Wenn Menschen ihre Schuld anderen zuschieben, spricht man von Blame-Shifting. In diesem ABC-Beitrag erfährst du, wie du damit umgehen kannst.
Hast du das auch schon einmal erlebt? Du möchtest jemanden wegen eines Fehlers oder eines Projekts, das danebengegangen ist, zur Rede stellen. Doch anstatt sich dafür zu entschuldigen, gibt die andere Person plötzlich dir eine Mitschuld oder gleich die ganze Schuld an dem Debakel. In dieser Situation fühlen sich die meisten Menschen im ersten Moment wie vor den Kopf gestoßen, ohnmächtig und wütend wegen der unverfrorenen Ungerechtigkeit. Nicht wenige werden dadurch aber auch verunsichert und beginnen tatsächlich nach eigenen Anteilen an dem misslungenen Ereignis zu suchen. Dabei hat sich dein Gegenüber einfach nur einer ebenso geschickten wie perfiden und manipulierenden Kommunikationstechnik bedient: dem Blame-Shifting, zu Deutsch Schuldumkehr, Schuldverschiebung oder auch Täter-Opfer-Umkehr.
Der Begriff kommt aus der Psychologie und beschreibt ein Verhalten, bei dem ein Mensch, der offensichtlich eine bestimmtes, in der Regel ungutes Ereignis verursacht hat, die eigene Schuld nicht nur von sich weist, sondern sie auf eine andere Person oder Gruppe überträgt und diese dafür teilweise oder ganz verantwortlich macht. Sein Ziel ist, sich selbst durch dieses Narrativ von der Schuld – meist auch von jeglicher Schuld – freizusprechen. Das Problem an dieser manipulierenden Kommunikationstechnik ist, dass die oder der Blame-Shifter die Schuldumkehr so überzeugend macht, dass ihr oder sein Gegenüber emotional überfahren und verunsichert wird und so zumindest seine Position geschwächt wird. Häufig nimmt die andere Person die Schuld zumindest teilweise an und das nutzt die oder der Blame-Shifter, um seine Behauptung Stück für Stück zu untermauern, bis die Person selbst oder ihr Umfeld von ihrer Schuld überzeugt ist.
Grundsätzlich ist ein starker Zusammenhang zwischen Narzissmus und Blame-Shifting festzustellen. Denn Narzistinnen und Narzissten müssen immer ohne Makel und vollkommen sein und neigen deshalb schnell dazu, die Schuld an andere abzugeben, wenn etwas danebengegangen ist.
Blame-Shifting wird aber auch ganz bewusst als Verhandlungstaktik oder Kommunikationstechnik in Konflikten genutzt, wenn eine Partei ihre Position unbedingt durchbringen möchte oder nicht riskieren kann, für eine negative Situation verantwortlich gemacht zu werden. Daher wird es auch häufig in der Politik oder in der Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Gruppen verwendet.
Weitere Ursachen von Blame Shifting sind:
Blame-Shifting kommt in allen Arten von menschlichen Beziehungen vor, besonders aber in Paarbeziehungen. Dabei ist es ein typisches Zeichen für Beziehungskrisen, in denen eine bzw. einer der beiden mit ihrem oder seinem Anteil der Schuld nicht klar kommt.
Ein klassisches Beispiel ist nach dem Fremdgehen der Vorwurf, die Partnerin oder der Partner hätte einen dazu "getrieben". Daneben kommt es oft bei allen Arten von zwischenmenschlichen Übertritten oder gar Verbrechen vor, letztlich weil die Täter:innen die Schwere ihrer Schuld nicht ertragen. In dem Zusammenhang spricht man auch von Täter-Opfer-Umkehr.
Blame-Shifting führt dazu, dass Konflikte zunehmen, weil sich die Menschen im Umfeld einer oder eines Blame-Shifters unwohl und unsicher fühlen und ständig auf der Hut sind, selbst Opfer einer ungerechtfertigten Schuldzuweisung zu werden. Das vermindert das Vertrauensverhältnis in der Gruppe oder im Team.
Wer um den Mechanismus und die Ursachen für Blame-Shifting weiß, tut sich leichter, es in der Realität zu erkennen. Und dennoch wirst auch du wahrscheinlich im ersten Moment vor den Kopf gestoßen sein, wenn du ungerechtfertigt einer Sache beschuldigt wirst. Nimm dir einen Moment Zeit, anstatt direkt zu reagieren und ordne für dich die Situation. Woher kommt die Anschuldigung? Was kann der eigentliche Grund dafür sein?
Wenn du erkannt hast, dass du gerade Opfer eines Blame-Shiftings geworden bist, dann sprich genau das an, anstatt dich gegen die Anschuldigung selbst zu rechtfertigen. Tue das am besten in Anwesenheit von anderen Menschen (wenn diese nicht schon im Vorfeld auf die Seite der oder des Blame-Shifters gezogen wurden). Konzentriere dich auf das Blame-Shifting selbst und erkläre, wie dieses Verhalten die Beziehung oder das Arbeitsumfeld beeinflusst und welche Auswirkungen es hat. So bleibst du am eigentlichen Thema und entlarvst die oder den Blame- Shifter. Das bringt die Person aus der Reserve und nimmt ihr oder ihm seine zurechtgelgten Argumente.
Du hast eine entscheidende Superkraft, die die oder der Blame-Shifter nicht hat: Du kannst mit Fehlern umgehen. Nimm diese Kraft, starte ein positives Gespräch darüber, wie der Fehler – egal, wer ihn verursacht hat –, korrigiert oder wiedergutgemacht werden kann. Beziehe dabei das Umfeld konstruktiv mit ein. Damit zeigst du deine Souveränität, nimmst auch das Umfeld mit in die Verantwortung und konzentrierst dich auf das, um das es eigentlich geht. So nimmst du der oder dem Blame-Shifter den Wind aus den Segeln und positionierst dich klar.
Lass nicht zu, dass das Blame-Shifting selbst ohne Konsequenzen bleibt. Es ist für alle wichtig, dass die oder der Blame-Shifter versteht, dass ihr oder sein Verhalten – egal, wie nachvollziehbar in seiner Situation – nicht annehmbar ist und sie oder er sich dafür verantworten muss. Das beginnt mit einer Entschuldigung.
Ja, es wird Situationen geben, da wirst du auch mit allen Hilfestellungen nicht gegen ein Blame-Shifting ankommen. Spätestens dann, aber auch grundsätzlich ist zu überlegen, die professionelle Hilfe einer Coachin, eines Therapeuten oder eines Mediators in Anspruch zu nehmen. Denn hinter dem Blame-Shifting liegen meist tiefere psychische Probleme und diese werden sich früher oder später eh offenbaren und negative Auswirkungen auf die Gruppe haben.
Blame-Shifting ist ein destruktives Verhalten. Wenn du es erkennst und ansprichst, kannst du dich selbst stärken und die Verantwortung des Umfelds etwa in einer besserem Umgang mit Fehlern fördern.
Denk daran: Die Verantwortung für Fehler oder Missgeschicke zu übernehmen, ist die Grundlage für vertrauens- und respektvolle Beziehungen.
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