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Angst, im Leben zu kurz zu kommen

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Wer ein Geschwisterchen hat, kann höchstwahrscheinlich ein Lied davon singen, was es bedeutet, Angst zu haben, zu kurz zu kommen.

Zu kurz zu kommen, verbinden wir mit Enttäuschung, Schmerz, Trauer, Kränkung, Neid und Wut.

Kein Mensch möchte gerne benachteiligt werden und zu kurz kommen. Deshalb entwickeln wir die Angst vor dem Zu-Kurz-Kommen.

Die Angst, zu kurz zu kommen, beinhaltet immer einen Vergleich mit einem anderen Menschen. An ihm, unserem Geschwisterchen, Kollegen, Angehörigen, Partner oder Kind messen wir uns und befürchten, schlechter gestellt zu werden.

Die Angst kann dazu führen, dass wir sorgfältig darüber wachen, nicht zu kurz zu kommen.

Wir rufen lieber vorsorglich einmal mehr „Halt, wo bleibe ich?“, als abzuwarten und nicht beachtet zu werden.

Dabei vergessen wir leicht, dass es auch noch andere gibt, die etwas vom Kuchen abbekommen möchten, sind rücksichtslos und überheblich.

Bekommen wir nicht, was wir als unseren gerechten Anteil ansehen, wehren wir uns lautstark und energisch, beschweren wir uns wegen der brüllenden Ungerechtigkeit.

Oder wir beobachten sehr aufmerksam, was andere haben oder bekommen, getrauen uns aber nicht, unseren Anteil einzufordern.

Deshalb bleiben wir mit Enttäuschung und Verbitterung zurück. Dann können wir nur noch auf indirektem Wege versuchen, die Gerechtigkeit wieder herzustellen, indem wir intrigieren, den anderen verleumden oder uns in irgendeiner anderen Form rächen.

Auch körperlich kann sich die Angst, zu kurz zu kommen, bemerkbar machen.

Wir sind beispielsweise sehr angespannt, haben Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen oder sind gereizt.

Kommen wir zu der Schlussfolgerung, dass wir glauben, im Leben generell zu kurz zu kommen, können wir in Depressionen verfallen und an Selbstmord denken.

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Wodurch die Angst, zu kurz zu kommen, entsteht

Die Angst, zu kurz zu kommen, entsteht gewöhnlich in unserer Kindheit. An ihrem Beginn stehen unsere Bedürfnisse nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und Betreuung.

Um zu überleben, sind wir auf die Fürsorge unserer Eltern oder anderer Bezugspersonen angewiesen. Wir sind so angelegt, dass wir uns von unserer Umwelt nehmen, was wir für unser Leben brauchen und bekommen können. 

Schwierig wird es, wenn zwei Menschen gleichzeitig auf dieselben Dinge zugreifen wollen.

So müssen wir nach der Geburt eines jüngeren Geschwisterchens z.B. die Zuwendung der Eltern teilen und meist bekommt der neue Erdenbürger mehr Aufmerksamkeit als wir.

Wir fühlen uns allein gelassen, unwichtig, nicht ernst genommen und nicht mehr liebenswert.

Wir entwickeln entweder die Einstellung: „Ich bin ein Nichts. Ich habe kein Recht. Ich bin weniger wert.“, oder die Einstellung: „Das ist unfair. Ich bin genauso wichtig. Ich werde es euch beweisen. Ich werde darum kämpfen.“

Selbst wenn unsere Eltern sich besonders anstrengen, uns zu erklären, dass wir jetzt der Große sind und sie stolz auf unsere Unabhängigkeit sind, können wir uns abgewertet, hilflos und unterlegen fühlen.

Manche Kinder entwickeln sich an diesem Punkt sogar wieder zurück, nässen wieder ein oder sprechen nicht mehr, um wieder mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Andere ziehen durch Aggressionen, nachlassenden Schulleistungen oder kleinen Diebstählen die Aufmerksamkeit auf sich.

Wieder andere Kinder buhlen um die Zuwendung, indem sie besonders angepasst und brav sind.

Die Angst, zu kurz zukommen, kann natürlich auch in anderen Situationen entstehen, z.B. wenn ein Elternteil krank ist und der andere Elternteil sich besonders intensiv um ihn kümmert oder wenn nach einer Trennung eine Stieffamilie entsteht und Stiefgeschwister dazu kommen.

Haben wir einmal die Einstellung entwickelt, dass für uns die Gefahr besteht, zu kurz zu kommen, werden wir auch als Erwachsene an diesem Punkt verwundbar sein, und uns schneller hintan gestellt fühlen, als es vielleicht in Wirklichkeit der Fall ist.

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Wie die Angst, zu kurz zu kommen, überwinden

Die Angst, zu kurz zu kommen, entsteht in unserem Kopf. Gedanken wie „Bestimmt komme ich zu kurz. Das könnte ich nicht ertragen“ verursachen unsere Angst. 

Da wir uns in unseren Gedanken irren und eine Gefahr sehen können, wo in Wirklichkeit keine ist, müssen wir unsere Gedanken überprüfen.

Besteht wirklich die Gefahr, benachteiligt zu werden, können wir überlegen, wie wichtig uns die Gerechtigkeit in dieser Situation ist, wie notwendig wir das brauchen, was dort vergeben wird, und auf welchem Wege wir es bekommen können.

Als Erwachsene haben wir immer auch die Möglichkeit, Forderungen aufzugeben. Vieles von dem, was wir glauben, zu benötigen, brauchen wir nicht wirklich.

Unser Selbstwertgefühl hängt von uns ab und nicht von dem, was wir bekommen oder nicht bekommen.

Entscheiden wir, loszulassen, sind wir nicht mehr in der Opferrolle.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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Diplom Psychologin, Speyer

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