Großzügigkeit

Großzügigkeit gehört zu den menschlichen Tugenden. Wir müssen sie uns erarbeiten. Sie geht einher mit der Einstellung, dass wir genug haben und andere an unserem Besitz teilhaben lassen.

Großzügigkeit
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Großzügigkeit drückt unsere generelle Gesinnung aus, spiegelt also unser Denken und unsere Einstellung gegenüber uns selbst, unseren Umständen und anderen wider. Wenn wir großzügig sind, geben wir gerne und können leichter vergeben.

Was bedeutet Großzügigkeit?

Abends nach einem langen, arbeitsreichen Tag ein kleines Wellnessprogramm zuhause einlegen, den Partner oder die Partnerin überraschen, einer guten Freundin einen Fehltritt verzeihen, Freunde zum Essen einladen, spenden, verlorene Tiere retten … Großzügig sein können wir in Bezug auf uns und andere. Wir möchten etwas Gutes tun – sei es materiell oder auf persönlicher Ebene. 

Wir geben anderen Menschen von unserem Besitz ab und gönnen uns selbst etwas. Wir tolerieren Verhaltensweisen bei anderen und uns, die uns nicht gefallen, verzeihen ihnen und uns oder sehen großzügig darüber hinweg. Wir sind hilfsbereit.
 
Großzügigkeit in seiner absoluten Form hat nicht nur mit einer wohlwollenden oder sogar liebenden Haltung anderen gegenüber und mit Verantwortung zu tun, sondern auch mit Selbstliebe, also, ob wir der Meinung sind, dass andere oder wir etwas wirklich verdienen. Wir sehen, dass wir Menschen alle zusammengehören und es wichtig ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Hinter Großzügigkeit kann auch Dankbarkeit stehen. Großzügigkeit ist eine Tugend.

Großzügigkeit ist freiwillig

Wenn wir aus ganzem Herzen großzügig sind, sind wir das nicht aus einem Pflichgefühl heraus, sondern weil wir es sein möchten, weil es unserer Haltung und unseren Werten, vielleicht sogar unserer Persönlichkeit entspricht. Haben wir einer uns nahe stehenden Person z. B. etwas Schönes geschenkt wie eine Süßigkeit oder eine Massage und erwarten im Gegenzug nichts dafür zurück, sind wir ganz im Einklang mit dem "Geben". Zeigen wir auf persönlicher Ebene, dass uns jemand wichtig ist, z. B. durch achtsames Zuhören oder Positivität, machen wir das unbewusst oder bewusst, weil wir geben möchten oder einfach gebend sind. 

Wenn wir uns großzügig verhalten, ist das nicht verknüpft mit der Erwartung, eines Tages etwas zurückzubekommen. Wir geben nicht um des Gebens willen. Unser Gegenüber merkt, wie wir etwas geben, und ob es von Herzen kommt.

Wann sind wir großzügig und wann weniger?

Großzügigkeit geht einher mit der Einstellung, dass wir genug haben und andere z. B. an unserem Besitz teilhaben lassen. 
Auch wenn wir anderen all unsere Liebe und Wertschätzung zukommen lassen, z. B. indem wir ihnen unsere Zeit schenken, tun wir das aus einer inneren Haltung der Fülle heraus.

Sind wir in einer ungünstigen oder unsicheren finanziellen Lage, kann es uns schwerer fallen, materiell großzügig zu sein. Die Großzügigkeit mag sich dann umso mehr auf ideelle Weise ausdrücken – durch Aufmerksamkeit, Liebenswürdigkeit oder persönliche Hilfeleistungen. 

Gehen wir allerdings generell davon aus, dass wir uns in einem Mangel befinden, auch wenn wir nach außen hin alles haben und mitten im Leben stehen, dann erlauben wir uns nicht zu geben. Natürlich kann es sein, dass wir Geld für eine größere Investition sparen, dass wir generell haushalten möchten. Vielleicht haben wir in der Vergangenheit mit dem Geben auch schlechte Erfahrungen gemacht und es uns abgewöhnt. Oder wir haben gelernt, Besitz sehr hoch zu bewerten und Angst, etwas davon zu verlieren. Schließlich sind wir im Moment vielleicht auch psychisch einfach nicht in der Lage dazu, etwas abzugeben. 

Je nach Ausmaß und Motiven unseres Denkens und Handelns können wir also unabhängig von der äußeren Situation im Inneren mehr oder weniger großzügig sein.

Wie wirkt Großzügigkeit auf unsere Psyche?

