Sorgen und quälende Gedanken überwinden

Sorgen und Zukunftsangst: Was sind Sorgen? Sind Sorgen nützlich? Wie können wir Sorgen abbauen? In diesem Beitrag erhalten Sie 6 Tipps, die helfen.

Sorgen und quälende Gedanken überwinden
© Karim Manjra, unsplash.com

Was sind Sorgen? Welche Auswirkungen haben Sorgen und Grübeleien auf Körper und Psyche? Wie kann man aufhören, sich ständig um die Zukunft, die Partnerschaft oder den Arbeitsplatz Sorgen zu machen? Antwort auf diese Fragen gibt dieser Beitrag.

"Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder da ..." mit diesen Worten begann der bis heute bekannter Fernsehmoderator Jürgen von der Lippe ein nicht ganz ernst gemeintes Lied. Sorgen und Grübeleien können zu einer Geisel werden und unsere Lebensfreude und unser seelisches und körperliches Wohlbefinden empfindlich stören und beeinträchtigen. Viele Menschen werden schon beim Aufwachen von den finstersten Befürchtungen überfallen, die sie den ganzen Tag begleiten.

Neigen Sie zum Sich-Sorgen? Machen Sie den kleinen Sorgen-Test

Je mehr der folgenden Feststellungen Sie zustimmen, umso mehr sind Sorgen ein Problem für Sie.

  • Sie können schlecht einschlafen und grübeln im Bett.
  • Sie sind angespannt und leiden unter Konzentrationsstörungen.
  • Sie denken immer gleich an das Schlimmste.
  • Sie denken: Ich muss mir um meine Zukunft Sorgen machen, sonst bin ich verantwortungslos und leichtfertig.
  • Sie leben in Gedanken immer in der Zukunft, können sich nicht am Hier und Jetzt erfreuen.
  • Sie können schlecht abschalten und einschlafen.
  • Sie sind nicht spontan, wollen alles vorab planen.
  • Sie gehen immer auf Nummer Sicher, lehnen jedes Risiko ab.
  • Sie haben wenig Vertrauen in Ihre Fähigkeiten.
  • Sie fühlen sich nach dem Aufwachen häufig erschlagen und erschöpft.
  • Sie würden am liebsten morgens nicht aufstehen, weil Ihnen das Leben zu gefährlich erscheint.

Zur Einstimmung auf das Thema Sorgen und Grübeleien, hier ein gutes Video

Sorgen - eine menschliche Angewohnheit

Im Gegensatz zu den Tieren hat der Mensch die Möglichkeit, die Zukunft bewusst in Gedanken vorwegzunehmen und zu planen.

Das klingt zunächst einmal nach großem Fortschritt, denn das Vorausdenken ermöglicht es uns, Vorsorge zu treffen.

Wir gehen zu Vorsorgeuntersuchungen, um eine Krankheit möglichst schon im frühen Stadium zu entdecken.

Wir planen den Speiseplan fürs Wochenende, eine Urlaubsreise, die Anzahl unserer Kinder, unsere berufliche Karriere, unseren Lebensabend, usw.

Die Versicherungen und die Alarmanlagenfirmen leben davon, dass wir Schlimmes erwarten und uns für den Ernstfall absichern, indem wir eine Versicherung abschließen und eine Alarmanlage einbauen.

Unsere Fähigkeit, uns etwas auszumalen, was nicht existiert, kann uns in abenteuerliche Welten entführen.

Wir können Gegenstände und Bauten erschaffen, einen Roman entstehen lassen und uns vorstellen, wie wir einen lieben Menschen mit einem Geschenk überraschen.

Das Ausmalen in der Phantasie schafft uns Vorfreude, versorgt uns mit Energie und treibt uns an, unser Erdachtes in der Wirklichkeit entstehen zu lassen.

Die gleiche Vorstellungsgabe kann uns jedoch auch jeglicher Energie und Kraft berauben - womit wir bei den Sorgen und Grübeleien sind.

Was sind Sorgen?

