Warum ist es wichtig, verzeihen und vergeben zu können?

Bitte verzeih mir

Kränkungen verzeihen und vergeben können ist wichtig für unser seelisches Wohlbefinden.

Warum das so ist und wie wir verzeihen lernen können, darum geht es in diesem Beitrag. Bild © styleuneed - Fotolia

, Psychotherapeutin

"Verzeih mir", unter diesem Titel flimmerte einige Zeit eine Show über den Bildschirm, die viel Kritik erntete, aber auch sehr viel Anklang bei den Zuschauern fand.

Offensichtlich fühlen sich viele Menschen befreit, wenn sie sehen, wie andere sich versöhnen.

Fast jeder Mensch hat irgendwo in seinem Innern ein paar "unerledigte Geschäfte".

In nahezu jedem von uns existiert eine schwarze Liste, in die wir Ereignisse eingetragen, die wir anderen oder uns nicht verzeihen können.

Solange wir diese Liste nur ab und zu aufschlagen und uns dann wieder dem aktuellen Tagesgeschehen zuwenden, ist nicht allzuviel dagegen einzuwenden.

Viele Menschen befassen sich jedoch tagtäglich mit dieser Liste. Sie rufen sich immer wieder in Erinnerung, was der andere getan hat und dass sie ihm dies nicht verzeihen können.

Sie quälen sich täglich damit, darüber zu grübeln: "Warum nur! Wie konnte er mir so etwas antun. Das kann ich ihm nicht vergeben." "So darf sie/er nicht mit mir umgehen."

Es können kleine Alltäglichkeiten sein, die wir nicht verzeihen können: Jemand hat unseren Geburtstag vergessen, sich nicht für unser Geschenk bedankt, uns nicht eingeladen oder uns nicht gegrüßt.

Unsere Gedanken können aber auch um ganz grundsätzliche Ereignisse kreisen: die lieblose Erziehung, die uns unsere Eltern angedeihen ließen, die Bevorzugung des Geschwisterchens oder die Aufteilung des Erbes.

Welche Folgen hat es, wenn wir nicht vergeben?

Wir beschäftigen uns in Gedanken damit, dem anderen Schuld zuzuweisen, ihm sein Verhalten nachzutragen.

Da jeder unserer Gedanken sich auf unseren Körper und unsere Gefühle auswirkt, bringen uns nachtragende Gedanken aus unserem inneren Gleichgewicht und können sogar Krankheiten verursachen.

Unser Körper kann mit Erschöpfung, Anspannung, Bluthochdruck, Kopf- oder Magenschmerzen, Schlafstörungen.

Wir fühlen Groll, Haß, Wut, Verbitterung, Verletzung, Enttäuschung, Ablehnung.

Wir verspüren möglicherweise den Wunsch, es dem anderen heimzuzahlen, uns zu rächen, ziehen uns von ihm oder von allen Menschen zurück.

Verzeihen ist die Tür zu innerem Frieden

2 Friedenstauben - Symbol Verzeihung & Frieden

Wann immer wir einem anderen grollen oder mit dem Schicksal hadern, bestrafen wir uns selbst.

Eine unangenehme Erfahrung, die bereits vorüber ist, erleben wir in der Phantasie dann aufs Neue.

Körper und deine Seele geraten aus dem Gleichgewicht.

Verzeihen wir dem anderen stattdessen und lassen los, fühlen wir uns frei und unbeschwert.

Durch das Abhaken fällt uns eine schwere Last von den Schultern. Deshalb: Make love, not war.

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Warum tun wir uns schwer, anderen zu verzeihen?

Wir sagen uns: "Sein Verhalten hat mich so stark getroffen. Das kann ich ihm nicht verzeihen!" Es ist eine Art Bestrafung, die wir damit bewirken wollen.

Wenn wir jedoch genauer hinschauen, trifft uns die Bestrafung selbst.

Wir finden keine Ruhe, haben schlaflose Nächte und sind angespannt. Wir vergiften und verpesten unser Leben durch den Groll und die Rachegedanken.

Der andere, den wir bestrafen wollen, weiß meist gar nichts davon.

