Ursache von Schuldgefühlen

Ratgeber Schuldgefühle

Leseprobe Kapitel 1

In diesem Kapitel ist es unser Ziel zu ergründen, was Schuld- und Reuegefühle auszeichnet und wie sie entstehen.

Die meisten von uns glauben zu wissen, weshalb sie Schuldgefühle quälen. Sie sehen die Ursache darin, daß sie Regeln gebrochen oder einen anderen Menschen verletzt haben.

Doch warum leiden dann manche Menschen in genau der gleichen Situation nicht unter Schuldgefühlen?

Was verstehen wir unter Schuld- und Reuegefühlen?

Fallbeispiel: "Ich hätte nicht so egoistisch sein sollen"

Gerade hat Frau H. den Telefonhörer aufgelegt. Ihre Freundin bat sie, ihr beim Umzug zu helfen. Frau H. hat zwar innerlich mit sich gerungen, der Freundin dann letzlich doch mit der Entschuldigung, daß sie genau an diesem Tag einen dringenden Arzttermin hätte, abgesagt.

Jetzt fühlt sie sich elend und voller Schuldgefühle. Sie zermartert sich den Kopf: Sieht eine wirkliche Freundschaft so aus, daß sie die Freundin in einer schwierigen Lage im Stich läßt? Hätten sie nicht doch eigene Interessen zurückstellen und weniger egoistisch sein sollen?

Waren Sie auch schon einmal in einer solchen Situation? Haben Sie sich auch schon einmal schlecht gefühlt, weil Sie einem anderen Menschen den Wunsch auf Hilfe abgeschlagen haben, um eigene Bedürfnisse zu erfüllen?

Und hinterher kamen Ihnen dann gehörige Zweifel an der Richtigkeit Ihres Verhaltens? Dann wissen Sie, wie sich Ihre Schuldgefühle bemerkbar machen.

Doch zurück zum Ausgangspunkt: Was versteht man eigentlich unter Schuld und Schuldgefühlen?

In verschiedenen Lexika findet man unter dem Begriff Schuld: "Verpflichtung zu einer Gegenleistung", "Verantwortung für die Verletzung von Geboten und Pflichten". Irgendjemand scheint für uns Regeln zu formulieren und zu entscheiden, wann eine Leistung eine Gegenleistung erforderlich macht.

Schuld zu haben, hat mit Verantwortung zu tun, der Verantwortung für das eigene Handeln und die Verpflichtung, für das eigene Handeln geradezustehen und einen eventuellen Schaden wiedergutzumachen.

In unserer Sprache finden wir Redewendungen wie: "Ich stehe in deiner Schuld". "Ich fühle mich frei von Schuld." "Ihn trifft keine Schuld". "Ich bin mir keiner Schuld bewußt".

Um von Schuld einem anderen gegenüber sprechen zu können, muß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem eigenen Handeln und einem Schaden bestehen, den ein anderer erlitten hat.

Je nachdem, wer die Gebote und Pflichten formuliert, folgen der Schuld unterschiedliche Konsequenzen.

Übertreten wir die Gesetze unseres Staates, so müssen wir mit Strafe durch den Gesetzgeber rechnen. Wir werden schuldig gesprochen und im Namen des Staates verurteilt.

In manchen Ländern besteht die Höchststrafe sogar auch heute noch in der Todesstrafe. Sind wir Mitglied einer kirchlichen Organisation, so sind beispielsweise die 10 Gebote eine Richtschnur, anhand derer unser Verhalten beurteilt wird.

In diesem Leben oder zumindest nach unserem Tode erwarten uns dann ebenfalls Konsequenzen, wenn wir ihnen zuwiderhandeln.

Ob man schuldig gesprochen wird, hängt auch davon ab, ob zum Zeitpunkt der Verurteilung alle Tatsachen über die Tat bekannt waren und ob das Verhalten zu diesem Zeitpunkt als falsch bewertet wurde. Ein manches Verhalten stellt sich sogar erst Generationen später als falsch und schädlich heraus.

Schuldgefühle werden definiert als: "Gefühle, jemanden Unrecht getan zu haben". Sie laufen im Innern von uns ab und sind nicht von außen kontrollierbar.