Sorgen sind Gedanken und Phantasien, die um mögliche Gefahren kreisen. Unsere Sorgen setzen sich zusammen aus der Frage: Was wäre, wenn … und daraus resultieren Katastrophenphantasien. Wir reden uns ein, dass das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses schrecklich wäre und wir dies nicht ertragen könnten. Wir malen uns beispielsweise aus, dass die Rente nicht reichen wird, dass wir vor Schmerzen nicht mehr laufen können, das wir trauernd am Grab unseres Partners stehen, dass wir entlassen werden, dass wir unserer Arbeit nicht mehr gewachsen sind, usw.

Die Auswirkungen von Sorgen

Die Folge unserer Sorgen ist, dass wir durch unser Kopfkino unseren Körper in Angst und Panik versetzen und uns seelisch beunruhigen. Unsere Muskeln spannen sich an, Atmung und Herzschlag werden beschleunigt, unser Stoffwechsel verändert sich. Manche Menschen leiden unter Konzentrations-, Merkfähigkeits- und Schlafstörungen, bekommen Magen- oder Kopfschmerzen. Bei anderen läßt der Appetit nach oder sie neigen zum Überessen.

Psychosomatik

Dass Sorgen solche gravierenden Auswirkungen auf unser seelisches und körperliches Befinden haben, liegt daran, dass unser Gehirn nicht unterscheiden kann, ob wir uns etwas nur ausmalen oder ob etwas tatsächlich passiert. Wenn wir uns eine mögliche zukünftige Katastrophe in der Phantasie vorstellen, reagiert unser Körper, als ob sie bereits eingetroffen wäre. Er macht uns bereit zu Kampf, Flucht oder erstarrt in einer Art Lähmung – so wie das bei unseren Vorfahren notwendig war, um sich vor Gefahren zu schützen. Mehr über den Zusammenhang zwischen Denken und Körper in der Information Psychosomatik.

Da sich das ganze Szenarium jedoch nur in unserem Kopf abspielt, können wir nichts unternehmen, um unser Problem zu lösen. Wir bringen unseren Körper also mit Sorgen sehr häufig in einen Alarmzustand.

Ich bilde mir ein, wenn ich nicht grüble und mir Sorgen mache, dann passiert etwas Schlimmes, auf das ich nicht vorbereitet bin.

So denken viele Menschen, die sich häufig sorgen und bangen, dass alles gut wird. Sich Sorgen zu machen ist wie in einem Schaukelstuhl zu sitzen. Man tut etwas, kommt aber nicht voran. Um ihn in Bewegung zu halten, muss man viel Energie aufbringen, trotzdem kommt man nicht vom Fleck. Und durch das ständige Hin und Her werden wir immer erschöpfter und kraftloser. Wenn auch Sie so denken, dann möchte ich Sie fragen: Besitzen Sie übersinnliche Fähigkeiten, mit denen Sie kraft Ihrer Gedanken Naturgesetze außer Kraft setzen können?

Können Sie durch Ihre Sorgen tatsächlich verhindern, dass Ihre Tochter auf dem Nachhauseweg von der Schule überfahren wird? Können Sie mit Ihren Gedanken verhindern, dass ein anderer Autofahrer Sie in einen Unfall verwickelt? Können Sie durch Ihre Sorgen verhindern, dass Sie entlassen werden? Wenn ja, dann müssen Sie eine sehr mächtige und einflussreiche Person sein, wenn Sie solche Dinge alleine durch Ihre sorgenvollen Gedanken verhindern können.

Sorgen können auch ein Symptom einer generalisierten Angststörung sein. Ob Sie darunter leiden, erfahren Sie in diesem Angst Test

Müssen wir uns nicht in bestimmten Situationen sorgen?

Ja und nein. Sich Sorgen machen ist sinnvoll, so lange sie uns bereit machen, zu handeln, und wir etwas unternehmen können. Wenn unsere Sorgen uns also zum Vorsorgen und Vermeiden von Gefahren anstiften, sind sie hilfreich, aber lösen sich dann durch die getroffene Vorsorge auch von selbst auf. Sorgen um Ereignisse, die unwahrscheinlich sind oder die wir nicht beeinflussen können, kosten uns nur unnötig Energie und Zeit. Wenn wir übertreiben und uns einreden, etwas ganz Schlimmes werde passieren, was sich dann als Kleinigkeit herausstellt, sind unsere Sorgen ebenfalls schädlich.

