Hilfsbereitschaft: Eine Gabe für andere und ein Gewinn für die Seele

Anderen zu helfen, tut gut – dem Gegenüber und uns selbst. Wie Hilfsbereitschaft zu mehr innerer Zufriedenheit und Lebensfreude führen kann, erklärt dieser Beitrag.

Hilfsbereitschaft: Eine Gabe für andere und ein Gewinn für die Seele
© Elaine Casap, unsplash.com

Manchmal kann man schon das Gefühl bekommen, dass es mit der Hilfsbereitschaft in unserem Alltag nicht so weit her ist. Die Distanz zwischen den Menschen scheint zuzunehmen und freiwillige Hilfe anzubieten, scheint keine Selbstverständlichkeit zu sein.

Wenn eine Mutter mit dem Kinderwagen vor der defekten Rolltreppe steht und zwanzig Menschen hektisch, auf das Smartphone starrend, an ihr vorbeieilen, und sich erst nach geraumer Zeit ein Passant erbarmt, der Mutter doch zu helfen, den Kinderwagen die Treppe hochzutragen, wundert man sich ob so viel Ignoranz. Dabei ist zu helfen eine der erfüllendsten Bezeugungen von Empathie und Nächstenliebe – für den Nehmenden ebenso wie für den Gebenden.

Was bewirkt Hilfsbereitschaft?

Die kanadische Psychologin Lara Aknin fand heraus, dass Kleinkinder unter zwei Jahren glücklicher sind, wenn sie anderen etwas schenken können, vor allem, wenn es ihnen auch gehört, als wenn sie etwas geschenkt bekommen. Und auch in einer Versuchsgruppe von Studierenden empfanden die Probanden, die mit einer bestimmten Summe Geld ein Geschenk für einen anderen kauften oder das Geld spendeten, ein länger anhaltendes Zufriedenheitsgefühl als die Vergleichsgruppe, die das Geld für sich selbst ausgeben durfte und bei denen die Freude schnell verpuffte. Prosoziales Verhalten ist also auch für den Gebenden verbunden mit Zufriedenheit und Glück.

Hilfsbereitschaft impliziert, dass man andere Menschen bei einem Mangel oder einem Problem unterstützt, ihnen Hilfe anbietet ohne dabei an den eigenen Vorteil zu denken oder eine Gegenleistung zu erwarten. Dabei erfordert Hilfsbereitschaft immer ein "Opfer" des Gebenden. Das kann Geld, Zeit oder die eigene Energie sein. Doch vollkommene Selbstlosigkeit ist Hilfsbereitschaft dennoch meistens nicht, bekommen wir doch durch unsere Hilfe so viel Gutes zurück. Schwierig wird es nur, wenn die Grenze zur Selbstaufopferung überschritten wird, wir uns überlasten und uns komplett abhängig von der wohlwollenden, dankbaren Reaktion anderer auf unsere Hilfe machen. Dann kann es sein, dass wir das sog. Helfersyndrom entwickeln. Wenn die Motivation zum Helfen nur aus einem übermäßigen Bedürfnis nach Anerkennung entsteht und wir uns nur wertvoll und gebraucht fühlen, wenn wir helfen, verlieren wir das Gegenüber aus den Augen und drängen ihm unsere Hilfe auch ungefragt auf. Wir ignorieren die Entscheidungsfreiheit des anderen und nehmen ihn in seinen Bedürfnissen und seiner Identität nicht ernst. Oft werden so ein geringes Selbstwertgefühl gesteigert und Minderwertigkeitsgefühle kompensiert.

Was bewegt uns dazu, jemandem zu helfen?

Hilfsbereitschaft entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel von bestimmten Bedürfnissen von Menschengruppen. Auch die Wissenschaft liefert keine einfache Erklärung, warum und aus welchem klaren Anlass wir anderen helfen. Klar ist, dass sich die Menschheit nur durch ihre Fähigkeit und ihren Willen, anderen zu helfen, zu ihrer heutigen Form entwickeln konnte. Genetische, charakterliche und erlernte Faktoren sind wesentlich für unsere Hilfsbereitschaft.

Die Vorbildfunkton der Eltern prägt unser Verhalten zu helfen in unserer frühen Kindheit. Außerdem belegen Studien, dass eine enge soziale Bindung eher zum Helfen animiert als bei gänzlich fremden Personen. Mitgefühl, Empathie und Verantwortungsbewusstsein spielen auch eine wichtige Rolle für unsere Hilfsbereitschaft. Schließlich ist der Faktor Zeit ein wesentlicher Grund, ob wir uns dazu entscheiden, unseren Mitmenschen zu helfen. Eine Studie der beiden Sozialpsychologen John Darley und Daniel Batson zeigte schon im Jahr 1973, dass Studierende, die unter großem Zeitdruck standen, kaum Hilfsbereitschaft zeigten und einem hilflosen Mann auf dem Campus nicht halfen – und das, obwohl sie Theologie als Hauptfach belegt hatten.

Was gewinnst du für dich selbst, wenn du hilfsbereit bist?

Helfen macht glücklich! Egal, welche Beweggründe für unsere Hilfsbereitschaft im Vordergrund stehen, die positiven Auswirkungen auf unser psychisches und körperliches Wohlbefinden sind offensichtlich.