Es kann sein, dass wir aufgrund einer psychischen Problematik oder einem geringen Selbstwert davon ausgehen, zu wenig Mittel zu haben, wenig geben zu können und uns dadurch zurückhalten. Manchmal haben wir also auch Angst vor unserer eigenen Größe und Großzügigkeit uns selbst gegenüber, da wir lieber ungesehen und vielleicht sogar unbeachtet bleiben. Wir haben z. B. Angst vor Fehlern, davor, Vergangenes zu wiederholen oder nicht in der Lage zu sein, Neues zu schaffen oder Gutes weiterzugeben. Vielleicht machen wir uns auch unbegründete Sorgen um unsere Existenz.  

Was unterscheidet Großzügigkeit uns selbst und anderen gegenüber?

Je nach Situation können wir uns fragen: Bin ich mir selbst gegenüber genauso großzügig wie anderen gegenüber? Was hält mich zurück? Spüre ich meine persönlichen Grenzen und gönne mir die Auszeiten, die ich anderen empfehle, oder kann ich mir genauso gut verzeihen wie anderen? Oder denke ich bewusst oder unbewusst, ich "verdiene" das alles nicht? Wenn es hier eine fehlende Balance gibt, könnte es sein, dass wir unser Selbstwertgefühl aufbauen dürfen. Auch ist es möglich, dass uns das Bewusstsein für diese Situationen fehlt.

Vielleicht trifft also das sogenannte Salomon-Paradoxon zu (abgeleitet von dem biblischen König, der als kluger Ratgeber für andere, nicht jedoch für sich selbst bekannt war), dass wir also für andere immer eine Lösung haben, nicht jedoch für uns selbst, da uns in eigener Sache der objektivere Blick von außen fehlt. 

Konsequenzen von Großzügigkeit

Belohnt werden wir als materiell oder ideell Gebende in der Regel in jedem Fall – nämlich durch Dankbarkeit. Ist unser Gegenüber dankbar, macht uns das Geben umso mehr Freude. Stellen wir uns z. B. die leuchtenden Augen eines Kindes vor, wenn es an Weihnachten reichlich beschenkt wird oder die Freude einer älteren Dame dafür, dass wir ihr Zeit schenken. Auch denken wir positiv über uns, wenn wir Gutes tun, was uns wiederum ein gutes Gefühl beschert. Geben und helfen fühlen sich gut an. Dafür existiert der Begriff des "warm glow", der auf den Ökonomen James Andreoni zurückgeht. Das bedeutet natürlich nicht, dass Geben ein Selbstzweck ist – echtes Geben ist immer auch mit Altruismus verbunden. 

Nimmt unser Gegenüber etwas als selbstverständlich, kann uns das als Großzügige bremsen. Möglicherweise geben wir manchmal zu viel und berauben uns so der eigenen Kräfte. Im Sinne der Gegenseitigkeit von Beziehungen und unserer persönlichen Ressourcen ist es unmöglich, nur zu geben ohne zu empfangen – auf ganz natürliche Weise. Die Parabel "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht führt das bildhaft vor Augen. Wir mögen selbst schon erfahren haben, dass zu viel Großzügigkeit ungesund werden kann. 

Wie können wir ein gesundes Maß an Großzügigkeit in unseren Alltag integrieren?

Großzügigkeit können wir üben durch tägliche kleinere oder größere Handlungen und Reflexionen, die uns Energie und Richtung geben. Sogenannte "Acts of kindness" und neue Sichtweisen auf unser Leben können uns und anderen den Tag, ja, das Leben versüßen. Das können wir u. a., indem wir diese 10 Punkte stärken:

Bewusst lieben

Liebe drückt sich durch Großzügigkeit aus, und Großzügigkeit ist ein Korrelat der Liebe. Liebe im gemeinten Sinne ist eine Grundhaltung, wie ich die Welt, die Menschen, mich selbst betrachte, welche Gefühle ich erlaube und habe. Mit schönen Worten wie "Ich hab’ dich lieb", "Ich liebe dich" können wir nicht großzügig genug sein. Mit schönen Taten untermauern wir unsere Zuneigung (z. B. etwas Schönes kochen, uns unterstützen, zuhören). Dabei ist die Frage entscheidend: Was braucht mein Gegenüber wirklich? Und nicht zuletzt: Wie kann ich mir selbst ebenfalls Gutes tun?

Mehr lächeln 

Wenn wir lächeln. strahlen wir Positivität und Lebensfreude aus. Wir geben etwas von unserer guten Energie ab und stärken so unser Gegenüber und uns selbst. Wir wirken wie ein Magnet auf andere und erhöhen vielleicht sogar die Chance auf mehr positive Erfahrungen. Zu lächeln ist großzügig. 

Einander umarmen

Menschliche Nähe verbindet. Wenn wir körperliche Nähe zu uns lieben Menschen zulassen, geben wir einander Kraft. Wir stärken die gemeinsame Verbindung und ebnen den Weg für mehr zwischenmenschliche Großzügigkeit. 

