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Angst vor Gehaltsforderung - Tipps für Frauen

Frau verhandelt über ihr Gehalt

Fühlen Sie sich unterbezahlt? Finden Sie, Sie hätten mehr Gehalt verdient, haben aber Angst, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen? Tipps für Ihre Gehaltsverhandlung. Bild © contrastwerkstatt - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Unsere Ängste entscheiden darüber, ob wir uns trauen, mehr Gehalt oder endlich das uns zustehende Gehalt zu fordern. Vor einigen Jahren stellte eine deutsche Frauenzeitschrift in einer Umfrage die Frage, welche fünf Privilegien Männern und Frauen im Beruf am wichtigsten sind.

Während bei 28% der Männer das Geldverdienen an erster Stelle stand und am häufigsten genannt wurde, war für nur 7% der Frauen das Geld ein wichtiger Punkt.

Schauen wir uns deshalb an, mit welcher Einstellung viele Frauen an das Thema Geld herangehen.

Was hindert Frauen, finanzielle Forderungen zu stellen?

Wie wir mit Geld umgehen, ob wir es ausgeben, sparen, fordern oder demütig darauf warten, ist eine Frage unserer Einstellungen und Erfahrungen (noch vor einer Generation besaßen Frauen kein eigenes Konto).

Gehen wir in der Geschichte zurück, so fiel meist den Männer die Aufgabe zu, das Geld für die Familie zu erwerben. Männer gehen deshalb auch viel selbstverständlicher mti Geld um. Ja, für manche dient das Geld als Maßstab für den gesamten Menschen.

Frauen waren in der Position, Geld vom Partner zu empfangen oder für die Haushaltskasse zu erbitten. In ihren Aufgabenbereich fiel es, kleine Beträge zu verwalten und möglichst sparsam damit zu wirtschaften.

Vielleicht wenden Sie nun ein, dass diese Zeit doch schon lange vorbei sei und Sie ohnehin Ihr eigenes Geld verdienen. Doch es lohnt sich, bei sich nachzuschauen.

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Wie sieht Ihr Umgang mit Geld aus?

Fällt es Ihnen leicht, von einem Freund oder dem Partner Schulden zurückzufordern? Wie häufig haben Sie schon eine Sonderzahlung für Überstunden gefordert? Oder eine Gehaltserhöhung? Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Wieviel Geld haben Sie zu Ihrer eigenen ganz persönlichen Verfügung? Können Sie mit Ihrem Partner über Geldangelegenheiten verhandeln? Erlauben Sie sich, manchmal verschwenderisch zu sein?

Die meisten Frauen haben Schwierigkeiten, selbstverständlich mit Geld umzugehen. Die folgenden negativen Einstellungen blockieren Frauen häufig.

Blockierende Einstellungen im privaten Bereich

Wenn ich Geld von Freunden zurückfordere, bin ich kleinlich oder geizig. Folge: Eigene Bedürfnisse und Rechte werden in Frage gestellt.

Ich brauche nicht viel Geld für mich. Zuerst kommen alle anderen, die Kinder und der Partner. Wenn dann noch Geld über ist, dann darf ich mir auch etwas kaufen. Folge: Die letzte beißen die Hunde. Häufig ist nichts mehr übrig!

Um mir etwas zu gönnen, muß ich es mir zuerst verdienen. Folge: Sich ohne "Verdienste" etwas zu kaufen, führt zu Schuldgefühlen. Vor lauter "Arbeit" bleibt der Genuss auf der Strecke.

Mit Geldangelegenheiten kenne ich mich nicht aus. Folge: Die Entscheidung für eine bestimmte Geldanlage und die allgemeine Vermögensverwaltung werden dem Partner oder der Bank überlassen.

Wenn mir im Geschäft etwas zu teuer ist, dann darf ich das nicht sagen - sonst hält mich die Verkäuferin für stillos, geizig oder arm.

Folge: Bestimmte Geschäfte werden gemieden und der Bewegungsspielraum wird eingeschränkt.