1. Gewinn: Du spürst den "Warm Glow" in dir.

Das warme, wohlige Gefühl im Bauch, das sich einstellt, wenn wir anderen etwas Gutes tun, nennt man auch den „warm glow effect“. Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler James Andreoni prägte den Begriff in den späten 1980er Jahren. Altruistisches Verhalten bewirkt demnach einen immateriellen Mehrwert für den Gebenden, indem positive Gefühle durch den Akt des Gebens und Helfens hervorgerufen werden. Es wir uns schlicht und ergreifend warm ums Herz, wenn wir eine gute Tat vollbringen. Das ist erst einmal ganz unabhängig von der Anerkennung oder der Dankbarkeit des Hilfe Annehmenden. Wir können ganz uns aus selbst diese positiven Gefühle der Freude an der Freude unseres Gegenübers, der inneren Zufriedenheit und tiefen Erfüllung erschaffen. Das ist wichtig, denn wenn wir ausschließlich helfen, um von anderen Bestätigung, Anerkennung und Wertschätzung für unsere Hilfe zu bekommen, landen wir schnell bei den Gefahren des Helfersyndroms.

2. Gewinn: Hilfsbereitschaft setzt Glückshormone frei.

Studien weisen nach, dass mit steigendem Dopaminspiegel auch die Hilfsbereitschaft zunimmt. Endorphine, unsere körpereigenen Glückshormone, bestimmen das Hochgefühl, das sich beim Helfen einstellt. Es können sogar Stresssymptome wie Kopf- und Bauchschmerzen, Einsamkeitsgefühle und Depressionen abnehmen. Unsere Abwehrkräfte werden aktiviert. Das Stimmungshoch entsteht im Übrigen vermehrt, wenn wir uns aktiv engagieren, bei anonymen Geldspenden ist es weniger stark ausgeprägt.

3. Gewinn: Dein Selbstwertgefühl und deine Selbstwirksamkeit nehmen zu.

Anderen zu helfen macht zufrieden. Ist es nicht schön, abends ins Bett zu gehen und sich an eine gute Tat des Tages zu erinnern? Das schafft ein gutes Gewissen und vielleicht hast du die Welt ja sogar ein kleines bisschen besser gemacht. Du hast auf jeden Fall etwas Sinnhaftes getan. Dein Selbstwertgefühl und deine Selbstwirksamkeit werden sich steigern und dir zu mehr Lebensfreude verhelfen.

4. Gewinn:Dir wird Dankbarkeit entgegengebracht und das stärkt deine Zufriedenheit.

Wenn du nicht mit Scheuklappen durch die Welt gehst und die Augen öffnest für die Probleme und Sorgen hilfsbedürftiger Menschen, wirst du auch dankbarer werden für dein eigenes Leben. Du wirst dein Leben mehr wertschätzen, auch wenn es nicht immer perfekt läuft, und wirst auch für die kleinen Dinge mehr Dankbarkeit entwickeln. Und das macht dich zufriedener und ausgeglichener.

5. Gewinn: Durch Helfen lernst du Neues.

Wenn wir anderen helfen, können wir oft selbst etwas dazulernen. Vielleicht helfen wir anderen in einem Bereich, der für uns selbst auch noch Neuland ist und erweitern darin unsere eigenen Kompetenzen. Oder wir erhöhen unsere eigene Problemlösungskompetenz, wenn wir andere bei der Überwindung ihrer Probleme unterstützen. Wir können nur gewinnen.

6. Gewinn: Du "hast was gut".

Hilfsbereit zu sein empfinden wahrscheinlich die meisten Menschen als positiv. Wer sich für andere einsetzt, wird bei seinen Mitmenschen in guter Erinnerung bleiben. Und wenn du selbst einmal Hilfe benötigst, wirst du diese leichter erlangen.

7. Gewinn: Je öfter du hilfsbereit bist, desto motivierter bist du, es zu wiederholen.

Je öfter wir den „Warm Glow“ ins uns spüren, desto öfter möchten wir dieses Hochgefühl erleben. Unsere helfenden Handlungen sind sinnerfüllt und wir haben das Gefühl, etwas bewegen zu können. Das fördert die Motivation, öfters hilfsbereit zu sein, und kann sich zu einer Positivspirale für deine Gefühle entwickeln.

8. Gewinn:Du bist ein Vorbild und eine Inspiration für andere.

Ist es nicht schön, sich für andere einzusetzen und mit gutem Beispiel voranzugehen? Vielleicht kannst du andere Menschen mit deiner Hilfsbereitschaft ja anstecken. Echte Hilfe ohne eine Gegenleistung zu erwarten ist immer eine Bereicherung.

9. Gewinn: Du fühlst dich verbunden mit deinen Mitmenschen.

Durch Hilfsbereitschaft entsteht eine Verbundenheit zwischen dem Hilfe Gebendem und dem sie Annehmendem, die für beide sehr erfüllend sein kann. Genieße diese Verbundenheit – und wer weiß, vielleicht entstehen dadurch ja sogar eine nette Bekanntschaft oder eine gute Freundschaft.

Zu helfen stärkt deine Seele

Schon für Johann Wolfgang von Goethe war klar, dass Glück und Hilfsbereitschaft zusammengehören:

Willst Du glücklich sein im Leben,

Trage bei zu andrer Glück,

Denn die Freude, die wir geben,

Kehrt ins eigne Herz zurück.

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