Uns und anderen verzeihen

Im Verzeihen von anderen sind wir meist großzügiger, als wenn es darum geht, uns selbst zu verzeihen. Zum Beispiel denken wir an eine verpasste Gelegenheit oder einen Moment, in dem wir gerne anders gehandelt hätten. Wir können uns von Schuldgefühlen lösen, indem wir uns sagen: "Ich habe zu dem Zeitpunkt so gehandelt, wie ich es am besten konnte." Aus Fehlern haben wir gelernt. Die tägliche Affirmation "Ich verzeihe mir" und "Ich liebe mich" kann uns unterstützen. 

Wenn wir uns und anderen verzeihen, ermöglichen wir uns ein Leben ohne Ressentiments und stärken unsere Beziehung zu uns und anderen.  

Etwas spenden oder abgeben

Oft begegnen wir Menschen, die Geld benötigen und darum bitten. Wie wäre es, das nächste Mal stehenzubleiben und etwas zu geben? Oder wie wäre eine Wohltätigkeit für eine Angelegenheit, die uns wirklich beschäftigt  – wie für Menschen oder Tiere in Not oder die Umwelt? Schließlich könnten wir abgelegte Gegenstände sinnvoll abgeben, so dass sie anderen zugutekommen. Dabei merken wir vielleicht auch, dass weniger Besitz uns ebenfalls emotional erleichtert. 

Lernen, Hilfe anzunehmen

Großzügigkeit besteht im Geben. Doch zum Leben gehört auch die Bereitschaft anzunehmen und zu empfangen: Komplimente, Gesten, Hilfestellungen. Wenn also das nächste Mal jemand fragt: "Kann ich dir helfen?", sagen Sie "Ja!". Wenn Sie etwas hören wie "Wow, du siehst aber erholt aus", freuen Sie sich einfach. Durch diesen Ausgleich zwischen Geben und Nehmen kann Großzügigkeit wechselseitig fließen und sich ganz entfalten. 

Uns und anderen etwas gönnen 

Wem könnte ich heute eine Freude bereiten? Wenn wir uns diese Frage beispielsweise schon zu Tagesbeginn stellen, lenken wir unseren Fokus darauf, andere und uns glücklich zu machen. Großzügigkeit zeigt sich durch liebevolle Gesten und – wenn wir können und mögen –  kleinere Aufmerksamkeiten. Wie heißt es so schön: "Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft." Das gilt natürlich auch für uns selbst, wenn wir uns etwas gönnen. 

Positive Gedanken haben

Wir können unsere Großzügigkeit uns und anderen gegenüber steigern, indem wir positiv denken. Das bedeutet, dass wir Mangelgedanken wie „Ich habe nicht genug“ durch Füllegedanken ersetzen wie "Ich habe bereits sehr viel". Das stärkt unsere Dankbarkeit und Freude und wir sind offener für alles, was „da“ ist oder sich neu entwickelt. Dazu gehört auch, „daily hassles“ nicht überzubewerten, statt uns dem Jammern hinzugeben, vom Besten auszugehen, statt das Schlimmste zu erwarten, und sich täglich an die schönen Momente des Tages zu erinnern, statt an alles Negative zu denken. Wir schaffen so die Grundlage, unseren Tag und unser Leben aus der Fülle heraus zu gestalten und andere damit zu bereichern.  

Wünsche umsetzen

Wir handeln so groß, wie wir denken. Wenn wir uns trauen, die eigene Komfortzone zu verlassen, warten vermutlich wunderbare Überraschungen auf uns. Erst, wenn wir losgehen, können wir Meilensteine setzen und schließlich unsere kleineren oder größeren Ziele erreichen. Dabei genügen manchmal schon kleine wirkungsvolle Schritte: beispielsweise eine alte Freundschaft wieder aufleben lassen, den lange gehegten Wunsch zu singen endlich realisieren, sich für einen Fotokurs anmelden, eine Reise an einen Wunschort planen, ein Herzensprojekt angehen etc.

Bewusst leben

Die Zeit ist wie die Gesundheit eine unserer größten Güter. Unsere Tage sind kurz und verfliegen gefühlt schnell. Es ist Zeit innezuhalten und das, was wir jetzt tun, mit Freude zu erledigen, uns ganz hinzugeben. Tun wir etwas mit Hingabe, erleben wir jeden Moment bewusster. Unsere Zeitqualität verändert sich. Wenn wir intensiv und glücklich leben möchten, ist eine maximale Wertschätzung für und das Hineinspüren in den kleinsten Moment das großzügigste Geschenk, was wir uns (und letztlich auch anderen) machen können. 

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