Menschenkenntnis hilft uns, anderen ohne Vorurteile und Bewertungen zu begegnen und sie nicht in Schubladen zu stecken. Doch ist Menschenkenntnis nicht angeboren, sondern wir müssen sie immer wieder aktiv trainieren.
Gute und strapazierbare Beziehungen zu anderen Menschen sind eine wichtige Grundlage für unsere Zufriedenheit und unseren Erfolg. Wir alle brauchen sie. Unsere Menschenkenntnis hilft uns dabei zu entscheiden, mit wem wir in Beziehungen gehen, auf wen wir uns verlassen können und wen wir eher meiden sollten. Doch Menschenkenntnis ist nicht angeboren und abhängig von unseren persönlichen Erfahrungen. Daher ist es ratsam, sie zu prüfen, zu trainieren und zu entwickeln.
Die Fähigkeit, andere einzuschätzen, lernen wir schon als Babys – ab dem ersten Kontakt mit unseren Eltern. Dabei machen wir in aller Regel erst einmal die Erfahrung, dass wir jemandem vertrauen können, der sich um uns kümmert. Denn wir erfahren Nähe, Zuwendung und körperliche und emotionale Wärme. Bald verfeinern wir unsere Wahrnehmung, indem wir auf Gesten und Mimik achten. Und wir fangen an, diese zu interpretieren, indem wir unterscheiden, wann unsere Eltern uns wohlwollend begegnen und wann eher genervt. Wir lernen diese Menschen immer besser kennen, merken uns unsere Erfahrungen mit ihnen, übertragen sie auf Begegnungen mit neuen Menschen, merken uns auch diese Erfahrungen, gleichen sie mit vorangegangen ab, ziehen Schlüsse, übertragen diese auf neue Begegnungen und formen so in einem langen Prozess unsere Menschenkenntnis.
Unsere Menschenkenntnis baut also nicht auf Intuition oder Talent, wie viele behaupten, sondern auf unsere Beobachtungsgabe, unsere Neugier und unser Interesse sowie auf unsere Bereitschaft, unsere eigenen Handlungen zu reflektieren. Zu welchen Ergebnissen wir dabei kommen, ob wir überwiegend positive Erfahrungen machen oder enttäuscht werden, zeigt sich besonders im Erwachsenenleben. Dann wird offenbar, ob wir mit der Einschätzung anderer richtig liegen, ob unsere Menschenkenntnis uns stärkt und schützt oder uns zu Fehleinschätzungen führt und uns verwundbar macht für körperliche oder seelische Angriffe von anderen.
Auch an diesem Punkt wird Menschenkenntnis oftmals falsch eingeschätzt. Denn – wie jede Fähigkeit – ist sie niemals fertig, sondern lässt sich immer wieder neu erlernen und weiterentwickeln. Voraussetzung dafür ist Mut und Offenheit – anderen gegenüber, aber auch gegenüber uns selbst.
Wer über eine gute Menschenkenntnis verfügt,
Hast du eine gute Menschenkenntnis? Fällt es dir leicht, andere einzuschätzen? Wenn du diese Fragen mit einem Ja beantwortest, bist du auf der Seite der meisten Menschen. Denn die Fähigkeit, anhand des ersten Eindrucks den Charakter, die Absichten und das zukünftige Verhalten anderer Menschen korrekt interpretieren und beurteilen zu können, schreiben sich viele von uns zu. Nur wenige geben zu, sich in anderen getäuscht zu haben oder sich schwer zu tun, andere zu einzuschätzen. Leider liegen viele von denen, die sich für Menschenkennerinnen und Menschenkenner halten, falsch. Grund dafür ist, dass die Einschätzung einer anderen Person hoch komplex ist und viel Raum bereithält für unbewusste Wahrnehmungsfehler.
So sehen sich Menschen in ihren Handlungen und Denkweisen gern bestätigt. Das gibt ihnen Sicherheit und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Daher suchen sie nach dem ersten Bild, das sie sich von anderen gemacht haben, nach Hinweisen und Gründen, die sie darin bekräftigen, und blenden Widersprüche, ob positiv oder negativ, aus. Auch neigen Menschen dazu, ihre Meinung über andere im Nachhinein an die Wirklichkeit anzupassen, nach dem Motto: "Ich hab ja gleich gewusst, dass der so oder so ist!" Das hat aber nichts mit ihrer Menschenkenntnis zu tun, sondern ist nur ein Versuch zu verschleiern, dass sie mit ihrer Vorhersage eventuell falsch lagen. Und schließlich blenden Menschen bei der Beurteilung von anderen gern äußere Umstände aus und beziehen alles auf deren Eigenschaften und Denkweisen. Damit machen sie sie für Dinge verantwortlich, mit denen sie vielleicht gar nichts zu tun haben, und verschließen ihren Blick auf die ganze Persönlichkeit.
Kurzum: Unsere Menschenkenntnis ist anfällig dafür, von unseren Gefühlen und Gedanken beeinflusst, ja sogar fehlgeleitet zu werden. Umso mehr sollten wir sie unser ganzes Leben lang aktiv trainieren. So gelingt es uns, Veränderungen an Menschen zu entdecken, denen wir in unterschiedlichen Situationen oder zu verschiedenen Zeiten begegnen. Entwickeln wir unsere Menschenkenntnis bewusst und aktiv weiter, dann hilft sie uns in der Auseinandersetzung mit anderen. Denn dann kennen wir die Motive unseres Gegenübers und können sein Verhalten vorausahnen. So können wir Konflikte vermeiden und Kompromisse finden und werden seltener betrogen oder enttäuscht.