Außerdem setzen sie voraus, daß wir ein Unrechtsbewußtsein haben, Bescheid wissen, was rechtes und unrechtes Verhalten beinhaltet, und erkennen, unrecht gehandelt zu haben. Schuldgefühle werden häufig auch mit der Redewendung "ein schlechtes Gewissen haben" umschrieben.

Schuld und Schuldgefühle müssen nicht zwangsläufig zusammen auftreten.

Es gibt Menschen, die fühlen sich für alles und jedes schuldig, obwohl sie keine Schuld trifft. Und es gibt Menschen, beispielsweise manche Kriminelle und Psychopathen, die keinerlei Schuldgefühle verspüren, obwohl sie sich eines schweren Vergehens schuldig gemacht haben.

Sie fühlen sich nicht in die Folgereaktionen ein, die sie beim anderen ausgelöst haben, ein, und haben kein Mitgefühl.

Der Unterschied zwischen Schuld- und Reuegefühlen

Viele Menschen setzen Schuld- und Reuegefühle gleich. Doch gibt es zwischen beiden Unterschiede, die ich mit Ihnen im Verlauf des Buches herausarbeiten möchte.

Während Schuldgefühle uns quälen, lähmen, unsere gesamte Energie aufbrauchen können, fühlen wir uns mit Reuegefühlen in der Lage, aktiv zu werden. Wir behalten unsere Selbstachtung.

Wie äußern sich Schuldgefühle?

Schuldgefühle können sich ganz vielfältig äußern. Bei mir melden sie sich beispielsweise durch Magendruck, innere Unruhe, bisweilen Einschlafstörungen und manchmal auch durch ein gesteigertes Verlangen nach Süßem.

In der Umgangssprache werden Schuldgefühle auch als "Gewissensbisse" bezeichnet. Ich finde mit diesem Wort kommt gut die Giftigkeit, das Quälende der Schuldgefühle zum Ausdruck.

Schuldgefühle können für einen Menschen so quälend sein, daß er seine Lebensfreude, sein Interesse an der Umwelt vollkommen verliert und sogar Selbstmord begeht.

Jeder Mensch hat ganz spezifische Signale, die ihn auf Schuldgefühle aufmerksam machen. Schuldgefühle können sich zeigen:

- in unseren Gefühlen

Wir sind gereizt, mürrisch, wütend, haßerfüllt, ängstlich, resigniert, depressiv, fühlen uns einsam.

- im körperlichen Befinden

Wir sind angespannt, unruhig, wie gelähmt, haben Magenbeschwerden, Schlaf-, Konzentrations-, Merkfähigkeitsstörungen, Durchfall oder Verstopfung, Heißhungerattacken oder Appetitverlust, Herzstechen, niedrigen oder hohen Blutdruck, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, einen Kloß im Hals, verspüren ein Nachlassen unseres sexuellen Verlangens, usw.

Langfristig können sich beispielsweise auch psychosomatische Erkrankungen wie etwa Magengeschwüre, Asthma und Ekzeme entwickeln.

- im Verhalten

Wir verleugen die Schuld, schieben sie auf andere ab, machen anderen Vorwürfe, ziehen uns von anderen zurück, entschuldigen uns ausschweifend, entwickelnd selbstschädigende Verhaltensweisen, beginnen zu trinken, rauchen, überessen, Tabletten zu nehmen, überhäufen uns mit Arbeit, schieben notwendige Arbeiten auf, stürzen uns in Aktivitäten, geiseln uns selbst, entwickeln zwanghafte Verhaltensmuster, nehmen uns im Extremfall das Leben.

Sie merken an dieser Aufzählung, daß es keine typischen Merkmale für Schuldgefühle gibt. Stattdessen schlagen sie sich in unterschiedlichen Gefühlen, Körperreaktionen und Verhaltensweisen nieder.

Schuldgefühle sind im Grunde genommen keine richtigen Gefühle wie etwa Angst, Ärger, Trauer oder Freude. Sie sind eher Gedankengänge darüber, etwas falsch gemacht zu haben, die sich dann in Gefühlen und körperlichen Reaktionen äußern.

Um so schwieriger ist es deshalb manchmal, Schuldgefühle überhaupt zu erkennen.

Ein manches Mal sind wir uns unserer Schuldgefühle gar nicht bewußt. Wir fühlen uns einfach nur schlecht oder stürzen uns ohne Unterlaß in Arbeit.

