Bewertungen

Alles was wir sehen hören und erleben bewerten wir als positiv oder negativ. Dies geschieht automatisch. Seelische Probleme sind oft die Folge negativer Bewertungen.

Bewertungen

In jedem Augenblick unseres Lebens bewerten wir unsere inneren und äußeren Wahrnehmungen. Wir bewerten Ereignisse, Personen, Verhaltensweisen, Gedanken, Gefühle, usw. Diese Bewertungen dienen unserem Schutz. Wir prüfen, ob ein bestimmtes Ereignis für uns gefährlich, neutral oder positiv ist. Wir bewerten Personen und Situationen, ob sie gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm sind. Und natürlich bewerten wir uns auch selbst, unsere Person und unser Handeln.

In unsere Bewertungen fließen verschiedene Komponenten ein:

  • Wir greifen dabei auf unsere Erinnerungen zurück: Haben wir bereits eine ähnliche Situation erlebt? Wie ist es uns dabei ergangen? Ist sie gut oder schlecht für uns ausgegangen?
  • Wir suchen in unserem Wissensspeicher: Haben andere Menschen schon eine solche Situation erlebt? Wie ist es ihnen ergangen?
  • Wir suchen unsere Erfahrungen nach ähnlichen Situationen ab: Können wir aus diesen Erfahrungen eine Vorhersage ableiten?
  • Wir fragen uns, ob wir einen Nutzen oder Schaden aus dieser Situation ziehen.
  • Unsere momentane Stimmung spielt eine Rolle. Sind wir eh schon ärgerlich, dann bewerten wir das Verhalten eines anderen schneller als Angriff.
  • Die Beziehung zu der anderen Person spielt ebenfalls eine Rolle. Lieben wir die andere Person, können wir entweder besonders tolerant oder auch besonders intolerant sein.
  • Die Einstellung zu uns spielt in die Bewertung mit hinein. Halten wir uns selbst für nicht liebenswert, sehen wir im Verhalten anderer auch schneller eine Ablehnung.
  • Und auch unsere generelle Einstellung zu anderen Menschen und die Erwartungen an sie trägt dazu bei, wie schnell wir das Verhalten oder die Worte anderer als Kränkung bewerten.

Unsere Bewertungen laufen in der Regel unbewusst ab. Wir spüren nur die Auswirkungen in unseren Gefühlen. Mit unseren Bewertungen liegen wir nicht immer richtig. Manchmal schätzen wir Situationen falsch ein, machen fehlerhafte Vorhersagen oder ziehen eine falsche Schlussfolgerung aus einer Situation. Dies ist besonders bei Angststörungen und Depressionen der Fall.

Der Philosoph E. Kant soll aufgrund psychischer Probleme überwiegend in dunklen Räumen gelebt haben. Als er einmal ein Fenster öffnete und Licht in sein Zimmer fiel, stellte er fest, dass Ungeziefer in seinem Zimmer war. Und was folgerte er daraus? Dass Licht wohl Ungeziefer anziehen müsse.

Amüsant, oder? Andererseits sind unsere Bewertungen und Schlussfolgerungen oftmals auch nicht besser. Wir scheitern und schließen daraus, dass wir ein Versager sind, statt aus unserem Scheitern zu folgern, dass wir die falsche Taktik oder Strategie verfolgt haben.

Wir stoßen bei anderen auf Ablehnung und folgern daraus, dass wir nicht liebenswert sind, statt daraus zu folgern, dass die Ablehnung nichts mit uns, sondern mit den Erwartungen und Maßstäben des anderen zu tun hat.

Achten Sie also auf Ihre Schlussfolgerungen und Bewertungen. Diese könnten Ihnen Probleme bereiten.

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