Selbst wenn wir ihm aus dem Weg gehen und ihm dadurch unser Verletztsein zeigen, wird er meist lange nicht so be- und getroffen sein wie wir selbst.

Wenn du einem anderen Menschen vergibst, dann tust du dies deinetwegen und nicht, weil er es verdient.Doris Wolf

Wir beschäftigen uns damit, wie wir uns rächen, es ihm heimzahlen können.

Wir berauben uns damit unserer Energie, die wir für Schöneres einsetzen könnten.

Auch unser Stolz und der Glaube, unser Gesicht zu verlieren, stehen uns im Wege.

Die Angst, der andere könnte sich ermutigt fühlen, sein Verhalten zu wiederholen, ist ein weiteres Motiv, das uns vom Verzeihen und Vergeben abhält.

Oder kommt Ihnen der Gedanke vertraut vor: Verzeihen heißt gutzuheißen, wie er sich verhalten hat?

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8 Tipps, wie Sie verzeihen und vergeben lernen können

TIPP 1: Rufen Sie sich das Ereignis, das Sie nicht verzeihen können, in Erinnerung. Stellen Sie sich die Frage: "Was habe ich dazu beigetragen?"

TIPP 2: Versetzen Sie sich in den anderen hinein. Was könnte dazu geführt haben, dass er sich so verhalten hat?

Haben Sie vielleicht etwas in den falschen Hals bekommen, etwas falsch verstanden? Gut möglich. Findes Sie es heraus.

TIPP 3: Denken Sie daran, dass Verzeihen nichts mit Schwäche zu tun hat. Im Gegenteil, verzeihen ist ein Ausdruck von Stärke.

Sie vergeben in erster Linie für sich und Ihr seelisches Wohlbefinden.

Es schadet einem nicht,
wenn einem Unrecht geschieht;
man muss es nur vergessen
können.Konfuzius

TIPP 4: Sie müssen das Verhalten des anderen nicht gutheißen. Es ist in Ordnung zu sagen: Mir gefällt es nicht. Es hat mir wehgetan. Ich akzeptiere, dass er sich mir gegenüber so verhalten hat.

TIPP 5: Überprüfen Sie noch einmal, ob aus der heutigen Sicht dieses eine Verhalten alle anderen positiven Erfahrungen, die Sie mit diesem Menschen gemacht haben, in Frage stellt.

TIPP 6: Wenn Sie möchten, dann sprechen Sie diesem Menschen gegenüber, von dem Sie sich gekränkt fühlen, nochmals Ihre Gefühle aus oder schreiben ihm einen Brief.

Vielleicht genügt es Ihnen sogar, diesen Brief nur für sich zu schreiben - ohne ihn abzuschicken.

TIPP 7: Fragen Sie sich: Lohnt es sich, meine schlechten Gefühle tagelang mit mir herumzutragen, nur um recht zu behalten?

Vermutlich nicht, wenn Sie ehrlich sind.


Verzeihen.html

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TIPP 8: Nehmen Sie ein Bild dieses Menschen und sagen Sie: "Ich bin bereit, Dir zu vergeben".

Sie werden die ersten Male innerlich heftigen Widerstand verspüren, wenn Sie dies sagen.

Wenn Sie die Worte öfter wiederholen, werden Sie mit der Zeit das Gefühl der Vergebung spüren.

Gehen Sie diese 8 kleinen Schritte. Es lohnt sich, Sie können inneren Frieden finden.

Was hilft es Ihnen, stolz zu sein und recht zu behalten, wenn Ihr Körper und Ihre Seele leiden?

Wenn Sie vergeben und verzeihen, tun Sie in erster Linie sich selbst etwas Gutes.

Übrigens ...
Genauso wichtig ist es auch, Nachsicht mit seinen Fehlern und Schwächen zu haben und sich selbst seine Fehler verzeihen und vergeben zu können.

Sonst leiden wir unter Schuldgefühlen, die uns den Schlaf rauben und unser seelisches Wohlbefinden stören.

