen Wiederholung des negativen Verhaltens des anderen hoch wahrscheinlich ist oder er keine Schuldeinsicht zeigt. Womöglich trennen sich eure Wege – aber durch deinen Entschluss zur Vergebung bist du dann frei von innerer negativer Bindung.

Noch ein Hinweis zum Abschluss: Falls ein Teil in dir sich der Idee der Vergebung widersetzt, steckt dahinter häufig eine sehr ungesunde Ursache, und zwar das Bedürfnis nach Macht. Widerstehe diesem Teufelchen, das ich in meiner Rolle als Paartherapeut immer wieder auf frischer Tat ertappe. Die Opferrolle beizubehalten verleiht nämlich ungeheure Macht in der Partnerschaft. Du kannst das erlittene Unrecht immer wieder als Joker aus dem Ärmel ziehen, um dem anderen seine Missetat vorzuwerfen. Mit dem Verzeihen verzichtest du auf diese ungesunde Macht und entscheidest dich stattdessen für die Möglichkeit von mehr gemeinsamer Lebensfreude.

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