Viele Menschen haben es sich zur Gewohnheit gemacht, wenn sie keine Kontrolle über eine Situation haben, sich dann zumindest zu sorgen. Es steckt eine Art Aberglauben dahinter: "Wenn ich mir genügend Sorgen um etwas mache, dann kann ich verhindern, dass das Befürchtete eintritt." "Wenn ich mir Sorgen mache, dann bin ich auf das schlimme Ereignis vorbereitet". Leider ist häufig das Gegenteil der Fall. Je mehr wir uns Besorgnis erregende Gedanken machen, uns einbilden, etwas Schlimmes könne passieren und sorgenvoll in die Zukunft blicken, um so eher tritt das Befürchtete ein. Man nennt das in der Psychologie eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Unsere Sorgengedanken haben eine Eigenart: Es ist so, als ob wir Karussell fahren. Unsere sorgenvollen Gedanken drehen sich im Kreis - kreisen immer wieder um die vermeintliche Gefahr oder Katastrophe. Es gibt kaum Platz für andere Gedanken. Um aus dem Sorgen-Karussell aussteigen zu können, müssen wir unsere Sorgen bewusst (!) anhalten, hinterfragen und durch zuversichtliche Gedanken ersetzen. Wie diese Gedankenkontrolle geht, darüber mehr in den folgenden Anti-Sorgen-Tipps.

Was tun, um sich weniger Sorgen zu machen? 6 Anti-Sorgen-Tipps

Um es noch einmal klar zu formulieren: Wenn Sorgen in eine Vorsorge münden, können sie hilfreich sein. Es geht nicht darum, sorglos zu sein, sondern darum, dafür Sorge zu tragen, dass wir das tun, was in unserer Macht steht, um keinen Schaden zu nehmen. Hier geht es um Besorgnis erregende Gedanken, die uns quälen, lähmen und verschleißen, ohne dass sie uns weiterbringen. Im Folgenden erhalten Sie einige Vorschläge, wie Sie Ihre Sorgen beeinflussen können. Probieren Sie aus, welche dieser Anti-Sorgen-Strategien Ihnen am besten helfen.

TIPPEs gibt ein Sprichwort, das Sie sich zum Leitspruch machen sollten: "Daß die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, das kannst du nicht verhindern. Aber dass sie Nester in deinem Kopf bauen, das kannst du verhindern." Wenn Sie sich bisher viele Sorgen gemacht haben, dann können Sie nicht verhindern, dass immer wieder mal besorgniserregende Gedanken auftauchen. Doch Sie können entscheiden, ob Sie ihnen Raum einräumen oder nicht. Reagieren Sie zunächst so, dass Sie Ihre Sorgen willkommen heißen, etwa in der Art: "Es ist in Ordnung, dass ihr da seid. Ihr wollt mich warnen".

TIPPVerschaffen Sie sich einen Überblick, wie häufig Sie sich sorgen. Trainierte Sorgenmacher bemerken nämlich gar nicht mehr, dass sie sich permanent sorgen und argwöhnisch sind. Führen Sie deshalb für einen Tag eine Strichliste, in die Sie einen Strich für jeden sorgenvollen Gedanken machen.

TIPPUnterbrechen Sie Ihre Sorgen - möglichst in einem frühen Stadium -, indem Sie innerlich STOPP zu sich sagen, wann immer Ihre Sorgen auftauchen. Das kann unter Umständen mehrere hundertmal pro Tag sein. Sofern Sie alleine sind, können Sie auch in die Hände klatschen und laut STOPP rufen. Das ist noch wirkungsvoller.

Wichtig zu wissen: Je öfter Sie Gebrauch von der Gedankenstopp-Methode machen, umso besser gelingt es Ihnen, Grübel-Gedanken zu unterbrechen. Nutzen Sie Gute-Laune-Fragen. Diese werden Sie sofort auf andere Gedanken bringen. Auf andere Gedanken bringen Sie auch inspirierende Video-Clips, die aufbauen

Nachdem Sie Ihre sorgenvollen Gedanken auf diese Weise unterbrochen haben, werden Sie aktiv und lenken sich ab: Was würde Ihnen im Moment Spaß machen? Ein Kreuzworträtsel lösen, Musik hören, in der Wohnung tanzen, ein Spaziergang, Walken, Großputz?