Blockierende Einstellungen im beruflichen Bereich

Verdiene ich es überhaupt, mehr Gehalt zu bekommen? Folge: Die eigene Leistung wird ständig hinterfragt und eher unterschätzt.

Wenn ich mehr Gehalt fordere, dann lehnt der Chef mich ab oder hält mich für maßlos. Folge: Aus Angst vor Ablehnung ist frau lieber brav, als berechtigte Forderungen zu stellen.

Die Höhe des Gehalts ist mir nicht so wichtig. Hautsache das Betriebsklima stimmt und die Arbeit macht mir Spaß. Folge: Frau verkauft sich unter Wert und verzichtet darauf, berechtigte Forderungen zu stellen.

Ich möchte andere nicht ausnutzen und das letzte aus ihnen rauspressen. Folge: Der andere steht im Mittelpunkt, eigene Interessen werden vernachlässigt.

Aufgrund ihrer Geschichte beschränken sich viele Frauen mit weniger Geld. Sie wollen lieber brav sein und gemocht werden, als in den Ruf einer "unweiblichen Frau, die nur auf Geld aus ist" zu gelangen.

Frauen fordern weniger Gehalt, verdienen weniger als Männer und sind oft von höheren Posten ausgeschlossen.

Da unsere Gesellschaft den Wert des Menschen stark an dessen Gehalt und finanzieller Leistungsfähigkeit misst, bedeutet dies zwangsläufig, dass Frauen und deren Leistung auch weniger geachtet werden.

Ratgeber Gefühle verstehen

Wie in Geldangelegenheiten selbstbewusster auftreten?

Beginnen sollten wir, wie immer, bei unserem geistigen Programm.

TIPP 1: Beobachten Sie zunächst, wie Sie mit Ihrem Geld umgehen. Unser Leben ist ohne Geld undenkbar. Jeder lernt in seiner Kindheit, welche Bedeutung er Geld in seinem Leben verleiht.

Jeder entwickelt seinen eigenen Maßstab, ab wann er sich als verschwenderisch ansieht, wieviel Geld er sich zugesteht, wieviel Geld er glaubt, wert zu sein.

Die Maßstäbe können sich zwar im Laufe des Lebens nach oben oder unter verschieben, aber es gibt doch innere Grenzen, innerhalb derer wir uns bewegen.

TIPP 2: Korrigieren Sie Ihre Einstellung zum Geld. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Geld eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie Geld fordern, weil Sie eine bestimmte Leistung erbracht haben, dann sind Sie nicht vermessen und maßlos. Sie halten sich an die Spielregeln in unserer Gesellschaft.

Wenn Sie keinen den Maßstäben in unserer Gesellschaft entsprechenden Lohn fordern, wird Sie der andere eher für dumm und einfältig betrachten.

TIPP 3: Üben Sie sich darin, Ihren Blick auf Ihre Erfolge und Fähigkeiten zu lenken. Fehler sind menschlich. Es genügt, diese zu registrieren und zu überlegen, wie Sie diese wiedergutmachen oder in Zukunft vermeiden können.

Wenn Sie sich darin trainieren, sich immer wieder Ihre Fehler bewusst zu machen, können Sie keine Gehaltsforderung stellen. Sie glauben sich dann selbst, "nicht mehr Geld wert zu sein".

Außerdem wird sich Ihre negative Meinung von sich auch in Ihrer Körpersprache niederschlagen. Sie werden u.U. leise sprechen, eine gebeugte Haltung einnehmen und den Blickkontakt vermeiden. Unbewusst signalisieren Sie Ihrem Gegenüber: Beachte mich nicht. Ich bin es nicht wert".

TIPP 4: Bevor Sie sich nicht selbst davon überzeugt haben, "Ihr Geld wert zu sein", können Sie nur schwer jemand anderen überzeugen.

TIPP 5: Lassen Sie sich von anderen eine Rückmeldung über Ihre Stärken und Qualitäten geben. Üben Sie sich darin, diese Rückmeldung zu verinnerlichen.