Viele Menschen kommen wegen ihrer körperlichen Symptome oder selbstschädigender Verhaltensweisen in Therapie und erst im Laufe von Gesprächen stellt sich heraus, daß die Ursachen in Schuldgefühlen zu suchen sind.

Natürlich variieren Schuldgefühle auch in ihrer Stärke und Dauer. Wenn wir einen Geburtstag vergessen haben, werden wir uns vielleicht nur ein paar Minuten mit Schuldgefühlen beschäftigen.

Haben wir unsere Mutter im Pflegeheim untergebracht, werden uns die Schuldgefühle möglicherweise bis zum Tod der Mutter begleiten.

Wurde durch unsere Schuld ein anderer Mensch bei einem Autounfall schwer verletzt, können uns Schuldgefühle sogar bis zum Selbstmord treiben.

>>> weiterlesen im Ratgeber Schuldgefühle

Weitere Leseproben:

Einleitung

Kapitel 3 Sind Schuldgefühle berechtigt?

Kapitel 5 Welche Menschen sind besonders empfänglich für Schuldgefühle?

Kapitel 11 Schuldgefühle und Sexualität

Expertenempfehlung

FröhlichChristine Fröhlich
Diplom Psychologin, Würzburg

Ich empfehle meinen Patienten den Ratgeber "Schuldgefühle", weil er wirksame Strategien aufzeigt, wie man dem Teufelskreis quälender Gedanken entrinnen und inneren Frieden finden kann.

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Leserstimmen

Leserstimme Leserin

Das Leben ist ein Geschenk und das Buch auch. Jeder wird einen Teil aus dem Buch mitnehmen und der Lebensweg wird leichter und glücklicher werden. Es lohnt sich.

Leserstimme Amazon Leserin

Das beste Buch zum Thema. Dieses Buch ist einfühlsam geschrieben und während des gesamten Lesens erfüllte mich ein Anflug der Entspannung und der Gelassenheit. Die Autorin zeigt nicht von oben herab auf die Probleme des Lesers, sondern erklärt diese einfühlsam. Im weitesten Sinne gibt sie nicht einmal moralische Tipps. Es gibt kein Gut oder Falsch, so einfach ist es eben nicht. Und diese entspannte Art von Frau Dr. Wolf hat mir sehr zugesagt.

Für jeden, der immer mal wieder unter Schuldgefühle (oder auch weniger dramatisch: dem schlechten Gewissen) leidet, und dann darüber grübelt und sich in einer Spirale befindet und dann zweifelt, sollte sich dieses Buch holen. Es ist wirklich das Beste Buch zum Thema. Es gibt auch andere Ratgeber zum Thema Schlechtes Gewissen, die waren bei weitem aber nicht so gut, einfühlsam und vor allem hilfreich (!) geschrieben, wie dieses hier.

Leserstimme Amazon Leserin

Das Buch fängt damit an zu erläutern woher Schuldgefühle überhaupt kommen/ wie sie entstehen. Schon allein dieser erster Abschnitt war für mich sehr spannend. Wäre ich doch nie auf den Gedanken gekommen das Schuldgefühle anerzogen sind. Bei den Gedankengängen die angegeben sind konnte ich nur immer wieder nicken, denn genauso sah es in meinem Kopf auch aus.

In Teil zwei, dem wesentlichen Teil, geht es darum wie sich Schuldgefühle bekämpfen und zukünftig vermeiden lassen. Hier habe ich gelernt meine Schuldgefühle zu analysieren und mein Denkmuster zu ändern. Einer der (für mich) wichtigsten Sätze: „Ich bin nicht Schuld an den Gefühlen anderer Menschen. Nur an meinen eigenen.“

Der Schreibstil ist so das sich das Buch nicht trocken liest, sondern als hat man das Gefühl direkt gegenüberzusitzen. Das überraschte mich sehr, rechnete ich doch mit einem relativ trockenen Ratgeber.

Durch diesen Ratgeber lernte ich meine Schuldgefühle zu hinterfragen und meine Denkweise zu ändern. Die Schuldgefühle die mich am meisten belasteten bin ich los. Daher für mich: absolute Kaufempfehlung!!!