TIPPManchmal scheinen uns die Sorgen einfach keine Ruhe zu lassen. Wenn dies der Fall ist, dann setzen Sie sich hin und schreiben auf, wovor Sie konkret(!) Angst haben. Stellen Sie sich die Frage: Was könnte schlimmstenfalls passieren und was habe ich dann noch an Möglichkeiten? Ruhen Sie nicht, bis Sie einige Lösungsmöglichkeiten gefunden und aufgeschrieben haben. Dann überlegen Sie sich: Was kann ich jetzt konkret tun, um das Ereignis zu verhindern?

TIPPMachen Sie sich Mut, indem Sie sich bei aufkommenden Sorgen sagen: "Was auch immer kommt, ich werde damit fertig werden und eine Lösung finden." Werden Sie ein Ich-kann-Denker.

TIPPLachen Sie regelmäßig. Lachen ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen Kummer und Sorgen.

Wir wünschen Ihnen die Fähigkeit, Ihre Sorgen in Vorsorgen zu verwandeln und unbeschwerter zu leben. Hierbei helfen könnte Ihnen das folgende Video.

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Lili schreibt am 26.01.2020

Ich mache mir ungefähr 1000 mal am Tag sorgen um meinem Bruder. Der hat eine starke Medikamenten Abhängigkeit und Ist Alkoholkrank. Ich habe ständig Todesangst um ihn, dass er gerade Tod irgend wo liegt. Schaue ständig nur auf mein Handy um zu sehen ob er online war und noch lebt. Mein Tag kann ich gar nicht mehr so gestalten wie vor der Sucht da immer diese Ängste in mir schlummern. Musste schon einmal die Rettung rufen, da ich ihn mehr tot als lebendig in seiner Wohnung aufgefunden habe. Ich bin stark traumatisiert seit dem Vorfall und die Angst ist mein ständiger Begleiter. Der erste Gedanke am Morgen, der letzte am Abend und auch tagsüber kann ich mich schlecht ablenken. Ich hätte so gerne einen Schalter der ich umlegen kann um endlich wieder mein Leben zu leben. Ich Jann nämlich noch so viele Aktionen starten, mein Bruder möchte keine Hilfe von Profis annehmen und so weiter machen wie bis her. Ich kann ihm nur beim sterben zuschauen und kann gar nichts ändern. Dass macht mich so unglaublich traurig.

Timo schreibt am 25.05.2019

"Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn. Dann wird der Frieden Gottes, der weit über alles Verstehen hinausreicht, über euren Gedanken wachen und euch in eurem Innersten bewahren – euch, die ihr mit Jesus Christus verbunden seid." Zitat aus der Bibel - Philipper 4,6-7

Fabienne schreibt am 01.04.2019

Nun ja ich mache mir immer und überall über sehr vieles Sorgen. Mein Leben hat gerade eine 180 Grad Wendung hingelegt und nun weiß ich nicht wo genau mein Weg mich hinführt und davor habe ich wohl am meisten Angst vor dem unbekannten.Vielen Dank Mfg Fabienne

Rose schreibt am 08.03.2019

Danke für das Video und den hier abgedruckten Text. Ich mache mir oft grüblerische Sorgen, die andere betreffen....reicht das Geld, die Rente etc...der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich möchte aus diesem sinnlosen Gefängnis raus. Danke für Eure Tips

Kokobeh schreibt am 30.01.2019

Mein Mann klagt über Oberbauch und Rückenschmerzen und ich erfinde Sätze welche über der Todesanzeige stehen sollen, meine Tochter hat Probleme mit ihrem Freund, er ist krankhaft eifersüchtig, und ich sehe wie er sie mit Messerstichen tötet, meine kleine Tochter hat Depressionen und ich bin mit ihr unglücklich, weil ich nur glücklich sein kann wenn meine Familie es ist. Zwangsgedanken von Krankheit, Tod und Unglück sind zur Zeit 24 Stunden an der Tagesordnung. Ich weis nicht, wie ich sie los werden soll.

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