Unser Lebensglück hängt in großem Maß vom zwischenmenschlichen Verstehen und Verstandenwerden ab. Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis sind dafür essenzielle Werkzeuge unseres Geistes. Wir sollten sie einsetzen, dann helfen wir, unser Leben, aber auch die Welt Stück für Stück besser zu machen.
Egal ob beim Joggen im Park, in der Mittagspause oder an der Supermarktkasse – schau dir die Menschen um dich herum an und überlege dir, wie sie auf ihre Mitmenschen in der jeweiligen Situation reagieren werden. Beobachte dann, was geschieht. Verwehre dir dabei Gedanken wie: "Hab ich doch gewusst, dass …", sondern nimm nur wahr, was du siehst.
Andere gut einschätzen zu können, beginnt damit, sich selbst zu kennen. Denn du bist der Ausgangspunkt für deine Wahrnehmung von anderen und deine Erlebnisse mit ihnen. Beobachte daher auch dich selbst in Verbindung mit anderen in unterschiedlichen Alltagssituationen. Wie reagierst und handelst du anderen gegenüber? Was veranlasst dich dazu? Was treibt dich an, was hält dich ab? Welche Wünsche und Ziele, Schwächen und Stärken liegen dahinter? Kannst du dich mit deinem Verhalten überraschen? So wirst du dir bewusst, wie du auf andere wirkst.
Ertappst du dich dabei, an deinem ersten Eindruck von anderen festzuhängen und sie in Schubladen zu schieben? Schlussfolgerst du beispielsweise, dass eine andere Person nur positive Eigenschaften hat und erfolgreich ist, weil du sie sympathisch findest oder dass sie ihre Probleme sicher selbst verursacht hat? Sei an dieser Stelle ehrlich zu dir und bringe deine Gedanken zu Papier. Notiere sie über einen längeren Zeitraum hinweg in einem Notiz- oder Tagebuch und lies sie dir immer wieder selbst vor. Das hilft dir, deine Gedanken und dein Verhalten von einer neutraleren Perspektive aus zu sehen und zu bewerten.
Erlebnisse, die wir mit anderen Menschen teilen, sind in unserer Erinnerung gespeichert. Oftmals verblassen mit der Zeit die tatsächlichen Handlungen und Äußerungen, die damit verbundenen Empfindungen aber bleiben erhalten. So können wir uns daran erinnern, dass wir jemanden sympathisch oder nervig fanden, wissen aber nicht mehr genau, warum. Und wer weiß, ob unsere Gefühle richtig lagen? Da hilft es, ganz bewusst einen Neustart zu wagen und der Person wieder zu begegnen, als sei es das erste Mal. Und dann gilt es, uns und diesen Menschen im gegenwärtigen Moment zu beobachten – ohne Rückschlüsse auf früher. Was geschieht jetzt? Welche Gefühle entstehen jetzt?
Menschenkenntnis will gelernt, entwickelt und verfeinert werden. Verfügst du über eine gute Menschenkenntnis, kannst du dein eigenes Verhalten und das der anderen Person besser verstehen und einschätzen. Das schützt dich nicht nur und verschafft dir einen Vorteil, es lässt dich auch gemeinsam mit diesem Menschen wachsen.
Viele Menschen haben Angst vor Nähe. Einerseits sehnen sie sich nach Liebe, andererseits belastet sie persönlicher Kontakt, zwischenmenschliche Offenheit und Intimität. Warum ist das so? Dieser Lebenshilfe-ABC-Beitrag klärt auf.
Dieser ABC-Beitrag zeigt dir die verschiedenen Beziehungsformen. Es gibt die Liebesbeziehung, die Eltern-Kind-Beziehung, die Freundschaftsbeziehung oder die Geschäftsbeziehung.
In diesem Beitrag aus der Reihe "Erfahrungen aus der Praxis" zeigt Gert Kowarowsky, wie es gelingt, ein ganz klares und für uns stimmiges Ja oder Nein zu äußern, und was wir dadurch für uns gewinnen.
Lust auf mehr positive Impulse und Inspirationen in Beiträgen, Podcasts, Videos? Dann bestelle unseren kostenlosen redaktionellen PAL-Newsletter.
PAL steht für praktisch anwendbare Lebenshilfe aus der Hand erfahrener Psychotherapeuten und Coaches. Der Verlag ist spezialisiert auf psychologische Ratgebertexte für psychische Probleme und Krisensituationen, aber auch auf aufbauende Denkanstöße und Inspirationen für ein erfülltes Leben. Alle Ratschläge und Tipps werden auf der Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie, der Gesprächstherapie sowie des systemischen Coachings entwickelt. Mehr zu unserer Arbeit und Methodik hier
PAL Verlagsgesellschaft GmbH
Rilkestr. 10, 80686 München
Tel. für Bestellungen: +49 89/ 901 800 68
Tel. Verlag: +49 89/379 139 48
(Montag–Freitag, 9–13 Uhr)
E-Mail: info@palverlag.de
psychotipps.com
partnerschaft-beziehung.de
lebensfreude-app.de
Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht, dann berichte davon und hilf so auch anderen auf dem Weg in ein zufriedenes Leben. Bitte beachte dabei unsere PAL- Nettiquette, die sich an der allgemeinen Internet-Nettiquette orientiert: Alle Inhalte, auch Kommentare und Beiträge von Leserinnen und Lesern, sollten in respektvollem und wertschätzendem Ton verfasst sein und dem Zweck dienen, andere weiterzubringen. Wir lehnen es ab, dass Menschen vorsätzlich verbal verletzt sowie Falschaussagen oder versteckte Werbungen verbreitet werden. Deshalb werden wir dahingehende Beiträge streichen.