Gibt es ein Heilmittel gegen Unzufriedenheit?

Zufriedenheit und Unzufriedenheit entstehen durch die Einstellung zu uns und anderen. Im folgenden Beitrag erhalten Sie wertvolle Tipps und Hilfen zum Umgang mit Unzufriedenheit.

Gibt es ein Heilmittel gegen Unzufriedenheit?
© Mihai Surdu, unsplash.com

Wenn es doch nur so einfach wäre, Unzufriedenheit in Zufriedenheit zu verwandeln, indem man die Buchstaben "Un" weglässt.

Was sind die Ursachen für (ständige) Unzufriedenheit?

Die Ursachen liegen in uns selbst, in unseren Einstellungen. Wir haben in unserer Kindheit gelernt, unseren Blick mehr auf Fehler und Schwächen zu lenken.

Ein gängiges Erziehungsprinzip ist es wenig zu loben und viel zu kritisieren. Die Eltern vergleichen uns mit anderen Kindern, sich selbst mit Nachbarn und den Freunden. Unsere Gesellschaft orientiert sich stark am Leistungsprinzip. Erfolgreich ist und Anerkennung bekommt, wer gut und jugendlich aussieht, viele Freunde (real oder in sozialen Netzwerken) hat, viel leistet, erreicht und sich leisten kann.

Wir lernen nicht, uns so anzunehmen, wie wir sind und mit dem zufrieden zu sein, was wir haben. Ständig fühlen wir uns gedrängt, mehr zu leisten, mehr zu kaufen und zu besitzen, mehr aus uns zu machen. Das Motto lautet: besser, weiter, höher, schneller. Das führt zwangsläufig zu innerer Unzufriedenheit.

Warum fällt es leichter, Defizite zu erkennen, als Erfolge zu genießen?

Weil wir

  • gelernt haben, den Blick auf die Defizite zu lenken.
  • glauben, Eigenlob stinkt.
  • glauben, wenn man zufrieden ist, dann würde man sich nicht mehr anstrengen.
  • glauben, kein Lob verdient zu haben, und uns selbst ablehnen.
  • gelernt haben, uns mit anderen zu vergleichen, und es natürlich immer Menschen gibt, die in bestimmten Bereichen besser und erfolgreicher sind.
  • perfektionistische und extrem hohe Anforderungen an uns und das Leben stellen und deshalb nie etwas als Erfolg bewerten (Erst wenn ich alles zu 100 Prozent erreicht habe, habe ich Lob verdient.).

Wie mit dem zufrieden sein, was man hat?

Wir müssen unseren Blick und unsere Einstellungen ändern:

  • Unseren Blick auf unsere Stärken lenken: Was habe ich gut gemacht? Was kann ich gut? Womit kann ich zufrieden sein?
  • Uns darin trainieren, danach zu fragen, wofür wir dankbar sein können.
  • Uns klar machen, welche "Reichtümer" wir besitzen: denken, fühlen, lesen, hören, schmecken können; gesund sein, liebevollen Partner haben, usw.
  • Unzufriedenheit nicht als persönliches Versagen ansehen.
  • Uns weigern, uns ständig mit anderen zu vergleichen.
  • Eigene Wertmaßstäbe entwickeln, was UNS wichtig ist, statt fremde Anforderungen zu übernehmen.
  • Akzeptieren, dass Menschen, also auch wir, nicht perfekt sein können.
  • Uns loben, wenn wir etwas gut gemacht haben.
  • Unsere Definition von Misserfolg ändern, z.B. so: Misserfolg habe ich nur, wenn ich es gar nicht versuche.
  • Einen Fehler nur als einen Fehler sehen und uns deshalb nicht gleich als Versager fühlen.

Muss man für die Zufriedenheit seine Träume und Wünsche aufgeben?

Zufriedensein bedeutet nicht, keinen Ehrgeiz mehr zu haben, es nicht weiterbringen zu wollen, nichts mehr erreichen zu wollen. Wir können mit dem zufrieden sein, was wir haben und besitzen, und uns gleichzeitig für die Zukunft Ziele stecken.

Entscheidend ist die Motivation für unsere Ziele. Wenn wir uns Ziele stecken, weil es uns Spaß macht, etwas zu erschaffen und wir den Prozss des Erschaffens genießen, dann ist das o.k. Problematisch sind Ziele nur, wenn wir uns diese stecken, um andere zu beeindrucken, um es anderen Recht zu machen, um das Gefühl zu haben, "wer" zu sein.

Wo ist der Unterschied zwischen Dingen, über die man zu Recht unzufrieden ist und überzogenen Ansprüchen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Zunächst einmal muss man sich seine Werte bewusst machen:

Zerstöre deine Freude an dem, was du bereits besitzt, nicht dadurch, dass du nach Dingen verlangst, die du nicht hast. Aber erinnere dich daran, dass das, was du heute besitzt, einmal zu den Dingen gehörte, die du dir erhofft hast.
Epikur

Was ist für mich wichtig im Leben? Wie würde ich die Situation in 5 Jahren beurteilen? Wie würde ich es am Ende meines Lebens beurteilen, wenn ich das nicht gehabt hätte? Könnte ich das Bedürfnis, was ich jetzt nicht erfüllt habe, durch etwas anderes erfüllen?