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Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, der Meditation, dem Jin Shin Jyutsu und dem Backen von Kuchen & Gebäck.

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  1. Leserkommentar Theseus schreibt am 20.11.2017

    Das Problem beim verzeihen ist, wenn man im Anschluß wieder Kontakt sucht, und man merkt es hat sich im Verhalten und der Art des anderen gar nichts verändert. Verzeihen beruht meiner Meinung nach auch darauf das der andere Mensch erkennt er hat was falsch gemacht und übernimmt die Verantwortung dafür. Solange der andere keine Reue zeigt, ist Verzeihen eine Einbahnstrasse und alte Wunden können immer wieder aufbrechen.

  2. Leserkommentar Helena schreibt am 19.11.2017

    Vergeben heißt nicht vergessen! Rache ist ein Gefühl, das durchaus negativ ist, aber es ist sehr legitim, dies auch zumindest in seinen Gedanken auszuleben. Das hilft mir und ich vergebe mir hier selbst auf diesem Weg. Aber vergessen werde ich nichts in meinem Leben. Und ohne Vergangenheit keine Zukunft. Denn wenn der andere das Vergeben als Freibrief empfindet, dann sollte man ihn lieber ziehen lassen und nicht in den Kreislauf des Vergebens hinein rutschen. Ich jedenfalls fahre gut, wenn ich nicht vergesse, was mein Partner getan hat, auch wenn ich ihn liebe. Für mein Leben, in dem ich mir eben nicht alles gefallen lasse, ist das sehr wichtig! Also bin nicht ganz der Meinung, dass Vergeben das Wichtigste im Leben ist, sondern m. E. ist es wichtiger, die Dinge, die mich zu diesen negativen Gefühlen gebracht haben, nicht zu vergessen, doch aber in eine unwichtigere Schublade zu stecken. Aber vergessen und abgehakt, ist damit nichts. Ich lebe damit gut und frei!

  3. Leserkommentar san schreibt am 10.11.2017

    Ja, weil ich dann meine Aengste verliere, denn Verletzung erzeugt bei mir instinktiv grosse Angst vor dem Machtmissbrauch dieser Person. Ich versuche, ihre Angst zu verstehen, denn Missbrauch kommt immer von eigener Angst. Der Kreislauf kann also nur gebrochen werden, indem man diese Aengste versteht und selber verlieren lernt. Wir sind alle Menschen, wir gehen alle auf's Klo... ;]

  4. Leserkommentar Sarina schreibt am 05.11.2017

    Danke für den Artikel - sehr hilfreiche Zusammenfassung und Impulse! Hab schon einiges wirklich Großes und kleinere Kränkungen in meinem Leben verzeihen können, was teilweise nur mit psychotherapeutischer Begleitung möglich war. Und mit dem Willen, im Reinen zu sein... irgendwann... und es fühlt sich sehr viel freier und erwachsener an, zu verzeihen! Dieser riesige Ballast oder Sack, den man sonst mit sich herumschleppt kostet so viel Lebenskraft! Das würde ich gern auch jemand wünschen, der mir etwas nicht verzeihen kann... Und ich denke auch, wer christlich orientiert ist, hat jede Unterstützung, sich vorzunehmen, Verzeihen zu üben. Wers nicht zu können glaubt, macht sich doch letztlich abhängig - das ist sicher nicht das, was nachtragende Menschen möchten! Sie stehen sich also buchstäblich selbst im Wege! Zu einigen "Beiträgen" weiter unten: Keiner zwingt Euch, etwas Psychologisches zu lesen, oder nach einem Rat zu handeln, also beklagt Euch nicht, wenn es Arbeit an Euch bedeutet... Beiträge sollten m.E. mitdenken, nicht über etwas herziehen oder sich verbal danebenbenehmen! Merci

  5. Leserkommentar birgit schreibt am 29.10.2017

    Danke Frau Dr. Wolf. Verzeihen - das heißt nicht dass man die Sache gutheißt - ist das wichtigste im Leben. Auch wie es im Vater unser Gebet heißt ...... und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..... Nochmals vielen Dank Frau Dr. Wolf.

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Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

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