In diesem Beitrag der Serie "Erfahrungen aus der Praxis" geht es um die Hindernisse in einer Paarbeziehung und wie wir sie überwinden können.
"Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt
Und nach und nach wird man verflochten;
Es wächst das Glück, dann wird es angefochten,
Man ist entzückt, nun kommt der Schmerz heran,
Und eh man sich’s versieht ist’s eben ein Roman."
Ich liebe diese Zeilen aus Goethes "Faust". Meisterlich wird hier in wenigen Worten die Essenz jeder Begegnung beschrieben, die in eine Beziehung mündet. Ob der Roman dann eine Tragödie oder eine Komödie wird, bestimmt das Spiel der beiden Protagonisten. Und für dieses Spiel sind immer beide verantwortlich. Ganz gleich, ob diese beiden er und sie sind, er und er oder sie und sie.
Erstaunlich ist, dass Goethe neben dem naheliegenden Glück, das wächst – sonst würdest du dich ja auch nicht tiefer und tiefer auf das Gegenüber einlassen – sofort vom Schmerz spricht, der unvermeidbar zu jeder Beziehung dazugehört.
Die Schamanen im Amazonasgebiet von Peru spotten auf ihre Weise: "Un amore sin dolore ha ha ha ha ha …" und lachen dabei so herzhaft und liebevoll, dass alle Umstehenden meist wie ertappt auch mitlachen. Ja, die Vorstellung, eine Liebe ohne Schmerz genießen zu wollen, ist wirklich zum Lachen.
In jeder Paartherapie besteht die Herausforderung darin, den Aspekt der gemeinsamen Wachstumsmöglichkeiten aufzuzeigen. Ganz ernst und ruhig stelle ich deshalb immer wieder auch diese Frage:
"Geht es dir darum, Recht zu haben oder dich mit deinem Gegenüber weiterzuentwickeln?"
Für viele Paare ist das eine neue Dimension: gemeinsames Wachsen, gemeinsam bewusster zu werden. Aber wie? Eben dadurch, dass wir uns aufeinander einlassen, bereit sind, uns einander zu zeigen und uns wechselseitig zu spiegeln. Das geht nicht immer ohne Schmerz. Doch diese Beziehungsarbeit lohnt sich. Im Einlassen auf eine tiefere Beziehung, die aus einer zufälligen Begegnung entstehen kann, sind wir uns einander immer auch Chance, in der "Ich-und-Du-in-Liebe" dabei sind zu lernen, immer genauer auf uns selbst zu schauen. Zu erkennen welche Trips abgehen, welche Gefühlswellen und Wallungen, welche Gedankenmuster, welche Verhaltensweisen ganz typisch sind bei mir und bei dir.
Die Beziehungsteufelchen, die uns in unserem Miteinander dabei umgeben und die Beziehungen auf Dauer erfolgreich zerstören können, gilt es zu kennen:
Wenn du deinen Beziehungsraum jedoch als tiefe, bereichernde Liebeserfahrung genießen möchtest, kannst du jeden Tag aufs Neue alle hilfreichen Beziehungsengel dazu einladen.
Mir gefällt die Formulierung meines Frankfurter Kollegen Manfred Prior sehr gut: "Denk immer an die VW-Regel!"
Ups – VW-Regel? Was bitte soll denn das bedeuten? Die VW-Regel kannst du dir gut merken. Sie bedeutet ausformuliert einfach:
Anstelle von Vorwürfen äußere deine Wünsche. Sag deinem Gegenüber, was du möchtest, anstatt ihm oder ihr Vorwürfe zu machen.
Und vergiss den Rat von Madonna nicht: "Nicht geäußerte Wünsche werden selten erfüllt …"
Wenn jedoch Wünsche an dich gerichtet werden, die du nicht erfüllen kannst oder nicht erfüllen möchtest, hindert dich niemand daran, in Liebe zu sagen: "Ich verstehe und respektiere deinen Wunsch. Ich kann/will ihn nicht erfüllen. Gibt es etwas anderes, was ich dir geben kann?"
Wenn du lieber einen glücklichen und lustvollen Beziehungsroman schreiben und leben willst als ein Drama, solltest du die Gottman-Konstante kennen. John Gottman ist Beziehungswissenschaftler und hat Folgendes herausgefunden:
Damit deine Paarbeziehung stabil und erfüllend bleibt, sollte das Verhältnis zwischen positiven und negativen Interaktionen mindestens 5 zu 1 betragen: für ein negatives Verhalten gegenüber deinem Partner, deiner Partnerin zeige ihm oder ihr mindestens fünfmal deine Wertschätzung, deine Liebe, deinen Respekt.
Wie turbulent es auch immer zugehen mag in deiner Beziehung:
Liebe ist immer die Antwort.
Allerdings sprechen wir manchmal verschiedene Sprachen, wenn wir unsere Liebe zum Ausdruck bringen. Die wichtigsten fünf Liebessprachen sind:
Jede und jeder von uns spricht ein bis zwei dieser Liebessprachen besonders gut. Möglicherweise spricht und versteht deine Partnerin oder dein Partner deine Sprachen nicht, dafür aber eine andere Sprache. Schlimmstenfalls fühlt ihr euch dann beide ungeliebt.
Was ich in meiner Praxis häufig zu hören bekomme, klingt dann z. B. so:
Alina: "Wieso spürt er nicht, dass ich ihn liebe! Ich gebe ihm doch so viel Anerkennung!"
Ben: "Wenn sie mich lieben würde, hätte sie mehr Zeit für mich."
Jonas: „Wieso merkt sie nicht, dass ich sie liebe! Ich habe doch gestern ihr Fahrrad repa-riert.“
Lukas: "Wenn sie mich lieben würde, würde sie mir mehr körperliche Nähe schenken."
Charlotte: "Wenn er mich lieben würde, würde er mir doch ab und zu eine kleine Überraschung mitbringen."
Luisa: "Wieso merkt er nicht, dass ich ihn liebe – ich unterstütze ihn doch, wo ich nur kann."
Frieda: "Wenn er in mich verliebt wäre, würde er mir doch viel mehr Komplimente machen."
Karl: "Sie muss doch merken, dass ich sie liebe – ich kann ja kaum die Finger von ihr lassen."
Lisa: "Er muss doch spüren, wie sehr ich ihn liebe – ich habe mir solche Mühe gegeben mit seinem Geburtstagsgeschenk."
Lerne deshalb auch die Sprache deiner Partnerin, deines Partners zu sprechen und zu verste-hen, damit ihr euch beide geliebt fühlen könnt und eure Lebensfreude die Welt um euch bereichert.
Dein
Gert Kowarowsky
… ist die psychotherapeutische Kolumne mit Inspirationen für deine Lebensgestaltung und den Umgang mit schwierigen Lebensthemen. Du findest alle Teile der Kolumne und mehr über den Autor Gert Kowarowsky hier.
In dieser Kolumne berichtet Gert Kowarowsky von seinen Erfahrungen aus seiner therapeutischen Praxis.
In dieser Kolumne berichtet Gert Kowarowsky von seinen Erfahrungen aus seiner therapeutischen Praxis.
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