Wenn ein Partner, Angehöriger oder Freund mit Selbsttötung droht

verzweifelte Frau sitzt am Bahngleis

Wie mit der Ankündigung eines Angehörigen, sich töten zu wollen, umgehen? Informationen der Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf Bild © DoraZett - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Wenn der Partner, ein Freund oder ein naher Angehöriger mit Selbstmord droht, geraten die meisten von uns in eine schwierige Lage.

Soll man die Androhung ernst nehmen oder will der andere uns lediglich erpressen und manipulieren?

Sollen wir die Bemerkung übergehen, den Betroffenen ablenken, versuchen, ihn zu überzeugen, dass es für ihn noch viel Schönes im Leben geben kann, ihm beteuern, dass man es gemeinsam schaffen kann, oder ihn überreden, zu einem Therapeuten zu gehen?

Selbst für Psychotherapeuten, die keine so enge Beziehung zu ihren Klienten haben, löst die Androhung der Selbsttötung oft Verunsicherung aus.

Schauen wir uns an, was in uns passiert, wenn ein Angehöriger ankündigt, sich umbringen zu wollen.

Reaktionen, die eine Selbstmorddrohung bei uns auslösen kann

Hinter Bemerkungen wie „Dann bring ich mich eben um“ oder „Dann habt ihr mich endlich los“, können sich verschiedene Motive verbergen.

Es könnte ein Test sein, wie wichtig der Bertoffene für uns ist, oder der Versuch, uns zu manipulieren.

So ganz sicher können wir meist nicht sein, dass sich dahinter nicht doch ein ernst gemeinter Vorsatz verbirgt. Befindet sich unser Partner, Angehöriger oder Freund gerade in einer schweren Krise und hat sich vielleicht auch in seinem Verhalten stark verändert, schrillen bei uns wahrscheinlich die Alarmglocken.

Wir sind wie elektrisiert, unser Denken kreist um Gefahr und unser Verhalten verändert sich auch unmittelbar nach einer solchen Bemerkung:

Ratgeber Gefühle verstehen

Wie mit der Selbstmorddrohung eines Angehörigen umgehen?

Es ist verständlich, dass eine Suiziddrohung Sie erst einmal verunsichert. Schließlich werden wir nicht darin geschult, wie wir auf eine solche Androhung reagieren können.

Außerdem möchten wir nicht, dass der Angehörige unglücklich ist und leidet. Ich möchte Ihnen deshalb einige Denkanstöße für diese schwierige Situation geben.

Gehen Sie darauf ein, wenn Ihr Partner, Freund oder Angehöriger Selbstmordgedanken äußert.

So signalisieren Sie ihm, dass Sie ihm zuhören und er Ihnen wichtig ist. Wenn Sie seine Andeutung „überhören“, lassen Sie eine Chance verstreichen, mit ihm darüber zu sprechen. Und solange er mit Ihnen noch darüber spricht, sieht er noch Hoffnung.

Hören Sie ihm zu, ohne ihm seine Gedanken auszureden.

Bleiben Sie möglichst ruhig und ermutigen Sie ihn, zu sprechen. Für ihn ist wichtig, dass er seine Gedanken offen mitteilen kann. Und nur so können Sie erfahren, was in ihm vor sich geht.

Im Augenblick ist seine Sichtwiese seine Wahrheit – auch wenn Sie die Lage vielleicht ganz anders sehen. Ich weiß, dass es für Sie wahrscheinlich ungeheuer schwierig ist, ihm gegenüber nach seiner Androhung ruhig zu bleiben, versuchen Sie es, so gut es geht.

Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson über seine Drohung.

Zum einen bauen Sie dadurch den Druck etwas ab, „alleine für ihn verantwortlich zu sein“. Zum anderen können Sie dadurch auch über Ihre Angst und mögliche veränderte Reaktionen auf andere Menschen sprechen.

Holen Sie sich Rat bei Ihrem Hausarzt oder einer Beratungsstelle.

Nehmen Sie sein Verhalten nicht persönlich.

Möglicherweise reagiert der Betroffene mit Rückzug oder Aggressionen Ihnen gegenüber. Akzeptieren Sie, dass dies die einzige Art ist, wie er im Augenblick reagieren kann. Da ist kein Platz für Gedanken, wie andere reagieren könnten.

Bitten Sie ihn, sich psychotherapeutische Hilfe zu holen.

Sie können nicht gleichzeitig sein Psychotherapeut und sein Partner sein. Außerdem fehlen Ihnen möglicherweise Strategien, wie Sie ihn unterstützen können.

Wenn er möchte, vereinbaren Sie einen Termin mit einem Psychotherapeuten und begleiten Sie ihn zu ihm.

Nennen Sie ihm Gründe, wofür es sich für ihn lohnen könnte, weiterzuleben.

Ein Grund könnte z.B. sein, dass seine Kinder nicht von ihm lernen sollten, ihr Leben durch Selbsttötung zu bewältigen. Fragen Sie ihn, wie sein Leben aussehen müsste, damit er weiterleben möchte.

Sprechen Sie sich mit anderen ab, wer wann in seiner Nähe ist.

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Ratschläge, wenn Angehöriger Selbstmorgedanken äußert

Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Gefahr für einen Suizid ganz groß ist, dann sorgen Sie dafür, dass immer jemand in der Nähe des Betroffenen ist.

Dies kann allerdings nur eine befristete Strategie sein. Eine ständige Überwachung beseitigt nicht die Ursachen, weshalb der Betroffenen einen Selbstmord in Erwägung zieht.

Informieren Sie sich über den Suizid.

Wenn Sie mögliche Ursachen und Zusammenhänge besser verstehen, dann erleichtert Ihnen dies den Umgang mit ihm.

Nehmen Sie Kontakt zu anderen Angehörigen auf.

Hierfür bietet das Internet gute Möglichkeiten.

Holen Sie für sich selbst eine psychotherapeutische Unterstützung.

Die Begleitung eines Menschen in einer Krisensituation kostet Kraft. Seine Suiziddrohung bringt Sie mit eigenen Ängsten z.B. vor dem Verlassenwerden, vor dem Tod oder vor dem Kontrollverlust in Berührung.

Vielleicht zweifeln Sie auch generell an sich selbst oder haben bereits schon einmal einen Verlust erlebt, der jetzt durch die Suiziddrohung wieder ins Bewusstsein kommt.

Deshalb kann es hilfreich sein, wenn Sie selbst Kontakt zu einem Psychotherapeuten aufnehmen.

Video: Hilfen für Hinterbliebene nach Suizid

Erinnern Sie sich daran:

Auch wenn Sie es noch so sehr wünschen, dass Ihr Angehöriger, Partner oder Freund sich für das Weiterleben entscheidet, Sie können niemanden davon abhalten, sich das Leben zu nehmen.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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Über folgende Seite finden Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe vor Ort oder im Internet

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Dr. med. Kai Born
Facharzt für Psychosomatische Medizin, Wiesbaden

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