Folge 49: Du bist wichtig – du bist richtig!

Der Psychotherapeut Gert Kowarowsky erzählt aus seiner langjährigen Praxiserfahrung über die Sorgen und Probleme der Menschen, die ihn besuchen, und über die großen Fragen, die dahinterliegen. In diesem Beitrag zeigt er, wie du dir selbst Bedeutung geben kannst, auch wenn du sie von außen nicht erfährst.

Folge 49: Du bist wichtig – du bist richtig!
© PAL Verlag

Ganz häufig kommen in meine Praxis Menschen, die ihre Existenz als ungewollt, unwillkommen oder gar als überflüssig empfinden. Sie formulieren dann Sätze wie: „Meine Mutter sagte mir immer wieder: ›Wenn du nicht gekommen wärst, hätte ich deinen Vater nicht heiraten müssen‹“ oder: „Meine Oma berichtete mir: ›Dein Vater kam nach deiner Geburt ganz enttäuscht zu mir und nörgelte vor sich hin, weil es schon wieder ein Junge geworden war. Ein Mädchen wäre ihm viel lieber gewesen‹ “.

Das unwillkommene Kind zu sein, ist für viele Menschen eine schwere, oft unerträgliche Last. Doch wer darf sich anmaßen, über deine Existenzberechtigung, deine Bedeutung für dich und andere zu entscheiden?

Die Kraft deines genetischen Codes

Sonne, Mond und Sterne, das ganze Universum hat ganz offensichtlich erfreut ja gesagt zu deiner Existenz. Wer dürfte dazu "nein" oder "ja, aber" sagen? Die therapeutische Herausforderung bei solchen Gedanken ist für dich, die tiefste existenzielle Wirklichkeit wieder in dein Bewusstsein zu bringen:

Ganz offensichtlich hat dich das Leben selbst gewollt.

Was immer dein Vater, deine Mutter, deine Oma, dein Opa, dein Onkel, deine Tante, dein Bruder, deine Schwester, deine Lehrer oder Mitschüler früher zu dir gesagt haben mögen – wahr ist:

Du bist wichtig. Du bist richtig.

Du hast deinen ganz eigenen genetischen Code. Es gab nie zuvor so eine Person wie dich. Und es wird nie wieder genauso eine Person wie dich geben. Deine Einzigartigkeit steht außer Frage. Das ist wahrlich ein Grund, jeden Tag den Tag deiner Geburt zu feiern und das schöne Kinderlied schon morgens in dir erklingen zu lassen: „Wie schön, dass du geboren bist, wie schön, dass es dich gibt …“

3 wichtige Faktoren zur Verbesserung deiner Selbstannahme

Das wird dir dabei hilfreich sein, wieder mit mehr Lebensfreude durch den Tag zu gehen und drei wichtige Faktoren der Selbstannahme in deinen Lebensgewohnheiten zu verbessern:

Wahrnehmen

Anstatt ständig nach sozialen Bedrohungsreizen und Signalen der Ablehnung Ausschau zu halten, achte ab jetzt ganz besonders auf Signale, die dir gegenüber Sympathie ausdrücken. Achte darauf,

  • wer dich herzlich anlächelt,
  • wer dich direkt, freundlich und wohlwollend anschaut,
  • wessen Pupillen sich im Gespräch mit dir vergrößern,
  • wer mit sanfter, weicher, warmer Stimme mit dir spricht,
  • wer dir im wahrsten Sinne des Wortes nah sein möchte,
  • wer sich dir im Gespräch körperlich zuwendet,
  • wer dir Gesten und Berührungen der Zuneigung gibt,
  • wer mit persönlichen Fragen dich näher kennenlernen möchte,
  • wem es wichtig ist, dir kleine Geschenke zukommen zu lassen.

 

Interpretieren

Anstatt ständig alle Ereignisse und Beobachtungen im Alltag dazu zu benutzen, dir selbst zu beweisen, wie wenig wichtig du bist, wie schlecht die anderen sind und wie viel es an dir selbst und den anderen zu bemängeln gibt, achte ab jetzt ganz besonders darauf, dich und andere mit wohlwollendem, ja liebendem Blick zu betrachten und interpretiere Alltagsereignisse so, dass es deinem Selbstwert dient.