TIPP 6: Überlegen Sie sich, ob es wirklich mehr wert ist, wenn Ihr Chef Sie als brave und aufopferungswerte Mitarbeiterin ansieht, als wenn er einige Zeit ärgerlich ist, weil Sie mehr Gehalt fordern, Ihnen aber mehr Gehalt zahlt.

TIPP 7: Rechnen Sie damit, dass andere erst einmal erstaunt oder gar verärgert sind, wenn Sie beginnen, Bedürfnisse zu äußern oder Schulden zurückzufordern.

Menschen leben in Gewohnheiten und geben diese meist nicht freiwillig auf. Ihre Veränderung bedeutet eine Umstellung für andere - und meist auch den Verzicht auf eigene Vorteile.

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Tipps für Gehaltsforderungen

Wählen Sie einen günstigen Zeitpunkt.

Auf keinen Fall kurz nach der Tariferhöhung, wenn der Etat bereits verabschiedet wurde, wenn Sie mit dem Chef eine Auseinandersetzung hatten, es ihm oder der Firma schlecht geht.

Ein günstiger Zeitpunkt ist, wenn Sie gerade einen besonderen Einsatz oder eine besondere Leistung erbracht haben.

Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor.

Legen Sie sich Gründe zurecht, welche Vorteile Ihre Firma durch Ihren Einsatz hat. Beispielsweise wenn Sie eine zusätzliche Qualifikation erworben, Ihre Leistung gesteigert, mehr Verantwortung übernommen, häufige Überstunden absolviert haben.

Heben Sie sich im Gespräch über Ihr Gehalt das stärkste Argument für den Schluß auf. Private Gründe wie Miterhöhung oder Trennung zählen ebensowenig als Begründung für eine Gehaltsforderung wie das höhere Gehalt des Kollegen.

Üben Sie zuhause, eine Gehaltserhöhung anzusprechen.

Spielen Sie das Gespräch in Gedanken durch. Sie müssen sich innerlich zugestehen, diese Forderung stellen zu dürfen. Sie haben einen Einsatz gebracht, der diese Forderung rechtfertigt.

Vermeiden Sie eine "Entweder-ich-bekomme-oder-ich-gehe- Forderung".

Sie bringen sich dadurch nur in eine Falle und müssen die Konsequenzen ziehen, falls Ihr Vorgesetzter ablehnt. Außerdem setzen Sie den Chef unter Druck.

Signalisieren Sie Verständnis, wenn Ihr Chef Gegenargumente bringt, aber bleiben Sie bei Ihrer Forderung:

Ich verstehe, dass Sie die Tarifverhandlungen abwarten wollen: Wie wäre es, wenn ich in zwei Wochen nochmals auf Sie zukomme?

Ja, Ich habe in dieser Situation einen Fehler gemacht und das war unangenehm für alle Beteiligten. Doch ich habe in all den Jahren viele Erfolge .... gehabt.

Ja, die Kollegin X verdient auch nicht mehr. Doch ich denke, dass ich noch weitere Aufgaben erfolgreich bewältige.

Erwarten Sie nicht sofort eine Antwort, bitten Sie aber den Chef um einen konkreten nächsten Gesprächstermin.

Bereiten Sie sich auf ein Nein vor.

Bleiben Sie ruhig, indem Sie sich innerlich sagen: "Das ist sein Recht. Er darf ablehnen."

Erfragen Sie seine Begründung. Sie hilft Ihnen möglicherweise, beim nächsten Mal erfolgreicher ein Gespräch über Ihr Gehalt zu führen.


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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Heike Born

Heike Born
Diplom Psychologin, Wiesbaden

Ich empfehle meinen Patienten die Bücher aus dem PAL Verlag, weil sie die Selbstveränderung auf hervorragende Weise unterstützen. Viele Menschen finden leicht Zugang zu den Inhalten durch die gut verständliche Sprache.

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