Manchen hilft auch der Vergleich zu anderen Menschen, ein Gespräch mit Freunden. Man kann natürlich auch auf die fundamentale Frage zurückgehen: Bin ich wirklich in Lebensgefahr, wenn ich es nicht habe?

Wenn das, was man anstrebt, für uns sehr wichtig ist, dann können wir uns konkrete Schritte zu diesem Ziel überlegen. Dadurch vermeiden wir allzu große Unzufriedenheit.

Gibt es konkrete Tipps für die Bereiche Geld, Karriere, Partnerschaft, Freunde?

Nein, denn hierzu wäre es notwendig, die Werte jedes Einzelnen zu kennen. Das Problem der Unzufriedenheit sind unsere Einstellungen, nicht die Situationen und Bereiche. Wir glauben, etwas unbedingt zu benötigen. Erst dann - so glauben wir - können wir glücklich sein.

Beispielsweise: Erst wenn ich einen Partner habe, ein Kind habe, ein Haus besitze, meinen Traumjob habe, dann kann ich zufrieden sein. Eine solche Einstellung macht dauerhaft unglücklich und unzufrieden, da es immer etwas gibt, das wir gerne hätten. Wir leben in einem ständigen Mangel und fühlen uns minderwertig.

Ist Unzufriedenheit generell schlecht?

Nein. Wenn durch unsere Unzufriedenheit unser Ehrgeiz geweckt wird, dann kann Unzufriedenheit ein starker Motor sein, um mehr das zu sein oder zu erreichen, was wir sein oder haben wollen. Wenn wir die Energie der Unzufriedenheit nutzen, dann fällt es uns leichter, etwas zu verbessern und zu verändern.

Wichtig zu wissen: Unzufriedenheit wirkt sich nur dann negativ auf unser seelisches und körperliches Wohlbefinden aus, wenn wir ständig unzufrieden sind und mit nichts zufrieden sind.

Rezept für mehr Zufriedenheit (Täglich morgens und abends zubereiten und einnehmen):

  • Konzentriere dich auf das, was du besitzt, statt an das zu denken, was du nicht hast.
  • Schätze, was dir geblieben ist, statt an das zu denken, was du verloren hast.
  • Erinnere dich, was du gut gemacht hast, statt an deine Fehler zu denken.
  • Überlege, was du aus dir machen kannst, statt daran zu denken, wer du nicht bist.

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Marita schreibt am 23.02.2020

Ich bin 73 Jahre alt und habe im Laufe meines Lehrerdaseins gespürt,dass ich junge Menschen mit meiner Art sehr gut motivieren kann,indem ich sie ernst nehme und sie wert schätze .Deshalb bin ich sehr zufrieden mit meinem Tun als Lehrerin,auch noch heute. Mit dem Verhältnis zu meinen drei Töchtern bin ich eher unzufrieden,weil keine von ihnen unsere Nähe sucht.Sie leben ihr Leben,sind wervolle Menschen ,haben selbst Kinder,pflegen aber nicht unbedingt regelmäßige Kontakte zu uns.Ich bin damit unzufrieden.

Sabine schreibt am 03.12.2019

Ich sehe was ich habe und nicht was mir fehlt, von Zeit zu Zeit überrollt mich eine Welle der Dankbarkeit

sabine schreibt am 08.03.2019

Die Welt wird unzufriedener wollen alles das was reiche haben

Daniel schreibt am 12.12.2018

Es trifft zweifelsohne zu, daß Leistungsdenken Unzufriedenheit fördert, zumal wenn es derart auf das Wirtschaftliche reduziert wird, wie dies gegenwärtig in der westlichen Welt der Fall ist. Leider haben Ihre Ausführungen einen Haken: Solange sich jemand in einer solchen Gesellschaft aufhält, kann er dem nicht entkommen, also auch nicht der Unzufriedenheit. Bleibt die kritische Frage, warum die meisten Auswanderer in sogenannte Entwicklungsländer doch wieder in das Reich der Unzufriedenheit zurückkehren. Vielleicht ist ein Teil jener Ohnmacht, die zu akzeptieren zufrieden macht, eben auch regelmäßig wiederkehrende Unzufriedenheit, gegen die es kein Mittel gibt. Zugegeben paradox.

Betroffene von Unzufriedenheit (33) schreibt am 05.10.2018

Lieben Dank für den Artikel! Ich bin an einer Depression erkrankt und manchmal fängt der Tag nicht wie für viele gewöhnlich an. Die Worte haben meine Seele beruhigt, dass alles mit mir in Ordnung ist, und ich habe jetzt wieder das Gefühl bekommen, ich kann das beste aus meinem Tag machen.

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