  • Wenn etwas sehr gut gelaufen ist, mache dir bewusst, was du dazu beigetragen hast.
  • Wenn etwas im Alltag nicht so gut gelaufen ist, achte auch auf all die ungünstigen Faktoren, die jenseits deiner Person lagen und Ursache für das Misslingen waren.
  • Suche bei jedem Kontakt nach mindestens drei positiven Eigenschaften oder Verhaltensweisen deines Gegenübers.

 

Selbstwirksamkeit

Anstatt deine Überzeugung zu pflegen, soziale Prozesse nicht beeinflussen zu können, achte ab jetzt ganz besonders darauf, dass du sehr wohl die Meisterin oder der Meister deines Lebens bist und sehr wohl jede Menge in deinem sozialen Leben beeinflussen kannst. Denke daran:

  • Nicht geäußerte Wünsche werden selten erfüllt.
  • Du bist deines Glückes Schmied – gehe also auf die Menschen zu, mit denen du Kontakt haben möchtest.
  • Du kannst auch schwierige oder herausfordernde Situationen des Alleinseins gut meistern – und das aus eigener Kraft heraus.

Auch hier macht Übung die Meisterin bzw. den Meister. Vielleicht ist dein alter Glaubenssatz noch aktiv? Du seist unwichtig, du könntest sowieso nichts beeinflussen und keinen bedeutsamen Beitrag zu irgendetwas leisten? Fange an, dich so zu verhalten, als ob du bereits in allen Zellen davon überzeugt wärst, dass du wichtig und richtig bist. Dadurch ändert sich vieles sofort, sowohl in deinem Innern wie auch in deinem Verhalten.

Überwinde die ungesunde Einstellung dir selbst gegenüber

Wenn du trotz allem wieder einmal in der dunklen Wolke der Bedeutungslosigkeit steckst, wenn du wieder einmal überzeugt bist, du seist nicht wichtig und nicht richtig, mache dir klar, dass das nicht die tiefste Wahrheit ist. Diese ungesunde Überzeugung ist lediglich das Ergebnis von unguten Erfahrungen in deiner frühen Lebensgeschichte. Wahr ist:

Du bist wichtig. Du bist richtig.

Überprüfe immer wieder deine Interpretationen und Erwartungen. Was würdest du selbst einer guten Freundin sagen, die meint, sie sei für niemanden wichtig und prinzipiell sowieso nicht richtig?

Eine Fallgeschichte

Eine Patientin hatte ihre Therapie in der Überzeugung begonnen, von niemandem geliebt und für alle unwichtig zu sein, weil ihre Mutter ihr schon als Kind immer wieder gesagt hatte, dass sie eigentlich nie hätte geboren werden sollen. Am Ende fasste sie ihre Erkenntnisse so zusammen:

„Ich kann ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, von mir als fehlbarem menschlichen Wesen. Welches manches kann und manches nicht kann, welches manches weiß und manches nicht weiß. Ein Mensch eben! Ich bin die, die ich bin und keine andere. Ich brauche mich nicht klein fühlen und ich brauche mich nicht groß fühlen. Ich kann das Leben leben, das mir sinnvoll erscheint. Ich bin, wie ich bin, auch wenn du mich nicht so nimmst. Mein So-Sein hängt nicht von deiner Anerkennung ab. Ich als Mensch bin die Person, die ich bin, mit einem ganzen Bündel von Vorteilen, aber auch mit einem ganzen Bündel von Nachteilen. Nicht die Anerkennung anderer ist Voraussetzung dafür, dass ich mich mit mir gut fühlen kann, sondern meine eigene Anerkennung von mir als die, die ich bin. Das ist die Grundlage dafür, dass ich mich gut mit mir und meinem Leben fühle. Heute weiß ich:

Ich bin wichtig. Ich bin richtig.

Und seitdem ich das in allen meinen Zellen spüre, fällt es mir auch viel leichter, jedem, der mir begegnet, egal wie weit unsere Meinungen über ein bestimmtes Thema auseinander liegen, die aufrichtige Wertschätzung entgegenzubringen:

Du bist wichtig. Du bist richtig.“

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Serie: Erfahrungen aus der Praxis

In dieser Kolumne berichtet Gert Kowarowsky von seinen Erfahrungen aus seiner therapeutischen Praxis.

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